IT-Branche beklagt Mangel an deutschen Informatikern

Die IT-Branche bietet trotz Wirtschaftskrise beste Berufs-Chancen. Doch noch immer gibt es zu wenige Informatiker. Die jungen Leute studieren lieber Geisteswissenschaften. Die Folge: Die Jobs gibt es durch Outsourcing in den Schwellenländern.

In Deutschland sind offenbar die Prioritäten bei der Berufsausbildung falsch gesetzt. Die beliebtesten Studien in Deutschland im laufenden Wintersemester sind Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, berichtet die WirtschaftsWoche. Es gibt doppelt so viele Studienanfänger in Sprach- und Kulturwissenschaften wie in Informatik.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) rät den jungen Leuten dagegen, auch mal eine Ausbildung in Betracht zu ziehen, die dann auch zu einem Beruf nützlich sein könnte. Informatiker haben aufgrund der guten Auftragslage und der guten Prognose für die IT-Branche hervorragende Karrierechancen. „Die IT-Branche wird 2013 im Vergleich zur deutschen Wirtschaft überdurchschnittlich wachsen“, sagt Dieter Westerkamp, der stellvertretende Leiter Technik und Wissenschaft im VDI. Das Problem der Branche besteht darin, dass noch immer zu wenige junge Menschen Informatik studieren.

Die Zahl der Erstabschlüsse in Informatik hat sich seit 2001 beständig erhöht, sagt Ina Kayser, Arbeitsmarktexpertin im VDI. Die deutlich gestiegene Zahl der Erstabschlüsse habe aber mitnichten zu einer Überschwemmung im IT-Arbeitsmarkt geführt. „Das Gegenteil ist der Fall: Die Absolventen wurden regelrecht vom Markt aufgesogen“, sagt Kayser. Im Dezember 2012 habe es fast 20.500 offene Stellen für Informatiker gegeben – trotz des Abschwungs der deutschen Wirtschaft. Im Durchschnitt gab es 3,7 offene Stellen je arbeitslosem Informatiker.

Dieser Mangel an Informatikern wird auch für die Zukunft erwartet. Nur 25 Prozent der vom VDI befragten IT-Experten meinen, dass die Verfügbarkeit von IT-Spezialisten gut oder gar sehr gut ist. Es gebe nicht ausreichend Bewerber. Knapp 70 Prozent der Befragten sagen, dass der Bedarf bis 2015 weiter steigen wird. „Großunternehmen setzen mit 53 Prozent der Nennungen auf Outsourcing von Dienstleistungen. Über 40 Prozent der Befragten aus Großunternehmen geben sogar an, deswegen die Verlagerung von Bereichen ins Ausland zu forcieren. Das muss zu denken geben“, sagt Westerkamp.

Kommentare

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  1. Berliner Gehirnwäsche sagt:

    Billige Arbeitssklaven im Niedriglohnsektor Informatik werden gesucht.
    Geregelte AZ, Urlaub, Urlaub.-Weih.-geld? So was gab es im letzten Jahrtausend.

    Schuften bis 67 (seit froh, daß die Konzerne eure Jobs nicht nach Ost Outsourcen), für die 54 Stundenwoche, für freiwillgen Urlaubsverzicht, für freiwilliger Verzicht auf bezahlte Ü.-stunden und das für die Riesterente die zu viel zum sterben zu wenig zum Leben sein wird.

    Deutschland und seine kollektive Gehirnwäsche. Wohlstand für Alle und gesicherte Rente, aber erst im Himmelreich.

  2. MINT sagt:

    Unlängst durfte ich einen recht aufschlussreichen Austausch unter Informatikern eines Softwarenentwicklungsunternehmens beobachten, ein Inder, ein Chinese und zwei Osteuropäer. Bis alle Teilnehmer aufgrund sprachlicher Probleme auch nur annähernd verstanden haben was genau das Thema ist, hätte ein fitter deutscher Informatiker das Problem vermutlich schon halb gelöst. Ich konnte leider nicht die sonstige Leistungsfähigkeit der Teilnehmer beurteilen, wenn ich mir aber die verbrauchte Zeit x 4 Köpfe zusammenrechne, ob da dann noch was gespart ist, trotz vielleicht niedrigerer Gehälter? Die Kunden-Reklamationen des Unternehmens sind im letzten Jahr jedenfalls exorbitant gestiegen.

  3. Bonsai sagt:

    Ich bin Contractor, mein Honorar liegt auf dem Level von 1997. Viele Kollegen arbeiten für wesentlich weniger. Wenn der Mangel so groß ist, müssten die Honorare eigentlich steigen… In 5 Jahren geht es mit der Rente für die geburtenstarken Jahrgänge los. Da werden sich ganze IT Abteilungen entvölkern. Aber von Personalaufbau sehe ich nirgendwo was. Das Gegenteil ist der Fall: Verschlanken ist angesagt. Ich kenne bei Banken Abteilungen, da gibt es keine internen Programmierer mehr. Der Arbeitsstreß ist gewaltig. Hoffentlich bald wieder goldene Zeiten für Freelancer.
    Ich vermute aber, dass diese journalistischen Ergüsse den Boden für ein gesellschaftlich akzeptiertes Offshore-Outsourcing bereiten sollen.

