Einlagen: Steuerabgabe auch in anderen Ländern denkbar

Ein möglicher Erfolg in Zypern dürfte die EU dazu bringen, Länder wie Spanien, Griechenland und Italien ebenfalls über eine solche Steuer zu sanieren. Eine Steuer von 8,5 Prozent könnte mehr als 305 Milliarden Euro generieren. Vorbild für die Steuer ist der deutsche Soli für Finanzierung der Wiedervereinigung.

Nach der überfallsartigen Entscheidung der Euro-Gruppe, auf die Bankkonten in Zypern zuzugreifen, wächst die Angst in Südeuropa, dass dies auch auf andere Länder angewendet werden könnte. “Wenn das erfolgreich ist, wird es in Zukunft auch genutzt werden”, sagte ein zypriotischer Beamter der FT. Und auch der neue Chef der Eurogruppe, Dijeselboem, wollte es nicht ausschließen (hier). Und es stellt sich heraus, dass die Aktion offenbar gut geplant ist.

Offenbar arbeitet die EU schon länger an einem Plan, wie sie die Schulden-Krise nicht mehr mit Hilfs-Paketen, sondern mit europaweitern Steuern beenden kann.

Der Einsatz der ersten Steuer-Drohne in Zypern ist demnach nichts anderes ein Testlauf. Orchestriert mit einer entsprechenden Mischung aus Panik-Mache, Erpressung und Kaltschnäuzigkeit probt die Brüsseler Zentrale den Ernstfall.

Zypern ist das Versuchs-Kaninchen: Wenn der Test gelingt, dann wir die Brüsseler Behörde dem Spar-Medikament die Zulassung für ganz Europa erteilen.

Die Idee ist simpel und im Grunde leicht durchführbar. Nach all dem Gerede über Rettungs-Pakete und vor allem dem vielen Ärger mit Griechenland will man vorgehen wie Deutschland nach der Wiedervereinigung. Da wird nicht lnage gefackelt oder gefragt: Es wird ein Soli erhoben, der wird über die Rentenkasse finanziert, und läuft, zunächst als “Einmal-Abgabe” verkauft, dann in alle Ewigkeit.

Goldman Sachs zieht in einer Analyse ebenfalls Paralellen zwischen Zypern und den südeuropäischen Staaten sowie Irland. Goldman kommt zu dem Ergebnis, dass eine solche Zwangsabgabe auch in anderen Ländern  äußerst realistisch ist. Vor allem in Spanien, Irland und Griechenland ist ein solches Szenario denkbar, zitiert die Finanz-Website Business Insider aus dem Bericht. Aber auch Italien sei nicht zu vernachlässigen, immerhin sparen die Italiener gern, da gäbe es also Potenzial.

Goldman hat drei Szenarien analysiert und errechnet, wieviel Geld zusammenkommen würde, wenn man in Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien jeweils eine Steuer von 0,1 Prozent, einem Prozent oder 8,5 Prozent erheben würde. Bei einer Steuer von 0,1 Prozent auf alle Bankeinlagen in diesen fünf Ländern könnten insgesamt 3,6 Milliarden Euro eingenommen werden. Bei einer Zwangsabgabe von einem Prozent auf die Einlagen kämen bereits 35,9 Milliarden Euro zusammen und bei 8,5 Prozent 205,5 Milliarden Euro.

Auf internationaler Ebene laufen Vorbereitung in diese Richtung schon länger. Mehrere Invesment-Banken und Beratunsgesellschaften wurden beauftragt, Szenarien festzuschreiben und Maßnahmen vorzuschlagen.

Die Analysten von Goldman Sachs nicht die ersten, die ein Szenario hinsichtlich einer Vermögenssteuer durchrechnen. Auch die Boston Consulting Group (BCG) hat etwas derartiges bereits 2011 unter dem Titel „Back to Mesopotamia“ erstellt. Dabei ging es vor allem darum, herauszufinden, wie hoch eine solche Vermögenssteuer für Haushalte sein müsste, damit sich die Schulden des jeweiligen Staates auf das von der EU vorgegebene Ziel reduzieren lassen. Die Studie ermittelt, dass die Deutschen etwa 11 Prozent seines Geld-Vermögens in einer einmaligen Abgabe berappen müssten, um das Haushalts-Defizit auf 80 Prozent des BIP zu drücken (die ganze, sehr interessante Studie – hier; eine interessante Interpretation – hier bei Roland Klaus).

Ohne einen konkreten politischen Auftrag machen solche Unternehmen keine Studien – das ist zu teuer. Außer sie planen einen Sales-Pitch – auch dann muss es von irgendeiner politischen Seite einen Wink gegeben haben, dass man eine flächendeckende Enteignung in Südeuropa plant.

Der Ansatz ist nicht unoriginell: Man nimmt nicht einigen alles, sondern allen einiges. Damit wäre wieder genug Geld in den Kassen der Finanz-Kasinos, um das Spiel noch ein paar Jahre weiterzutreiben.

