Schweiz: EU-Steuerforderungen gefährden den Mittelstand

Die EU will das Schweizer Steuersystem dem europäischen Standard unterwerfen. Damit wird vor allem der Spielraum der mittelständischen Unternehmen eingeengt.

Die Pauschalbesteuerung großer, internationaler Unternehmen, die einen Firmensitz in der Schweiz haben, ist international zahlreicher Kritik ausgesetzt. Obwohl die einzelnen Kantone durch die Ansiedelung dieser Unternehmen bislang noch von sprudelnden Steuereinnahmen profitieren, müssen andere Länder zusehen, wie die Einnahmen erfolgreicher Unternehmen der eigenen Wirtschaft in die Schweiz abwandern.

Die EU will die Fiskalunion politisch vorantreiben. Die Tage der freien Gestaltung ihres Steuersystems dürfen für die Kantone gezählt sein (mehr hier). Das Steuersystem der Schweiz steht vor einem Wendepunkt. Das Bankgeheimnis wurde bereits aufgehoben, was zu Ausfällen bei den Steuereinnahmen der Kantone führt. Als nächstes will sich die EU die Steuerregimes der Schweiz mit den ausländischen Konzernen vorknüpfen. Dann sind auch für den Bund Steuereinnahmen in Höhe von 3,8 Milliarden Franken pro Jahr in Gefahr, wie der Tagesanzeiger berichtet.

Auch die Besteuerung von Privatpersonen wird sich verändern. Frankreich hat bereits angekündigt, französische Staatsbürger, die in der Schweiz leben, extra besteuern zu wollen. Dies gilt auch im Falle einer Erbschaft, die ein Schweizer seinen französischen Nachkommen hinterlässt. Die Attraktivität des Standortes Schweiz für ausländisches Kapital steht auf dem Spiel.

Aus diesem Hintergrund ergibt sich ein Dilemma für die Politik: Die Sonderregimes können nicht ersatzlos gestrichen werden, da ansonsten die Unternehmen schlagartig das Land verlassen würden und der Steuerausfall ein tiefes Loch in die Staatskasse des Bundes reißen würde. Andererseits können die Kantone die Steuersituation für ausländische Unternehmen nur attraktiv halten, wenn sie sie für alle Firmen so stark senken, dass ausländischen Firmen kein Nachteil entsteht. Auch mit dieser Maßnahme sind Steuerverluste –  diesmal für die Kantone –  verbunden.

Vermutlich werden die finanziellen Nachteile einer Reform des Schweizer Steuersystems auf das schwächste Glied der Kette umgelegt – auf den Mittelstand. Höhere Steuern und Abgaben werden folgen, vor denen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nicht so einfach fliehen können. Die Mehrbelastung kann durch Aufschläge bei den Studiengebühren, beim öffentlichen Verkehr, beim Gesundheitswesen, bei Schulen und bei den Sozialabgaben zum Tragen kommen. Global Player hingegen können mit der reinen Androhung einer Firmensitzverlegung bessere Steuerdeals verlangen.

Kommentare

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  1. Kisch sagt:

    Sein wir erst mal gespannt welches Ergebnis die Abzocker Initiative, die Erbschaftssteuer Initiative und die 1:12 Initiative bringen werden. Diese drei haben das Potential das Wirtschaften in der Schweiz nachhaltig zu ändern.

    http://www.abzockerinitiativeja.ch/
    http://www.erbschaftssteuerreform.ch/
    http://juso.ch/de/1-zu-12-Initiative

  2. Nostradamus sagt:

    Liebe Schweizer bleibt neutral – behaltet eure VOLKSABSTIMMUNG ..all diese Erungenschaften die ihr beim

    Schwur auf der Rütliwiese getan habt .. haltet diesen ein !

    Seit 150 Jahren besteht diese schöne VOLKSABSTIMMUNG

    noch niemals war die Schweiz an einem Weltkrieg beteiligt.

    Das STIMMVOLK macht die bessere Politik, und wir hier wir wollen einiges NICHT und wir müssen es haben…komisch ??? Wir haben doch eine Demokratie ??!

    Andauernd GEGEN den WILLEN des VOLKES zu handeln trotz DEMOKRATIE, den WILLEN des VOLKES derart zu ignorieren als würde die POLITIK über den WOLKEN wohnen und nicht ahnen was die BASIS will, das führt irgendwann zu ganz bösen Überraschungen !

    Dann fragt man sich:“ JA WIE ????? konnte das denn nur geschehen ????

    Wie einst ein römischer Soldat einen in ROM gefragt hatte: “ WARST DU auch dabei ???!

    Er sagte: NEIN NEIN NEIN – noch ehe der Hahn gekräht hatte, hat er ihn verleugnet…so steht es geschrieben.

    Also er kannte den da gar nicht ja woher auch ? So ist es , so war es und so wird es immer bleiben !

