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Chaos in Brüssel: Dijsselbloem gegen Dijsselbloem

Nach einer verheerenden Interview-Aussage hat der neue Gruppen-Chef wenige Stunden später dementiert, was er gesagt hat. Das ist eine glatte Lüge – wurde die Botschaft, Zypern sei die Blaupause (template) für weitere Haircuts, doch von zwei Medien unabhängig voneinander verbreitet. Nun fragt man sich: Naivität oder Kalkül?

Politiker-Aussagen haben traditionell keine besondere Haltbarkeit. Der neue Chef der Euro-Gruppe, der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem, hat sich jedoch vermutlich einen Weltrekord aufgestellt: Nur wenige Stunden, nachdem zwei angesehene Medien – die Nachrichtenagentur Reuters und die Financial Times – gleichlautend von einem Interview mit ihm berichteten, behauptete Dijsselbloem, seine Aussage sei so nicht gefallen.

Dijsselbloem hatte gesagt, dass die Zwangsenteignung bei Banken ab nun zum Rettungs-Repertoire der Euro-Zone gehört. Auf die Frage der Reporter, ob nun auch Luxemburg und Malta mit einem ähnlichen Haircut rechnen müssten wie Zypern, sagte der Niederländer:

„Das bedeutet: Klärt das, bevor es zu Schwierigkeiten kommt. Stärkt Eure Banken, repariert die Bilanzen und seid Euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen.“

Darauf waren die Aktien für Finanzwerte weltweit auf Talfahrt gegangen.

Offenbar verfolgt in Brüssel jemand die Börsenkurse: Kurz nach dem Absturz meldete Bloomberg:

„EU Dijsselbloom Sprecherin: Dijsselbloem hat nicht gesagt, dass Zypern ein Template für Bank Restrukturierungen ist.“

Auf der Website der Euro-Gruppe war später zu lesen:

„Zypern ist ein besonderer Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen, welche die Bail-In Maßnahmen erforderten, auf die wir uns gestern verständigt haben. Makroökonomische Anpassungsprogramme sind für die betroffenen Länder maßgeschneidert und es werden keine Modelle oder Templates benutzt.“

Die Aussage des Niederländers hatte an den Märkten für Bestürzung gesorgt, bedeutet sie doch nichts anderes, als dass die EU Bank-Konten in anderen Ländern plündern wird, wenn es nicht mehr anders geht. Schon das Wort Bail-In ist in diesem Zusammenhang eine Irreführung: Die Bond-Holder in Zypern werden nicht zur Kasse gebeten, wohl aber die Konto-Inhaber.

Dijsselbloem hat sich damit innerhalb kürzester Zeit als würdiger Nachfolger von Jean-Claude Juncker erwiesen. Dieser hat mit zwei markigen Sprüchen die Grundsätze der EU-Politik umrissen: Man müsse lügen, wenn es ernst wird; und es sei Praxis der EU, etwas in den Raum zu stellen, dann zu sehen, ob es überhaupt jemand versteht oder Geschrei aufkommt – und dann zu marschieren.

Vor diesem Hintergrund ist unklar, ob Dijsselbloem aus Dummheit etwas gesagt hat, dessen Folgen er nicht bedacht hat. Das wäre schon recht unerfreulich für einen Mann in seiner Position.

Oder aber Dijsselbloem hat tatsächlich eine Marschroute bekanntgegeben, die die EU einschlagen will. Alle bisherigen Aktionen der EU und insbesondere ihres Schrittmachers Wolfgang Schäuble deuten darauf hin, dass der zweite Fall anzunehmen ist.

Die Zwangs-Enteignung in Zypern und die Aussage des Niederländers haben die Glaubwürdigkeit der Euro-Retter nicht erschüttert, sondern gestärkt: Endlich wissen alle, woran sie sind. Bank-Kunden wissen nun, dass das Geld auf ihrem Konto nichts anderes ist als Eigentum auf Abruf. Darauf kann man sich in der Tat einstellen, „bevor es zu Schwierigkeiten kommt“.

