Wegen Kritik an Mercedes-Bank: Mittelständler unter Druck

Der brandenburgische Automobilbetrieb Weilbacher hat jahrelang zu viel Zinsen an die Mercedes Benz-Bank gezahlt. Als der Mittelständler sein Geld wiederhaben will, kündigt Daimler, der Mutterkonzern der Bank, die Verträge mit Weilbacher. Auch ein Gerichtsurteil kann den Rachefeldzug der Stuttgarter nicht stoppen.

Die brandenburgische Automobilgesellschaft Weilbacher kämpft ums Überleben. Der Grund: Das Unternehmen führt seit mehreren Jahren eine erbitterte gerichtliche Auseinandersetzungen mit dem Daimler-Konzern. Eigentlich haben Weilbacher und Daimler lange gut zusammengearbeitet. So gut, dass der Mittelständler sogar die Mercedes-Benz Bank in Anspruch nahm. Mit ihr begannen jedoch die Probleme.

Bei einer Überprüfung der Zinsberechnungen fanden die Controller von Weilbacher heraus, dass die zum Daimler-Konzern gehörende Bank den Brandenburgern zu hohe Zinsen berechnete. Weilbacher beauftragte Ralph Brendel vom Finanzgutachter Zinspruef, die Unstimmigkeiten zu überprüfen. Und tatsächlich: Die Bank habe mit zu hohen Zinssätzen gerechnet, was sich über die Jahre auf sechsstellige Eurobeträge addiert habe, sagt Brendel den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die Falschabrechnungen sind von der Mercedes-Benz Bank zum Teil eingeräumt worden.

Update (Freitag, 14.12., 17:20 Uhr): Der Daimler-Konzern bestreitet, jemals Falschabrechnungen eingeräumt zu haben und teilt den Deutschen Wirtschafts nachrichten mit: „Wir bestreiten, dass die Mercedes-Benz Bank überhöhte Zinsen in Rechnung gestellt hat. Unsere Zinsen für die Finanzierung der Händlerbestände sind und waren immer attraktiv, wettbewerbsfähig und in angemessener Weise am Markt ausgerichtet. Die Mercedes-Benz Bank hat in einem von Weilbacher angestrengten Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart wegen angeblich zu hoch berechneter Zinsen gewonnen. Das Urteil ist rechtskräftig.“ (Ende Update)

Falsche Berechnungen bei Zinsen sind ein beliebtes Mittel vieler Banken, um unauffällig gute Profite auf Kosten der Kunden einzufahren. Oft rechnen die Unternehmen nicht nach, weil es sich meist um kleine Beträge handelt. Und viele Unternehmen wollen es sich mit der Bank nicht verscherzen – schon gar nicht, wenn diese einem wichtigen Geschäftspartner gehört. Weilbacher sah das anders, forderte sein Geld zurück und hoffte, dass der Fall damit erledigt sei.

Wer nun erwartet hätte, dass die Bank das auch so sah, sich entschuldigt und eine gütliche Lösung sucht, irrte sich. Der Mutterkonzern Daimler fand es gar nicht lustig, dass sich jemand wehrt, wenn er über den Tisch gzogen wurde. Daimler ging zum Gegenangriff über und drohte unter anderem damit, das Unternehmen nicht mehr mit den überlebensnotwendigen Original-Teilen zu beliefern. Das Landgericht Stuttgart untersagte Daimler den Rachefeldzug. Doch auch von einem Gerichtsurteil zeigte sich Daimler wenig beeindruckt: Am 1. Dezember widersetzte sich die Daimler AG der Entscheidung des Landgerichts Stuttgart und stellte die Lieferung von Ersatzteilen an Weilbacher ein. Der Konzern kündigte zugleich an, keine Bestellungen mehr von diesem Unternehmen anzunehmen.

Nun droht das Stuttgarter Landgericht dem Automobilkonzern mittels einstweiliger Verfügung, Ordnungsgelder in Höhe von 250.000 Euro zu vollstrecken, falls Daimler die vertraglich zugesicherte Belieferung von Weilbacher nicht umgehend fortsetze. Die Einstellung der Belieferung würde das Unternehmen „existentiell gefährden“, so die Begründung des Gerichts.

Zu seinem ungewöhnlich harten Vorgehen gegen den Vertragspartner will sich der Daimler-Konzern mit Hinweis auf laufende Gerichtsverfahren nicht äußern. Zur Einstweiligen Verfügung sagte ein Sprecher den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Selbstverständlich werden wir dem Beschluss des Landgerichts Stuttgart im aktuellen einstweiligen Verfügungsverfahren Rechnung tragen“. Dennoch habe er Rechtsmittel gegen die Gerichtsentscheidung eingelegt. „Wir sind von der Rechtmäßigkeit unserer Kündigungen überzeugt“, so Daimler.

Weilbacher hat mittlerweile den Handel mit Neuwagen der Marke Mercedes-Benz eingestellt und konzentriert sich voll auf den Werkstattbetrieb. Dazu ist allerdings eine weitere Belieferung mit Originalteilen unersetzlich. Weilbacher beschäftigt an vier Standorten mehr als 130 Mitarbeiter. Sollte der Konflikt mit Daimler nicht entschärft werden können, bleibt dem Unternehmen nur die Pleite – oder der Verkauf an einen Betreiber, der mit Daimler zu den Konditionen des Weltkonzerns arbeitet.

