Neue Suchmaschine soll Argumente liefern können

Die Ergebnisse von Suchanfragen liefern in Zukunft auch Argumente und Herleitungen von Gerichtsurteilen und wissenschaftlichen Theorien. Dafür sollen die Informationen aus dem Internet neu gefiltert werden.

Bislang können Suchmaschinen anhand der Volltextsuche für jede Suche nur Ergebnisse liefern, in denen die Begriffe oder Satzpassagen lediglich vorkommen. Rechtswissenschaftler und Philosophen der Saarbrücker Universität machen sich jetzt allerdings daran, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) eine neue Suchmaschine zu entwickeln, die Begründungen für bestimmte Thesen oder Gerichtsurteile liefern kann.

Dazu bedarf es noch mühsamer Handarbeit. Juristen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit in Bibliotheken und suchen nach Kausalzusammenhängen in Büchern, Zeitschriften oder Kommentaren, die ihre Thesen stützen können. Im Internet gleicht die Recherche aufgrund der schieren Masse an Informationen noch immer der Suche nach der Nadel im Heuhaufen: die Suchergebnisse geben oft keine Rückschlüsse darauf, ob die gefundenen Dokumente überhaupt die Rechtsfrage argumentativ behandeln.

Für den Prototyp der neuen Software sollen die Gerichtsurteile des Bundesverfassungsgerichts verwendet werden. Anhand dieses logisch aufgebauten Textkorpus sollen Algorithmen entwickelt werden, die die Ergebnisse von Suchanfragen optimieren können. Ziel ist es, dass Nutzer eine rechtliche Frage eingeben können und Ergebnisse erhalten, die sich mit der Frage argumentativ auseinandersetzen.

„Eine solche Suchmaschine würde die rechtswissenschaftliche und rechtspraktische Arbeit erheblich vereinfachen und beschleunigen“, sagt Maximilian Herberger, der das am Projekt ARGUMENTUM beteiligte Institut für Rechtsinformatik der Saar-Uni leitet. Bis 2015 soll die Entwicklung des Prototyps fertiggestellt worden sein.

Danach wird sich zeigen, ob und in wie weit sich die Ergebnisse von der rechtswissenschaftlichen Anwendbarkeit auf andere Bereiche übertragen lassen. Denn argumentiert wird in allen Wissenschaften. Die logische Struktur der hermeneutischen Forschungsmethode lässt sich theoretisch auch auf Argumentationen aus anderen Fachbereichen anwenden. Dafür gibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung 1,4 Millionen Euro aus.

 

Kommentare

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  1. c-nes sagt:

    Hervorragend, dann brauchen wir bald keine Juristen mehr, das steigert die Lebensqualität in der Gesellschaft ernorm! (kein Sarkasmus!)

  2. Mzungu sagt:

    „Anhand dieses logisch aufgebauten Textkorpus sollen Logarithmen entwickelt werden, die die Ergebnisse von Suchanfragen optimieren können“

    Algorithmen anstatt Logarithmen ?