Zypern zu EU-Deal: „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“

Brüssel hat mit den Zyprioten nicht verhandelt, sagt Präsident Anastasiades. Sein Land konnte nur entweder den Einschnitt für Kontoinhaber hinnehmen, oder die EZB hätte den Geldhahn abgedreht und das Bankensystem Zyperns wäre zusammengebrochen.

Der Präsident Zyperns Nicos Anastasiades sagt, dass seine Regierung in den Verhandlungen um den Bailout seines Landes vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei. Er sei gezwungen worden, die Enteignung der zypriotischen Bankkonten zu akzeptieren. Bis die Banken des Landes am Dienstag wieder öffnen, werden die Guthaben um bis zu 9,9 Prozent gestutzt (mehr hier).

In einer schriftlichen Stellungnahme schrieb Anastasiades am Samstagnachmittag, dass seine Regierung unter Druck gesetzt worden sei. „Bei dem außerordentlichen Treffen der Eurogruppe standen wir vor einer Entscheidung, die bereits getroffen worden war“, zitiert ihn die Zeitung Kathimerini.

Man sei vor die Wahl gestellt worden, so Anastasiades: Entweder werde es das Katastrophenszenario eines ungeordneten Bankrotts geben oder das Szenario eines schmerzvollen, aber kontrollierten Krisenmanagements, „das ein definitives Ende der Unsicherheit und einen Neustart für die Wirtschaft bringt“, so der Präsident. Man habe eine weitere Rezession verhindert.

Die tiefe wirtschaftliche Krise und die Notlage des Landes seien nicht erst mit seiner Regierungsübernahme gekommen. Doch die Notlage verbiete es ihm, und allen anderen, einen Sündenbock zu suchen, so Anastasiades.

Der Präsident zählt die möglichen Folgen einer Entscheidung für einen ungeordneten Bankrott auf. Beide zypriotischen Krisenbanken würden bankrottgehen, was sofort 8.000 Familien in die Arbeitslosigkeit führen würde. Zypern müsste daraufhin die Bankkunden entschädigen, wofür das Land etwa 30 Milliarden Euro benötigen würde, die Zypern jedoch nicht habe. Die Kontoinhaber würden daher in diesem Szenario viel höhere Verluste von hinnehmen müssen, so der Präsident.

In diesem Szenario würde das gesamte Bankensystem des Lands zusammenbrechen, mit allen Konsequenzen, so Anastasiades. Tausende kleinerer und mittlerer Unternehmen würden in den Bankrott getrieben. Daraufhin würde der Dienstleistungssektor zusammenbrechen. Ein Austritt aus dem Euro wäre möglich. Dies würde die Währung des Landes um mindestens 40 Prozent entwerten, so Anastasiades. Daher sei das kontrollierte Krisenmanagement die richtige Entscheidung gewesen.

Am Sonntag will Anastasiades sich mit einer Fernsehansprache an das zypriotische Volk wenden.

Doch noch zittert die zypriotische Regierung, ob ihre Entscheidung vom zypriotischen Parlament abgesegnet wird. Denn ohne Stimmen aus dem gegnerischen Lager hat Anastasiades dort keine Mehrheit. Das Parlament muss bis Montagabend entschieden haben, denn am Dienstag machen die Banken wieder auf.

Kommentare

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  1. Raus aus Deutschland sagt:

    Der russische Energieriese Gazprom hat den zyprischen Behörden finanzielle Unterstützung für den Bankensektor des Landes im Austausch gegen Lizenzen für die Gasförderung in der ausschließlichen Wirtschaftszone Zyperns angeboten.

    http://de.ria.ru/business/20130318/265744705.html

    Wer jetzt sein Geld immer noch auf der Bank läßt verdient es das er/sie ALLES verliert.
    Die Schlafschafe werden geschoren. Passieren wird auch dann nichts dann Schafe können nur blöken und nicht beißen.

  2. Uta sagt:

    Das Problem mit den ‚Hilfs“geldern ist, dass sie ungesunde Strukturen, die eigentlich geändert werden müßten, weiter am Leben erhält. Weshalb sind denn überhaupt auf so kleinen Inseln große Banken, die Milliarden hin- und herspielen??

    Das kann nicht nachhaltig sein. Es ist schwer und gewiss auch schmerzhaft, sich an Realitäten anzupassen, aber m.E. der einzige Weg zur dauerhaften Gesundung.
    Möglicherweise wäre es für Zypern besser aus dem Euro auszutreten.

