Nach Zypern: Bank-Konten in Europa sind nicht mehr sicher

Die Entscheidung der Euro-Retter, die kleinen Leute am Zypern-Bailout zwangsweise zu beteiligen, ist eine Zeitenwende, meinen Beobachter. Nun sei es offiziell: Das Geld, das die Europäer auf der Bank haben, ist nicht mehr sicher.

Die überfallsartige Entscheidung, den zypriotischen Rentnern und Angestellten eine Zwangs-Abgabe zur Banken-Rettung abzuknöpfen, wird nachhaltige Wirkungen auf ganz Europa haben. Jacob Kirkegaard vom Peterson Institute for International Economics in Washington, sagte der New York Times: „Der Deal bedeutet, dass das Geld, das man auf einem Bank-Konto hat, nicht mehr so sicher wie bisher ist. Wir treten in eine neue Welt ein.“

Der Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, wollte am Samstag ausdrücklich nicht dementieren, dass solche Aktionen auch in anderen Staaten der Euro-Zone möglich sind. Er sagte zu Journalisten jedoch, dass solche Maßnahmen derzeit nicht geplant seien. Jeroen Dijsselbloem ist Nachfolger von Jean-Claude Juncker, der mit dem Ausspruch berühmt geworden ist, dass die Politik, wenn es kritisch werde, lügen müsse (hier).

Noch ist unklar, ob die Steuer auch auf Sparguthaben erhoben wird. Das Parlament von Zypern muss erst ein diesbezügliches Gesetz beschließen (mehr dazu in Kürze).

Kirkegaard sagte, dass er überrascht sei, dass sich die Euro-Retter das Geld für den Bailout von den kleinen Leuten holen wollen. Er glaube, dass die EU Angst habe, dass die gesamte Wirtschaft zum Erliegen komme, wenn die ganze Last auf die Unternehmen gelegt worden wäre.

Es sei allerdings vorhersehbar gewesen, dass es zu einem Bank-Run kommt: „Die Leute wachen am Samstag auf und hören im Radio, dass ihre Bankguthaben gefährdet sind. Es ist doch klar, dass sie versuchen werden, das Geld von der Bank zu holen.“

Die Neue Zürcher Zeitung fasst das Problem in einem Kommentar zusammen:

Sicher bleibt bei all dem nur, dass in Staaten mit nicht nachhaltigem Finanzgebaren oder mit instabilem Bankensystem am Schluss auch der Sparer die Zeche zahlt – entweder über eine durch Monetarisierung von Schulden und Inflation verursachte Entwertung seiner Guthaben, oder durch „bail in“ in Schuldenrestrukturierung, oder jetzt eben mit einer unfreiwilligen „Stabilitätsabgabe“. Immerhin hätte es auch etwas Gutes, wenn Anleger die Einigung mit Zypern als Weckruf verstehen. Statt blindlings auf Einlegerschutz oder Rettungsaktionen von Euro-Staaten oder Europäischer Zentralbank zu vertrauen, werden sie auch künftig gut daran tun, sorgfältig darauf zu achten, wie solid und stabil das System ist, dem sie ihr Geld anvertrauen.

Kommentare

Dieser Artikel hat 14 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. michael kapitan sagt:

    Ohne Demokratie in der EU gibt es auch keine Demokratie in Österreich!

    Kommt es nach der überfallsartigen Enteignung von Sparguthaben
    in Zypern zu Taschenpfändungen in der EU?

    Siehe: http://buergerechtler.wordpress.com

  2. Kassandra sagt:

    Kassandra sagt

    Der Raub der Banken am Wochenende an ihren Kunden in Zypern ist sicher erst der Testlauf für alle EU -Mitglieder – früher oder später.
    Die Aussage von Herrn Dr. Schäuble ist entweder ein Versprecher, was ich aber eher nicht glaube – oder er wähnt sich in so großer Sicherheit, dass auch wir alle nicht seiner angemaßten Macht entkommen werden. (Wie war das noch mit dem Amtseid? Zum Wohle des Volkes). Herr Dr.Schäuble steht einfach über uns allen, hinter unserer vielgeliebten Kanzlerin. Und ich denke, das macht ihm ein unglaubliches diabolisches Vergnügen.
    Ich vermute, es wird völlig egal sein, ob wir zur Wahl gehen werden oder nicht und wen wir wählen werden – das Ergebnis steht heute schon fest: weiter so !!!
    Wir haben weitgehend sehr aparte Politiker, ein sehr schwaches Parlament, das sich nicht traut, seine Rechte und damit seine Macht einzusetzen und eine liebesdienernde Presse – zu weiten Teilen.
    Wie war das doch mit Kassandra?
    Die Götter im alten Griechenland hatten ihr die Gabe der Prophetie verliehen, aber gleichzeitig hatte über sie ein anderer Gott den Fluch verhängt, dass sie zwar immer richtig prophezeihen würde, aber niemand würde ihr glauben.

    So what!
    Kassandra würde sich hier sehr gerne irren.

