Sinkende Nachfrage im Inland: Einnahmen aus Umsatzsteuer gehen zurück

Die Umsatzsteuer entwickelt sich überraschend schlecht. Im Oktober war der Steueranstieg nur noch halb so hoch wie im Vormonat. Der Grund: Die Deutschen haben Angst vor der Krise und kaufen weniger.

Trotz des anstehenden Weihnachtsgeschäftes erwarten Ökonomen einen weiteren Rückgang der Umsatzsteuereinnahmen. „Wir werden im vierten Quartal einen deutlich schwächeren Zuwachs sehen”, sagte Wirtschaftsexperte Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Bereits im Oktober hat sich der Anstieg der Steuereinnahmen auf 2,5 Prozent reduziert. Im September war er mit 5,4 Prozent noch mehr als doppelt so hoch, wie das Bundesfinanzministerium berichtet.

Sämtliche Indikatoren stützen diese Prognose: die Binnennachfrage ist rückläufig, die Industrie hat mit Auftragseinbußen zu kämpfen und der Dienstleistungssektor muss mit einem Dämpfer rechnen. Die deutschen Autobauer haben ihre Produktion ebenfalls zurückgefahren.

„Im Winterhalbjahr dürfte es zu einer temporären Konjunkturdelle kommen”, heißt es im Bericht des Finanzministeriums. Das Wirtschaftswachstum für das dritte Quartal beträgt nur noch 0,2 Prozent. Einem Bericht von Reuters zufolge ist es daher wahrscheinlich, dass Deutschland mit einem Minus in das letzte Quartal für dieses Jahr startet.

Der Rückgang des Wachstums bei den Umsatzsteuern irritiert die Experten im Finanzministerium. Eigentlich erwarten sie für das Jahr 2012 Rekordeinnahmen in Höhe von 602,4 Milliarden Euro. Bund und Länder allein hatten in den ersten zehn Monaten 441 Milliarden Euro in den Kassen. Im kommenden Jahr sollen die Gesamteinnahmen auf 618 Milliarden Euro steigen, 2017 sollen knapp 707 Milliarden Euro erreicht werden.

Die Steigerungen werden vor allem durch die höheren Lohnsteuereinnahmen erzielt. Sollte die Konjunktur aber anders verlaufen als die Planungen aus dem Haus Schäuble, dann könnte sich schon bald zeigen: Die Krise wirkt sich auch auf das Konsumverhalten der Deutschen aus – und wie bei staatlichen Planung recht häufig der Fall könnte auch der erhoffte Steuersegen ein Wunschtraum für den immer noch schuldengeplagten Bundeshaushalt bleiben.

Kommentare

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  1. akü sagt:

    Schachtschneider: Zeit zum Widerstand

    Das Festhalten am Euro führt zur Aufhebung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Brüssel will den Groß-Staat mit allen Mitteln durchsetzen. Am Ende steht die Diktatur der Kommissare ähnlich wie in der Sowjetunion. Es ist deshalb Zeit zum Widerstand – sagt Prof. Albrecht Schachtschneider.

    Interview sehr sehenswert;

    http://www.mmnews.de/index.php/politik/11374-schachtschneider-zeit-zum-widerstand

  2. Stefan Wehmeier sagt:

    „Die Deutschen haben Angst vor der Krise und kaufen weniger.“

    Das erscheint zunächst als ein negativer Ausblick, der jedoch positiv zu werten ist, denn erst wenn der allgemeine Glaube an das (noch) bestehende, kapitalistische System endgültig verloren geht, besteht überhaupt die Chance für einen Neuanfang! Allerdings muss die Phase des bevorstehenden globalen Zusammenbruchs konstruktiv genutzt werden. Ist die Weltwirtschaft erst einmal vollständig zusammengebrochen, wird der Schaden irreversibel:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/01/2012.html

    • ein zeitzeuge sagt:

      „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“

      Henry Ford

  3. Zaldure sagt:

    Unsere Wirtschaftsweisen haben sich verschätzt, welch ein Wunder 😉

    Die Schätzung kann man sich folgendermaßen vorstellen:
    Einer der Wirtschaftsweisen trägt eine Augenbinden und fleht den Gott des Geldes an, seine Hand zu leiten. Dann malt er eine immer nach oben führende Linie auf ein Papier auf, die Steuereinnahmelinie. Weil diese Hand vom Gott des Geldes geführt wurde, können die Politiker selbstverständlich auch diese Summe ausgeben.

    Zaldure

  4. DK_Jule sagt:

    Dann kommt bestimmt pünktlich zu Weihnachten die neue Abwrackprämie für die Kühlschränke der Sozialhilfeempfänger.

    ma gucken, was danach als nächstes abgewrackt wird.

  5. Saila sagt:

    Wer hätte das gedacht und vor allem – wer hätte das vor dem Weihnachtsgeschäft gedacht!! Also – wie diese Nachricht vermittelt – Geld ausgeben, den die Wirtschaft brauch das deutsche ersparte!! Weil wiederum die Wirtschaft selbst auf den Weltmärkten wohl keinen großen Umsatz mehr machen kann!