Gefährliche Pilzgifte im Tierfutter sollen entschärft werden

Österreichische Forscher haben eine Methode entwickelt, um Enzyme zum Abbau von Pilzgiften großtechnisch herzustellen. Die Enzyme sollen Gifte in Tierfutter unschädlich machen.

Natürliche Pilzgifte kommen in Getreidesorten wie Mais, Roggen oder Weizen häufig vor. Doch diese Gifte schaden nicht nur den Hühnern, Rindern und Schweinen, wenn diese das verseuchte Getreidefutter fressen. Bestimmte Gifte – rund 300 sind derzeit bekannt – können über Milch, Fleisch oder Eier auch den Menschen erreichen.

Besonders gefährlich ist das Mutterkorn, das bis ins 20. Jahrhundert sogar immer wieder zu Todesfällen führte. Zwar ist die Gefahr in Europa heute nicht mehr so hoch, da das Getreide besser gereinigt wird. Doch bei Stichproben werden immer wieder durch das Mutterkorn verursachte Gifte in Getreideprodukten festgestellt.

Die Food & Agriculture Organizationhat die Verunreinigungen mit Pilzgiften als große Bedrohung für Mensch und Tier eingestuft. Sie schätzt, dass insgesamt rund ein Viertel der weltweiten Nahrungsproduktion Pilzgifte, sogenannte Mykotoxine, enthält. Diese Bedrohung sei allerdings unnötig.

Denn Forscher der niederösterreichischen Firma BIOMIN und des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB) haben nun eine Methode entwickelt, großtechnisch Enzyme herzustellen, die Pilzgifte abbauen können. Sie setzen dabei auf eine Hefe namens Pichia pastoris, die heute aus der Biotechnologie nicht mehr wegzudenken ist.

Zusammen mit der Universität für Bodenkultur Wien haben die Forscher einen Hefestamm entwickelt, der die Enzyme schnell und in großen Mengen produzieren kann. Diese Enzyme sollen dem Tierfutter beigemischt werden und die darin enthaltenen Mykotoxine vollständig und rückstandsfrei zerlegen.

Der Giftabbau passiert im Verdauungstrakt der Nutztiere, wo die dem Futter beigemischten Enzyme ihre volle Wirkung entfalten. Damit wird das Futter ungefährlich – und somit auch die Nahrungsmittel. „Wir setzen die Enzyme auf sehr schonende Weise für die wertvollen Futtermittel ein – aber wirksam und effizient im Kampf gegen die Schadstoffe“, zitiert ACIB Dieter Moll, den Leiter der Forschungsgruppe am BIOMIN Research Center in Tulln. Das Ziel der Forscher ist, möglichst viele Pilzgifte durch Enzyme zu entschärfen.

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  1. Uta sagt:

    Wäre es nicht viel sinnvoller, eine Methode zu entwickeln, die das Getreide von den Pilzen befreit, bevor sie in den Mägen von Tieren landen?