Kommentare

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  1. neuer sagt:

    …dürfte, könnte, würde, vielleicht, wenn ich das schon wieder hier lese. Offenbar geht es der Redaktion hier in letzter Zeit mehr um Panikmache als um fundierte Berichterstattung. Fakt ist: neue Steuern sind gänzlich überflüssig in den Südländern. Es reicht vollkommen aus, wenn diese die bisher fälligen Steuern annähernd vollständig einziehen. Und das werden die auf kurz oder lang hinbekommen, schon aus Eigeninteresse. Denn wie man sehen kann, helfen die Nordländer nicht mehr so naiv wie man es im Fall Griechenland sehen konnte.

  2. Norbert sagt:

    Schauts! Jene die das hier lesen wissen das dies der endgültig letzte Versuch ist an ALLES Geld hernzukommen und die Macht ins unermessliche zu steigern.
    Alle anderen kapieren sowieso nicht worum es hier geht.
    Die Macht auch mit Militärgewalt liegt einzig bei den Bankstern u. ihren Schergen. Ich hoffe nur, das viele von den Aufgewachten Leuten sich auch schon nach Alternativen umgesehen haben, damit wir nicht wieder in die selbe Grube reinfallen, den der Crash steht kurz bevor!

  3. hugin sagt:

    DIE EU GEHT UNTER
    Jeder Ertrinkende schlägt noch wild um sich und versinkt dann endgültig !
    Die EU schlägt noch mit Gesetzes-Brüchen, Zwangsmassnahmen und Raubzügen wild herum um dann im Mülleimer der Geschichte zu versinken. Die Polit-Lakaien arbeiten mit allen Mitteln gegen die eigenen Völker, da sind Massenunruhen nicht mehr weit.
    Sparbücher auflösen, bevor diese von gewissenlosen Politgauklern geplündert werden !

    • neuer sagt:

      Wenn ich bei Ihnen in vier Wochen nachfragen würde, was nun mit Ihrem Sparbuch ist, bin ich sicher, dass sie es lächelnd aus der Schublade holen würden und mir erklären würden, dass sie nur noch keine Zeit gehabt hätten, zur Bank zu gehen.

  4. Autofokus sagt:

    Zunächst einmal : Warum wird hier der Begriff „Steuerabgabe“ verwendet ?
    Man kann es drehen und wenden wie man will, es ist und bleibt RAUB oder dreister DIEBSTAHL, was auf Zypern durchgeführt werden soll, sämtliche Regeln, Rechte und Gesetze werden einmal mehr missachtet und gebrochen.

    Wenn die EUdSSR jetzt daraus im selben Stil eine „Steuer“ für die gesamte Eurozone mache würde, bleibt es ein Verbrechen.
    Diesen Plan haben die IWF/EU schon längst augeheckt, dafür wurde jetzt der Test in Zypern gemacht.
    Als ich heute morgen in der besiegelten Diktatur aufgewacht bin, hatte ich ein Gefühl, wofür es noch kein Vokabular gibt, um es treffend zu beschreiben.
    Ich hoffe nur noch, dass der Schuss nach hinten los geht und der Moloch in Brüssel sich selbst abschiesst. Es nur noch abscheulich und widerlich.

    • neuer sagt:

      Na, na, na, Diktatur, welch grobes Wort. Es steht Ihnen frei, diese Diktatur jederzeit ungehindert und mit Ihrem gesamten Vermögen zu verlassen. – Und wenn das also so ist, kann es mit dem Diktat so schlimm nicht sein.

  5. Peter G. sagt:

    Der Gedanke scheint zunächst verlockend, in anderen Ländern das gleiche Rezept anzuwenden. Ich bezweifle jedoch, dass sich Spanier, Portugiesen und Italiener das gefallen lassen werden. Zumindest in ESP und POR dürfte die Stimmung in der Bevölkerung mehr als gereizt sein, und die wirklich Reichen haben spätestens jetzt Gelegenheit ihre Gelder in Sicherheit zu bringen (was die Lage der betr. Länder auch nicht erleichtern wird).
    Mir scheint deshalb eine andere Lösung wahrscheinlicher, zumal hier auch die viel beschworene „Solidarität“ zum Tragen käme, nämlich der Verteilung der Schulden auf alle. Ob das Kind nun Bankenunion oder Eurobonds heissen wird, spielt keine Rolle. Damit einher wird die Vergemeinschaftung der nationalen Währungsreserven gehen, zu denen auch die Goldvorräte gehören. Bereits auf dem Gipfel in Cannes 2011 wurde ein begehrliches Auge auf das deutsche Gold geworfen.

    • neuer sagt:

      Die Verteilung der Schulden auf alle. Klingt gar nicht mal so schlecht. ABER NUR, wenn damit ein striktes Verbot der Aufnahme neuer Schulden einhergehen würde. Und das sehe ich leider überhaupt nicht kommen.