Bilanz der Schweizer Notenbank macht Analysten nervös

Die SNB hat sich innerhalb weniger Jahre von einer konservativen Institution zum größten Zocker der Welt gewandelt. Ihre Bilanz hat bereits 75 Prozent des Schweizer BIPs erreicht. Besonders gefährlich ist, dass die einstige Inflations-Wächterin mittlerweile zu einem Mekka der Währungs-Spekulation geworden ist.

Die großen Zentralbanken der Welt haben ihre Bilanzen in den letzten Jahren extrem verlängert: die amerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) auf circa 20 Prozent des amerikanischen BIP und die Europäische Zentralbank (EZB) sogar auf circa 30 Prozent des BIP der EU. Doch sogar diese Werte können noch übertroffen werden, wie die Bilanz der Schweizer Nationalbank (SNB) zeigt. Ihre Aktiva haben eine Höhe von fast 500 Milliarden Franken (etwa 410 Milliarden Euro) erreicht, berichtet das WSJ. Das entspricht etwa 75 Prozent des BIP der Schweiz.

Denn die SNB hat wie verrückt Franken gedruckt und innerhalb von nur fünf Jahren ihre Bilanz verfünffacht. Mit dem Geld hat sie vor allem Euros und andere ausländische Währungen gekauft. Sie hält aber auch Anleihen, Aktien und Gold. Der Großteil der Aktiva basiert auf ausländischen Währungen, da es nicht genügend Schweizer Staatsanleihen und andere in Franken notierte Vermögenswerte gibt. Die SNB hält 12 Prozent ihrer Reserven in ausländischen Aktien, berichtet das WSJ. Dies ist für eine Notenbank höchst ungewöhnlich.

Dieser Umstand macht die SNB sehr anfällig für Wechselkursschwankungen. Um die Risiken zu begrenzen, hat sie weit diversifiziert: 48 Prozent ihrer Bestände basieren auf dem Euro, 28 Prozent auf dem Dollar und 24 Prozent in anderen Währungen wie dem Britischen Pfund und dem Australischen Dollar (Daten vom September 2012). „Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas sehe. Eine anti-inflationäre konservative Institution [wie die SNB] hält unsere Währung als Reserve“, zitiert das WSJ den australischen Zentralbanker Glenn Stevens.

Die SNB begründet die extremen Maßnahmen damit, dass sie die Stärke des Franken bekämpfen will. Im September 2011 kündigte sie an, den Eurokurs des Franken nicht unter 1,20 fallen zu lassen. Würde die Zentralbank den Franken erstarken lassen, würden Schweizer Exporte teurer werden. Zu wenig Beachtung findet hingegen, dass ein starker Franken gleichzeitig die Importe für Schweizer Unternehmen billiger machen würde. Auch die Ersparnisse der Schweizer Bürger würden massiv aufgewertet.

Bisher scheint die Strategie der SNB aufzugehen: Die Wirtschaft der Schweiz wächst langsam, die Exporte steigen. Grund zur Sorge bereiten allerdings die steigenden Immobilienpreise. Und die Risiken der extremen Geldpolitik bleiben enorm. Wenn etwa durch Probleme in der Eurozone der Euro zehn Prozent an Wert verlieren würde, dann würde ein großer Teil des SNB-Kapitals vernichtet werden.

Kommentare

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  1. Greg sagt:

    Na und, dann druckt man einfach neues Geld! Wenn kümmerts letztlich?

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Der Mechanismus ist denkbar einfach.Exportsubventionierung über die Notenpresse.
    Ein gebaren das laengst internationaler Standart ist.Extrem herausragend ist lediglich das Ausmass.Das auch dieses Rezept in absehbarer Zeit ins leere läuft ist absehbar.
    Aktuell beginnt das letzte finale Drama der Weltwirtschaft zu laufen.Das aufrollen der Weltwirtschaft über den ein bis Zusammenbruch der Absatzmärkte.Die Liquditätszuführung durch die Notenbanken verpufft innzwischen faktisch vollumfänglich.Absehbar das auch dieses Rezept, Exportsubventionierung über die Notenpresse nur begrenzte Zeit wirken wird.
    Irgendwann ist auch mit einer zu Schrott abgewerteten Wärung nichts mehr verkaufbar.

    • capraio sagt:

      Was soll eine SNB machen wenn sämtliche Franken aufgekauft werden nur um den € loszuwerden? Mit welcher Währung soll in der Schweiz bezahlt werden wenn die Franken unter ausländischen Matratzen liegen? Was denkt ihr wie es mir als normaler Arbeitnehmer geht wenn die reichen Stinker sämtliche Häuser aufkaufen? Gebt unseren Franken und die Häuser zurück und Fahrt zum Teufel, Spekulantenpack!!!

  3. Fritz sagt:

    Wer von Gefahren spricht, ist nur neidisch!

    Wenn man im Ausland CHF haben will und diese dann in die Matratzen einnäht, wie es zurzeit jeder macht, dann ist die SNB gut beraten, noch einige Billionen Franken zusätzlich zu drucken. Solange die Preise in der Schweiz höher sein werden als im Ausland, kommen die Franken nie wieder zurück.
    Irgendwannmal bekommt jeder Schweizer via Sozial- und Rentenversicherung einige Zehntausende von Euros zugeteilt, was hoffentlich für ein gutes Abendessen in Paris ausreichen wird.
    Danach erklärt die SNB die Banknoten für ungültig und startet eine neue Währung auf Basis von Sonnenenergie.

    Sollten die Schweizer Preise je unter denen des Auslandes fallen, dann kommt die Lavine der Franken zurück, Preise werden wieder steigen und der Franken wird erneut gehortet.
    SNB kann nicht verlieren, denn sie tauscht nur wertloses Papier gegen ein anderes wertloses Papier.
    Papierverluste werden nur dann entstehen, wenn sie ihr Spiel nicht durchzieht!

    Beati possidentes oder NUR wer schon hat, dem wird gegeben….

  4. Alfred E. Neumann sagt:

    Macht Euch um uns keine Sorgen, Herr Jordan weiss schon, was er macht.

  5. Eidgenosse sagt:

    Na und…?