Hohe Dunkelziffer: Millionen Deutschen droht die Insolvenz

Millionen Deutsche sitzen in der Schuldenfalle. Die Zahl der offiziellen Privat-Insolvenzen ist seit Jahren unverändert hoch. Doch die Dunkelziffer steigt. Dramatisch ist die Zahl der Jugendlichen, die nur mit Krediten über die Runden kommen.

Die Zahl der deutschen Verbraucherinsolvenzen lag im vergangenen Jahr bei 105.000 und wird auch in diesem Jahr auf diesem hohen Niveau verbleiben, teilte die Wirtschaftsauskunftei den Deutschen Mittelstands Nachrichten mit. Insgesamt rechnet Creditreform darüber hinaus mit etwa 130.000 Insolvenzen insgesamt. Viel beunruhigender sei jedoch die Dunkelziffer – also die Zahl derjenigen, die eigentlich schon längst überschuldet sind, aber noch nicht offiziell Insolvenz angemeldet haben. Die Zahl der überschuldeten Deutschen lag nämlich im Herbst vergangenen Jahres bei 6,6 Millionen – das Sechzigfache der eingeleiteten Verbraucherinsolvenzen. Als überschuldet gilt, wer mehrere Gläubiger hat und mehrere Rechnungen eben dieser Gläubiger nicht bezahlt hat. Die Höhe der Schulden spielt dabei noch keine Rolle.

Unklar ist, ob die hohe Zahl der Überschuldungen daran liegt, dass auch die Deutschen in den vergangenen Jahren über ihre Verhältnisse gelebt haben – wie dies von Angela Merkel gerne behauptet wird. Es könnte aber auch sein, dass viele Deutsche wegen der versteckten Arbeitslosigkeit oder der Beschäftigung im Niedriglohn-Bereich gezwungen sind, sich zu verschulden, um im Alltag über die Runden zu kommen.

Für diese These spricht die Zunahme bei den jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren, sagte die Creditreform den Deutschen Mittelstands Nachrichten. Hier lag die Zunahme bei acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. 1,56 Millionen der 20 bis 29-jährigen waren demzufolge überschuldet. Außerdem sind immer noch etwa 216.000 Deutsche jünger als 20 Jahre. Aber auch bei den älteren Menschen in Deutschland ist eine Zunahme der Überschuldung verzeichnet worden. Dies seien die ersten Anzeichen der zunehmenden Altersarmut, so die Creditreform.

Seit 2007 ist die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland auf einem vergleichbar hohen Niveau. Schuldnerfreundlichere Regelungen und die steigende Akzeptanz der Privatinsolvenz in der Bevölkerung haben der Creditreform zufolge zu diesem Anstieg geführt. Sobald die geplante Verkürzung der so genannten Wohlverhaltensperiode auf drei Jahre halbiert wird, werde die Zahl der Insolvenzen in Deutschland weiter steigen, so die Creditreform. Im Vergleich zu den angelsächsischen Ländern sei die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland jedoch noch relativ niedrig. In den USA werden immerhin nicht wie in Deutschland etwa 100.000 Insolvenzen dieser Art durchgeführt, sondern mehr als eine Million, sagte die Creditreform den Deutschen Mittelstands Nachrichten.

Kommentare

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  1. Einzelhändler sagt:

    Viele Einzelhändler kommen aus ihren überteuerten langfristigen Mietverträgen nicht raus. Der einzige Ausweg ist dann die private Insolvenz. Dies betrifft insbesondere die Mieter in den großen Einkaufszentren, dort werden meist 10-Jahres-Verträge abgeschlossen. So sind z.B. zahlreiche Mieter der „MyZeil“ in Frankfurt seit der Eröffnung schon den Weg in die Insolvenz gegangen. Der Vemieter ist in einer starken Position, denn der Händler muss dahin, wo auch die Kunden sind, und in den kleineren Orten sind schon lange keine Geschäfte und auch keine Kunden mehr. Eine weitere Rolle spielt das Wachstum des Internethandels. Zalando alleine hat bereits mehr als 3000 Einzelhandelsgeschäfte und mehr als 10.000 Arbeitsplätze vernichtet.

  2. ratlos sagt:

    Heiko Schrang spricht es offen aus im kürzlich erschienenen Interview: „Von den Parteienvertretern wird die Demokratie mehr und mehr ausgehebelt!“ Lesenswert!

    http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/152/von-den-parteienvertretern-wird-die-demokratie-mehr-und-mehr.php

  3. poncho sagt:

    Wenn man einen Kredit aufnimmt, hat man gar keine Schulden!
    Klingt verrückt, ist aber wahr. Die Bank erschafft das geld als giralen Buchungssatz aus dem Nichts und verlangt für diese Leistungslosigkeit noch Zinsen. Jetzt steht man in dieser Bilanzverlängerung zwar als Schuldner, aber auf der gleichen Seite steht die Bank noch mit einer Verbindlichkeit. Und Verbeindlichkeit heißt, dass die bank das Geld dem KN nie ausgezahlt hat. Das einzige „Risiko“ der Bank sind ca. 2% der Kreditsumme, die sie quasi als Einlagensicherung bei der EZB (giral) hinterlegen muss. Diese Pillepalle-Summe jedoch hat der normale Kreditnehmer schon während des ersten Jahres der Rückzahlung erbracht.

    Henry Ford sagte mal so schön unverstanden:

    „Es ist gut, dass die Menschen des Landes unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn sonst, so glaube ich, hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution.“

    Und wer mir nicht glaubt, der möge sich gern selbst informieren, ist sowieso besser, denn wenn man selbst recherchiert fallen einem eher die Schuppen von den Augen.
    Stichwort: Giralgeld, Fiatgeld, Bilanzverlängerung, Prof. Hörman, Dirk Müller etc.pp.

  4. Radiant Sir sagt:

    Mumpitz. Der Herr Rösler hat doch gerade eben erst gesagt, den Deutschen ginge es besser als jemals zuvor. Und wenn der das sagt, muß er recht haben, schliesslich ist er ein gewählter Volksvertreter.

    Außerdem hat die Erde die Form einer Mohrrübe.

  5. HackiBu sagt:

    Die Statistik ist zu plakativ und lässt so nur Vermutungen zu. Die Gründe dürften sehr unterschiedlicher Natur sein. Eine stete Verteuerung bei gleichzeitigem Reallohn-Rückgang – zumindest der breiten Bevölkerung – sind denkbare Ursachen einer solchen möglichen Entwicklung. Auch denkbar wäre, dass dies der Anfang eines solchen Trends ist. Dafür gibt es genügend Indizien.

  6. Die EU ist gut sagt:

    Das muß ein Irrtum sein, oder eine Verschwörung!

    Sehen sie es endlich ein, dass Die EU uns allen Frieden und Wohlstand gebracht hat!

    • Hülsensack sagt:

      Nur Verschwörung!
      Sehe ich auch ganz klar so. Alles andere wäre ja für unsere Politiker nicht tragbar. :-)

    • Margrit Steer sagt:

      Nein, nicht die EU, sondern der Euro, denn Deutschland profitiert doch so enorm vom Euro.
      Ich frage mich nur immer, wer denn profitiert, ich jedenfalls nicht. Ich habe die Häfte Geld weniger, aber die Preise sind geblieben