Finanzmarkt in Österreich so schwach wie kein anderer

Eine Studie mit Daten seit dem Jahr 1900 belegt, dass der Finanzmarkt in Österreich zu den schlechtesten der Welt gehört. Vor allem Wertpapiere mit kurzen Laufzeiten sind ein Grab für Investitionen. Auch in anderen Ländern werden die Renditen künftig eher kleiner ausfallen.

Forscher der London Business School entwarfen eine Studie für die Schweizer Großbank Credit Suisse und fanden dabei heraus, dass Österreich „in den vergangenen 113 Jahren die niedrigsten realen Aktienrenditen von allen Ländern mit Daten von 1900 bis heute“ aufweist, berichtet der Standard. Die Daten zu der Studie stammen aus dem Jahrbuch zu den globalen Kapitalmärkten.

Anleger mit Wertpapieren, die nur eine kurze Laufzeit haben, haben demnach in Österreich etwa 99 Prozent ihres Geldes verloren. Mit Aktiengeschäften hat sich das Vermögen zwar verdoppelt, doch ein knappes Jahrhundert hätten Investoren mit heimischen Aktien nichts verdient. Österreich hinke also im internationalen Vergleich der Finanzmärkte hinterher. Der durchschnittliche, inflationsbereinigte Gewinn aller untersuchten 25 Länder betrug jedoch lediglich fünf Prozent seit dem Jahr 1900.

Anleger müssten daher manchmal ein ganzes Leben lang auf den Ertrag aus ihrer Investition warten. Die kurzfristigen, hohen Renditen in der Vergangenheit seien nicht normal gewesen, belegt die Studie. Da die Zinsen mittlerweile im Zuge der lockeren Geldpolitik im Keller sind, müssen sich die Marktteilnehmer auch in Zukunft eher auf geringere Erträge einstellen. Aus der langjährigen Investment-Entwicklung in Österreich kann man herauslesen, dass es besser ist, seine Investitionen am Kapitalmarkt so zu streuen, dass Risiken minimiert und Schwankungen ausgeglichen werden können.

Das zeigt auch das Beispiel Japans: Nach dem Platzen der Immobilienblase im Jahr 1990 schrumpfte der Aktienmarkt von einst  40 Prozent auf acht Prozent der globalen Marktkapitalisierung. Daher sei es nicht unbedingt von Vorteil, all seine Investitionen in nur einem Land zu tätigen.

Weitere Ergebnisse der Studie belegen, dass im Schnitt günstig bewertete Aktien einen höheren Gewinn abwerfen, als Aktien, deren Kurs im Vergleich zu den Unternehmenszahlen in die Höhe schießen. Aktienrenditen werden jedoch künftig im Schnitt nur noch halb so hoch sein wie im Jahr 1950.

Viele Marktteilnehmer leugnen diese durch die Studie belegte Realität: „Viele Ertragserwartungen sind unrealistisch.” Mit Aktiengeschäften seien künftig nur noch etwa drei Prozent an Renditen denkbar, mit Anleihen sogar nur noch etwa 0,5 Prozent, so die Schätzung. Investoren legen derzeit ihr Geld in Anleihen an, um größere Verluste bei risikoreicheren Finanzprodukten zu vermeiden. Ein Verlustrisiko besteht jedoch auch bei dieser Geldanlage.

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