Davos: Finanzexperten fürchten sich vor der nächsten Kreditblase

Portugiesische und spanische Staatsanleihen sind nahezu auf Ramsch-Niveau herabgestuft worden. Trotzdem gibt es bei Auktionen für diese Wertpapiere eine große Nachfrage. Spitzenpolitiker halten das für ein erstes Zeichen, dass die Schuldenkrise bereits überwunden sei (mehr hier). Die Spitzenversammlung der Banker...

Portugiesische und spanische Staatsanleihen sind nahezu auf Ramsch-Niveau herabgestuft worden. Trotzdem gibt es bei Auktionen für diese Wertpapiere eine große Nachfrage. Spitzenpolitiker halten das für ein erstes Zeichen, dass die Schuldenkrise bereits überwunden sei (mehr hier). Die Spitzenversammlung der Banker auf dem World Economic Forum hingegen befürchtet, dass sich durch Investitionen in wertlose Staatsanleihen eine weitere gigantische Kreditblase herausbilden könne.

Die niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen hätten das Potential einer solchen „Bond Bubble“ kreiert, heißt es in einer Mitteilung der Rating-Agentur Fitch. Investoren spekulieren darauf, dass die Zinsen bald wieder angehoben werden. Wer daher jetzt in spanische und portugiesische Anleihen investiert, kann auf Gewinne spekulieren. „Die Jagd nach Erträgen“ habe das kritische Vorkrisenverhalten der Spekulanten wieder ins Leben gerufen“, sagte Howard Marks von der Oaktree Capital Group LLC.

Portugal erzielte mit seiner letzten Auktion von fünfjährigen Anleihen 2,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage nach spanischen Staatsanleihen ist im Moment sogar größer als je zuvor, wie Bloomberg berichtet. Die spanische Zentralbank konnte mit dem Verkauf zehnjähriger Anleihen einen Rekordgewinn von sieben Milliarden Euro erzielen. Goldman Sachs Präsident Gary Cohn warnte die Anleger daher in Davos, nur weil es sich um Staatsanleihen handele, heißt das nicht, dass der investierte Betrag auch sicher sei.

Die Stimmung auf den Finanzmärkten hat sich zwar verbessert, das Verhalten der Großinvestoren ist aber immer noch von Vorsicht geprägt. Die 13 größten Investment-Banken haben angekündigt, ihre Bilanzen von risikoträchtigen Finanzgeschäften weitgehend zu befreien. Anteilskäufe von Unternehmen haben bei den Top-Händlern um 40 Prozent abgenommen, das entspricht einem Anteil von einem Viertel, verglichen mit dem Vorkrisenniveau im Jahr 2007.

Sollte es erneut zu einem Massenverkauf von Wertpapieren kommen, könne nicht sichergestellt werden, dass das abgezogene Geld schnell genug wieder im Markt verfügbar gemacht werden könne, befürchtet Cohn. Die Folge wäre das Platzen der Kreditblase und eine Pleitewelle bei Aktiengesellschaften.

Kommentare

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  1. Hans von Atzigen sagt:

    Der Wert des Geldes ergibt sich aus der Relation, Brutorealproduktion-Brutorealkonsum zu Geldmenge.
    Die aktuelle Situation:
    Die Brutorealproduktion sinkt zunehmend durch mangelnde Nachfrage.
    Der Brutorealkonsum ist ebenfals Ruekläufig mangels Solvenz der Kunden.
    Die Geldmenge jedoch ist exhorbitant angestiegen.
    Zwangsläufig ,,verdünnt,,sich ,sinkt der Realwert des Geldes.
    Eine nachträgliche unterffüterung dieser Irren Geldflut durch entsprechende Realwirtschaftsleistung und entsprechenden Konsum ist aufgrund der Realwirtschaftsdaten so gut wie nicht mehr möglich.
    Noch wird der Konsum und die entsprechende Produktion durch die Irre Geldflut mühsam mit abnehmender Tendenz aufrechterhalten.Doch die Wirkung der Überliquidit an Geldmitteln auf den Konsum tendiert gegen Null.Volge als nächstes beginnen die Absatzmärkte zu stagnieren-einzubrechen-bis abzustürzen.Die Volge die aus dem NICHTS geschöpfte Irre Geldmenge ist weder wenn auch nur gering verzinsbar,geschweige denn jemals Amortisierbar=mit Realwirtschaftsleistung in Werthaltigkeit umwandelbar/unterfütterbar. Die irre Geldblase wird und das ist Vorhersehbar platzen.Offen für dieses Platzen ist lediglich das Ablaufdrehbuch,dies bezüglich des Auslösers und der Geschwindigkeit.Die Büchse der Pandora wurde nicht nach 2008 geöffnet sondern bereits ende der 80 iger Jahre.2008 begann diese ihr sehr hässliches Gesicht zu zeigen.Dieses hässliche ,,Gesicht,,wird nicht mehr verschwinden sondern sich in eine Horrorfratze verwandeln.
    Dazu ein abgewandeltes ,,Gorbi,,Zitat:
    Wer zu spät erkennt und Handelt den bestraft die Elende Realtät:
    Persönliche Bemerkung:
    Auch mir wäre eine andere Einschätzung so unendlich angenehmer.
    Freundliche Grüsse.

