Regierung wird bei Zypern-Rettung 1,4 Milliarden Euro verlieren

Das am Sonntag in Brüssel beschlossene EU-Hilfspaket kostet Deutschland mindestes 1,4 Milliarden Euro. Das ist der Zins-Verlust, den die Deutschen hinnehmen müssen, wiel Zypern über den ESM versorgt wird. Es ist denkbar, dass die Summe am Ende trotz Rettung noch bedeutend höher ausfallen wird.

Ökonomie ist allgemein als schreckliche (dismal) Wissenschaft verschrien.  Sie zeigt oftmals den Menschen die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten schonungslos auf.  Erich Schneider ein deutscher Ökonom hat dies unter dem Titel des kalten Sterns der Knappheit einmal seinen Studenten nahegebracht. Nun wollen wir einmal die Gegenrechnung aus deutscher Sicht für das Hilfspaket an Zypern aufmachen.

Die Troika hat Zypern Finanzhilfen in Höhe von 10 Milliarden Euro zugesagt. Davon entfallen etwa 2,7 Milliarden Euro anteilsmäßig auf den deutschen Steuerzahler. Finanziert werden sollen diese Hilfen über den ESM. Gehen wird einmal davon aus, dass Zypern diesen Hilfskredit auch tatsächlich über eine Laufzeit von 25 Jahren tilgen würde. Nach Aussagen von Klaus Regling vor dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages zahlen die jetzigen Empfänger von Hilfskrediten des EFSF/ESM zwischen Null und zwei Prozent Zinsen. Das liegt unterhalb der Zinssätze, die der EFSF/ESM bei der Emission von Eurobonds am Kapitalmarkt für Eurobonds mit einer Laufzeit von 25 Jahren zahlen muss. Hier liegt der Zinssatz in etwa bei 3 Prozent (mehr hier). Mithin liegen die Laufzeiten der Hilfskredite an Irland, Portugal, Griechenland und Spanien mutmaßlich unter den hier unterstellten 25 Jahren, was letztendlich, wenn die Kredite nicht vorher vollständig getilgt werden können, eine Refinanzierung notwendig machen wird.

Die derzeit von Zypern am Kapitalmarkt zuletzt zu zahlenden Zinsen betrugen sieben Prozent für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren (hier). Derzeit dürfte Zypern überhaupt keinen Kredit mehr von privaten Kapitalgebern erhalten. Würde nun der ESM die 10 Milliarden Euro zu Zinssätzen von drei Prozent anstelle Zyperns am privaten Kapitalmarkt platzieren, dann ergäbe sich für Zypern eine Zinsersparnis von vier Prozent. Mittels eines Tilgungsrechners lassen sich so rasch die Zinsersparnisse für Zypern unter einem solchen durch den ESM subventionierten Kredit errechnen.

Bei einer Tilgungsdauer von 25 Jahren und einem Zinssatz von zuletzt sieben Prozent für Zypern würden gesamten Zinskosten sich beim deutschen Anteil von 2,7 Milliarden Euro auf insgesamt 2,457 Milliarden Euro belaufen. Bei einem Zinssatz via Eurobonds durch den ESM lägen sie bei nur 1,053 Milliarden Euro. Macht summa summarum eine Zinsersparnis von 1,404 Milliarden Euro, auf die der deutsche Steuerzahler de facto verzichten würde. 

Mithin erhält Zypern von allen anderen Mitgliedsländern großzügige Zinssubventionen. Vermutlich werden die Transferleistungen am Ende sogar noch höher ausfallen, da die Zinskosten möglichweise wie im Falle Griechenland ganz erlassen werden. Des Weiteren bleibt das Risiko eines teilweisen oder totalen Zahlungsausfall ja bestehen, wenn Zypern am Ende doch noch Bankrott geht.

Stellt sich die Frage, warum der breiten Öffentlichkeit dieser Zusammenhang nicht mitgeteilt wird? Sollen die Steuerzahler aus den anderen Mitgliedsstaaten der Eurozone nicht merken, dass hier ihre Steuergelder verschenkt werden? Sollen die Zyprioten glauben, sie würden unerträgliche Lasten auf sich nehmen müssen? Jedenfalls scheint niemand auf der Geber- und Nehmerseite ein Interesse daran zu haben, die Zusammenhänge der breiten Öffentlichkeit darzulegen. Nur manche Ökonomen wundern sich darüber, warum man hier nicht Transparenz und Klarheit herstellt. Es würde doch viel zum Verständnis der Lage beitragen können.

