Arbeitsagentur: Die Rücklagen sind aufgebraucht

Die Agentur für Arbeit hat kaum Rücklagen, und die Arbeitslosenzahlen steigen. Bei einem Konjunktureinbruch könne man das Schlimmste nicht mehr mit Kurzarbeit abfedern, warnt der Chef der Arbeitsagentur. Wenn es hart auf hart kommt, wäre die Agentur gezwungen, Kredite aufzunehmen.

Angesichts einer Rekordarbeitslosigkeit in Europa, der abflauenden deutschen Wirtschaft und der stark gesunkenen Nachfrage aus Ländern wie den USA und China fürchtet die deutsche Bundesagentur für Arbeit Schlimmes. Man könne nicht wie zu Zeiten der Finanzkrise auf monatelange Kurzarbeit setzen – dafür gebe es kein Geld, warnte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Zwar sei die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr, so Weise, allerdings „steigen die Arbeitslosenzahlen saisonbereinigt bereits seit fünf Monaten wieder leicht an“ (auch die Jugendarbeitslosigkeit – hier).

Das Problem: Die Rücklagen der Bundesagentur für Arbeit seien aufgebraucht und nach der Beitragssenkung im vergangenen Jahr sei man nicht mehr in der Lage gewesen, neue nennenswerte Reserven aufzubauen, erklärte Weise. Sollte es tatsächlich wie bei der Finanzkrise 2009 zu einem massiven Einbruch der Wirtschaft kommen, könne die Agentur  nicht wie damals das Schlimmste durch Kurzarbeit abfedern. „Einer schweren Rezession würde der Arbeitsmarkt maximal ein Jahr standhalten“. Derzeit könne man das „operative Geschäft erledigen, aber nicht mehr“, so Weise. „Das ist für alle Beteiligten ein großes Risiko.“ Der Politik müsse klar sein, warnt Weise, dass im Krisenfall die Behörde gezwungen sei, Kredite aufzunehmen, um die Kurzarbeit dadurch irgendwie zu finanzieren.

Weise zufolge gibt es bei der Agentur eine finanzielle Vorsorge in Höhe von 600 Millionen Euro – damit könne man in etwa 180.000 Kurzarbeiter finanzieren. Doch dies sei nicht viel und würde in einer echten Krise nicht reichen. Auf dem Höhepunkt der jüngsten Rezession gab es 1,7 Millionen Kurzarbeiter, berichtet Reuters. Unabhängig von den Risiken bei einem Crash rechnet die Agentur aber in diesem Jahr auch bei einer stabilen Entwicklung mit einem Defizit von 1,1 Milliarden Euro.

Kommentare

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  1. KJ sagt:

    http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/0,2828,859941,00.html

    und hier

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/milliardenueberschuss-bei-bundesagentur-fuer-arbeit-a-859878.html

    Verstehe ich nicht, erst ein Plus zum Jahresende 2012 von 2+ Mill. und nun ein minus?? Da kann doch wieder einer nicht rechnen.

    • Abgezockt sagt:

      Da sitzen so einige Heinis bei Spiegel die nicht rechnen können, oder wollen 😉

      Die Nachdenkseiten haben da eigentlich fast täglich einen Spiegelpublizist im Visier der mal wieder zu unfähig oder zu unwillig für seinen Job ist.

      @Topic: Das kommt halt davon wenn man alles privatisiert. Als nächstes wird man sich darüber wundern, das die Zinsen für den Kredit ja so hoch seien das man ihn kaum bezahlen kann.

  2. Orwellhatterecht sagt:

    Mal tacheles. Millionen immigranten die vor allem wegen unseres sozialsystems hier sind. Nun stelle man sich das szenario vor (auch die gutmenschen) diese kassen sind wie die im atikel genannte leer. Folge:plünderung, gewalt, raub, gangs bei denen die hells angels wohl wie ein kindergeburtstag anmuten. Dagegen steht eine unbewaffnete total überrumpelte(weil mediengewaschene) bevölkerung. eine polizei die aus geldmangel auf ein minimum reduziert ist. Eine geringe körperlich starke wehrhafte anzahl von ureinwohnern unter 40. Bürgsrkrieg fällt einem da ein. Dann ein „staat“ der noch als feindstaat gelistet ist, bei dem ohne gross tammtam militärisch interveniwrt werden kann. Ergo. Dann bekommen wir lybien_jugoslawien_afghanisten etc.-like die demokratie eingebombt….. Ach alles quatsch…. Nur ein gedankenspiel………

  3. A. Wuenschelruther sagt:

    Doch, das passt in mein Theoriebild.

    Die Agentur nimmt KREDIT und FINANZIERT, dass der ARBEITNEHMER in KURZARBEIT geht. In KURZARBEIT was herstellt, was niemand braucht. Das ist gut für das WACHSTUM.

    Außerdem: Mit solchem KREDIT kommt Geld von den MÄRKTEN in die WIRTSCHAFT.

