Merkel fordert die Fortsetzung von Italiens Reformplan

Wenn Italien nicht bereit sei, weitere Reformen durchzuführen, werden weder EZB noch die übrigen EU-Partner dem Land helfen, sagt der Wirtschaftsweise und Merkel-Vertraute Lars Feld. Steigende Zinskosten und massive Kapitalflucht werden die Folge sein. Der Bestand der Euro-Zone sei gefährdet.

Während Bersani nach der verfehlten Mehrheit im Senat nun versuchen muss, eine stabile Regierung zu bilden, um Italien nicht Monate zu lähmen (hier), gehen indes die Ratschläge aus Europa weiter. Italien sei zerrissen und es fehle „jegliches Gefühl für soziale Gerechtigkeit und Gemeinsinn“, schreibt der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, in der FAZ. Daher brauche das Land Moderatoren von außen. Aus eigener Kraft könne das Land die tiefe Zerrissenheit und Spaltung seiner Gesellschaft nicht überwinden, ergänzt er. Sollte es Italien jedoch nicht gelingen, dies zu überwinden und weiter Reformen durchzuführen, „so wird dies mittelfristig irreparable Folgen für den Euro haben“, schreibt Börner. Ein Austritt Italiens aus dem Euro schließt Börner im Fall der Reformunwilligkeit nicht mehr aus: Dann müssen „wir uns Gedanken machen, wie wir vielleicht mit einer modifizierten Eurozone umgehen müssen“.

Ähnlich kritisch blickt auch der Wirtschaftsweise Lars Feld auf den Ausgang der italienischen Wahlen. Feld ist einer der Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Offenbar sind die Italiener nicht bereit, den Weg der Reformen weiterzugehen, der unter Mario Monti eingeschlagen wurde“, sagte er der FAZ. Allerdings könnten sie dann auch nicht erwarten, dass die „europäischen Partner oder die EZB ohne diese Reformbereitschaft zur Stabilisierung der italienischen Wirtschaft bereit sind.“ Feld spricht vom Wahlergebnis als einen Rückschlag für die Stabilisierung der Eurozone. „Damit ist die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen erneut in Frage gestellt“, so Feld. Die Investoren werden ihr Kapital aus Italien abziehen und die Eurokrise werde in Kürze „mit aller Macht zurückgekehrt sein“, ergänzt Feld.

Seine Äußerungen dürften den Gedanken der Kanzlerin vertraut sein. Es war schon bisher Merkels Taktik, dass sie durch entsprechende Aussagen aus ihrem Umfeld in der Öffentlichkit sondieren läßt, wie weit man gehen könne. Die ziemlich klaren Worte aus der deutschen Wirtschaft können dahingehend interpretiert werden, dass Merkel nach Optionen sucht, um einen Crash der Eurozone noch vor der Bundestagswahl zu verhindern.

Kommentare

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  1. webmax sagt:

    Welch ein dreckiges Spiel… Erst zwingt man ein Partnervolkfinanziell in die Knie und versagt dann – bei Wirkungslosigkeit der aufgezwungen Maßnahmen – weitere „Hilfen“.
    So macht sich die Finanzdiktaur Merkeldeutschland so richtig beliebt. Zeig es Ihnen in Brüssel, wackerer Caesare!

  2. Lilly Krümpelmann sagt:

    „Frau Merkel fordert“…alleine dieser Satz, da geht einem schon mal der Hut hoch.

  3. Agincourt sagt:

    Fragt sich nur, was denn bitte schön die Italiener „reformieren“ sollen, Frau Merkel.

    Der italienische Mittelstand (Noritalien) ist durchweg leistungsfähig, hoch spezialisiert und „am Markt“ erfolgreich.

    Das Lohnniveau (in den Köpfen unproduktiver und angelsächisch-dogmatisch dressierter BWLer stets, weil es so schön einfach ist, die entscheidende Richtgröße, nur natürlich nicht im Hinblick auf das eigene Stück am Kuchen) in Italien liegt – trotz Schröders gnadenlosem Sozialdumping – im Durchschnitt noch immer z.T. deutlich unter dem der BRD, was auch an einer gewissen, steuerlichen „Staatsferne“ der Unternehmen liegt.

    Diesen typisch levantinischen Umstand zu änerden dürfte vor dem Hintergrund der „gewachsenen, italienischen Mentalität“ ebenso aussichtslos sein wie die Veränderung des seit den Zeiten des Königreiches Beider Sizilien rückständigen Mezzogiorno.

    An diesen Umständen werden nicht einmal die megalomanen und soziopathischen Kriminellen von Goldman&Sachs irgend etwas ändern.

    Der italienische Sozilatstaat schließlich ist keineswegs überbordend großzügig – zwar ist das Rentensystem generös, aber ein „Hartz IV“ oder der Sozialhilfe (jetzt SGB XII) ähnliches Institut – so erbärmlich es in der BRD auch, in Abhängigkeit der individuellen Situation, sein mag – existiert in Italien überhaupt nicht.

    Es wäre auch finanzwirtschaftlich und ökonomisch nicht sinnvoll, einen – wie hier tendenziös behauptet – „todkranken Mann“ weitere Kredite hinterherzureichen.

