Papst Franziskus: Der Jesuit, der die Finanzkrise des Vatikan lösen muss

Der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio wird sich Franziskus nennen. Der erste Jesuit an der Spitze der Kirche wählte den Namen des berühmten Bettel-Mönchs wohl auch, weil er signalisieren will: Die Finanzlage der Kirche ist angespannt, die fetten Jahre sind vorüber.

Der neue Papst wird sich Franziskus nennen. Kardinal Jorge Mario Bergoglio ist 76 Jahre alt. Er war als Erzbischof Buenos Aires wird als Franziskus Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken. Als erster Papst aus Lateinamerika bringt er einen besonderen Blick auf die Kirche: In Argentinien ist die Kirche jung und dynamisch und dennoch fest im Volk verankert. In seinem ersten Statement sagte der Papst, dass er einen Neuanfang für die Kirche wolle, gemeinsam mit dem Volk der Gläubigen.

Bergoglio gilt als ein bescheidener Mann, der mit dem Prunk der traditionellen Kirche wenig anfangen kann. Er versucht, ökologisch zu leben. In seinen theologischen Ansichten ist er konservativ – was nicht überrascht: Die von Joseph Ratzinger und seinem polnischen Vorgänger Johannes Paul II. ausgewählten Kardinäle wurde nach konservativen Kriterien ausgewählt. Bergoglio ist ein entscheidener Gegner der Ehe von Homosexuellen.

Mit der Auswahl seines Namens setzte der neue Papst einen ersten Akzent: Der heilige Franz von Assisi war ein katholischer Kommunist, in seinen politischen Ansichten ein Revolutionär vom Stile eines Beppe Grillo, nur mit deutlich weniger Körperfülle. Als Sohn eines reichen Elternhauses war er einer der ersten Aussteiger. Er gründete den Franzsikaner-Orden, der heute noch eine angenehm moderate Rolle in der Kirche spielt. Die Franziskaner sind für ihre praktische Sozialarbeit berühmt.

Die Auswahl ist umso bemerkenswerter, als Bergoglio selbst kein Franziskaner ist, sondern der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri werden wird. Die Jesuiten sind traditionell eher für den intellektuellen Dialog zuständig. Sie sind den Franziskanern nicht besonders grün, wenngleich Verschwörungs-Theorien über radikale Feindschaften und Putsch-Absichten der Jesuiten ziemlich übertrieben sind. Immerhin hatte auch der Gründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola, eine ditanzierte Sicht auf materielle Güter.

In seiner Biografie ist ein Kapitel umstritten: Über die Rolle, die Bergoglio als Jesuiten-Chef in Argentinen im Verhältnis zur Militär-Junta gespielt hat. Noch im Jahr 2005 erstattete der Menschenrechtsanwalt Marcelo Perrilli Anzeige gegen den damaligen Erzbischof, weil Bergoglio angeblich mit der Militär-Junta kollaboriert haben soll. Der Corriere della Sera, keine besonders kirchennahe Zeitung, sprach von einer Diffamierung. Es kam nie zu einem Prozess, wenngleich die Anschuldigungen aus dem engsten Umfeld des Kardinals ein Thema sind, welches möglicherweise sein Pontifikat noch belasten könnte.

In seiner ursprünglichen Lehre war Loyola vor allem ein Feind der Ideologien und der Eiferer. Einiger der radikalsten Reformer der Kirche – wie der Theologe Karl Rahner – waren Jesuiten: Sie waren die treibenden Kräfte hinter dem Zweiten Vatikanischen Konzil, welches den lange überfälligen Reform- und Transparenz-Schub in die Kirche brachte.

Diese Spirit wird der neue Papst brauchen: Auf ihn warten erhebliche Herausforderungen: Er muss den Finanzskandal um die Vatikan-Bank in den Griff bekommen und muss vor allem zusehen, wie er die Kurie neu ordnet. Diese ist faktisch gespalten. Außerdem muss der neue Papst eine klare Linie im Kindesmissbrauchs-Skandal finden. Der Skandal hat auch finnazielle Konsequenzen: Die Spenden an die katholische Kirche sind rückläufig, vor allem die USA sind betroffen, wo drie Diözesen bereits insolvent sind und den Vatikan um einen Bailout gebeten haben. Insgesamt 3 Milliarden Dollar musste die Kirche als Schadensersatz für die sexuellen Mißbräuche bezahlen. Weitere Klagen sind anhängig, eine Ende der finanziellen Misere ist nicht abzusehen.

Ein Problem dürfte Bergoglio nicht haben: Weniger Meter von seiner Residenz ist sein Vorgänger mit seinem langjährigen spirituellen Gefährten Georg Gänswein eingezogen. Spätestens heute ist Josph Ratzinger, der Papst aus Deutschland, Geschichte. Auch wenn er als Benedikt XVI. i.R. noch im Vatikan lebt – mit der überraschend schnellen Entscheidung der Kardinäle beginnt ein neues Kapitel der Kirchengeschichte.

Sein Pontifikat begann der Papst sehr pragmatisch: Ohne Pathos begrüßte er die Gläubigen mit den Worten “Buona Sera!” (Guten Abend).

Kommentare

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  1. papst Hans der letzte sagt:

    Eines ist auch bedenklich, dass Jesuit Bergoglio 12 Häftlingen die Füße wäscht. Warum 12 Verbrechern die Füße waschen? Was soll der Unsinn?