    Zum dritten: Der NEHMER von KURZARBEIT schraubt was zusammen (oder auseinander) z.B. einen Flughafen, entlastet den ARBEITSMARKT und bleibt in der Übung. Das ist gut für seine und unsere WETTBEWERBSFÄHIGKEIT.

    Habe ich was vergessen?

  4. howard62 sagt:

    Ja das überascht mich aber sehr, dass hier für offiziell 2.8 Millionen Arbeitslosen Menschen das Geld nicht reicht!!!
    Wir haben doch so viele Menschen die in dieses System einbezahlen!
    Irgendwas stimmt doch da nicht!
    ODER!

  5. Party Animal sagt:

    Was für eine abflauende Wirtschaft in Deutschland?

    Hier ist alles rosig bei uns in Stuttgart. Meine Kumpels und ich habe alle Jobs hier und verdienen massig Kohle. Aufträge sind genügend da.

    Die Autobauer machen Rekordabsätze. Bis auf natürlich die Autobauer die schlechte Autos herstellen wie Opel etc. Aber so ist das in der Wirtschaft. gute Leistung wird belohnt und die schlechten gehen halt pleite. Ist doch ganz normal. Die Banken machen auch wieder Milliardengewinne.

    Also den ganzen Pessimismus kann ich nicht nachvollziehen. Solange hier alles gut ist muss man nicht immer das negative herbeireden.

    • Detlef Bosau sagt:

      Wenn Daimler demnächst mal wieder eines seiner Werke hier schließen und nach Südafrika verlagern will, kommst Du vielleicht mal wieder auf den Teppich, Du Granatendackel!

      • Party Animal sagt:

        Welches Werk sollte den Daimler schließen bei Stuttgart? So ein Quatsch! Irgendwas herbeireden was vielleicht mal in paar Jahren(Jahrzenten) ist . Momentan gibts keine Meldungen bzgl irgend einer Schliessung. Daimler hat Top Zahlen.

        • Agincourt sagt:

          Ja, ich weiß, daß es in BW und speziell Stuttgart wirtschaftlich sehr gut aussieht – habe selbst Freunde in Ludwigsburg.

          Schon seit geraumer Zeit ist die ALO-Qute dort sehr niedrig.

          Bestimmte Unternehmensstrukturen – Produzenten von Gütern des höheren oder Luxusbedarfs etc., die sich im (verhältnißmäigen) Hochlohnland Deutschland herausgebildet haben und gegen eine Krisis, die zunächst die Masse trifft, widerstandfähiger sind, haben sich dort seit den 80er Jahren herausgebildet.

          Denn die „Besserverdiener“ wird das Ende der Kredit- und Zockercasinoparty später, die wirklich Reichen überhaupt nicht treffen. Aber die werden die wirtschaftlichen Strukturen in BW a la longue nicht aufrechterhalten können und wollen.

          Aber vielleicht sollte man eher sagen: Gut auszusehen scheint.

          Mindestens Daimler wird in den nächsten Jahren in schwere Fahrwasser kommen, zumal das Unternehmen ohnehin ein finanzielles Kartenhaus ist.

          Auch sonst lebte BW fast zwei Jahrzehnte lang gut von deutschem Geld, daß die Bankster – vornehmlich zu Konsumzwecken – ins Ausland herausgereicht haben.

          Und vom Zombigeld der Notenbanken.

          Momentan vor allem von der Target2-Schieberei der EZB und der Bundesbank.

          Die sehr hohe Produktivität Deutschland und speziell BWs, weiter gepusht durch das Niedriglohneregime des „Naturgetönten“, heute Grüß-August bei GASPROM, trug ein übriges dazu bei, diese artifiziellen Psuedo-Märkte (man kann auch von „Schiebermärkten“ sprechen) zu ünernehmen oder mindestens weitgehend zu besetzen.

          Aber diese Party wird ja nicht ewig so weiter gehen – die „€U“-Südschiene ist dermaßen pleite (vor allem zu Lasten der BRD), daß schon eine gewöhnliche, „marktgerechte“ Verzinsung der Verbindlichkleiten die betroffenen Staaten über Nacht in den Staatsbankrott führte – weitere Verschuldung ist zumal wegen des Zinsproblemes (z.T. auch wegen übersättigter „Märkte“ dort, vgl. Immobilienblase in SP) nicht mehr denkbar.

          Allerdings besteht an einem Staatsbankrott seitens der Bankster und der globalen Finanzmafia wohl so lange kein Interesse, wie in der bisher noch immer reichen BRD noch reale Vermögensmasse in Form von „Garantien“ abgegriffen werden kann.

          Und die „Nachfrage“ aus Amiland, gestützt auf die imperiale Militärwährung US$, wird in dem Moment zerplatzen, in dem der US$ diese Rolle verliert – was absehbar ist.

          Dann taugen die grünen Scheinchen – wenn es nicht nur Computerbits sind, die kann man löschen – nur noch zum Ofenanheizen oder für den Abtritt.