  2. Gast44 sagt:

    Zitat: „Investoren spekulieren darauf, dass die Zinsen bald wieder angehoben werden. Wer daher jetzt in spanische und portugiesische Anleihen investiert, kann auf Gewinne spekulieren.“

    Wie soll das funktionieren?
    Wenn die Zinsen steigen dann fallen doch die Kurse der schon bestehenden Staatanleihen.
    Zum Spekulieren müsste man jetzt Credit Default Swaps kaufen; wenn die Zinsen steigen dann steigt auch der Kurs der CDS.

  3. xdl sagt:

    WO IST MEIN KOMMENTAR ?

  4. Spignjev sagt:

    Pervers!

  5. Stefan Wehmeier sagt:

    Die Geldvermögen der wenigen Reichen und Superreichen wachsen durch Zins und Zinseszins exponentiell und erzeugen auf der Kehrseite der Medaille eine (fast) spiegelbildliche Verschuldung von Mittelstand und Staat. Kann die mittelständische Privatwirtschaft keine weiteren Schulden mehr aufnehmen, muss sich der Staat weiter verschulden, um den Geldkreislauf aufrecht zu erhalten. Es gibt also in einer Zinsgeld-Ökonomie keine Möglichkeit, die Verschuldung jemals abzubauen – es sei denn, durch einen Krieg! Dazu ein Zitat aus der Zeitschrift des Sparkassenverbandes von 1891:

    „Die Ursache für das Sinken des Zinsfußes wird vorzüglich darin gefunden, daß die besonders rentablen Kapitalanlagen großen Maßstabes heute erschöpft sind und nur Unternehmungen von geringer Ergiebigkeit übrig bleiben. …Nur ein allgemeiner europäischer Krieg könnte dieser Entwicklung Halt gebieten durch die ungeheure Kapitalzerstörung, welche er bedeutet.“

    Bekanntlich gab es danach zwei „allgemeine europäische Kriege“, die sich sogar weltweit ausdehnen ließen, um soviel Sachkapital zu zerstören, dass der globale Zinsfuß wieder auf eine für den Kapitalismus lukrative Höhe angehoben und somit wieder neues Zinsgeld in neue Sachkapitalien investiert werden konnte. Dieses sinnlose Spiel von Zerstörung und Wiederaufbau betreibt die Menschheit schon solange, wie sie Zinsgeld (anfangs Edelmetallgeld) benutzt und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt. Wird über einige Jahrzehnte, solange die Volkswirtschaft noch wachsen kann, an der Vermehrung von Sachkapitalien (Häuser, Fabriken, etc.) gearbeitet, sinkt aufgrund marktwirtschaftlicher Konkurrenz der Kapitalmarktzins, was an sich positiv ist, weil dadurch die Arbeitslöhne steigen. Weil aber ein a priori fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) nur gegen eine Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins) mittel- bis langfristig verliehen und somit in Sachkapital investiert werden kann, aus dem jegliche Wertschöpfung und auch der Urzins erarbeitet werden, wird nicht mehr investiert, sondern nur noch spekuliert, wenn der Zinsfuß auf die Liquiditätspräferenzgrenze von etwa 3 Prozent absinkt (der Anstieg des Zinsfußes etwa in Griechenland ist allein auf einen überproportionalen Anstieg der Risikoprämie zurückzuführen, während die Liquiditätsverzichtsprämie weiterhin sinkt). Dann kommt es zu der von Keynes beschriebenen Liquiditätsfalle – und am Ende zur globalen Liquiditätsfalle!

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

  6. J.J.Rousseau sagt:

    Davos – das schiki miki Treffen von Bankstern, Konzernen und ihren gekauften Politikern. Nicht mehr und nicht weniger. Hier stehen Menschen – sind es Menschen? – die durch Gier, Diebstahl und Lüge die Menschheit ausplündern. PUNKT. Geld kann nur durch ehrliche Arbeit vermehrt werden. Nicht durch Zins und Zinseszins – nicht an den Bö(r)sen – nicht durch Ausnutzung von Menschen, Tieren und Rohstoffen. All das hat seinen Preis und den bezahlen erst mal die Verbrecher und leider auch wir alle – mitgegangen, mitgehangen.

  7. xdl sagt:

    „Finanzexperten fürchten sich vor der nächsten Kreditblase …“

    Lächerlich!

    Es muß heißen sie ERWARTEN die nächste Kreditblase. Denn dieses **********
    ist Verursacher und Profiteur derselben.

    • Clasine sagt:

      Wer fürchtet sich vor dem bösen Mann ? Doch nur die, die ihn auch bestellt haben, oder ? Denn genau dahin wird er gehen, der „böse Mann“.