  3. V. Stein sagt:

    Zypern ist überall. Das System hat Methode. Seit bestehen der Menschheit hat die jeweilige Oberschicht die Unterschicht belogen, betrogen und ausgeraubt. Wer es nicht glauben mag, der lese mal ein paar Geschichtsbücher. Warum sollte das jetzt anders sein? Das System besteht darin, dass die EINEN alles haben wollen und die ANDEREN nichts bekommen sollen. Das liegt im inneren Wesen des Menschen. Und so verläuft die Geschichte schon seit Jahrtausenden. Nur die Mittel und Instrumente haben sich geändert. Das Grundprinzip ist geblieben. Gibt es denn keine Hoffnung auf Änderung? Ich fürchte: Nein. Aber es werden sich immer wieder Gegenbewegungen bilden, egal ob französische Revolution oder Occupybewegung. Allerdings haben friedliche Gegenbewegungen nur selten etwas bewirkt, leider. Sie sind in der nicht „systemrelevant“. Traurig, das anscheinend nur Gewalt Änderungen bewirkt, wenige Ausnahmen ändern daran leider nichts. Und somit wird sich die heutige Oberschicht (zumeist Finanzmafia, Banken, Versicherungen und ihnen hörige politische Anhängsel wie EU, Wirtschaftsbosse samt ihrer Wirtschaftskreisen und natürlich entsprechende Politiker) weiter einen Dreck um den einfachen Bürger kümmern. Ihnen geht es nur um eins: noch mehr Geld, Macht und Einfluss. Die Gier ist unbeschreiblich und nicht zu bremsen. Millionen Menschen haben das im Laufe der Menschheitsgeschichte bereits mit ihrem Leben bezahlt. Die Geschiche der Menschheit ist leider auch eine Geschichte vom unbarmherzigen rücksichtslosem Egoismus. Ideen zur Änderungen sind herzlich willkommen.

  4. Ullrich Strakow sagt:

    Es hat einige Zeit gebraucht,bis ich begriffen habe,dass die EU kein Projekt der Europäer, sondern bedauerlicherweise ein perfides Konstrukt der transatlantischen Geldfälscher ist.Wer imstande ist nachzuweisen, wem die größten Monopole ,wem die einflußreichsten Medien,wem die militärischen Komplexe und wem die Banken gehören, könnte die Typen lokalisieren, die für die Krisenszenarien mit verantwortlich sind.Interessant ist auch, wer in Rußland die Oligarchen sind und wie diese Leute zu ihrem Startkapital gekommen sind.Wer finanzierte schon im Mittelalter die Feldzüge der Fürsten z.B.Fugger,Rothschild und erhielt dafür die Schürfrechte in Tiroler Bergwerken,Bankprivilegien,Landgüter und vieles mehr auf Kosten der tributpflichtigen Leibeigenen und Bürger.Fragt Euch, wer profitiert von den Krisen dieser Welt. Vom scheinheiligen Klerus,Religionsfanatiker ,korrupten Politiker,Lohndumping befürwortendende Börsenmanager,käuflichen Nato Militärs bis zu gleichgültigen,desinteressierten Bürgern ist so ziemlich alles dabei,was derartige Krisen begünstigt.Heute Zypern ,morgen Rest EU und dann die ganze Welt.Die Goldmann Sachs Krake hat es geschafft, die Völker in eine moderne Schuldensklaverei zu treiben.Das gewollte Chaos ist kein Zufall,sondern es ist die größte geplante Umverteilungsorgie aller Zeiten.Von Jugoslawien,9/11,Libyien bis aktuell Syrien ,Bankenkrisen und ungebremster konfliktbeladener Zuwanderung sind fast immer die selben Schuldigen zu suchen.Chemie in Lebensmitteln inklusive Gen ,,Veredelung“,Grundwasser verseuchende Mixturen beim sogenannten Fracking(Erdöl und Erdgas) abgesegnet vom FDP Rößler und eine hochprofitable Pharmaindustrie, die in Zukunft die Rentenkassen ,,entlasten“ wird.Schon gewußt, dass in Deutschland Generalstreik verboten ist !Nur zur Erinnerung an Frau Merkel und Co. inklusive selbstverliebten Provinz Pfaffen Herrn Gaukler Entschuldigung Herrn Gauck ,Ihr und Euresgleichen werdet bis zu Eurem letzten Atemzug Leibwächter brauchen.Oder habt ihr schon eine Parzelle im gelobten Land der mystischen Steinmauern und geschenkter U- Boote.Zumindest eine lukrative Hütte auf der Bush Ranch(USA) müßte doch im Notfall drin sein.Sollten Sie sich allerdings für das kubanische von den USA anektierte Folter Paradies Guantantamo entscheiden,bin ich gern bereit ,die Kosten für die orangenen Overals zu übernehmen.Ich persönlich mach keine Nation für das Scheitern der Europa Ideale und Ideen verantwortlich, sondern erkenne jeden Tag mehr, mit welcher ungeheurer Raffgier und Raffinesse wenige Subjekte sich hinwegsetzen über elementare Interessen der meisten Menschen.

  5. Hülsensack sagt:

    Was hat Zypern für eine Industrie oder Wirtschaft?
    Kann man mich darüber mal aufklären?

  6. Peter G. sagt:

    „das ein definitives Ende der Unsicherheit und einen Neustart für die Wirtschaft bringt“
    .
    Nachdem 9,4 Milliarden Euro nichts bewirkt haben, die Zyperns Notenbank im Rahmen von ELA „geschöpft“ hat, sollen jetzt 10 Milliarden EU-Gelder einen „Neustart“ herbeizaubern?

  7. Freiheit sagt:

    Es ist soweit, das Schlimmste- die Enteignung – ist schon im Gange. Die Krisenländer haben jetzt nichts! zu verlieren und sollten aus der EU austretten. Für diese Lander kann es nur besser werden.

  8. syssifus sagt:

    Glasklare Sache,warum sollte Brüssel verhandeln ?
    Wer bezahlt,bestimmt die „Musik“.Eigentlich schade um jeden Euro.