Deutsche Exporteure suchen nach Ersatz-Märkten

In den ersten neun Monaten fielen die Ausfuhren deutscher Produkte nach Italien und Spanien um jeweils mehr als zehn Prozent. Die deutschen Unternehmen setzen vermehrt auf Schwellenländer wie China.

Die Schuldenkrise führt kontinuierlich zu einem Rückgang deutscher Exporte in die Euro-Länder, so das Statistische Bundesamt. In den ersten neun Monaten sind diese auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gefallen: auf 37,6 Prozent. 2011 lag der Anteil noch bei 39,7 Prozent und vor Beginn der Schuldenkrise bei 42,8 Prozent.

Die Rezession in großen Teilen der Eurozone führt noch immer zu einer sinkenden Nachfrage nach deutschen Produkten. Die Exporte sind regelrecht eingebrochen. Die Ausfuhren nach Spanien sanken in den vergangenen neun Monaten um elf Prozent und nach Italien um mehr als zehn Prozent. Aus diesem Grund konzentrieren sich die deutschen Unternehmen nach und nach weiter auf große Schwellenländer wie China, was sie jedoch anfällig für die dortige, nur langsam sich erholende Wirtschaft macht.

Schon 2015 könnte der Anteil der deutschen Exporte in die Euro-Länder auf unter 35 Prozent fallen, schätzt die Deutsche Industrie und Handelskammer (DIHK). Es werde schon allein deshalb für die Euro-Zone „sehr schwierig werden, Anteile zurückzugewinnen, weil die großen Schwellenländer so schnell wachsen”, sagte Ilja Nothnagel von der DIHK zu Reuters. Zwischen 2007 und 2011 hat sich der Export beispielsweise nach China auf 6,1 Prozent verdoppelt. Besonders für die deutsche Autoindustrie sei China der DIHK zufolge bereits der wichtigste Absatzmarkt (VW will bis 2015 zehn Milliarden Euro in China investieren – hier).

Kommentare

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  1. Dietmar Fürste sagt:

    Dabei wird wohl auch der Schuldensaldo der Empfängerländer in der TARGET II Bilanz eine Rolle spielen. Zu verschenken haben auch die Export-Weltmeister nichts.

    • Tacheles sagt:

      Leider hat Deutschland schon so viel an die „Eurozonenfreunde“ verschenkt.

      Bis Ende des Jahres wird sich der Target2 Saldo auf rund 800.000 Millionen Euro summieren.

      Dafür müssen uns die Südländer aber ziemlich lange Tomaten und Olivenöl liefern, um das ab zu bezahlen!

  2. Hoppe007 sagt:

    Wann werden wir endlich unsere Ausrichtung auf den Exportmarkt abbauen?

    Im Binnenmarkt haben wir einen riesigen Nachholbedarf. Auf den müssen wir uns konzentrieren.
    Mit höheren Einkommen müssen wir die Massenkaufkraft stärken. Umsätze und Steueraufkommen würden steigen.
    Die Wettbewerbsfähigkeit würde sinken und wir kämen endlich zu einer ausgeglichenen Handelsbilanz. Das käme unseren südlichen Nachbarn sehr zugute.

    • AmBodenDerRealität sagt:

      Nun ist es leider ein Märchen, vom steigenden Binnenkonsum zu träumen, der unseren südlichen Nachbarn zugute käme. Dazu müssten unsere Nachbarn Produkte anfertigen, die vom Konsumenten gekauft werden. Da hat der Süden leider nichts zu bieten (es sei, eine Gesetzesvorschrift würde beispielsweise dt. Häuslebauer verpflichten, die Häuser aus Oliven zu errichten). Andererseits ist der Markt in D weitestgehend gesättigt, sieht man von künstlichen Bedürfnissen nach dem neusten Smartphone und ähnlichem Tingeltangel ab. Es fehlt in D das (technische), bahnbrechende Produkt, so wie Autos, Fernseher, Computer und Handies. Die Industrie hat nicht neues zu bieten, nur Weiterentwicklungen. In einer demographisch alternden Gesellschaft verfehlen diese Produkte zunehmend auch noch ihre Kaufanreize, besonders dann, wenn durch eine zunehmend verarmte Rentnerschaft (Inflation, Rentenniveau) eine politisch gewollte Rumänisierung des Landes angestrebt wird. Da hilft werder ein höherer Lohn noch ein Mindestlohn. Dies dient nur dazu, das (inoffizielle) Inflationsniveau von 7-8% auf Güter des täglichen Bedarfes noch höher zu schrauben. Letztendlich kann sich der durch Lohnerhöhungen bedachte immer weniger für sein Geld kaufen. Und zu guter Letzt: Wenn (Ihrem Wunsch nach) die Wettbewerbsfähigkeit sinkt, dann besteht gut die Chance, dass Sie Ihren Job verlieren und die Einkommenschere sich weiter öffnet, nämlich die gut bezahlten in Lohn und Brot stehenden Wenigen gegenüber den vielen Transferentpfängern. Also keine so gute Idee.

      • DK_Jule sagt:

        der Markt in DE ist nicht gesättigt. Eine unausgeglichene Einkommens- und Vermögensverteilung führt nur dazu, dass bei vielen keine Anschaffungen mehr geleistet werden können. Es gibt ständig Ersatz- und Neubeschaffungsbedüfnisse.

        Mein einer Onkel hat eine Metallbaufirma. Der ist auf Aufträge vor allem im Inland angewiesen. Auch in DE gibt es Bedürfnisse, es ist eine große Volkswirtschaft mit 81 Mio. Menschen. Wenn bei jüngeren Nachfrage sinkt, gibt es genug Ältere, die andere Bedürfnisse haben, aber bei denen Investitionen lohnen. Konsum und Investition müssen zusammengedacht werden — DE hat lange Unterinvestition gehabt, z.B. die geringste Bauquote in Europa auch bei MFH.

        steigende Löhne betreffen in DE vor allem DL-Sektoren. Es würde Exportfirmen kaum treffen, die zahlen meist gut, es könnte aber zu mehr Nachfrage im Inland führen und mehr Kaufkraft. Evtl. macht dann auch ein Geringverdiener mal Urlaub = gut für Freizeitindustrie und Freizeitparks etc.

        in den anderen Industrieländern sind überall die Löhne stärker gestiegen!!! In Dänemark um 19%, in Australien um 22% — in DE sind die gesunken. Das geht so nicht. Die anderen sorgen auch für ausgewogenere Lohnbilanzen.

        es geht nicht um immer weitere Neuheiten, sondern um Investitionen in Infrastruktur, altengerechtes Wohnen, um Umorganisation. Und natürlich auch um Konsum, nur das sich die Muster ändern.

        viele Firmen in DE leben vom Binnenmarkt. Egal ob Handwerk, Baufirmen, Handel, etc. Es geht nicht nur um Binnenkonsum damit andere EU-Länder hier absetzen können, sondenr auch darum, dass unsere Infrastruktur nicht vergammelt, darum dass Handwerker Aufträge haben, darum dass das Land nicht verkommt.

        in den USA vergammelt die Infrastruktur wegen dem Steuersenkundungswahn. Wir wollen sowas hier nicht.

        und alte Menschen haben auch Bedürfnisse, vor allem weil die Alten von morgen nicht mehr wie die von heute sein werden, sondern moderner, anders eben. Sie sind schon jetzt konsumfreudiger und reisefreudiger als noch in den 1970er Jahren.

        und es entsteht ständig Neues: Internet, Telemedizin, Netzausbau…..

        mit dem Punkt der Rentnerveramrung haben Sie Recht: langfristig wird das Schaden zufügen. Länder mit armer Bevölkerung werden tendenziell insgesamt weniger Wohlhabend. Man muss in der Breite Kaufkraft erhalten und der Staat muss so ausfinanziert sein, dass er eben teilweise die Nachfrage generiert. Das war aber schon immer so! Das passiert auch jetzt ständig – über Subventionen, Sozialkassen, Bildungsinvestitionen etc.

      • DK_Jule sagt:

        ich seh die Lohnnerhöhungen der Einen eher als eine Art Umverteilung. Auch wenn diese teilweise eingepreist werden, so zahlen dann eben die besserverdienenden Leute ein wenig mehr, der Mehrlohn kommt dann aber den anderen zugute. Nicht alle Produkte werden gleichzeitig teurer, sondern immer nur einige.

        außerdem haben in DE sowieso ständig steigende Preise – wir haben allein bei Energie und Wohnen auch eine Kostenexplosion. Es ist aber fatal, wenn diese ausgerechnet auf stagnierende oder sinkende Reallöhne trifft. Dann bekommen diese Leute erst Recht Probleme, etwas noch zu finanzieren.

        deshalb steigen ja auch in DE die Privatinsolvenzen immer weiter an. Die Lohnentwicklung reicht ja nicht mal zur Deckung der Kostensteigerungen bei Energie, Benzin und Mieten. Diese werden teilweise durch den Staat auch noch zusätzlich in die Höhe getrieben.

        DE kann seine Volkswirtschaft aber auch nicht einfrieren bei der Lohnentwicklung. Eine so große Volkswirtschaft hat – im Gegensatz zu kleinen Volkswirtschaften – genug Möglichkeiten auch im Binnenmarkt zu wachsen. Frankreich macht es auch so. Lange Zeit war das Wachstum dort auch höher als in DE, auch in der Agenda2010-Zeit.

      • DK_Jule sagt:

        und eines muss ich noch in aller Deutlichkeit sagen:

        DE hat den gesamten Niedriglohnsektor zum großen Teil auf dem Rücken der Frauen ausgebaut. Heute sind mehr Frauen erwerbstätig und das zum großen Teil zu total miserablen Löhnen. Die Differenzen zwischen DL und Gewerbe sind in DE viel größer als in Frankreich, weil in FR die Lohnlücke zwischen DL und Gewerbe nicht so groß ist.

        DE lebt also auf Kosten seiner Frauen, treibt diese in Lohnarmut und Altersarmut und sorgt so für mehr Kinderarmut.

        Das geht so nicht! Ich kann nicht den Niedriglohnsektor auf Kosten von Frauen ausbauen und die in die Armut treiben.

        das muss dringend korrigiert werden. Es betrifft bestimmte Branchen wo Mindestlöhne hineinmüssen oder Tarifstandards wieder hergestellt werden müssen. Außerdem muss mehr in Weiterbildung/Umschulung investiert werden.

        die niedrige Geburtenrate kommt auch daher, dass das Armutsrisiko für diese Bevölkerungsgruppe zu groß ist.

        in Ländern wie Skandinavien sind Mehrkindfamilien v.a. dort, wo Frauen im öffentl. Sektor arbeiten in Teilzeit. DE sollte seine Öffentl. Dienste ausbauen in Bereichen wie Pflege, Bildung, Erziehung…. der Anteil der Beschäftigten dort solllte ansteigen — DE hat da extremen Nachholbedarf.

        prozentual vom BIP stagnieren in DE auch die Sozialausgaben bei ca. 30% — für Pflege und solche Dinge müssen die Löhne angehoben werden, auch damit es attraktiver wird. Viele aus dem Niedriglohnsektor kann man dann noch umschulen.

        in SH kommt nur 1 Schulpsychologe auf 14 000 Schüler, in Finnland hat jede Schule einen eigenen. DE soll mit am wenigsten Schulpsychologen in Westeuropa haben.

  3. Andy sagt:

    Der Anteil wird bald auf unter 35% sinken. Dennoch werden die Politruks der EUdSSR nicht aufhören zu predigen, daß ohne Euro der deutsche Export zusammenbräche.
    Die Dummen glauben es…