Mit Stuttgart 21 sind keine Gewinne zu erwarten

Stuttgart 21 wird niemals Geld verdienen. Mit heutigem Kenntnisstand hätte die Deutsche Bahn das Projekt niemals beginnen dürfen. Das ergibt sich aus einer Vorlage für den Aufsichtsrat. Damit wird der Bahnhof das größte Milliarden-Grab seit langem - durchgefüttert bis zum Jüngsten Tag vom deutsche Steuerzahler.

Die Deutsche Bahn sieht sich dazu gezwungen, das Bahnhofprojekt Stuttgart 21 fortzusetzen. Deshalb sollen auch die deutschen Steuerzahler das offenkundige Milliarden-Grab finanzieren (hier). Denn ein Abbruch wäre für die Bahn mit Milliardenkosten verbunden und noch teurer als die Fortsetzung des Projekts. In jedem der beiden Fälle ist das Großprojekt nicht mehr wirtschaftlich. „Mit dem heutigen Kenntnistand würde man das Projekt nicht beginnen“, zitiert Reuters ein Papier für die Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bahn am 5. März.

Selbst wenn die Bahn die zusätzlichen Kosten allein übernähme, wäre dies für das Unternehmen günstiger als ein Ausstieg, der mindestens 2 Milliarden Euro kosten würde, so das Papier. „Zum Aussteigen gibt es keine rechtliche Grundlage“, zitiert Reuters Bahnchef Rüdiger Grube. Auch der Bund hält an dem Projekt fest. Da der Aufsichtsrat von den Vertretern des Bundes dominiert wird, gilt eine Fortsetzung des Projekts nun als sicher.

Die Kosten des Projekts beziffert die Bahn auf maximal 6,5 Milliarden Euro. Das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart wollen sich nicht an den Mehrkosten über die vereinbarten 4,5 Milliarden Euro hinaus beteiligen. Daher wird die Bahn den Großteil der zusätzlichen 2 Milliarden Euro tragen müssen.

Die Bahn ist derzeit mit circa 16,8 Milliarden Euro verschuldet, so Reuters. Infolge der Zusatzkosten werden ihre Verbindlichkeiten nicht wie geplant um über eine Milliarde, sondern nur um circa 300 Millionen Euro sinken. Bei einem Ausstieg würden die Schulden des Konzerns jedoch um circa 200 Millionen Euro steigen.

Derweil hat ein ehemalige Stuttgarter Richter im Zusammenhang mit Stuttgart 21 gegen das Bundesverkehrsministerium Anzeige wegen Betrugs um EU-Subventionen gestellt (mehr hier).

Kommentare

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  1. Arne sagt:

    Bei dem Projekt geht es eh nur um die Grundstücke, die durch die Verlagerung des Bahnhofs in den Untergrund freiwerden. Ein paar Wenige haben jetzt schon prächtig dran verdient und deswegen darf es kein Zurück geben. Für mich ein weiterer Grund im Herbst Merkel & Co. abzuwählen!

  2. ggg1 sagt:

    Zum Ausstieg gibt es wohl eine rechtliche Grundlage:

    BETRUG !!!! und zwar von Hr. Grube persönlich. Er hat noch am 30.12.2009 wo die Ausstiegsklausel noch gezogen hätte, versichert die Kosten werden nicht über 4,5 Milliarden steigen.

    Zukünftig muß man solche Aussage PERSÖNLICH HAFTBAR machen. Mit Grubes Rente und 50% vom Privatvermögen.

    Grube selber ist übrigens eins der größten A….Gesichter aus ganz Europa. Er hält sich für ein ganz besonders alpha Tier.

    Aber auch alpha Tiere haben ihre Grenzen….

  3. ein_anderer sagt:

    Wenn ich ein derart ambitioniertes Großprojekt ins Visier nehme – Erweiterung eines Knotenpunkt-Bahnhofs von nationaler Bedeutung – bin ich verpflichtet, von vorn herein solche Fachleute hinzuzuziehen, die mit solchen Projekten Erfahrung haben und Erfolge vorzuweisen haben. Zum Beispiel die Planer und durchführenden Unternehmen der mehrmaligen Erweiterung eines der größten Bahnhöfe der Welt. Er steht direkt vor unserer Tür: Zürich. Wie Stuttgart war auch Zürich lange Zeit ausschließlich ein Kopfbahnhof, wie Stuttgart ergab sich die Notwendigkeit, dem durchgehenden Nahverkehr neue, schnellere Trassen zur Verfügung zu stellen, wie Stuttgart blieb als einzige Lösung der Gang unter die Erde.
    Inzwischen gehört Zürich mit drei (!) Verkehrsebenen zu den meistfrequentierten Bahnhöfen der Welt – und hat seine Umbauarbeiten mit Bravour bewältigt.
    Warum versuchen die Deutschen, solch eine gewachsene Erfahrung zu ignorieren und meinen, sie müssten alles neu erfinden? Und schaffen es nicht mal …
    Peinlich, peinlich, peinlich. Die letzte offene Frage liegt nun auf dem Tisch: Cui bono? Wer wurde geschmiert? Von wem? Wie lang und in welcher Höhe? Anders sind diese hanebüchenen Vorgänge um Stuttgarts Bahnhoferweiterung nicht zu erklären.

    • Hülsensack sagt:

      Richtig erkannt und genannt.
      Ein weiteres Beispiel, die LKW-Maut von Deutschland. Von anderen lernen oder übernehmen geht nicht, sonst verdient man ja nicht genug.

  4. J.J.Rousseau sagt:

    Doch, die Konzerne, die die Milliarden verbauen. Davon nicht die Arbeitnehmer – die verdienen zu wenig um damit zu leben – sondern wenige, die sich am „Projekt“ bereichern.

  5. Nostradamus sagt:

    …nur 5 Mann hatten dieses Projekt damals angeleiert… sagte Herr Geißler bei den damaligen Schlichtungsgesprächen.

    5 Mann …..ist das, das VOLK von Baden Württemberg ?

    Dinge die der Mensch nicht braucht: …..einen unterirdischen Bahnhof

    Wenn ich mit der Bahn unterwegs bin, bleibt mir nicht anderes übrig, als so lange mitzufahren bis ich am Ziel ankomme, das ist dem Bahnhof doch schlicht egal.

    Wenn ich mit dem neuen Bahnhof 20 Minuten früher in Bratislava ankomme (wie schon tausendmal propagiert) als mit dem Kopfbahnhof ,ist mit das auch egal, denn ich nehme den Flieger der ist erstens viel billiger und zweitens viel schneller als die Bahn.

    Besser wäre es die Rheintalstrecke zum Gotthard Tunnel zu forcieren, damit die Güter preiswert an die jeweiligen Häfen transportiert werden können.
    Die Autobahnen werden dadurch entlastet mit diesen schweren Transporten.

    Wo ? sind denn da die Grünen die die Güter auf die Bahn bringen… ???? Im Gegenteil die Güterbahnhöfe wurden eliminiert, von mir bis zum nächsten Güterbahnhof sind es nun 45 km ein Weg – früher gerade mal 1 km. Auch konnte ich die an mich gesandte Ware selbst abholen, so praktisch anliefern und gleich wieder abholen in einem Rutsch. Mit der Bahn bis nach Schottland, die Produkte sind auch angekommen damals nur heute muß es ja ganz anders sein.

    Die Luft muß verpestet werden, die Autobahn muß verstopft werden durch unzählige Transporter die auf den Strassen herumgurken.

  6. Wolfgang Schiegg sagt:

    Der Ausstieg rechnet sich natürlich aus betriebswirtschaftlicher Sicht der Bahn nicht. Frü den Steuerzhaler und den Bahnkunden allerdings sehr wohl. Die hohen Ausstiegskosten, die die Bahn berechnet, resultieren aus direkten und indirekten Zuschüssen seitens Stadt und Land, welche die Bahn im Falle des Ausstiegs zurückzahlen muss. Ferner rechnet die Bahn ca. 1,5 Milliarden zu den Ausstiegskosten, die sie über viele Jahre eingespart hat, indem sie die für die Sanierung des Gleisvorfeldes zugewiesenen Steuergelder einsackte und zweckfremd verwendete, da sich diese „Sanierung durch den Tiefbahnhof erübrige“ (Kefer). Im übrigen sind sämtliche Gelder, mit denen die Bahn wirtschaftet, Steuergelder.
    Aus der Sicht der Bahnkunden stellt sich S 21 so dar: S 21 bedeutet nachweislich eine Verringerung der Leistungsfähigkeit des Bahnknotens Stuttgart auf etwas mehr als die Hälfte dessen, was der Kopfbahnhof leisten könnte. Und dieser Rückbau wird mit Steuergeldern finanziert und im Zentrum einer großen Industrieregion durchgeführt. Ein vollkommener Irrsinn und in höchstem Maße unverantwortlich! Zudem ist S 21 völlig zu Recht kein Projekt des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege, bindet aber über viele Jahre Steuermittel, die zum Erhalt und Ausbau der deutschen Schieneninfrastruktur dringend notwendig sind. Anstelle z.B. die für den transeuropäischen Personen- und Güterverkehr elementare Rheintaltrasse (bis 2020) auszubauen, wozu sich die Bundesrepublik durch Staatsvertrag mit der Schweiz verpflichtet hat, werden Milliarden Euro in eine angeblich wichtige Magistrale Paris – Bratislava versenkt. Die Politiker, die eine solche Politik aus rein wahltaktischen Gründen stützen und den Steuerzahlen bluten lassen, gehören abgewählt.