    Niemals wählt das Deutsche VOLK eine PARTEI für VOLKSABSTIMMUNG….

    wie stimmt nicht ?

    wenn es wahr wäre, wäre die jetzige Situation bereits eine ganz ANDERE !

    Wie schon einst ein hoher Politiker sagte:

    JA – VOLKSABSTIMMUNG —- WO ? kämen wir denn da hin ? Frau Merkel möchte dies ja auch nicht und das ist ja die Ziehtochter liest man so in der Presse.

    Mich interessiert nicht was der Pöbel auf der Strasse spricht !

    Dankeschön für den Pöbel – Mich interessiert seither Ihr Geschwätz auch nicht mehr !

  3. UweK sagt:

    ….ich bewundere die Schweiz und ihre mündigen Bürger, die sich bisher die Brüsseler Bagage mit ihren „Wohltätigkeiten“ vom Hals halten konnten, zum Wohlergehen aller, ihrer kleinen und großen Steuerzahler, aber irgendwann fällt auch die letzte Bastion selbstbewußter Bürger den gefräßigen Eurokraten zum Opfer. Ob das wirklich besser für die Welt und Europa wird, wage ich zu bezweifeln, denn den Bock zum Gärtner zu machen ging noch nie gut aus!….aber wenn der Bock zu dreist wird, wie in „Resteuropa“ gerade, sollte er rechtzeitig unter´s Messer..fehlt nur der Metzger mit „cochones“

  4. Silberstreif sagt:

    Man sollte daran denken: Steuern sind Zwangsabgaben. Das Geschwafele von sog. Politikern, man muesse aus Gruenden der Steuergerechtigkeit Dieses und Jenes tun – geht fehl, denn: Steuern koennen nicht g e r e c h t sein. Man muss diesen Steigbuegelhaltern des Systemes stets aufs Maul schauen.

  5. AJ sagt:

    Eine solche Anpassung des schweizerischen Steuersystems erachte ich – als Schweizer – nur als logisch und inhaltlich korrekt: es kann wirklich nicht angehen, dass (Steuern-)Zuzügern grosszügige Zugeständnisse gemacht werden, während wir Schweizer in der Schweiz deutlich höhere Steuern bezahlen.
    Denn eine Folge ist der Anstieg der Liegenschaftenpreise: aufgrund der Steuerersparnisse können Steuer-Zuzüger deutlich höhere Preise bezahlen … und sind immer noch finanziell bevorzugt.
    Diese Anpassung ist nur korrekt.

    • UweK sagt:

      ….Sie werden sich „als Schweizer“ noch wundern, wenn die Eurokraten sich Ihren bisherigen Wohlstand „einverleiben“, mit dem die Eidgenossen bisher ganz gut gelebt haben. Alles kann man nun mal nicht haben…..und, was ist gerecht ?….und wo ?…und wer hat noch diese Illusion?, die Schweizer?

    • Ariovist sagt:

      Die Schweizer verdanken ihren Wohlstand ihrem Steuersystem, welches seine Bürger nicht ausraubt! Dadurch konnte sich das Proletariat nicht so vermehren, wie in den angrenzenden Staaten und so verlaufen auch die jeweiligen Volksabstimmungen. Echte Bürger wählen immer konservativ, nur das Proletariat „experimentiert“, weil es nichts zu verlieren hat. Nicht umsonst ist diese Schichte seit der französischen Revolution in ihren Spitzenpositionen unterwandert und wird als politische Speerspitze für die Eigeninteressen ihrer Drahtzieher mißbraucht. Die Schweiz ist beispielhaft und zeigt, dass gerade mit niedrigen Steuern der höchste Volkswohlstand erreicht werden kann.

  6. Beat Studer sagt:

    Es ist gut, dass bezüglich Steuergerechtigkeit etwas getan wird, aber wie jedermann weiss, gibt es noch viele andere und grössere Steurerschlupflöcher, in denen keine oder viel weniger Steuern bezahlt werden muss. Aber es ist halt viel einfacher auf die „Kleinen“ einzutreten, als auf die „Grossen“ (USA, England, etc.) oder die eigenen Probleme zu lösen. Zudem haben die wirklich Reichen ihr Vermögen längstens aus der Schweiz abgezogen und nur der Mittelstand wird noch geschröpft.

  7. J.J.Rousseau sagt:

    Im Gegensatz zur gesamten EU gibt es in der Schweiz die direkte Demokratie. Alle Bürger müssen über solche Fragen abstimmen. Daher hat die Brüssler Junta nur den Schein von Penetranz. Natürlich sind auch in der Schweiz die Bankster, Konzerne und ihre gekauften Politiker ein Demokratie Problem. Sie müssen den Bürger aber hinterhältiger täuschen und über den Tisch ziehen. Daher dürfte eher die EU bereits untergegangen sein, als solche Anliegen in der Schweizer Bevölkerung ins Gespräch, geschweige zur Abstimmung kommen. Das ist die Lage! Die Menschen der EU sollten an ihren Demokratien arbeiten – dann ginge es auch besser.