          Und Asien steht ebenfalls nicht nur durch Verwerfungen in Westeuropa und den USA gleichfalls vor schweren Turbulenzen, selbst wenn der Ausblick in die fernere Zukunft nach wie vor als eher verheißungsvoll erscheint.

          Dazu kommen hausgemachte Probleme hierzulande, die seit Jahrzehten nicht angegangen worden sind.

          Insbesondere die Überalterung der Gesellschaft, die maroden Sozialversicherungssysteme, deren Grundlage immer noch die aussterbende Massenerwerbsarbeit des „Fordismus“ darstellt (noch verschärft durch die Lohndrückerideologie des Schröder-Regimes), das „Berufsbeamtentum“ mit seiner zunehmenden Ineffektivität/Korruptionsanfälligkeit und maßlosen, fremdfinanzierten Ansprüchen, der diskreditierte und disfunktionale Parteienstaat, der überhaupt nicht mehr fähig ist, die Probleme, die zu einem nicht geringen Teil von ihm selbst verschuldet worden sind, zu erkennen oder anzugehen und stattdessen die Lage über die mit ihm verfilzten Medien schönlügt, die ethnisch zersplitternde Gesellschaft, die allein noch durch massive Transferleistungen überhaupt stabilisiert werden kann (auch dies eine selbstzerstörerische Frucht des Parteienstaates und seiner Ideologie), schließlich die flächig verrotende Infrastruktur des Lande, abesehbar massive Haushaltsbelastungen durch steigende Zinsen uvm..

          Wenn Sie also materiell bereits für den Rest des Lebens „saniert“ sind, so sei es Ihnen gegönnt.

          Aber sie sollten dieses Vermögen wohlüberlegt und vor allem staatszugriffs- und bankenfern schichten – sonst wird es Ihnen eines Tages nicht mehr viel helfen.

    • Einweckglas sagt:

      @Party Animal … Ihren Sarkasmus in allen Ehren…wenn es dann auch so gemeint ist! 😉

      • Party Animal sagt:

        Welcher Sarkasmus: Das ist mein ernst was oben steht. Ich kenne keinen hier in der Umgebung der arbeitslos ist, der eine vernünftige Lehre oder Studium abgeschlossen hat. Die Wirtschaft läuft hier sehr gut.

        • Abgezockt sagt:

          Dann weiter die Augen geschlossen halten und viel Glück das es Dich niemals trifft.

          • Party Animal sagt:

            Ich halte nicht die Augen geschlossen. Ich weiß, dass es in vielen Regionen schlecht zu geht. Aber warum soll ich jetzt rumjammern. Ich verdiene gutes Geld. hab bereits soviel Erträge, dass ich eigentlich nicht mehr arbeiten müsste. Arbeitsplätze wird es immer geben. Man muss halt flexibel sein.

  6. StephanOchsenfurt sagt:

    JAWOLL, legt nen ordentlichen ABM-FOND auf – damit uns auch net die Arbeit ausgeht. Und der 1€-Jobber wird sich demnächst eben auch mal mit nur 50Cent Vergütung fürs Micro-Jobbing begnügen müssen. Dafür ist ihm ja nu von den Liberalen die Arztgebühr erlassen worden – das will schließlich gegenfinanziert werden. Jajaja jetzt wird in die Hände gespuckt – wir steigern das Bruttosozialprodukt..^^

  7. Randgruppe sagt:

    Vielleicht sollte die Arbeitsagentur mal aufhören den Arbeitgebern die Gehälter zu subventionieren, wenn sie Arbeitslose einstellen. Der Arbeitslose sieht davon eh kaum was am Ende.

    Wer sich Angestellte ohne Subventionierung nicht leisten kann, hat am Markt nichts verloren, oder sehe ich das falsch ?
    Aber wenn wir viele Firmen ohne brauchbares Geschäftsmodell, nicht mit Müh und Not über Wassser halten würden, haetten wir ja bald 20Mio. Arbeitslose.

  8. Markus sagt:

    Ich finde es immer wieder bewundernswert wie man 28,5% Arbeitslosigkeit auf 4-5% retuschieren kann.

    Großes Lob an die DMN für unabhängige Berichterstattungen, die gut versteckte Kritik ist immer wieder erfrischend!

  9. Kessi sagt:

    Vor ein 2 Monaten hieß es noch die Agentur für Arbeit hätte für 2012 mit 1,3 Milliarden Überschuß gerechnet (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/sinkende-ausgaben-arbeitsagentur-macht-deutlich-mehr-gewinn/7222708.html).
    Wo ging das Geld denn bitte hin?

    Die Agentur für Arbeit will doch nur selbst verdienen, in dem sie ihre Kunden z.B. hält, statt in vernünftige Arbeit zu bringen. Und die Löhne und Arbeitsplätze durch Ein-Euro-Jobs und Leiharbeit drückt, was Wirtschaften auf Kosten von Staat, Steuerzahler und Geringverdiener bedeutet.

    Man fragt sich, ob da nicht Goldman Sachs im Vorstand sitzt…