  2. Nostradamus sagt:

    Der ERFINDER dieser RELIGION der römische Kaiser CONSTANTIN würde sich heute freuen, wenn er sähe wie seine Erfindung

    die RÖMISCH KATHOLISCHE KIRCHE hier Deutscher Nation sich immer noch munter über Wasser hält.
    Sehe ich mir diese Bilder an die mich erreichen von den Menschenmassen und wie die sich da benehmen, erinnert mich dies sehr an fanatische Auswüchse.
    Hatte er diese neue da gesagt:

    Wer nicht zu Gott bete der würde zum Teufel beten !

    Ja was ist denn das für einer ?

    Hätte er die absolute Macht mit seinem Römischen Zirkus Maximus – so würden Nicht -Gläubige im Colosseum öffentlich hingerichtet durch die Inquisition mit zuvor begründeter peinlicher Befragung des Delinquenten.

    Seit über 2000 Jahren exixtiert dieser Mummenschanz, diese Sekte die den Menschen die dafür anfällig sind das Gehirn vernebelt.
    Seit über 2000 Jahren – Mord – Totschlag bis zum heutigen Tage zieht sich diese blutige Spur der Vernichtung der Machtgestaltung durch.

    Sage einer es wäre nicht wahr – dann beschäftige er sich mit der Geschichte der RÖMISCH KATHOLISCHEN KIRCHE – bis heute ja sogar von Kindermissbrauch weitere Widerlichkeiten erspare ich mir.

    Als JESUS von diesem Verhalten seiner Vertreter auf Erden erfuhr………

    drehte er sich um und WEINTE gar BITTERLICH !!!!!

  3. BeunruhigterDeutscherBürger sagt:

    Seit Wochen überall nur Papst, Papst, Papst……..

    Hoffentlich ist der Mist jetzt endlich vorbei.

    Wie kann man so einem altertümlichen, weltfremdem Hokuspokus-Verein, wie der katholischen Kirche, mit diesem frauenfeindlichen Pfaffengehampel eine solche Wichtigkeit einräumen.

  4. otto936 sagt:

    Irgendwie erinnert der Mann an Johannes Paul I.
    Angeblich hat der auch versucht die Kurie und die Vatikanbank zu reformieren – 30 Tage lang.

  5. pascot sagt:

    der katholische glaube ist pr technisch in der realität angekommen.

    warum sollten andere regeln für die erfolgreichste sekte der menschheitsgeschichte gelten,als für die eliten der politik,finanz,wirtschaft…?

    es interresiert im propagandazeitalter,im totalen 1984 niemanden mehr,ob eine person die in höchste positionen kommt,ob sie kompetenz,intelligenz hat,moralisch einwandfrei ist,glaubwürdig ist,anstand und gewissen hat und sich dem kampf gegen die ungerechtigkeit verschreibt.

    die karriereleiter im westsystem erklimmt nur derjenige,der über amöbenfähigkeiten verfügt.
    sprich sich den momentan herrschenden anzupassen,strömungen erkennt und absolut keinerlei feste standpunkte hat,ausser denen,absolut das zu tun was ihnen von oben befohlen wird.“merkel,gauck lassen grüssen.“
    der papst und die medial entfachte begeisterung für diese ansammlung von greisen in komischen kostümen.
    zeigt wie sehr die weltbevölkerung unter der kontrolle von wesen steht,die im hintergrund die strippen ziehen…

  6. Hans von Atzigen sagt:

    Wie andere auch, lebt der Vatikan im wesentlichen von den Ertraegen aus den Kapitalanlagen.So wie anderswo auch schwindet deren Ertragswert.Damit schwindet auch das Vermögen des Vatikans,mit den entsprechenden Begleiterscheinungen.
    Pleite geht der Vatikan wohl nicht.Die werden bei Bedarf einfach bei den Schäfchen Betteln. Einen neuen Ablasshandel wird es wohl nicht geben der liegt den Herren bis heute auf dem Magen=Revormation.Da sind heute subtilere Methoden angesagt.
    Bescheidenheit demonstrieren und vor allem Predigen.

  7. Wolfberg sagt:

    Ein dem Vernehmen nach schon kranker Mann Ende 70, so stock-konservativ, dass dagegen Ratzinger liberal wirkt! Was soll sich da schon ändern? Nix! Diese Katholen sind so was von überflüssig. Wer braucht so eine mittelalterliche Weltanschauung? Bah.

  8. ALTERNATIVE für DEUTSCHLAND sagt:

    …über dies liest man hier nichts.

    Ist der Papst so wichtig ?

    Die Zukinft steht auf dem Spiel der europäischen VÖLKER – und der PAPST isz ganz wichtig.

    • Uta sagt:

      Die Papamanie hat schon ein wenig was vom Tanz um das goldene Kalb – sowas müsste eigentlich bei Gläubigen verpönt sein. (vgl. Moses)
      Ebenso die Steuererhebung, die die Kirche betreibt. Dies obwohl Christus Steuer genauso ablehnte (er zahlte nur widerwillig um Ärger zu vermeiden) wie Vermögen bzw. Geld durch Vermögen/Geld zu vermehren (Zins und hört zu Moslems auch Dinge wie Aufschläge – iss also nix mit Allah austricksen). (vgl. Evangelium Matth.)
      Und er ist auf einem Esel geritten nicht auf einem Elefanten, noch nicht einmal auf einem Kamel. Das ist Bescheidenheit. Die üppigen Rundungen der Kardinäle und des neuen Papstes lassen zumindest nicht darauf schließen, dass sie nur von Brot und Wasser gelebt haben.

  9. Dalien Forester sagt: