Deutsche Jugend: Immer mehr Jobs im Niedriglohn-Segment

Die offizielle Statistik zur deutschen Jugendarbeitslosigkeit ist nur auf den ersten Blick gut. Tatsächlich haben auch in Deutschland immer weniger Jugendliche einen Job. Eine ganze Generation muss sich auf ein Leben im Niedriglohn-Segment einstellen.

Die Arbeitslosigkeit in der EU hat im November 2012 einen historischen Höchststand erreicht, und dasselbe gilt für die Jugendarbeitslosigkeit (mehr hier). Zudem lässt sich an der Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in der Eurozone nachvollziehen, welchen verheerenden Einfluss die Einführung des Euro auf die beteiligten Länder gehabt hat, vor allem auf die Jugend. EZB-Chef Mario Draghi sprach gerade von zwei Arbeitsmärkten in Europa, einem für Ältere und einem für Jüngere, wobei letzterer weniger Schutz biete.

Doch auch innerhalb Deutschlands hat ein schleichender Prozess eingesetzt, der die Jugendlichen immer mehr vom Arbeitsmarkt ausschließt. Eine ganze Generation verdient kaum noch Geld. Zwar lag im November 2012 die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bei lediglich 8,1 Prozent, so das Statistische Bundesamt. Als arbeitslos gilt dabei aber auch nur, wer sich aktiv um Arbeit bemüht und dennoch überhaupt nichts gefunden hat. Doch viele deutsche Jugendliche finden heute entweder nur gering bezahlte Arbeit oder sie suchen erst gar nicht nach einem Job.

Schon die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 1991 arbeiteten noch circa 58 Prozent der Jugendlichen. Zwanzig Jahre später sind es nur noch 48 Prozent. Umgekehrt ist die Entwicklung bei den Älteren (55 bis unter 65 Jahre) verlaufen. Während 1991 lediglich 38 Prozent der Älteren arbeiteten, waren es im Jahr 2011 mit 60 Prozent mehr als anderthalbmal so viele. Mit anderen Worten: Die Jugend arbeitet heute deutlich weniger, die Älteren arbeiten viel mehr.

Doch auch die Qualität der Arbeit hat sich verändert. Die Anzahl der Jugendlichen, die nur geringfügig beschäftigt sind, hat sich von circa 718.000 im Jahr 1999 auf 936.000 im Jahr 2011 erhöht, so die Agentur für Arbeit. Eine Zunahme der geringfügigen Beschäftigung ist auch bei den älteren Jahrgängen zu beobachten. Und wenn sich dieser Trend nicht umkehrt, dann wird die heute junge Generation auf Dauer mit deutlich weniger Geld auskommen müssen.

Zu den unerfreulichen Aussichten für die heutige Jugend trägt bei, dass sich Europa in der Rezession befindet und die wirtschaftliche Lage sich noch deutlich verschlechtern wird. Diese Entwicklung ist auch schon in Deutschland angekommen, wie etwa die Automobilindustrie zeigt (mehr hier). Während die älteren Generationen Zeit hatten, sich Vermögen aufzubauen, wird die Jugend von der Krise unvorbereitet getroffen. Zu viele junge Menschen verfügen weder über finanzielle Rücklagen, noch haben sie genügend erwerbstaugliche Fähigkeiten erworben.

Kommentare

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  1. Metellius sagt:

