Investor: Weltwirtschaft droht die Deflation

Der Anleihen-Experte Jeff Grundlach erwartet für 2013, dass die Preise vieler Anlageformen massive einbrechen werden. Sobald die Zentralbanken aufhören, die Märkte durch massives Gelddrucken zu stützen, werde es eine weltweite Deflation geben.

Politische Entscheidungen haben heute großen Einfluss auf die Entwicklung der Märkte. „Andauernd ändern sich die Regeln“, sagt der Anleihen-Experte Grundlach. Als Investor sei man „vollkommen abhängig von den Reaktion der Politiker, Planwirtschaftler und Zentralbanker“, die versuchten die Wirtschaft irgendwie zusammenzuhalten. Sie wollten mit allen Mitteln verhindern, dass die Wirtschaft eine „reinigende Rezession“ durchmacht. Langfristiges, solides Investieren sei auf dieser Basis nicht mehr möglich. Deshalb spekulierten viele Investoren auf kurzfristige Gewinne. Doch um dies tun können, müsse man Insider sein, warnt Grundlach.

Die Marktmanipulationen durch Politik und Zentralbanken seien in den letzten Jahren so radikal gewesen wie nie zuvor, sagte Grundlach. Und dennoch hätten die Eingriffe der US-Zentralbank von Mal zu Mal eine immer geringere Wirkung gezeigt. Langsam setze sich nun die Erkenntnis durch, dass man so nicht weiter machen könne. Daher erwartet Grundlach für 2013 eine Veränderung der US-Fiskalpolitik. Und auch in anderen Teilen der Welt, etwa in Europa, könne man nicht weitermachen wie bisher.

Im kommenden Jahr, spätestens jedoch 2014, müsse man als Folge der sich ändernden Fiskalpolitik mit deutlich niedrigeren Preisen bei vielen Anlageformen rechnen, die ja lediglich durch die lockere Geldpolitik gestützt worden seien, zum Beispiel beim S&P 500. Zum Beispiel die Aktien von Bauunternehmen seien derzeit erstaunlich hoch bewertet, zum Teil höher als in den Jahren 2004 und 2005, meint Grundlach. Auch die Preise für große Banken wie Fargo und J.P. Morgan seien aktuell sehr hoch, und sie könnten abstürzen, wie es auch in Vergangenheit passiert sei.

Für den Augenblick kann Grundlach keine Anzeichen einer Schuldenblase erkennen. Die Zentralbanken der Welt hätten die Zinsen für Staatsanleihen auf fast null Prozent gedrückt, was diese Papiere für Investoren nicht sonderlich attraktiv gemacht hat. Erst wenn es „Brüche in der Schuldenqualität“ gebe, würden Staatsanleihen und andere Schuldpapiere deutlich an Wert verlieren. Doch das werde erst nach 2013 passieren. Und bis dahin seien Bargeld und risikoärmere Anleihen, auch wenn sie keinen größeren Ertrag abwerfen, wenigstens ein sicherer Hafen, meint Grundlach. Auch Investitionen in US-Staatsanleihen hält er noch für relativ verlässlich. Dieser Punkt ist unter Investoren allerdings umstritten. China etwa hat in den letzten zwei Jahren seine Bestände an US-Staatsanleihen deutlich zurückgefahren.

Kommentare

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  1. Martin Hark sagt:

    Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich jüngst mit demselben Thema beschäftig. Es stellte sich mir die Frage ob eine hohe Inflation (Hyperinflation) oder eine Deflation schlimmer ist. Betrachtet man die Inflation, so wird man schnell feststellen, dass ein gewisses Maß für die Wirtschaft gesund ist. Steigt diese jedoch über eine gewisse Höhe (Hyperinflation) so ist sie immens bedrohlich. In einer gesunden Wirtschaft wird es immer Konjunkturzyklen geben. Je nach Zyklus herrscht entweder eine Inflation oder Deflation vor. Erst der Eingriff seitens der Staaten / Zentralbanken mithilfe der Geldpolitik führt zum ausufern beider Seiten. Die Ursache für eine hohe Inflation (Hyperinflation) wird immer in der Geldpolitik gelegt. Eine normale und gesunde Deflationsphase (Wirtschaftsabschwung) wird in der Regel nicht zugelassen. Die Zentralbanken versuchen diese Phase mit der Geldpolitik zu umgehen. Die daraus resultierende expansive Geldpolitik stellt die Grundlage für eine Hyperinflation dar. Einer sehr hohen Inflationsphase geht somit meist eine Deflationsphase voraus, auch wenn diese durch die expansive Geldpolitik oftmals nicht zu sehen ist. Ob eine jetzt Deflationsphase oder eine hohe Inflationsphase schlimmer ist, kann meiner Meinung nicht eindeutig beantwortet werden. Bei einer Hyperinflation kann ein Neustart (in der Regel ein Währungsneustart) schneller vonstattengehen. Die Auswirkungen finden hierbei in einem sehr kurzen Zeitfenster statt. Das Endergebnis einer Deflation ist meist nichts anderes … jedoch wird der Crash in der Regel nach hinten verschoben …

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Das Fundamentalproblem sind die längst aus dem Gleichgewicht gelaufenen Realwirtschaftsdaten.Das heist ein einigermassen ausgwogenes Gleichgewicht von Realbrutoproduktion und Realbrutokonsum.Die Über-Liquiditätszufuhrungen insbesondere der letzten 20 Jahre haben einen ,,Kunst,,-Absatzmarkt geschaffen.Aktuell tendiert die Wirkung dieser Liquiditätszuführung gegen Null.Die Weltwirtschaft beginnt sich ueber ein bis zusammenbrechende Absatzmärkte aufzurollen.Die Zahl solventer Kunden schmilzt wie Schnee an der Sonne.Was ist ein solventer Kunde?Nachhaltig Solvent ist nur ein Kunde der seine Solvenz aus Realwirtschaftlicher Leistung erwirtschaftet/erwirtschaften kann.Diese ,,Spezies,,jedoch ist am aussterben.Volge:Die noch laufende Realproduktion wird mangels solventer Kunden Absatzmärkte in absehbarer Zeit abgewürgt.Da steht weit mehr als eine Rezession an, sondern ein eigentlicher Wirtschaftszusammenbruch.Die,,Wissenschaftliche,,Ökonomische,,Lehre und Vorschung hat versagt.Scheinbar ,,sichere,,Sachwerte ,verlieren ihren Wert wen sie nicht durch Realwirtschaftsleistung gestuetzt sind.Zb.Imobilien verlieren ihren Wert wenn es dafuer keine entsprechend solventen Mieter oder Käufer gibt.das gleiche gilt für Anteile /Aktien usw.an Unternehmen denen die Kunden der Markt wegbricht.Absehbar jedoch ist das Gold und auch andere änliche Anlagevormen für eine begrenzte Zeit ,,Sicherheit,,bieten.Ganz klar nur auf Zeit.Denn der Wert des Goldes basiert nicht auf Realwirtschaftlicher Leistung dessen Scheinwert ergibt sich lediglich aus dem Nachfragewert und nicht aus einem Realwert.Gold ist letztlich Geld mit besonderen Eigenschaften.Ganz klar auch ein oft beschworener Goldstandart kann die Realwirtschaft nicht vor dem Absturz bewahren.Alles ist und bleibt Relativ.Auch im Bereich Wirtschaft ist ein aus sich selbst heraus laufendes Perpetum-Mobile NICHT machbar.Dieser Irrglaube hat sich innzwischen anscheinend unauslöschlich in die Köpfe der sog.Ökonomen gefressen.(Zumindest bei einer Schwadronierenden Mehrheit dieser Zunft inkl.sog.Experten auf diesem Gebiet.) Freundliche Grüsse.

  3. Ulli Schaller sagt:

    Sparen bedeutet Deflation und das ist politisch nicht machbar.
    Das Gelddrucken wird bis zu den Währungsreformen weitergehen.

  4. Quaksalber sagt:

    Deflation ?? Das ich nicht lache …das ist eine eingestreute Desinformation !! Ich glaube eher an galoppierender Inflation !!

