Österreich: Gewerbe und Handwerk in der Krise

Die mittelständischen Unternehmen in Österreich spüren die Euro-Krise stärker als die Großindustrie. Die starke Polarisierung von starken und schwachen Unternehmen in Österreich verhindert eine schnelle wirtschaftliche Erholung.

Das nominelle Wachstum im Einzelhandel betrug 1,1 Prozent im vergangenen Jahr. Real ist das Handelsvolumen jedoch um einen Prozentpunkt gesunken, berichtete das österreichische Forschungsinstitut für kleine und mittlere Unternehmen (KMU Forschung Austria). Der Rückgang der Umsätze ist vor allem durch den Preisanstieg zu verstehen. Die Inflationsquote lag jedoch unter dem Durchschnitt von 2,4 Prozent (2,1%). Der absolute Umsatz des Einzelhandels in Österreich betrug 52,8 Milliarden Euro.

Ungelöst ist die starke Polarisierung zwischen den verschiedenen Unternehmen: Ein Viertel der Unternehmen mit einem Wachstum von zehn Prozent stehen einem anderen Viertel mit einem Rückgang der Geschäftstätigkeit von  zehn Prozent gegenüber (siehe Grafik 1). Daher sind die Gesamtgewinne (46%) etwa genauso hoch wie die Verluste (45%). Vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen leiden zuerst unter der schwachen Nachfrage.

Die Wirtschaft ist im vergangenen Quartal sogar leicht geschrumpft. Das hat Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Österreicher: Die Erfolgsbranchen sind der Schuh-Einzelhandel, Drogerien und Parfümerien, der Handel mit Sportwaren und mit Elektronikartikeln. Die Preise von Elektronikartikeln sind am stärksten gesunken und wurden auch am stärksten nachgefragt. Das größte Umsatzminus erzielten die Bereiche des Papier- und Bucheinzelhandels sowie der Handel mit Spielwaren. Das Weihnachtsgeschäft lag etwa drei Prozent unter dem Niveau vom Vorjahr.

Die Umsätze von Gewerbe und Handwerk entwickelten sich in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahrs positiv, jedoch etwas schlechter als im Jahr 2011 (-0,6%). Das Gewerbe und Handwerk hat sich damit schlechter entwickelt als andere Sektoren der österreichischen Wirtschaft.

Im vierten Quartal brachen die Umsätze dann trotz des Weihnachtsgeschäftes ein. In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres leicht gesunken (0,5%). Im konsumnahen Bereich verzeichneten zwanzig Prozent der Unternehmen Umsatzrückgänge, 14 Prozent konnten Gewinne einfahren, bei 66 Prozent gab es keine Veränderungen. Für das erste Quartal 2013 werden keine Veränderungen Umsätze erwartet. Insgesamt überwiegen die pessimistischen Einschätzungen (Grafik 2).

Kommentare

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  1. Schlaui sagt:

    Die o.g. unerträglich geschönten Zahlen sollten von „Deutsche Mittelstandsnachrichten“ die ich als grösstenteils unabhängiges Medienorgan beachte, nicht übernommen werden. Diese Schönfärberei erinnert an Aktuelle Kamera und Endsiegpropaganda. Die tatsächlichen Umsatzrückgänge dürften sich bei 20 – 30 % bewegen. Fragen Sie mal österreichische Steuerberater, die einen sehr guten Überblick haben durch ihre Klienten, oder einen Restaurantbesitzer oder einen Ferienwohnungsbesitzer, oder, oder, oder…

    • cocooning sagt:

      Das hängt aber auch von der Branche und Region ab. Österreich hat hauptsächlich Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistung und Tourismus. Österreich hat eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten der EU. Viele Bayerische Unternehmen wandern wegen niedrigerer Steuern nach Österreich ab. Deutsche Handwerker wegen des Verdienstes ebenso. Erst kürzlich hat Carbon-SGL mit der Benteler-Gruppe dort ein neues Werk gebaut. In Österreich bleibt i.d.R. mehr Netto vom Brutto übrig. Im Grenzgebiet kaufen Österreicher eher in Deutschland ein und Deutsche tanken eher in Österreich ihr Auto auf.

    • hugin sagt:

      Schlaui@
      Du hast recht ! Bei Umfragen durch die WKO hat keiner den Mut, seinen Umsatzrückgang anzugeben. Ein Idikator der Wirtschaft sind die Mauteinnahmen der ASFINAG von den LKWs. Ein Rückgang der Wirtschaft bedingt weniger Transport auf Autobahnen. Heuer sind in Österr. Nationalrats-Wahlen. Anschließend kann man sich auf Steuererhöhungen einstellen. das dürfte auch ein Grund zaghafter Invetitionen sein.
      Als Beispiel die vorverlegten Gemeinderatswahlen in Graz: Bereits zwei Tage nach der Wahl fand eine Sitzung des Finanzausschusses statt.
      Top 1 „Einnahmenseitige Budgetsaniereung“. Diese Wortschöpfung beseutet, Steuereröhungen und neue Steuern ! So siht der politisch Alltag aus.