Kommentare

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  1. Lesowski sagt:

    Die EU-Brüssel-Banken-Politik sieht schematisch ungefähr so aus:

    – weil sich die Europäischen Banken öfters horent an den internationalen Börsen verspekulieren, entstehen kontinuierlich Defizite

    – eine politische Regulierung von Spekulationsrisiken wurde von Brüssel bislang völlig unterlassen (im Gegensatz von USA – wo Banken ein Testament machen)

    – im Gegenteil Brüssel fördert ausdrücklich Spekulationsrisiken

    – das absichtliche Verspekulieren von großen Anlagesummen ist mittlerweile zum Gewinnprinzip bei Banken geworden, da Verluste nicht nur steuerfrei sind,sondern auch noch Steuer zurückfordern lassen

    – das verspekulierte Geld wurde in internationale Dummy-Aktiengesellschaften investiert, die kaum nachweisbar vertöchterte Unternehmen sind

    – Also defacto nur eine steuerhinterzieherische Kapitalflucht ins Ausland

    – Um diese sog. Finanzblasen auch über Brüssel und eine Goldmännchen Bank zentral zu steuern, wurde der ESM geschaffen, um dann nochmals abzukassieren;
    jetzt direkt aus staatlichen Steuertöpfen – als wettbewerbsverzerrende Direkt-Subvention an Spekulationsbanken;

    alles ganz im Sinne der wettbewerbsorientierten EWG-Gründer !?!?!?

  2. ratlos sagt:

    Heiko Schrang spricht es offen aus im kürzlich erschienenen Interview: „Von den Parteienvertretern wird die Demokratie mehr und mehr ausgehebelt!“ Lesenswert!

    http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/152/von-den-parteienvertretern-wird-die-demokratie-mehr-und-mehr.php

  3. Diabolus sagt:

    Liebe Redaktion,
    dieser Artikel ist Euch leider heftig misslungen, er ist fast schon in „Mainstreammanie“ verfasst! Bisher waren wir weit besseres gewohnt und hoffen dass es nur ein Ausrutscher war.
    Es beginnt bereits in der Überschrift „Regierung wird bei Zypern-Rettung 1,4 Milliarden Euro verlieren“
    NEIN – die nichtlegitime, auf Lug und Betrug aufgebaute Scheinregierung verliert nicht….wir, das Volk haben verlören, wir stehen als Volk mit unserem Erarbeiteten für das gerade. Jeder Cent, den die Individuen aus Berlin an die Banken verschenken ist ein Cent zuviel. Egal wie man was berechnet, es ist Diebstahl am deutschen Volk.
    Den Menschen in Zypern wird damit in keinster Weise geholfen, ganz im Gegenteil, sie werden noch tiefer in die Schulden und Abhängigkeit gepresst. Auch sind nicht die „normalen“ Menschen, die ja in allen Ländern die Last zu tragen haben, Schuld an Geldwäsche oder Korruption…das sind immer nur ein paar wenige mit sehr viel „Geld“, welches in keinem Falle „redlich“ verdient wurde…mit ehrlicher Arbeit und „leistungsgerechter“ Bezahlung kann niemand reich werden.

    • jay twelve sagt:

      @Diabolus, meine volle Zustimmung.

      Wenn Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit hin zu NULL tendiert, ist es um den sozialen Frieden schon passiert.

    • Bernd sagt:

      Was wäre eigentlich, wenn man mit gestandenen Juristen einen unabhängigen Bürger- Gerichtshof gründen würde, der – im Unterschied zur derzeitigen von der Politik dominierten Gerichtsbarkeit auch solche Verbrechen anklagen würde?

      Sicher, das ist Symbolpolitik aber diese Symbolpolitik wäre ein Fingerzeig der Bürger dieses eigentlich demokratischen Gebildes.

    • c-nes sagt:

      @ Diabolus, der Artikel ist vollkommen korrekt, daran ist nichts auszusetzen. Die Redaktion hat eine inhaltliche Wertung ausgelassen. Gerade das finde ich hervorragend!!! Denn EBEN die MSM kauen der Bevölkerung eine Meinung vor, die sie sich gefälligst zu bilden haben. Bleibt eine gezielte Meinungsmache aber aus, so steht es einem GLÜCKLICHERWEISE frei sich SELBST eine Meinung zu bilden!

  4. Leopold sagt:

    Und dafür lassen sie sich dann noch beschimpfen? Sorry, aber unsere Politiker haben auch keinen Stolz mehr. Die EU hat ihnen scheinbar alles abgenommen! Das muss man sich nicht gefallen lassen!

  5. flonic sagt:

    Was ist eigentlich so schwierig an Zypern?