  5. Thomas Klesenius sagt:

    „Für den Augenblick kann Grundlach keine Anzeichen einer Schuldenblase erkennen. Die Zentralbanken der Welt hätten die Zinsen für Staatsanleihen auf fast null Prozent gedrückt, was diese Papiere für Investoren nicht sonderlich attraktiv gemacht hat. Erst wenn es „Brüche in der Schuldenqualität“ gebe, würden Staatsanleihen und andere Schuldpapiere deutlich an Wert verlieren.“

    Das ist doch fast dasselbe einlullende Gewäsch, das Politiker und Volkswirte jedweder Couleur von sich geben. Gundlach nutzt hier die Gelegenheit ein wenig selbt die Märkte zu manipulieren. Die „Brüche in der Schuldenqualität“ sind doch längst da. Das Triple A der USA ist doch ein Hohn für jeden Marktteilnehmer und deshalb muß Benjamin Shalom Bernanke auch seine eigenen Papiere im Umfang von 45$ Mrd./Monat selbst kaufen, die Chinesen wollen die nicht mehr.

    Die Ratingagenturen sind in der Hand der Banken und Hedgefonds und benutzen die Bewertungen zur Manipulation. Selbst wetten die Großbanken schon auf das Gegenteil, nämlich auf das Platzen der Blasen des Immobilienmarktes und der Staatspapiere. Damit ist immens viel Geld zu verdienen, wenn die Börsen in Panik geraten, viel mehr als im Jahresgeschäft. Eben weil sich die Kurse dann stark nach unten bewegen, das muß man nur versichern.

    Und genau das macht unser Jeff Gundlach wohl auch, wenn er hier Weiße Salbe auf die Wunden der Anleger schmiert. Und unser grundehrlicher Hedgefondsmanager wird sich nicht scheuen das letzte Signal zum Totalausverkauf im April zu geben, um dann ganz groß Kasse zu machen.

    • winawer sagt:

      Vielleicht wird der „grundehrliche Hedgefondsmanager“ etwas zu verschlagen beurteilt. Wenn GS, JPM und andere Think Tanks einen Kurswechsel einzuleiten suchen, werden sie Mr. Gundlach bestimmt nicht vorher konsultieren. Auch er muß dann den Ereignissen hinterherlaufen, kann dann mit seiner Erfahrung idR klüger operieren. Aber Insiderkenntnisse sind etwas anderes, nämlich das, was der Begriff bedeutet: nicht für den Allgemeingebrauch.

      Das aktuelle Problem, entweder cash zurückzuhalten oder in Wertpapiere oder Sachwerte zu investieren, kann nur jeder für sich entscheiden.

  6. AllesaufNull sagt:

    „Auch Investitionen in US-Staatsanleihen hält er noch für relativ verlässlich“

    Da ist toilettenpapier sogar wertvoller ,was für eine katastrophale empfehlung genauso wie mit dem Bargeld halten .

    Der einzige Schutz was auch vor dem Staat sicher ist sind Edelmetalle aber sowas wird ungern von möchtegern Experten die von diesem System profitieren .

    • Nebenerwerbskanzler sagt:

      exakt!
      Man kann schon auch in Papiere investieren.
      Aber nur in saugfähige!

    • Hans sagt:

      Die Preise der Waren (und Rohstoffe) in der kapitalistischen Produktionsweise bilden sich (wenn sie nicht durch z.B. Monopole manipuliert werden) durch Angebot und Nachfrage. Daher ist es in Krisenzeiten (oder kurz vor dem Zusammenbruch des Kapitalismus) durchaus sinnvoll, in Sachwerte zu investieren. Gold ist daher erstmal besser als Papiergeld.

      Eine sinnvoller Alternative ist Gold trotzdem nicht. Die scheinbar große Wert des Goldes bestand aus einer Zeit, in der Gold als Schmuck oder Wertanlage verwendet wurde, weil die Nachfrage größer als das Angebot war (struktureller Goldmangel). Da die Nachfrage nach Gold für Schmuck oder Computerplatinen geringer relativ zur Produktivität der Goldförderung geworden ist, ist der reale Wert an Gold wesentlich geringer, sodass sich eine Goldblase gebildet hat.

      Findet eine Hyperinflation statt oder gibt es nach dem Zusammenbruch einen Währungsschnitt, kann man Werte über den Sachwert Gold in das folgende System mitnehmen, allerdings werden sich dann die Preise für Gold auf einem realen Verhältnis Angebot/Nachfrage bilden.

      Fakt ist: Gold hat kaum einen ernstzunehmenden wirtschaftlichen Nutzen und ist (nicht so krass wie Papiergeld, aber dennoch) finanziell völlig überbewertet.