Schwache US-Mitarbeiter der Telekom müssen eine „Narrenkappe“ tragen

Was Amazon kann, kann die Deutsche Telekom auch: US-Gewerkschaften und Verdi schlagen Alarm über zum Teil abenteuerliche Arbeitsbedingungen. Die Arbeitnehmer hätten kaum Rechte und würden systematisch gedemütigt. „Die Deutschen wären entsetzt“, sagt ein US-Gewerkschafter.

Während sich die deutschen Politiker über die Praktiken des US-Konzerns Amazon in Deutschland aufregen, ist in den USA die Deutsche Telekom – immerhin ein Staatsbetrieb – ins Gerede gekommen. Die Angestellten in Call Centern für T-Mobile USA, das der Deutschen Telekom gehört, sind über die Arbeitsbedingungen aufgebracht. Dies berichtet die US-Gewerkschaft Communications Workers of America (CWA). Die Arbeitsbedingungen in den US-Call Centern seien deutlich schlechter als in Deutschland, sagten Mitarbeiter von T-Mobile USA.

Angestellte von Berliner Call Centern hatten eine Woche lang die Arbeitsbedingungen im US-Bundesstaat South Carolina untersucht. Sie wurden von der Gewerkschaft Verdi in die USA zu dieser Fact-Finding-Mission entsandt. Während die Gewerkschaft Verdi in Deutschland großen Einfluss auf die Unternehmenskultur der Telekom hat, verhindere das Unternehmen in den USA die Mitbestimmung aller Gewerkschaften, so CWA.

Sharan Burrow von der internationalen Gewerkschaft ITUC sagte, Telekom-Chef René Oberman und die deutsche Regierung müssten auf die Stimme der Angestellten hören und gegen Ausbeutung vorgehen. „Es gibt Unternehmen, die in Europa respektiert sind und sich in den USA schlecht verhalten“, zitiert ihn CWA. Zu den brutalen Methoden des Managements in den USA gehöre es, die Angestellten zu zwingen eine erniedrigende Narrenkappe zu tragen, wenn sie nicht so erfolgreich waren wie verlangt, behauptet die CWA.

„Das deutsche Volk muss wissen, was mit Angestellten in den USA gemacht wird“, sagte Burrow. Die Deutschen wären entsetzt. Denn die Deutsche Telekom, auf die sie so stolz seien und die den Namen „deutsch“ trägt, mache ihren Angestellten Angst und schüchtere sie ein. „Wir sagen zu T-Mobile, wir erwarten Besserung. Arbeitnehmerrechte enden nicht an der deutschen Grenze, sie gelten für alle Menschen“, sagte der Gewerkschafter.

Tomas Lenki arbeitet für die Deutsche Telekom in Berlin und ist Mitglied bei Verdi. Er sagte: „Was wir diese Woche in persönlichen Gesprächen erfahren haben, steht in starkem Kontrast zu dem, was die Deutsche Telekom uns gesagt hat. Wir fühlen uns vom Aufsichtsrat der Deutschen Telekom hintergangen und belogen“, zitiert ihn CWA. Die Bundesregierung ist der größte Anteilseigner der Deutschen Telekom. Daher wollen die Gewerkschaften im Wahljahr 2013 den Druck auf Berlin erhöhen.

Kommentare

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  1. syssifus sagt:

    Wer von unseren Qualitätspolitikern,würde ohne eine solche Kappe herumlaufen ?

  2. Orwell Georg sagt:

    Deutsche Telekom ist ein Aktiengesellschaft. Warum ein Staatsbetrieb? Habe ich etwas verpasst und wir befinden uns wieder in der DDR?

    Gut, der Bund halt einen hohen Prozentsatz, aber die Telekom ist unabhängig. Warum sollen in USA deutsche Massstaebe ansetzen?

    Kriegen die Mitarbeiter von T-Mobil auch 34 Tage Urlaub?

    Ganz bestimmt nicht, oder?

  3. Party Animal sagt:

    Is doch gut für die Telekom Mitarbeiter, so haben sie einen Anreiz sich zu verbessern.
    Man muss nicht immer alles negativ sehen.

    • matty sagt:

      Schöner Gedanke. Am besten du setzt dir selbst gleich so eine Narrenkappe auf und bleibst dabei bis dir ein besserer Kommentar eingefallen ist.

    • me sagt:

      Sie haben sicherlich noch nie in einem Call-Center gearbeitet, noch mussten Sie diesen „Lohn“ mit ALG2 aufstocken, um Ihre Familie zu ernähren. Ignoranz ist das, was uns aufhält…

  4. poncho sagt:

    Und bei uns wäre dann jeden Tag Fassenachtssitzung im Reichstag. Aber moment, die haben wir auch ohne Narrenkappe!

  5. FDominicus sagt:

    Könnten wir diese Narrenkappe nicht ausnahmsweise einmal unseren Politikern aufsetzen?