Gesunder Arbeitsmarkt dämpft Unternehmensgründungen

Die hohe Beschäftigung schmälert den Gründungswillen der Deutschen. Das Vertrauen in die Kreditinstitute sinkt. Die Zahl der durch Gründer geschaffenen Arbeitsplätze ebenfalls.

Immer weniger Menschen entscheiden sich für den Schritt in die Selbstständigkeit. Im Vergleich zum Jahr 2011 gab es im Vorjahr 60.000 Unternehmensgründungen weniger. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 775.000 Unternehmen gegründet. Das ist die niedrigste Zahl seit der Jahrtausendwende, ergab eine Erhebung der KfW Bankengruppe. Angesichts des ansonsten robusten deutschen Arbeitsmarktes wirkt sich der Rückgang der Unternehmensgründungen noch nicht nachhaltig auf die deutsche Wirtschaft aus.

Den größten Einbruch verzeichneten die Vollerwerbsgründungen (- 66.000). Durch Neugründungen wurden im Jahr 2012 etwa 383.000 Stellen geschaffen, deren Umfang einer Vollzeitstelle entspricht. Davon entfielen 212.000 Stellen auf die Gründer selbst, der Rest wurde von Angestellten besetzt. Im Vergleich zum Jahr 2011 ist das ein Rückgang von 15 Prozent. Auch das sinkende Vertrauen in die Kreditinstitute kann als Grund für den schwindenden Gründergeist der Deutschen angesehen werden.

Eine direkte Auswirkung haben die geringen Unternehmensgründungen auf die Zahl der neu geschaffen Arbeitsplätze. Diese sank auf den niedrigsten Stand seit dem Beginn der Erhebung im Jahre 2005. „Gründer konkurrieren mit etablierten Bestandsunternehmen um qualifizierte Mitarbeiter und natürlich sind ihre neuen Unternehmen noch nicht markterprobt“, sagte Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. Allerdings gibt es auch Vorteile, die neue Unternehmen geschulten Arbeitskräften bieten können: Die Unternehmer „können ihre Flexibilität und Mitgestaltungsmöglichkeiten für Mitarbeiter in die Waagschale werfen und so ihre Attraktivität als Arbeitgeber herausstellen“, so Zeuner.

Die meisten Unternehmensgründungen gibt es in Berlin, Hamburg und Bremen. Die Ballungsräume garantieren kurze Wege und niedrige Transportkosten bei einer hohen Anzahl potenzieller Kunden. In den neuen Bundesländern würden noch immer die wenigsten Gewerbebetriebe angemeldet. „Auch im Jahr 2013 erwarten wir keinen Gründungsboom“, ergänzte Zeuner. „Sollte sich der Arbeitsmarkt jedoch wider Erwarten nicht so stabil zeigen wie vorhergesagt, könnte dies die Gründungstätigkeit etwas beleben.“

Kommentare

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  1. Andreas Ludwig sagt:

    Welcher Idiot gründet in Deutschland einen Produktionsbetrieb? Soviel Kapital kann gar nicht von einem Meister, Techniker herbei geschafft werden. Und sich dafür mit Haus und Hof verschulden? Mit Selbstbürgschaften bis über die Halskrause? In den letzten 4 Jahren hatten wir im Schnitt über 30.000 Insolvenzen in der Mittelständischen Industrie. Teilweise sind deren Inhaber bei Harz 4. Keinen hat es je gekümmert. In den Statistiken untergegangen. Die Finanzindustrie wurde gerettet und das Geld in den Hals geschoben. Zu dem ist der Wettbewerbsdruck aus Asien und Osteuropa viel zu hoch um noch Geld zu verdienen. Das einzigste was noch passiert sind irgendwelche Start-ups von Internetunternehmen, s. Samwer Brüder, die die Qualitätsmedien in den Himmel heben, aber mit Zalando bis zum heutigen Tag nicht mal einen Euro Gewinn gemacht haben.Wir sollten über das Geschäftsmodel von Zypern nicht lachen. Deutschland geht der De-Industriealisierung entgegen und entwickelt sich zum Handel und Dienstleistungsstaat. Einen Bäckermeister zu finden ist schon ein Kunststück. Einen Bäckermeister zu finden, der eine Bäckerei in Deutschland eröffnet und sich gegen Kamps und Konsorten durchsetzt, so gut wie unmöglich. mehr wie ein Sahnetörtchen kommt halt nicht dabei heraus. Und ob man damit auf Dauer Arbeitsplätze schaffen kann ist mehr als fraglich. Wenn man dann fragt, wo ist in Deutschland der Schuster geblieben, dann sollte man die Schuhhändler fragen, die ein paar Damenschuhe für 20,- Euro verkaufen über ihre Shops im Internet. Oben und unten Plastik.Und ein durch die Wirtschaftskrise dahingeraffter Unternehmer, fällt bestimmt nicht ein zur Sparkasse zu laufen und um Kredite zu betteln bei der KFW. Der muss sehen, das seine Privatiso einigermassen über die Bühne geht. So What???

  2. frame sagt:

    Aha, der Arbeitsmarkt ist also gesund ? Keine anderen Gründe, die jemand davon abhalten könnten, in Deutschland langfristig in seine Zukunft zu investieren ?
    Dann bin ich ja beruhigt…

  3. Peter G. sagt:

    Kann man einen Arbeitsmarkt als „gesund“ bezeichnen, der die unverändert vorhandenen Arbeitsmenge auf mehr Arbeitnehmer verteilt, wobei bei ca. einem Drittel der Menschen der Lohn für eine normale Lebensführung nicht mehr ausreicht? Gleichzeitig wird durch „Verstecken“ von Arbeitslosigkeit in Statistiken ein Stand der Beschäftigung vorgegaukelt, der nicht der Wirklichkeit entspricht. Dies ermöglicht wiederum der Industrie die Zuwanderung von „Fachkräften“ zu forcieren, die ihrerseits weiteren Druck im Niedriglohnsektor ausüben. Gesund? Fragt sich, für wen.

  4. ratlos sagt:

    Heiko Schrang spricht es offen aus im kürzlich erschienenen Interview: „Von den Parteienvertretern wird die Demokratie mehr und mehr ausgehebelt!“ Lesenswert!

    http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/152/von-den-parteienvertretern-wird-die-demokratie-mehr-und-mehr.php