  4. Peppermint sagt:

    Es ist doch merkwürdig. Ich kenne mindestens zwei, Informatiker, die sich jahrelang von Aushilfsjobs und Zeitarbeitsunternehmen zu Zeitarbeitsunternehmen durchschlagen mussten. Zeitweise mit zwei Wohnsitzen leben mussten. Ich denke es geht eher darum, das noch nicht genug „Computerproletariat“ geschaffen wurde und die „Deutsche Industrie“, nicht genug b i l l i g e Programmierer für sich sieht.

  5. Uwe Borchert sagt:

    Ich hacke nur ungern auf Schreibfehlern herum, aber es muss die Fachkräftemangel heißen. Bzgl. der Absolventenzahlen haben wir in den MINT-Fächern ein sattes Überangebot. Es verlassen fast zehn mal so viele Absolventen wie der Arbeitsmarkt dann real auch aufnimmt. Zahlen gibt es bei der BA und beim Studentenwerk.

    Aus der Zahl der Stellenanzeigen auf den realen Arbeitsmarkt zu schliessen ist nicht zulässig. Hinter den meisten Anzeigen stecken gar keine Stellen. Personalvermittler und Zeitarbeitsfirmen nutzen sgg Allgemeinanzeigen um die Datenbanken aufzufüllen. Damit will man auf evtl. eingehende Anfragen schneller reagieren können. Die Anfragen kommen aber sehr, sehr selten bis nie. Firmen schreiben nichtexistente Stellen aus um den Eindruck von Wachstum vorzutäuschen. Je nach Konjunktur sind 70 bis 90% aller Anzeigen Dummyanzeigen ohne real existierende Stelle dahinter.

    Der Sinn hinter den Arien aus der Fachkräftemangel ist aber nicht nur das Ausbauen und Aufrechterhalten des für die Arbeitgeber komfortablen Überangebots. Der Import von Fachkräften ist sogar völlige unerheblich, der klappt schon lange nicht mehr, denn Standörtchen D ist unattraktiv. Es geht also auch um was anderes. Aber was?

    Man suggeriert damit auch den zu feuernden: „Wärst Du Fachkraft hätten wir Dich nicht feuern müssen!“ Den Nichtfachkräften erzählt man einfach: „Das waren alles nur unnötige Nichtfachkräfte! Davon mussten wir uns trennen, die haben unsere Boni vervespert.“ Nebenher hat man auch noch eine Ausrede für das Feuern. „Die böse Fachkräftemangel hat uns ausgewrungen!“ klingt einfach besser als „Wir haben es verbockt, nun sind zu viele Projekte am Ar$ch, die Kohle geht uns aus und wir müssen sparen um die Boni nicht zu gefährden!“. So erklingen diese Arien besonders penetrant zu Zeiten größerer Entlassungswellen. Diese wurden im Text auch offen angekündig. Zitat: „Über 40 Prozent der Befragten aus Großunternehmen geben sogar an, deswegen die Verlagerung von Bereichen ins Ausland zu forcieren.“ Das einzige was nun fehlt sind Journalisten die diese Arien aus der Fachkräftemangel ungeprüft nachsingen. Aber auch diese können leicht gefunden werden.

    Das immer lautere Erklingen der Arien aus der Fachkräftemangel, seit dem Quartal 4/2012, bedeutet nichts Gutes, aus Sicht der Noch-Beschäftigten in der IT. Aufgepasst! Jetzt geht es an Eure Arbeitsplätzchen. Wärt Ihr doch nur Fachkräfte …

  6. Harzveer_statt_Engineer sagt:

    Aha, schon wieder eine neue Propagandawelle der VDI=“Verein deutscher Industrien“,
    um eine Fachkräfteschwemme herbei zu führen und damit die Löhne massiv nach unten drücken zu können.

    • Uwe Borchert sagt:

      Die Fachkräfteschwemme ist bereits da! Der Arbeitsmarkt am Standörtchen D ist bereits so mies, dass sich kaum eine Fachkraft von Außerhalb noch hierher traut. Es gibt aktuell einen anderen Grund für diese Meldungen.

      „Großunternehmen setzen mit 53 Prozent der Nennungen auf Outsourcing von Dienstleistungen. Über 40 Prozent der Befragten aus Großunternehmen geben sogar an, deswegen die Verlagerung von Bereichen ins Ausland zu forcieren. Das muss zu denken geben“

      Alles klar?

    • Peppermint sagt:

      Der BDI ist genauso. Forderungen über Forderungen.

  7. abapistdreck sagt:

    Ich kann es nicht mehr hören ! Es gibt keinen Mangel an Fachkräften, es gibt einen Mangel an Unternehmen, die ihre Mitarbeiter so bezahlen, daß man davon in Deutschland leben kann. Und nicht in Bangladesch. Daß die DMN jetzt schon mitmachen im Propagandazirkel der restlichen Staatsmedien ist eine schwere Enttäuschung. Welcher Dienst finanziert eigentlich diese Seite ?