    Das verbessert dessen Situation natürlich nicht – im Schuldgeldsysten schon überhaupt nicht.

    Und es bedeutet auch keine Lösung für die in Italien involvierten („deutschen“) Banken (die sich, mindestens „bilanzneutral“, ohnehin jederzeit über die „EZB“, wenn man so will, „sanieren“ können).

    Deshalb stellt sich die Frage, das die massiv von Goldman&Sachs „beratene“, von einer Mehrheit auch nur der wählenden – geschweige denn wahlberechtigten – Deutschen nie gewählte oder „demokratisch legitimierte“ Frau Merkel eigentlich mit ihren Allüren („Reformen“) beabsichtigt.

    Wenn nicht, wie überall in €uropa, die Verschleuderung des renditiertbaren italienischen Staatsvermögens an die Bankster.

    Denn den korrupten und bsi zum Zerreißen aufgeblähten, italienischen Staatsappart wird die Frau Merkel ja wohl kaum meinen – dort hockt ihresgleichen.

    Das sind die wirklich wertvollen Asstes, und die werden – nach dem unvermeidlichen „Reset“ des US$-System – entscheidend sein für die Positionierung im einer neuen Währungsordnung.

    Aber da bin ich optimistisch – die wendegehalste Zonen-Opportunistin besitzt ebenso wenig ein Einfühlungsvermögen ggü. den speziellen, italienischen Verhältnissen wie ihr Berater Feld, ein typisches Produkt der bundesrepublikanischen Akademiebetriebes.

    Beide werden sich – mindestens im Ergebnis – an der italienischen Mentalität und den dortigen Verhältnissen verheben.

    Je eher, desto besser für das wirkliche Europa.

    Und hoffentlich endgültig,

  4. fischbach sagt:

    Das ist doch alles so gewollt.
    Hier gelesen
    http://ineineandrewelt.blogspot.de/2013/02/usa-und-europa-vereinen-sich.html

    Frau Merkel kann und darf nicht mehr …

  5. dieter wolf sagt:

    Frau Merkel hat seit dem der ESM von ihnen unterschrieben wurde, überhaupt nichts mehr zu fordern! Das ist nur Wahlkampftaktik, um genug Wahlvieh zu bekommen.
    Schöne neue DDR.

  6. Ulli Schaller sagt:

    Das EURO-Abenteuer wird zuende gehen, wenn Deutschlands Rating auf Ramschniveau angekommen ist und die Deutschen „entspart“ sind.
    Das geschieht nicht im Jahre 2013 sondern irgendwann nach der BT-Wahl.
    (2014,2015 ??)

  7. Delta120 sagt:

    Die Italener haben keine Lust den griechischen oder spanischen Weg zu folgen. 25% haben Grillo gewählt und dieser hängt nicht am Euro. Da kann auch eine Hilfsverweigerung von dem Rest der Eurozone nicht schocken, denn er hängt nicht am Euro. Ein Ausstieg Italiens aus dem Euro würde die Eurozone praktisch sprengen, denn er käme zeitgleich mit der Pleiteerklärung Italiens. Dies hätte praktisch eine Währungsreform in ganz Europa zur Folge. Mit unseren privaten Renten-versicherungen könnten wir uns dann nicht einmal mehr ein Eis beim Italener kaufen.

  8. Eine Meinung sagt:

    Was letztendlich verpuffen wird, sind die bunten Zettelchen. Kann mir doch keiner
    erzählen, dass das Geld , das in Umlauf ist je erarbeitet wurde. Wenn ich das schon höre
    600 Billionen an Derivaten! Hier stimmt doch ganz sicher was nicht.
    Wir brauchen ein Vollgeldsystem! Dann hört es auf mit diesen astronomischen Zahlen und mit den ständigen Blasen, die dauernd platzen.

  9. flonic sagt:

    Würden die sogenannten Krisenländer der EU ihre Schulden nicht mehr bedienen (können oder wollen), kracht in Deutschland die Bankenwelt in sich zusammen. So sieht es aus. Und das ist der deutschen Regierung sehr wohl bewusst.

    Die Herren Bänker Deutschlands haben nach Einführung des Euros massiv außerhalb der Bundesrepublik investiert, da die heimische Wirtschaft diesen Herren viel zu polig war und nach deren Sichtweise keinen allzu großen Gewinn abzuwerfen versprach. So grundlegend kann man sich auch mit einem Master in BWL irren!

    Deshalb ist dieser Tanz auf der Rasierklinge, den unsere Regierung hier versucht durchzusetzen, mehr als gefährlich. Ohne Investitionen, Wirtschaftskraft aber mit hoher Arbeitslosigkeit und noch mehr Schulden sollen die sogenannten EU-Krisenländer mit reinen Sparprogrammenn ihre Schuldverpflichtungen bis in alle Ewigkeit bedienen. Das ist fast wie der Versailler Vertrag, der den Deutschen noch heute in negativer Erinnerung ist.

    Wenn es keine Art „Marshallplan“ für die EU-Krisenländer geben wird, werden sehr sehr viele Menschen auch in Deutschland ihr Erspartes verlieren.

    Und was hat man dann gewonnen? Nichts!

    Man muss den Kopf einsetzen nicht die Muskeln.