IWF räumt ein: Rechenfehler führte zu Sparprogrammen

In der Vergangenheit hat der IWF die Auswirkungen seiner Sparprogramme für die betroffenen Länder deutlich unterschätzt. Die wirtschaftliche Entwicklung blieb dort meist deutlich hinter den Erwartungen des IWF zurück. Doch ein Arbeitspapier von zwei IWF-Experten betont, man habe die Fehler nun korrigiert.

Olivier Blanchard und Daniel Leigh vom Internationalen Währungsfonds (IWF) haben ein Arbeitspapier veröffentlicht, in dem sie frühere Fehler bei den Wachstumsvorhersagen des IWF in Europa eingestehen. Der IWF habe die negativen Folgen der Sparpolitik für die europäischen Volkswirtschaften nicht in diesem Umfang vorhergesehen.

Die falschen Vorhersagen des IWF beruhen auf den komplizierten, offenkundig fehlerhaften Rechnungen der IWF-Experten. Und diese Fehler haben letztlich dazu geführt, dass die Sparprogramme überhaupt erst entworfen und beschlossen worden sind, so Blanchard und Leigh.

Inzwischen habe der IWF die Zusammenhänge allerdings besser verstanden, wird im IWF-Arbeitspapier hervorgehoben. Im Zuge der Finanzkrise mussten die IWF-Experten erkennen, dass die von ihnen geforderten „größeren fiskalischen Kürzungen“ zu deutlich schwächerem Wachstum geführt hatten als ursprünglich angenommen. Auch habe man „den Anstieg der Arbeitslosigkeit und den Konsum- und Investitionsrückgang, der mit einer fiskalischen Konsolidierung einhergeht, deutlich unterschätzt“, heißt es in dem Papier.

Zwar stellt das Arbeitspapier von Blanchard und Leigh nicht die offizielle Meinung des IWF dar, doch hat dieser bereits in den letzten Monaten einen Politikwechsel vollzogen. Der IWF will nun weniger Kürzungen etwa im griechischen Staatshaushalt durchsetzen. Auf die negativen Auswirkungen der Sparpolitik hat jüngst auch der portugiesische Präsident in seiner Neujahrsansprache hingewiesen: Diese von der Troika verfolgte Politik führe in einen Teufelskreis und sei „sozial unhaltbar“ (mehr hier). Die EZB und die EU-Kommission, die mit dem IWF zusammen die Troika bilden, bestehen bisher allerdings weiterhin auf Einsparungen im griechischen Haushalt.

Kommentare

Dieser Artikel hat 13 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Kuestennebel sagt:

    Wirtschaftswissenschaft: das einzige Fach, in dem jedes Jahr auf dieselben Fragen andere Antworten richtig sind. -Danny Kaye

    Erhard-Zitat, ein halbes Jahrhundert alt, wäre noch heute die Lösung der EU-Krise:
    Nicht die freie Marktwirtschaft des liberalistischen Freibeutertums einer vergangenen Ära, auch nicht das ‘freie Spiel der Kräfte’ und dergleichen Phrasen, mit denen man hausieren geht, sondern die sozial verpflichtende Marktwirtschaft, die das einzelne Individuum wieder zur Geltung kommen lässt, die den Wert der Persönlichkeit obenan stellt und der Leistung dann aber auch den verdienten Ertrag zugutekommen lässt, das ist die Marktwirtschaft moderner Prägung.

    Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass niederträchtige Menschen aus niederträchtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.
    – John Maynard Keynes

  2. c-nes sagt:

    Immerhin, der IWF hat gerechnet. Das machen Politiker ja per se nicht.

  3. Haaf Johannes sagt:

    Der IWF hat noch für kein Land für die einfachen Menschen Hilfe gebracht. Er dient den Banken und Kapitalisten, die für die breite Masse nur Verachtung haben. Deshalb braucht es eine politische Alternative: http://www.wa2013.de Rettet die Erwerbslosen in Europa durch eine neue Politik. Griechenland muss abwerten können, damit eine Zukunft für die Menschen möglich wird.