Kapital macht rüber: Die Russen sind raus aus Zypern

Reiche Russen und russische Unternehmen wurden offenbar rechtzeitig vor dem Haircut in Zypern gewarnt: Die Bank of Cyprus hat eine russische Filiale, die während der EU-Banken-Blockade weiter operierte. Transfers wurden ohne Limits durchgeführt. Nur russisch sollte man sprechen können.

Wenn die Bank of Cyprus am Donnerstag ihre Pforten wieder öffnet, könnte einige eine böse Überraschung erleben: Gut möglich, dass Bankangestellte, Kunden und die EU feststellen müssen: Das Geld ist weg. Ein an den Verhandlungen in Brüssel Beteiligter sagte Reuters, dass am Sonntag praktisch kein Kapital mehr in der Laiki-Bank war. Die Bank hatte im November 2007 noch eine Marktkapitalisierung von 8,1 Milliarden Euro.

Der Grund für die leeren Kassen: Reichen Russen und russische Unternehmer scheinen dem Reuters-Bericht zufolge ihre Konton in der Woche der geschlossenen Banken geleert zu haben. Während sich die kleinen Leute und die mittelständischen Unternehmer in der Woche, da alle Banken Zyperns offiziell geschlossen waren, noch geduldig an den Bankomaten anstellten, um an Geld zu kommen, haben die Russen offenbar einige Schlupflöcher genutzt, um ihr Kapital abzuziehen.

Sowohl die Laiki-Bank als auch die Bank of Cyprus unterhalten Filialen in London. Über London war es die ganze Zeit möglich, Geld-Transfers durchzuführen. Es gab bei den Banken in London keine Limits für Überweisungen. Die Bank of Cyprus ist überdies mit 80 Prozent an der russischen Uniastrum-Bank beteiligt – auch hier waren Transfers ohne Begrenzungen möglich.

Sogar die EU hatte von den myteriösen Geldbewegungen Wind bekommen: Ein Banker sagte Reuters, dass die Bank of Cyprus in der fraglichen Woche viel mehr Banknoten von der EZB anforderte, als sie an Abhebungen nach Frankfurt meldete.

Darüber hinaus waren sogar offizielle Überweisungen möglich: Wenn Firmen einen Margin-Call zu gewärtigen hatten und dadurch von der Insolvenz bedroht waren, für „humanitäre“ und „sonstige“ Zwecke konnte überwiesen werden.

Die Russen, die nicht schon zuvor reagiert hatten, konnten auf diesem Weg ihre Vermögen in Sicherheit bringen. Möglicherweise haben auch zahlreiche Briten, die ihr Geld in der Steueroase Zypern angelegt, rechtzeitig reagiert und ihr Geld über London in Sicherheit gebracht.

Die EZB versuchte zwar pro forma, eine harte Haltung zu zeigen und griff bei der Gelegenheit zum Mittel der dezenten Erpressung: Sie warnte Lettland, den Russen Unterschlupf zu gewähren, und ließ die Letten wissen, dass ihr Beitritt zum Euro gefährdet sei, wenn die Letten den Gehorsam verweigern.

Aber hinter den Kulissen dürfte es wohl Absprachen zwischen Brüssel und Moskau gegeben haben, dass die wichtigsten Oligarchen und Unternehmer ungeschoren bleiben. Daher lenkte Moskau am Montag auch ein und sagte volle Kooperation mit der EU beim organisierten Bank-Raub bei der Restrukturierung der Banken in Zypern zu.

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble räumte ein, dass es wohl eine kleine Kapitalflucht gegeben habe. Diese werde jedoch nun mit Entschlossenheit und größter Ernsthaftigkeit von der EZB untersucht. Summen, wie viel Geld verschwunden ist, wollte Schäuble nicht nennen.

Damit dürfte der Haircut für die Zyprioten, die nicht zu den Privilegierten gehören, deutlich höher ausfallen als die kolportierten 40 Prozent. Nur so kann die von der Troika geforderte Eigenbeteiligung der Zyprioten aufgebracht werden. In der Erklärung der EU zum Deal stehen ausdrücklich keine konkreten Summen, wie viel den Hinterbliebenen abgeknöpft wird.

Man wird in Brüssel gewusst haben warum.

Kommentare

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  1. Stegosaurus sagt:

    Es wäre doch nur gerecht, wenn die Staaten, die Steuer- und Kapitalflucht (England und Russland in diesem Falle) dulden, für den entstandenen Schaden aufkommen. So reguliert sich das Ganze irgendwann von selbst, wenn diese Staaten pleite sind!

  2. Marcel Gruenberg sagt:

    Es waere gut zu pruefen, ob juristisch nicht die Moeglichkeit besteht so wie das in den USA moeglich ist, eine Sammelklage gegen die EU oder den Staat Zypern einzureichen, denn das was hier geschen ist, ist ganz einfach den armen einfachen Buerger betrogen und bestohlen!!!!

  3. Mallorca Fred sagt:

    „Die Reichen leben von den Dummen und die Dummen von der Arbeit.“

    Deutschland muss eben mehr arbeiten und noch produktiver werden, um die Misswirtschaft, Korruption und das savoir vivre der EU-Südländer (mit) zu finanzieren.

    So lange mediengeile und selbstverliebte Politiker am Ruder sind, die in der freien Wirtschaft bestenfalls als Frühstücksdirektor oder Chef der Poststelle einsetzbar wären, wird sich nichts ändern. Im Gegenteil: es wird noch schlimmer werden. Wo könnte Deutschland stehen, wenn ein fähiger Unternehmer wie Olaf Henkel Bundeskanzler geworden wäre?

    Das politische Management und deren Berater (linientreue rektale Radfahrer, die dem gemeinen Volk in den Medien als Wirtschafts- bzw. Eurospezialisten präsentiert werden), sind schlichtweg drittklassig. Jeder MBA kann bestätigen: „Erstklassige Manager stellen erstklassiges Personal ein, zweitklassige nur drittklassiges.“

    • guantanamera sagt:

      Vorsicht bei Leuten wie Henkel! Er war doch in den 90ern der lautstarkste Lobbyist in Sachen Deregulierung.

      Betriebswirtschaft und Makroökonomie sind eben nicht das Gleiche. Selbst sein Meinungsumschwung zum Euro ist, wenn schon nicht unglaubwürdig, so aber sicher ein Beweis, dass auch solche Leute ganz gewaltig irren können.

      Eine Einsicht zu tiefgreifenderen neoliberalen Irrtümern ist bei ihm kaum erkennbar. Ganz vorne an steht hier die Rückkehr zum Glass-Steagal-Act. So lange dies nicht geschieht, ist alles Andere Augenwischerei und der Euro verkommt zum Sekundärproblem.

  4. hugin sagt:

    CYPERN IM CHAOS
    Nachdem Riesensummen aus Cypern abgezogen wurden, werden die erwarteten Enteignungs-Beträge nicht annähernd zustande kommen. Daher wird die EU weitere Maßnahmen verlangen. Der Erzbischof von Cypern will das Kirchenvermögen als Hilfe anbieten und rät zum Ausstieg aus dem EURO. – Ein Wink vom Himmel ?

  5. georg gensbichler sagt:

    achtung höchste gefahr für verluste in der euro zone wohin mit dem geld !!!

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