Kommentare

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  1. Siggy sagt:

    Wem gehören die Banken LETZTENDLICH, den Rothschilds, Rockefellers, den Windsors, Habsburgern, den Hohenzpollern usw. Haben diese Familienclans die Ansprüche auf unerer Ersparnisse und unsere Zukunft? Wenn ja, dann sollten diese Familien erst einmal selbst mit ihren gigantischen Vermögen, vielmals in Stiftungen vor Besteuerungen versteckt, aufkommen. Warum schützt man eigentliche die Namen der Eigner der Banken – eine naive Frage??

    • Michael Schröder sagt:

      Ihre Frage ist nicht naiv, sie erscheint nur in modernen Demokratien als naiv.

      Die antiken Griechen hatten in ihrer Demokratie die Institution des Scherbengerichts zur Bereinigung politischer und finanzieller Schieflagen. Unser Scherbengericht heißt Inflation und wird von allen getragen.
      Bürger in antiken Demokratien waren diejenigen, die ihr Leben einzusetzen bereit waren. Wer dazu aber bereit ist, ist noch eher bereit, Teile seines Vermögens für eine öffentliche Allgemeinheit herzugeben.
      Heutige Anwärter für ein Scherbengericht verbergen sich gekonnt und sind, ebenso wie das Vermögen, demokratisch nicht legitimiert, ein Klump am Fuß, eine klumpfüßige Demokratie!

  2. Nestor sagt:

    Es gibt noch eine dritte Möglichkeit, und das ist die völlige Ratlosigkeit dieser Armleuchter, die die EU betreiben. Sie wissen nicht, wie sie das Monster, das sie geschaffen haben, den Euro, bändigen sollen.

    Das können sie natürlich nicht zugeben, sondern müssen Entschlossenheit vorspielen.

  3. neuer sagt:

    Disselbloom ist ein Nichtskönner. Schauen Sie sich mal seine Vita auf Wiki an. Bedenklich ist nur, dass solche Leute von einer EU bis ganz nach oben geschwemmt werden. Das kann noch heiter werden mit diesem Herrn.

  4. Hülsensack sagt:

    Naivität oder Kalkül?
    Ich sehe es als politische Überheblichkeit, weil für sowas bei denen keine Haftung gefordert wird.
    Man könnte es auch noch trastischer formulieren, weil alles, was in Brüssel politisch eingesetzt wird, denn gewählt sind die ja nicht, erhebt sich zu Übermenschen und damit denken die, der Rest in Europa hätte eh einen Sprung in der Schüssel.
    Möcht es wahrlich noch miterleben dürfen, wenn diese Laffen entsprechend davongejagt werden oder so.

  5. Ariovist sagt:

    Die „Distelblume“ hat sich sicher nicht „versprochen“; die Aussage war Kalkül und hat Einigen, welche dem Netzwerk angehören, schnell zu günstigen Aktienkäufen verholfen. Nur mit Insiderkenntnissen läßt sich leicht Vermögen einstreichen! Wir sind längst zu einem „Spielball“ dieses Netzwerkes geworden! Was hier insgesamt abläuft, ist der großte Raubzug aller Zeiten!

    • Eine Meinung sagt:

      Ganz genau so ist es! Nach diesem Raubzug bleibt von Europa nur noch
      eine Verwaltungseinheit übrig. Beraubt seines Vermögens, seiner Patente
      und seiner Innovationen wird es der großmachtsüchtigen Junta in Brüssel
      überlassen. Dann feiert die UDSSR Urständ und die unbegabten, hinterbänklerischen Technokraten herrschen über ihr Volk. Niemand von uns hätte je einen van Rompuy, Barroso oder gar einen Martin Schulz gewählt! Freilich kommt dann der von den Alliierten damals verworfene Morgenthauplan zum Einsatz. Und falls es Unruhen gibt, man hat ja noch andere Pässe in der Tasche.

  6. Eddas sagt:

    Klar war das Absicht. Der kann doch nicht mal Einen lassen, ohne Merkel vorher gefragt zu haben!