Kommentare

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  1. shootinggirl sagt:

    http://www.juergengraesslin.com/Abgewirtschaftet_buch.pdf
    s. 168ff.

    Das wäre nicht die erste mittelständische Firma, die vom Daimler konzern ruiniert wurde.

    Aber der Konzern runiert sich selbst ja auch.Ich Freage mich, ob all die dubiosen
    Firmenkäufe diverser Vorstandvorsitzender auf deren eigenem Mist wuchsen,oder ob diese von Hauptaktionären u.a. auch zu diesem Zwecke berufen wurden.

  2. Valentin Stein sagt:

    Wie so oft, geht es hier wieder um „David gegen Goliath“.

    Was mir immer wieder auffällt ist die Anonymität der Verursacher (Goliath) und hier liegt wirklich ein Problem vor. Wer ist Daimler-Benz, ist das ein Gott, ein Mysterium?

    Nein, noch besteht Daimler-Benz aus Menschen und diese sollte man konkret benennen.

    Daher sollte hier nicht stehen:

    Zur Einstweiligen Verfügung sagte ein Sprecher den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: ….

    Hier sollte stehen wie der Sprecher heißt, Anonymität ist hier völlig deplaziert. Da will man sich nur verstecken, denn das ist das, was diese Herrschaften gar nicht möchten: mit ihrem Namen für irgendwas zu stehen. Also jeder Akteur hat Namen und Anschrift.
    Und diese sollten jederzeit benannt werden, jedenfalls der Name zumindest.

    Das sollte generell für eine ordentliche Berichterstattung immer gelten und daher möchte ich hier die Redaktion von deutsche-mittelstands-nachrichten.de (die im übrigen hier immer einen sehr guten Job macht) bitten, immer Roß und Reiter zu nennen.

  3. Einweckglas sagt:

    David gegen Goliath. Ich wünsche dem Unternehmen Weilbacher viel Erfolg bei deren kampf gegen den Mercedes-Konzern und deren Bankern mit manifesten Dyskalkulie!
    Sollte sich gerausstellen, dass Weilbacher Recht hat und der Mercedes-Konzern somit in unrecht, werde ich persönlich diese Geschichte als Anlass nehmen und Mercedes als Marke meinem persönlichem Unfeld madig machen. Also liebe Redaktion. Über ein Update würde ich mich sehr freuen!

  4. Kurt Grünzweil sagt:

    Solch ein erpresserisches Racheverhalten gegenüber Kunden kann nur nach hinten losgehen. Mercedes steht ja für „Verlässlichkeit“. Nun, in der Praxis signalisieren sie was anderes.

  5. Bankkunde sagt:

    Wer jetzt sagt: Oh Gott, oh Gott, der sollte erstmal überprüfen, ob es ihm selbst nicht genauso geht. Daimler und andere Banken können sich nur deshalb so verhalten, weil 9999 von 10.000 Kunden still halten, sich diesen Betrug gefallen lassen oder es aus Gutgläubigkeit (oder ist es Ignoranz) heraus nicht merken (wollen).
    Nachrechnen ist nicht nur für den Bankkunden besser, sonder für alle. Denn wer kann denn schon in einem System Geschäfte machen, dass auf Betrug fußt.
    Also ist Nachrechnen angesagt. Wie?
    http://korrekte-konten.de

  6. Gregor Lichtenberger sagt:

    Ja, ja, eine der üblichen Opfergeschichten, die die Medien immer wieder gerne auftischen.

    Der Täter muß einen bekannten Namen haben und das Opfer klein und unbedeutend sein. Und gaaaanz wichtig, man muß noch gefährdete Arbeitsplätze ins Gespräch bringen.

    Hat der anonyme Verfasser dieser Rührgeschichte einen Blick ind die Akten des Verfahrens geworfen, zumindets einen Blick in den Vertrag zwischen Opfer und Täter? So wie es aussieht nicht, denn darauf wird kein Bezug genommen. Warum eigentlich? Könnten diese Infos die Geschichte zum Wanken bringen? Oder hätte das ein Maß an Arbeit mit sich gebracht, das man nicht erbringen wollte um eine sauber recherchierte Geschicht zu haben? Oder hat der juristische Sachverstand nicht ausgereicht?

    Wenn schon kurz erwähnt wird, daß Mercedes des Vertrag mit W. gekündigt hat, dann bin ich mir sicher, daß diese Kündigung begründet wurde. Und sei es mit dem Hinweis auf irgendwelche Verstöße oder weil der Vertrag eben auch eine Kündigung vorsieht. Und, warum wird die Begründung nicht genannt?

    Tja, so fällt es mir verdammt schwer, Mitleid für das Opfer zu empfinden. Im Gegenteil, es kommt Ärger hoch, wenn ich sehe, wie versucht wird, die Leser mit einer schlecht recherchierten Geschichte zu behelligen. Es ist ärgerlich zu sehen, welche geringschätzige Meinung der Verfasser von seinen Lesern hat.

  7. tafelgourmet sagt:

    Ein weiterer Grund deutsche Autos zu boykottieren!

    Ich habe mich vom Passat zum Dacia verändert.

    Eine Gute Wahl!

    • Vogel sagt:

      Ich habe mich zu den Japanern verabschiedet.

      Aber ein richtiges Made in Japan Fahrzeug. Da zahle ich gerne die 10% Einfuhrzoll (eingepreist vom Hersteller natürlich) in die EU.