Rentenexperte: Inflation könnte Kaufkraft der Rentner gefährden

Das Bundeskabinett hat den Rentenbericht verabschiedet, der leichte Rentensteigerungen für die kommenden Jahre ankündigt. Doch allein die Inflation mache die neuen Erhöhungen schon zunichte, sagt der Rentenexperte Bernd Raffelhüschen.

Am Mittwoch verabschiedete das Bundeskabinett den neuen Rentenbericht, demzufolge die Bezüge bis zum Jahr 2026 um rund 36 Prozent ansteigen. Dies entspricht einer jährlichen Steigerung um 2,2 Prozent. Dass Reuters dies als „eine deutliche Erhöhung der Altersgelder“ bezeichnet, ist „absoluter Unfug“, sagte Rentenexperte Bernd Raffelhüschen den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die angekündigten Erhöhungen seien mitnichten „deutlich“. Sie halten noch nicht einmal mit der Inflation Schritt. Daher werde es zu realen Kaufkraftverlusten für Rentner kommen.

In den kommenden vier Jahren werden die Bezüge im Osten Deutschlands um 11 Prozent, im Westen hingegen nur um 8,3 Prozent steigen. Die genaue Höhe der Rentenanpassung wird jedoch erst im Frühjahr endgültig festgelegt, wenn die Zahlen zur Entwicklung der Bruttolöhne vorliegen. In diesem Jahr wurden die Renten um 2,3 Prozent im Osten und um 2,2 Prozent im Westen erhöht. Im letzten Jahr lag die Durchschnittsrente bei 977 Euro.

Bei der derzeitigen, positiven Darstellung der angekündigten Rentenerhöhungen sei „die Vernunft gänzlich abhandengekommen“, kritisiert Bernd Raffelhüschen, Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge der Universität Freiburg. Zu sehr konzentriere man sich auf das Renteneintrittsalter. Von viel größerer Bedeutung sei der Nachhaltigkeitsfaktor, der 2004 in die Rentenanpassungsformel integriert wurde. Er trägt der Tatsache Rechnung, dass es künftig mehr Rentner auf weniger Verdiener geben wird. Die Renten könnten also nicht in gleichem Maße erhöht werden wie die Bruttolöhne. Es sei denn, ein sehr großer Teil des Bruttolohns wird zur Rentenfinanzierung herangezogen, dies würden die Arbeitnehmer allerdings nicht akzeptieren. Der Nachhaltigkeitsfaktor macht somit „die Alten arm“, so Raffelhüschen.

Einen Untergang des Euro erwartet Bernd Raffelhüschen nicht. Entsprechende Äußerungen hält er für „Humbug“. Doch wenn es zum Euro-Crash käme, dann würden kapitalgedeckte Rentenversicherungen wertlos. Das hat die deutsche Geschichte im letzten Jahrhundert zweimal gezeigt. Die über Umlagen finanzierte Rente hingegen würde neu geregelt und somit weiter fließen. In Zukunft werde die Rente nur eine „Basisversorgung“ sein, mahnt Raffelhüschen.

Kommentare

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  1. bate sagt:

    Rentenexperte Raffelhüschen.

    Was ist falsch an dieser Hypothese?!

  2. Einsiedler sagt:

    …alle Imperien fallen irgendwann…Da sind die lieben, nichtsnützigen, zu nichts zu gebrauchenden Senioren nur Ballast, endlich wieder ausgeglichene Haushalte zu
    generieren. Jeder 5.Klässler, der 1 + 1 zusammenzählen kann weiss, ohne „Wachstum“ keine ädequaten Rentenerhöungen. Jahrgang 64, meine Wenigkeit, braucht keine
    „Generationsverträge“…Autonom und autark leben, meine Devise Herr R…
    Und die „gefühlte“ I…ist bei 10 +% good-good bye „Sozialstaat-Bild-Einheitsbrei“.
    See ya in next life…You „Zusammenkleisterer“ von alt und jung.

    Und die Vergeimschaftung der europäischen Schulden wird eher eintreten (ist eingetreten), als Sie sich Ihre „Locken“ schneiden lassen!

  3. DK_Jule sagt:

    —Die Renten könnten also nicht in gleichem Maße erhöht werden wie die Bruttolöhne. Es sei denn, ein sehr großer Teil des Bruttolohns wird zur Rentenfinanzierung herangezogen, dies würden die Arbeitnehmer allerdings nicht akzeptieren—–

    sprach der Versicherungsvertreter.

    Was er aber nicht erwähnt: Beim Riester soll der Arbeitnehmer ja 4% selbst allein dazuzahlen, um sein Rentenniveau stabil zu halten – also zahlt er ja schon fast 15% , der Arbeitgeber ca. 10%.

    er zahlt damit schon mehr von seinem Brutto für ne Rente.

    Solche Typen wie Raffelhüschen sind es ja, die daraus mit Absicht eine „Minirente“ gemacht haben.

    DE hat für viele mit niedrigen Verdiensten das geringste Rentenniveau der OECD-Länder.

