Währungskrise: Juncker hält Euro für „gefährlich“ stark

Die Manipulationen der EZB zeigen Wirkung – allerdings nicht so, wie von Mario Draghi erhofft: Jean Claude Juncker bezeichnet die Euro-Stärke als „gefährlich“. Das ist sie auch – vor allem für Deutschland. Wenn der Euro so stark bleibt, droht Deutschland die Rezession.

Am Dienstagabend ist der Euro-Kurs überraschend stark abgesackt. Die Einheitswährung notierte unter der Marke von 1,33 Dollar. Der Absturz geht vermutlich auf eine Bemerkung des luxemburgischen Regierungschefs Jean Claude Juncker zurück: Bloomberg berichtet, Juncker habe bei einem Treffen von Wirtschaftsleuten in Luxemburg gesagt, der Wechselkurs des Euro zum Dollar sei „gefährlich hoch“.

Die Europäer merken nun, dass der globale Währungskrieg in vollem Gange ist. Die Hauptwaffen, die dabei zum Einsatz kommen, sind die Manipulationen der Zentralbanken. Japan hat sich entschlossen, seine Deflation durch eine Inflationierung zu bekämpfen (hier) und die Zentralbank in die Pflicht genommen. Die Amerikaner sind weit von einer Lösung ihres Defizit-Problems entfernt. Mario Draghi hatte dagegen im Juli Spekulanten gewarnt, gegen den Euro zu spekulieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde alles tun, um einen Verfall des Euro zu verhindern. Die Schweizerische Nationalbank hat den Franken an den Euro gekoppelt und ist mittlerweile zu einem Wechselkurs-Kasino verkommen (mehr hier).

Für die Euro-Staaten wird immer klarer, dass sie sich mit der Einheitswährung der Möglichkeit begeben haben, durch Auf- und Abwertungen ihren jeweiligen Volkswirtschaften zu helfen. Stattdessen muss eine Währung gleichzeitig unterschiedliche Ziele verfolgen: Die Südstaaten brauchen einen billigen Euro – so wie sie vor dem Euro eine weiche Lira, Franc oder Drachme hatten. Wird der Euro dagegen schwach, bricht das Kartenhaus der Währungsmanipulationen in sich zusammen: Die Südstaaten brauchen mehr Liquidität, die Zinsen für Staatsanleihen gehen hoch, die Kosten aus den gefürchteten Währungs-Swaps (Zinsspekulationen) steigen an. Ganz schnell ist dann das Gespenst der Währungsreform wieder in Europa zurück, weil die schwachen Volkswirtschaften ihre steigenden Schulden nur über eine Inflation loswerden können.

Der starke Euro wird dagegen zu einem besonderen Problem für Deutschland: Denn die deutschen Exporte verteuern sich signifikant. Dies ist besonders gefährlich, wenn das Wachstum ohnehin schon eher gering ist. Deutsche Exportunternehmen klagen seit Jahresbeginn immer lauter, dass ihre Rechnungen, die sie in Dollars ausgestellt haben, wegen des hohen Euro immer weniger wert sind, wenn sie in die europäische Währung konvertiert werden. Weil aber die Euro-Zone als Abnehmer für deutsche Produkte immer weniger in Frage kommt, trifft diese Entwicklung die deutschen Unternehmer dort, wo sie eigentlich die Lösung des Problems gesucht haben: Ihre Exporte in Länder außerhalb der Euro-Zone bringen auf einmal viel weniger Geld. Und das zu einer Zeit, wo die Unternehmen versuchen, ihren deutschen Mitarbeitern höhere Löhne zu zahlen, um die Binnennachfrage anzukurbeln.

Ein zusätzliches Gewitter braut sich im Hintergrund zusammen: Viele Währungs-Swaps laufen automatisiert über Algorithmen. Diese machen sich keine Gedanken über „Fundamentaldaten“, also reale wirtschaftliche Fakten. Solange die EZB verkündet, dass sie den Euro retten werde, koste es, was es wolle, wird der Euro weiter steigen.

Es ist ein Teufelskreis: Sollte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) weiter Geld in den Markt pumpen, wie es die Japaner tun, werden die Preise für risikoreiche Assets in den USA sinken, das billige Geld wandert ab, und der Euro wird immer stärker.

Wenn die EZB aber den Euro künstlich drückt, steigen die Finanzierungskosten für die Südländer und die Währung gerät als Ganzes in Gefahr.

Die Entwicklung zeigt, dass der Euro wegen der unterschiedlichen Anforderungen von völlig verschiedenen Volkswirtschaften nicht funktionieren kann. Ein Kommentator auf Zerohedge schreibt: „So ist das mit einer Zwangsjacke, Frau Merkel. Je mehr man sich dreht und windet, desto mehr schneidet sie ein.“

Kommentare

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  1. Ulli Schaller sagt:

    Bei der Einführung des EURO konnte man in der französischen Presse lesen :
    „Der EURO wird für Deutschland schlimmer werden, wie Versailles“

  2. Beethoven sagt:

    die Japaner machen es uns doch vor, so ein hochverschuldetes Land und sie leben heute auch noch….

    ist eh und jeh nur bedrucktes Papier. Wie schon ein Regierungsmann in den U.S.A. sagte: ….all die schnönen Produkte die wir bekommen geben wir unsere grünen Scheine mit den darauf abgedruckten toten Präsidenten darauf… was für ein schönes Geschäft.

