Deutsche sollen mehr konsumieren, damit Europa in Schwung kommt

Währungskommissar Olli Rehn fordert eine Stärkung der Binnennachfrage in Deutschland. Zwar lobt er die Ausgaben des deutschen Staates für Bildung und Forschung, aber nun solle die Bundesregierung noch die „Löhne zum Ansteigen ermutigen“.

Europa müsse den Sparkurs durchhalten, schrieb Währungskommissar Olli Rehn in der FT. Zwar durchlebten „wir magere Zeiten“, doch gebe es „Licht am Ende des Tunnels“, so Rehn zur derzeitigen Krise. Die Zinsen für italienische Staatsanleihen beispielsweise waren gerade so niedrig wie 2010 nicht mehr, schreibt Rehn. Dies sei auf die Politik des italienischen Premiers Mario Monti zurückzuführen, die auf eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit und geordnete Staatsfinanzen abziele. Die Marktreaktionen auf Montis Rücktritt zeigten jedoch die Notwendigkeit, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen.

Die bereits erreichten Fortschritte, etwa bei der Wettbewerbsfähigkeit, seien auch auf wichtige Struktur-Entscheidungen auf der EU-Ebene zurückzuführen, so Rehn. Das Vertrauen sei zurückgekehrt, die Ängste vor einem Zerfall des Euro widerlegt. Strukturreformen müssten allerdings „sowohl in den Gläubiger- als auch in den Schuldner-Ländern“ stattfinden.

Die EU-Kommission habe gefordert, dass die Länder mit einem Exportüberschuss Reformen zur Ankurbelung der Binnennachfrage auf den Weg bringen. Die deutsche Wirtschaft erzielte auch im Oktober massive Exportüberschüsse. Deutschland könne die Binnennachfrage stärken, indem es die „Löhne zum Ansteigen ermutige“, erinnert Rehn an eine Empfehlung der Kommission. Die von der Kommission geforderten Ausgaben des deutschen Staates für Bildung und Forschung lobt er ausdrücklich als „wachstumsfreundlich“.

Die Eurozone sei eine „große offene Wirtschaft“, die Handel mit der ganzen Welt betreibe, was eine Steuerung der EU-Wirtschaft erschwere, bedauert Rehn. Wenn man etwa die Exportüberschüsse im Norden reduziere, führe dies im Süden nicht automatisch zu mehr Exporten. Wenn man die Binnennachfrage in Deutschland um ein ganzes Prozent erhöhe, würde das die Handelsbilanzen Spaniens, Portugals und Griechenland um 0,05 Prozent verbessern. Das allein reiche jedoch nicht, gesteht der Währungskommissar. Um die Krise zu überwinden, müssten „wir“ in den Mitgliedsstaaten dennoch auch den Reformweg weitergehen und in der Eurozone die Integration vorantreiben, fordert Rehn.

Kommentare

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  1. homo_sapiens sagt:

    Die Deutschen sollen mehr konsumieren, sagt der Währungskommissar Olli Rehn.
    Dazu sollen sie die Löhne erhöhen.

    Der Kommentar von Hans-Peter Malter enthält hierzu die richtige Entgegnung.

    Warum aber empfiehlt Rehn nicht den Franzosen ihren Käse, den Italienern ihre Nudeln, den Griechen ihre Oliven, den Portugiesen ihren Portwein, den Spaniern ihren Sherry, den Iren ihre Butter

    BILLIGER ZU MACHEN?

    Dann könnten die Deutschen direkt von den PFIIGS mehr importieren und bekämen für ihre Target-Salden was Veritables zurück.

    Diesen Vorschlag überläßt Rehn lieber Hans-Werner Sinn. Den Sigmar Gabriel dafür aber in

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1936439/

    übelst beschimpft. Vielleicht, weil Gabriel befürchtet, durch diese lukullischen Produkte zur Vergrößerung seiner Übergewichtigkeit verführt zu werden?

  2. dickbrettbohrer sagt:

    Mehr konsumieren, das heißt mehr arbeiten: nur bei der Arbeit fallen die Brocken für unsere Parasitenelite ab. Die Brösel kriegen dann die Arbeitssklaven.
    “Konsumiere!” Das hört sich freundlicher an als “Arbeite!” Im Ergebnis aber ist dasselbe gemeint.
    Da waren die Bolschewisten ehrlicher. Die haben die Leute wenigstens gleich in den Gulag geschickt.

  3. syssifus sagt:

    Geht denn auch mal was ohne die Deutschen ?

  4. bate sagt:

    Herr Rehn,
    wovon sollen die Leute denn konsumieren, von den 20% Nettoreallohnsenkung der letzten 10/15 Jahre???

    > http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-07/geringverdiener-arbeitsmarkt-niedriglohn

    Der Binnenmarkt ist zugunsten der Luftnummer Export zerstört worden, durch die Raffgier der Unternehmen und Aktionäre und des Pseudostaates BRD mit all seinen staatenlosen Deutschen.

    Ich mache also einen dicken Haufen auf Ihre Appelle! Lasst mir mehr von MEINEM erarbeiteten Geld, Ihr Wegelagerer und Plünderer!

  5. Hans-Peter Malter sagt:

    EU-Kommission fordert nichts anderes als Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands durch höhere Löhne. Deutschland steht aber nicht im Wettbewerb mit Spanien oder Frankreich, sondern mit China u USA. Die werden sich freuen. In Europa wird es dann auch Deutschland schlechter gehen, ohne daß es bei den anderen besser wird. Was haben wir für tolle Freunde!
    Die Löhne in DE werden natürlich steigen und zwar im unproduktiven Bereich nämlich beim Staat. Dort sind die Jobs ja auch unterbezahlt u dazu noch unsicher.
    Dabei ist die Forderung nach Stärkung der Binnennachfrage gar nicht so dumm. Das müßte nur durch Steuersenkungen geschehen, die unmöglich sind, weil DE das Geld braucht, um bald auch noch Frankreich zu retten. Durch Löhne wird nur die Inflation gesteigert. Für die Dummen sieht das aus wie mehr Kaufkraft. Aber der Bürger wird schon lange für dumm verkauft

    • Zentralschwabe sagt:

      „Deutschland steht aber nicht im Wettbewerb mit Spanien oder Frankreich, sondern mit China u USA“.

      Deutschland steht wirklich nicht mehr im Wettbewerb mit Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Irland oder Frankreich. Nein, diese Länder wurden in den letzten 14 Jahren dank Agenda 2010 und ausufernden Niedriglohnsektor niederkorumpiert.

      Als nächstes müssen wir nur noch die 315 Mio. US-Amerikaner, die 1,3 Mrd. Chinesen und die 1.2 Mrd. Inder mit Lohndrückerei niderkorumpieren, denn nur so bleiben wir Exportweltmeister.