Unruhe nach Wahlergebnis: Zinskosten Italiens steigen, Aktienkurse im Keller

Der italienische Leitindex ist im freien Fall und auch an den anderen europäischen Aktienmärkten stoßen die Investoren Papiere ab. Der Hochfrequenzhandel begünstigt diese Entwicklung. Die Zinssätze in den südeuropäischen Länder erhöhten sich jedoch deutlich. Die Rendite für zweijährige Bonds aus Italien stieg um mehr als 18 Prozent.

Am Tag nach der Italien-Wahl haben die europäischen Aktienmärkte bereits in den ersten Handelsstunden deutliche Verluste hinnehmen müssen. Nachdem die italienischen Aktienkurse nach den ersten Hochrechnungen am Montag noch anzogen, sorgt das endgültige Ergebnis für einen heftigen Kursrutsch. Der Leitindex FTSE MIB fiel nach dem Handelsstart um mehr als 4,35 Prozent unter die 16.000 Punkte-Marke. Die Aktienkurse der italienischen Banken sackten teilweise um bis zu zehn Prozent ab.

Bereits gestern verlor der Euro gegenüber dem Dollar – aktuell hat er sich kurzfristig von einem Wert von unter 1,305 Dollar etwa erholt. Der Dax verbucht derzeit ein Minus 132 Punkten, der französische CAC 40 büßte zwischenzeitlich zwei Prozent ein. Die Dynamik, mit der die Aktienindizes auf die Wahlergebnisse reagieren ist jedoch auch auf die Algorithmus-Käufe zurückzuführen, bei denen vielmehr der Hochfrequenzhandel, der von Computer getätigt wird, ausschlaggebend ist als ein tatsächlicher Händler. Binnen weniger Sekunden können so Aktienkurse massiv einbrechen bzw. steigen und einen Dominoeffekt auslösen. Hinzu kommt, dass die Märkte derzeit noch dank der lockeren Geldpolitik der vergangenen Monate mit immensen Geldmengen geschwemmt sind, so dass Massenverkäufe nicht ungewöhnlich sind.

Die Ungewissheit bezüglich einer möglicher Weise notwendigen Neuwahl trieb hingegen die Zinskosten für italienische Anleihen in die Höhe (mehr hier). Die Rendite für zweijährige Bonds machte einen Sprung um mehr als 20 Prozent (auf 2,08%), die Zinskosten für Anleihen mit einer Laufzeit von 5 Jahren stieg um über 8 Prozent und für zehnjährige Papiere um 5,7 Prozent auf mittlerweile wieder 4,79 Prozent. Denkbar schlechte Voraussetzung für die noch am Dienstag anstehende Emission sechsmonatiger, italienischer Anleihen im Wert von 8,75 Milliarden Euro.

Auch in anderen südeuropäischen Ländern manifestierte sich das Ergebnis in Italien in den Refinanzierungskosten. Die Zinskosten für Spaniens zweijährige Anleihen kletterten auf 2,69 Prozent und die Rendite für fünfjährige (3,96%) sowie zehnjährige Bonds (5,28%) legte ebenfalls zu. Ein ähnliches Bild zeigte sich darüber hinaus auch in Portugal, dort stiegen die Zinskosten für zweijährige zwischenzeitlich beispielsweise um fast 10 Prozent.

Die steigenden Zinskosten für italienische Bonds sind nicht ohne Folgen. Bereits im vergangenen Jahr erreichten diese eine Höhe, die es der damaligen Regierung kaum mehr ermöglichte, die Schulden zu refinanzieren. Damals griff die EZB massiv in den Staatsanleihenmarkt ein, doch unter dem neuen Anleihekaufprogramm kann die EZB erst durch Bondskäufe die Zinskosten reduzieren, wenn Italien einen Bailout beantragen würde.

Die Problematik der Refinanzierungskosten für immer mehr europäische Länder rückt auch wieder ins Zentrum der Planung der EU, gemeinsame Eurobonds einzuführen. Mittelfristig, in 18 Monaten bzw. in den kommenden fünf Jahren, „beabsichtigen wir eine tiefere Integration, die mit einer Änderung der Verträge einhergeht“, sagte Währungskommissar Olli Rehn auf einer Konferenz der Vorsitzenden des Finanzausschusses des EU-Parlaments in Dublin. Der Leitsatz der EU sei es, „dass alle Schritte in Richtung mehr Solidarität und gegenseitige Risikoübernahme mit mehr Verantwortung kombiniert werden müssen“, zitiert ihn der Irish Examiner. Dies bedeute, eine weiteres Teilen der haushaltspolitischen Souveränität und eine tiefere Integration bei der Entscheidungsfindung, fügte Rehn hinzu.

Kommentare

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  1. Konjunktion sagt:

    Wenn schon nicht Rechts oder Links, dann wenigstens Populist

    Ein paar Gedanken zur Wahl in Italien und das Verhalten unserer Leit(d)medien, die gezielt die gewählten nicht-EU-konformen Parteien angehen:

    http://konjunktion.info/?p=1721

    VG

  2. Denise sagt:

    Genau, wieder ein Schritt zur EUdSSR. Schuldenunion und veralgemeinern der bereits gemachten Schulden will kein Steuerzahler!!! ZwangsEU lehne ich ab und wähle jeden Gegner dieser Verbr..!

    • akü sagt:

      http://www.volksinitiative-esm-austritt.de dokumentiert.

      Alle deutschen

      Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und wahlberechtigt sind, haben das Recht, diese Volksinitiative zu unterschreiben. Sie ist gültig, wenn sie von 400 000 wahlberechtigten Bürgern unterschrieben wird.

      • Nostradamus sagt:

        sebstverständlich mache ich hier mit – es ist mir eine EHRE hier teilzunhemen !

        http://www.volksinitiative-esm-austritt.de

        Zur kommenden Wahl….

        wählt endlich die Parteien für VOLKSABSTIMMUNG !!!!

        es kann doch nicht sooo schwer sein ein kreuzchen zu machen für sich selbst – und für das VOLK !!!!

        ALLE STAATSGEWALT geht vom VOLKE AUS !!!!!!!

        so steht es geschrieben !

        Die SCHWEIZER könnens auch schon 150 JAHRE lang … waren die schonm aml an einem KRIEG beteiligt per VOLKSABSTIMMUNG ??????

        EBEN !!!! – haben die Schweizer ihren FRANKEN noch – den sie sich mühselig erarbeitet haben !

        BÜRGER … die ihr sein wollet – des Deutschen VOLKES – schreitet zur DEMOKRATIE – wählt die VOLKSABSTIMMUNG!

        Wie lange noch wollt ihr euch von sogenannten repräsentativen Demokraten die nicht das VOLK repräsentieren noch repräsentieren lassen ????

        IST das der WILLE des VOLKES !!!!!

  3. RicoCoracao sagt:

    Wir lieben ein Europa der Vaterländer, wir hassen und verachten und boykottieren diese EU Diktatur.. Dagegen kommt Niemand an, auch nicht mit Waffengewalt, alle hassen diese EU! Wir werden die Leute zur Rechenschaft ziehen, die unserem Land schaden zugefügt haben (ESM,TARGET2 z.B.) oder Beihilfe (Medien) geleistet haben.. früher oder später

  4. Schleswig sagt:

    Gerade Mal 1,9 % war der Dax im KELLER. Keller seht anders aus.