  3. AngieB sagt:

    Die nächste Steigerung werden Zwangshypotheken auf nachweisbares Eigentum (Immobilien, etc…) sein.

  4. Sandra sagt:

    Das ganze war und ist doch nur ein Testlauf. Wenn es funktioniert kommen auch andere Länder drann. Unser Geld ist auf den Banken weitaus unsicherer als unter der Matraze. Da ist weder das Geld in Deutschland noch schlussendlich in der Schweiz sicher. Holt es von den Konten sonst holen die es von Euren Konten. Ich verzichte lieber auf das 1/4 Prozentli und lagere es im Tresor. Ich bin mir sicher das weitere Pläne zur Enteignung bereits stehen. Italien, Portugal, Spanien und eben auch Deutschland. Wacht auf. Das Ganze wird ganz schnell gehen.

  5. Jupp Hirsenkoetter sagt:

    der Bruch des Einlegerschutzes ist die beste Werbung fuer Schweizer Banken, Liechtenstein, Singapur, CANADA – Australien !Siche

    Selbst Polen ist dagegen eine Bastion der Sicherheit !

  6. s/w sagt:

    Schäuble: „Bankeinlagen sind eine sensible Sache, daher macht man es am Wochenende“

    Weiss der eigentlich, was er da gesagt hat?
    Und wie das mitdenkende Menschen verstehen?

    • Lilly sagt:

      Weiss der eigentlich, was er da gesagt hat?
      Und wie das mitdenkende Menschen verstehen?

      Nö, offenbar nicht. Selbstherrlichkeit hat Vorrang.

  7. Gesalde sagt:

    Auch wir in Deutschland werden in KÜRZE eine hohe Inflation, Steuerabgabe und große Verluste des ersparten hinnehmen müssen.

    Sicher sind unsere PapierSparvermögen schon lange nicht mehr.
    Nach den Bundestagswahlen Sept. 2013 wird die Katze aus dem Sack gelassen und der „Deutsche „Staat“ wird die Deutschen Bürger zur KASSE bitten.

  8. Sandra sagt:

    Also ganz ehrlich, ich finde das Vorhaben gar nicht verwerflich. Schliesslich haben die ja auch von den Zahlungen der EU profitiert und mit offenen Händen angenommen. Also bitte jetzt nicht jammern. Ebenfalls die anderen Staaten. Erst nehmen und dann sich aus der Verantwortung ziehen. So gehts nun wirklich nicht. Warum haben die Leute auch ihr Geld auf den Banken??? Ja weill es dort Zinsen gibt und man davon profitieren kann. Also bitte hört alle mit dem elenden Jammern auf. Tragt einfach zur von allen mitverschuldeten Kriese nun auch etwas bei. Und die Gewalt die von einigen aus Wut ausgeübt wird ist nichts als primitiv. Vorher überlegen und nicht so gierig handel und im Nachhinein wenns schief geht aus Wut alles zusammen hauen. Das das mit der EU nicht funktioniert, wussten wir schon von anfang an. Die Schweiz hat da nicht mitgemacht und wird jetzt durch all die Idioten mit reingezogen. Schaltet doch mal Euer Hirn ein, falls vorhanden.

  9. neue Qualität der Bankenhilfe sagt:

    Jetzt ist eine neue Ära der „Bankenrettung“ angebrochen. Wenn es erst Steuergelder der Bürger waren, greift man jetzt direkt nach den Spareinlagen der kleinen Leute. Einlagekapital wird in Eigenkapital der Banken umgewandelt. Das habe ich schon vor drei Jahren prognostiziert und bin immer ausgelacht worden.In den Medien diskutiert wurde es schon seit Monaten in Deutschland. Wer denkt, dass diese Form der Bankenrettung auf Zypern beschränkt bleiben wird, irrt sich. Man hat eine Tür aufgestoßen. Die Folge werden (versuchte) Bankruns auch in den anderen PIIGSZ sein, wo der Staat mit Abheberestriktionen dagegen halten wird. Das wird aber den Kessel noch weiter anheizen. Was mich noch interessiert: Wie tragen in Zypern eigentlich die Eigentümer/Aktionäre der Banken zur der Rettungsaktion bei und gibt es eventuell ein geheimes Zusatzprotokoll, was bestimmte Akteure im Apparat von der Zwangsabgabe ausschließt, bzw. diese VOR dieser Aktion gewarnt hat ? Eines Tages wachen wir hier in Deutschland auf und hören Sonderdurchsagen in Rundfunk und Fernsehen. Dann wird es sehr viele sehr verdutzte Gesichter geben, das hätte der Michel nicht erwartet, gestern kam doch noch wie immer Fußball auf dem 60-Zoll Flachbildschirm.

    • cerberus sagt:

      daumen hoch!!voll deiner meinung

      • Klavierlehrer sagt:

        Es ist schon aus Gleichbehandlungsgründen gar nicht anders möglich als dieses Unheil fortzusetzen. Spätestens wenn die nächste Tranche für Griechenland fällig wird .Was für Zypern gilt muß dann auch für die anderen Handaufhalter gelten.