  4. Winston sagt:

    Schon interessant das die Äusserung von Binsenweisheiten und Allgemeinplätzen, die zum grundsätzlichen Allgemeinwissen zählen einen Expertenstatus rechtfertigen. Daraus müsste man schliessen dass entweder jeder 3. in Deutschland sich Experte schimpfen darf sofern er 2+2 zusammenzählen kann, oder die Allgemeinbildung ist in den letzten 20 Jahren so dramatisch gesunken, dass man heutzutage solche Offensichtlichkeiten als Expertise verkaufen kann.

  5. Michael H sagt:

    Rentner können sich noch was erlauben?

    Die meisten Rentner die ich sehe, gehen Flaschensammeln! Neuer Volkssport!

  6. Dietmar Fürste sagt:

    Dass es „…künftig mehr Rentner auf weniger Verdiener….“ gibt, wird seit Jahren monoton wiederholt und diente auch zur Begründung der genannten Nachhaltigkeitsformel, mit der künftige Renten systematisch gesenkt werden. Zur Begründung wird aber nur auf modellhafte theoretische Hochrechnungen verwiesen.

    Ob diese Begründung stichhaltig und durch die aktuelle Bevölkerungsstatistik beweisbar ist, oder ob sie der Absicht zu verdanken ist, der Versicherungswirtschaft neue Kunden für die private Vorsorge zuzuführen, ist zumindest umstritten.

    Mit der gegenwärtigen, offiziellen Statistik und der dort ausgewiesenen Altersgruppierung, (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Tabellen/AltersgruppenFamilienstand.html;jsessionid=BBB7DE78D376DF11DD31593BE48FDA4F.cae3) lässt sich die vorgenommene Demografie-Korrektur bei der Rente jedenfalls nicht beweisen. Erst recht nicht, wenn man sich klar macht, dass hierzulande seit 1972 die Sterberate durchgehend höher liegt, als die Geburtenrate und dass dabei naturgemäß vor allem Ältere sterben.

    Daran ändert sich auch nichts, wenn es heute Menschen gibt, die ein höheres Lebensalter erreichen, als früher. Entscheidend ist die Teilhabe der Rentner der GRV am erarbeiteten BIP. Und die sinkt ganz offensichtlich und das ist gewollt, weil man das Wegbrechen der Einnahmen in den Sozialkassen kompensieren muss, das ganz andere Ursachen hat, als zu viele Alte!

  7. hugin sagt:

    Jeder Mensch weiss, dass die Renten ständig gekürzt und entwertet werden.
    1.) Erhöhung unter der Inflationsrate
    2.) Null-Runde
    3.) Bestehende und kommende Abzüge (Rentensicherungsbeitag…..)
    4.) Inflation, welche von der Statistik geschönt wird
    Die Rentner sind die größte Wählergruppe und noch nicht ihrer politischen Macht bewusst ! Lassen wir uns von den Lügen, Drohungen und leeren Versprechungen nicht mehr einschüchtern und wählen wir diese Politgauklwer ab !

  8. lesrfuchs sagt:

    Unfassbar! Nachdem mittlerweile schon jeder Dödel diesen „Experten“ kennt, taucht der jetzt auch hier auf… Link DMN eben gelöscht!!!

  9. Clasine sagt:

    Hallo, Herr Raffelhüschen, was erzählen Sie denn da ? Das ist doch alles nichts Neues.
    Natürlich werden die Renten immer wertloser. Wo wäre eigentlich dieser Staat o h n e die heutigen Renter ? WO ?????

    Es wäre doch wirklich mal eine gute Sache, Intelligentes von allen diesen „Fachleuten“ zu hören, als immer wieder das dumme Gequatsche. Und dafür bekommen diese Schwätzer auch noch jede Menge Euros …oder ?

  10. fan sagt:

    Herr Raffelhüschen, hätte nicht gedacht, dass Sie zu einer solchen hoch-wissenschaftlichen Aussage fähig sind, dass Inflation Einfluss auf den Wert und die Kaufkraft der Renten haben könnte.

    Jeder Nicht-Professor, Doktor und sonstige Normal-Bürger weiß das fast seit seiner ersten Schul-Klasse, und meine Oma hat mir das schon erzählt, da war ich, glaube ich, gerade mal 6 Jahre alt.

    Die deutschen Professoren sind entweder etwas in die Jahre gekommen oder können die Realitäten nicht mehr richtig einordnen – armes Deutschland. Gehören Sie, Herr Raffelhüschen, nicht auch zu irgendwelchen Beratern für unsere so tolle Regierung..?

    Wissen Sie denn auch, was eine Brutto- und eine Netto-Rente ist..? Ist die nun ohne oder mit Inflation – schwere Frage, nicht wahr..?

    • Clasine sagt:

      @fan. Ich glaube, dieser Staat produziert einfach viel zu viele Akademiker. Vielleicht hat der bayerische WiMinister doch Recht mit seiner Meinung, in Bayern die Studiengelder n i c h t abzuschaffen. Wenn alle diese Akademiker nur Unsinn produzieren, wozu sollen die denn studieren ? Was wir brauchen, sind Menschen mit normalen Menschenverstand. Und Leute, die das normale Einmaleins beherrschen oder, wie sagt man, das kaufmännische Rechnen beherrschen. Alles andere ist überflüssig.

      • fan sagt:

        @ Clasine,

        BRAVO, der klare Durchblick… !

        Und was diese Leute alles für Pöstchen haben und sind dann auch noch „Regierungs- und andere Berater“ – und so sieht dann auch die Politik aus..!