    Wie kann man eigentlich an Universitäten und auch sonstwo bloss lehren, dass es ein ewiges Wachstum gibt? Kommt irgendwann einmal eigentlich einer auf die grandiose Idee, dass dieses auf Dauer einfach nicht funktionieren kann? Wie Banane muß man sein, dieses Geschwafel noch zu glauben, was in Büchern steht und postuliert wird. Man kann die Anzeichen des bevorstehenden, wirtschaftlichen Absturzes wohl kaum noch verbergen, das System ist jetzt vollkommen am Ende. Zu lange haben einige Zehntausend korrupte Schlaumeier das System runtergewirtschaftet bis zum Anschlag. In Europa ist der Drops nun endgültig für alle gelutscht! Jetzt ist Asien mal dran mit wirtschaftlichem Erfolg. Folgendes Beispiel, stellvertretend für die Vollidioten aus Berlin und sonstwo: Die Gewinnerwartung der Firma, in der ich arbeite, wurde im letzten Jahr bei weitem übertroffen. Wie zu erwarten, liegt die neue Gewinnerwartung für 2013 jenseits von dem, was wir uns letztes Jahr überhaupt zu träumen wagten. Dafür werden wir, die kleinen Arbeiter, die eine wertschöpfende Arbeit verrichten, -mit Verlaub- bis zum Anschlag in die Nüsse getreten und die erzielten Gewinne werden dann in den oberen Etagen verteilt, wie immer. Man hört dann ganz gerne: „Wir müssen diesen Monat noch mal richtig ´ran, wir müssen alle zusammenhalten, dann schaffen wir das,“ Usw usf. Ich kann´s nicht mehr hören.
    Beispiel 2:
    Die jetztige Rentnergeneration ist die reichste seit dem letzten Weltkrieg. Und wird die reichste überhaupt gewesen sein. Wir junge Leute kriegen dann wieder einmal den Rest vom Fest. Das einzig „Gute“ an dieser Geschichte ist, dass wir junge Menschen nicht in die Altersarmut abrutschen, nein, vielmehr bekommen wir von Kind an diesen Prozess in allen seinen Facetten voll mit, da ist man dann quasi schon daran gewöhnt. Die jetzigen Rentner hatten in ihrem Arbeitsleben viele gute Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Diese Chance haben wir hingegen nicht. Schon jetzt, wo wir noch jung und gesund sind, können wir unsere kostbare Zeit in irgendeinem verdreckten Betrieb verbringen, der uns bis auf die Knochen ausbeutet. Und dann wird einem gesagt: „Sei froh, dass Du einen Job hast!“ Es kommt halt ganz genau darauf an, mit wem man vergleicht. Ich kann schlecht mit überlaufend vollem Mund zu einem Hungerleidenden sprechen und sagen, „hey, sei mal zufrieden mit den drei Krümeln, die Du bekommst“, mir selbst aber die Wampe vollgeschlagen haben. In der Glotze wird gelogen bist zum Abwinken, es ist unglaublich, dass alle diesen Streifen so lange mitmachen. Was für eine Welt. Ist das der Preis für fast 70 Jahre Frieden?

  2. Waldi sagt:

    Deutsche Unternehmen erzielen Jahr für Jahr neue Gewinnrekorde, aber die Arbeitnehmerlöhne profitieren nicht daran. Im Gegenteil: Die Gewinnrekorde werden durch immer mehr billige Zeitarbeitnehmer und mit Hilfe sonstiger Geringstlohn-Arbeitskräften erwirtschaftet. Die Politik schaut dieser Entwicklung tatenlos zu, weil sie nur noch Klientelpolitik zu Lasten der Bürger betreibt.

    • Skorpianne sagt:

      Wenden Sie sich doch mal an die zuständige Gewerkschaft. Die handeln doch Tarifvertröge aus. Darüber hinaus: jeder Arbeitnehmer. Aber immer erstmal nach Gesetzen und Staat rufen.

  3. Hoplon sagt:

    Überqualifiziert oder praxisfremd.
    Es finden sich immer Gründe Berufseinsteiger nicht einzustellen.
    Schön mal einen Artikel zu lesen der die Statistikpflege in D kritisch
    betrachtet.

  4. Ausländer_im_eigenen_Land sagt:

    Man kann auch hier sofort erkennen das: Der T-euro Wohlstand und Frieden bringt!!!

  5. Uta sagt:

    Wer seine Jugend aufgibt, gibt seine Zukunft auf.

    Noch kann unsere ältere Generation von den Reserven zehren.
    Langfristig garantiert aber nur eine gute Einkommensmöglichkeit der Jugend, die eine Wertschöpfung schafft, eine sichere Versorgung der Älteren. Man kann nämlich weder die Steine seiner Immobilien noch Geld essen.

    • Skorpianne sagt:

      „Man kann nämlich weder die Steine seiner Immobilien noch Geld essen.“Junge Leute auch nicht.

      • Uta sagt:

        Spaßvolgel :-)

        Junge Leute mit gutem EK sorgen aber für’s ‚Gnadenbrot‘.

        Wenn die heranwachsende arbeitsfähige Generation genug Einkommen, Innovationen und NEUE WERTE erwirtschaften kann, wird diese von den geschaffenen Werten die nicht (mehr) Leistungsfähigen weiter mit durchfüttern können.

        Alte Werte sind schnell vergänglich: Euro-Crash und wahrscheinlich auch Immowertverlust, ist m.E. nur eine Frage der Zeit.

        (Heranwachsende) Arbeitslose oder einkommensschwache Erwerbstätige werden die Sozialsysteme nicht finanzieren können.