  3. Sisi sagt:

    Dagegen läßt sich doch sicher was unternehmenm, oder? Ich sage nur: Simbabwe-Dollar für alle, dann klappt das schon mit dem Aufschwung.

  4. dparvus sagt:

    Hätte D eine eigene Währung, gäbe es bei einer Aufwertung genauso wenige Probleme wie ehedem, nämlich keine langfristigen.

    Die Industrie war gezwungen, attraktiver zu arbeiten. Nach kurzer Zeit waren dann die Kosten gesenkt, die Qualität verbessert. Den Rest besorgte die Attraktivität guter und zuverlässiger deutscher Produkte.

    Das Positive für D: Einfuhren wurden billiger, den Bürger freut´s beim Einkauf.

    Geht alles nicht bei einer Gemeinschaftswährung. Da gehen die Vorteile von D an die PIGS & F. Bis D auch pleite ist (was de facto ja schon der Fall ist).

  5. ledavi sagt:

    Der EURO ist die schlimmste Geißel, die Europa je gesehen hat. In seiner finalen Wirkung wird er 80% der Bevölkerung verarmen lassen, für Bürgerkriege sorgen und die Demokratie komplett erodieren. Wir werden von geisteskranken, dogmatisierten und skrupellosen Kriminellen in Kollaboration mit Banken und Großkapital regiert. Die mittel- und langfristigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des EU- und Eurowahns werden die Folgen beider Weltkriege zusammen übertreffen.

  6. Andy sagt:

    Der Euro war schon weit stärker (1,60 USD), aber das hat der deutschen Exportwirtschaft damals nicht geschadet. Japan hat eine zwischenzeitlich 60%ige Aufwertung des Yen bisher gut verkraftet. (Die Amis werden übrigens eine Abwertung des Yen nicht zulassen, da können die Japaner Geld drucken, soviel sie wollen, Bernanke druckt schneller). Aber: Welchen Grund gibt es, den Käufern deutsche Maschinen, deutsche Autos und deutsche chemische Erzeugnisse nachzuwerfen und damit seit Jahren reale Einkommensverluste zu erleiden.
    Die Deutschen sind zwar so freundlich, selbst möglichst wenig verdienen zu wollen, damit es nur ja den anderen gut geht, aber diese Einstellung ist auch endenwollend.
    Ein starker € ist gerade für eine auf Energie- und Rohstoffkäufe angewiesene Volkswirtschaft sehr gut, denn diese Dinge werden in USD bezahlt. Falls es die Weisen noch nicht kapiert haben: Deutschland konkurriert auf high-tech Ebene, nicht mit generischem Ramsch. Und einen Mercedes gibt es nun einmal nicht zum Preis eines Tata.

  7. Heiko sagt:

    Na so was, der EURO kann wegen der unterschiedlichen Anforderungen von völlig verschiedenen Volkswirtschaften nicht funktionieren?
    Genau so haben die EURO-Kritiker ja schon vor Jahren immer wieder argumentiert und zwar zu Recht. Und man muss kein Akademiker sein um darauf zu kommen. Man kann eben nicht in der Bundesliga bestehen, wenn die halbe Mannschaft mit Spielern gespickt ist, die höchstens Bezirksliga-Niveau haben.
    So langsam rückt das Spiel in die entscheidende Phase und Herr Rockefeller wird sie bekommen, seine gewollte, globale Krise. Alles läuft nach Plan…

  8. threin sagt:

    Die Argumentation ist Unsinn.

  9. Lilly Krümpelmann sagt:

    Ohne diesen verfluchten EURO hätten wir keine Krise. Schafft ihn endlich ab, zurück zur DM.

    • cusickwa sagt:

      Unser Geldsystem ist das Problem! Ohne Euro hätte es nur etwas länger gedauert, bis wir da sind wo wir uns jetzt befinden. Ohne Schulden funktioniert in diesem System nichts mehr und es bricht wie ein Kartenhaus zusammen.

    • bate sagt:

      Nicht ganz richtig.
      Der Euro ist zwar Müll, ein privates öffentliches Zahlungsmittel, keine Währung im Sinne einer Staatswährung, aber die Krise ist dem Zins geschuldet. Ein Schuldgeldsystem, welches Geld aus dem Nichts durch Verschuldung schafft, kreiert das Geld, welches die Banken unrechtmäßig, aber staatlich kriminell legalisiert verlangt nicht mit. Der Zins verteilz um von fleißig nach reich.
      Da der Zinseszins eine exponentielle Funktion beinhaltet, die Geldmenge aber nur linear wächst, gibt es nach kürzester Zeit eine massive Divergenz der Zinsen ggü der tatsächlich vorhandenen Geldmenge.
      Jedes System auf Zins basieren muss, mathmatisch betrachtet, zusammenbrechen, wir wären also wieder einmal so weit.

      Der Euro und die Heuschrecken tun ihr übriges.
      Das Beste was mann machen kann, ist, keine Kredite mehr aufzunehmen und Banken/Versicherungen das Vertrauen/Geld zu entziehen.
      Ein Bankrun noch heute würde die Bankster blass werden lassen!

      Infos zu Zins, Fiatgeld und Endverbraucher:

      > http://www.youtube.com/watch?v=J9MBHzU5pqY

      > http://www.youtube.com/watch?v=y8dDMf44tVI

      > http://www.youtube.com/watch?v=vDyYe4iss4A

      > http://www.axelgrimm.de/endverbzahlt.htm