    Der Staat Zypern sollte schleunigst anfangen seine Rohstoffvorkommen auszubeuten und nicht jammern. Schließlich wusste dieser Staat seit ca. 2 Jahren das seine Banken faktisch Pleite sind und hat nichts unternommen. Hätten die Banken Risikomanagement betrieben, wäre beim Schuldenschnitt Griechenlands auch nicht so viele Milliarden Zyperns vernichtet worden.

    Mit der Ausbeutung der Rohstoffvorkommen steht Zypern vor einer sehr wohlhabenden Zeit. Dann noch risikominimierte Bankgeschäfte und Zypern „könnte“ in kürzester Zeit extrem Wohlabend sein.

    Ich versteh die ganze Aufregung nicht.

  6. westfale_08 sagt:

    gestatten, daß ich lache, wenn ich diese „ökonomische Betrachtung“ lese?

    Die Vokabeln: „würde“, „könnte“, „sollte“, „müßte“, „möglicherweise“, „vermutlich“ sprechen eine deutliche Sprache.

    Wenn das „Geschäftsmodell Zypern“ in Zukunft nicht mehr funktioniert, woher sollen die Zyprioten dann das Geld nehmen, diese Kredite überhaupt jemals wieder zurückzuzahlen.?

    Eine Antwort auf d i e s e Frage hätte ich von einer seriösen ökonomischen Betrachtung erwartet. Die oben beschriebene Zins- und Zinseszins-Rechenaufgabe kann vermutlich jeder mittelmäßig begabter Oberstufenschüler lösen.

    Zitat:
    „Stellt sich die Frage, warum der breiten Öffentlichkeit dieser Zusammenhang nicht mitgeteilt wird? Sollen die Steuerzahler aus den anderen Mitgliedsstaaten der Eurozone nicht merken, dass hier ihre Steuergelder verschenkt werden? “

    meine Gegenfrage: über welchen Zeitraum denkt ein Politiker?

    richtig, nur maximal bis zur nächsten Wahl!

    Gewinnt er die Wahl, wird weiter gemauschelt, getrickst, vertuscht oder – wenn es gar nicht anders mehr geht – behauptet: „das war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht erkennbar, bzw. war alternativlos“.

    Verliert er die Wahl, holt die Gegenpartei gnadenlos „alle Leichen aus dem Keller“ und tut so, als ob sie es besser gemacht hätte.

    Für den Fall, daß man ihr dann vorhält, bei den entsprechenden Entscheidungen im BT positiv mitgewirkt zu haben, wird sie behaupten, wegen Zeitdruck sich nicht über alle Hintergründe habe ausreichend informieren gekonnt zu haben.

    Die Wahrheit über die weltweite Schuldenkrise ist so unvorstellbar grausam, daß man sie den Menschen solange wie möglich vorenthalten muß!
    (in Anlehnung an Herrn Schäubles Ausspruch: „wenn es ernst wird, muß man lügen“)

    • Ariovist sagt:

      Darum wurde von der Fabian Society eben die „Demokratie“ erfunden und die LINKEN aus der Taufe gehoben, weil in einem solchen System die permanente Verschuldung systembedingt ist: Politiker wollen gewählt werden, wozu sie Leistungen des Staates versprechen und wozu sie Geld brauchen, welches sie aber nicht haben. Daher periodische „Neuverschuldungen“! Doch auch Diktatoren bleiben in der Regel nicht verschont: Entweder sie lassen sich bestechen oder sie werden umgebracht (John Perkins „The economic hitmen“)

  7. Sven sagt:

    Es ist schon frech in der Überschrift reißerisch von „Verlust“ zu sprechen, um dann im Text (mit einer Milchmädchenrechnung) einen entgangenen Zinsgewinn zu kommen.

    So könnte man auch die Argumentation aus der Schubladen ziehen, dass der Deutsche Steuerzahler Milliardengewinne macht, da die Deutsche Refinanzierung um die 0% aufgrund der Krise dümpelt.

    Alles in allem also ein satter Gewinn 😉

  8. Ariovist sagt:

    Wir sind jetzt Zeitzeugen des „ordo ab chao“, was „Ordnung aus dem Chaos“ bedeutet! Das, was wir gerade auf dem Finanzsektor erleben, ist Teil eines skrupellos vorbereiteten Planes der Freimaurer, die Menschheit unter ein Dach zu bringen, unter dem es ein neues Währungssystem auf der Basis von bargeldlosem Zahlungsverkehr und eine Weltsprache mit einer Einheitsreligion geben soll.; selbstredend unter der dann ewigen Herrschaft der Freimaurer! Die Wirtschaftskrise/Rezession ist daher nicht vom Himmel gefallen, sondern war von langer Hand geplant. Sie ist einer der Schlüssel, die Menschen in eine neue „kontrollierte“ Welt zu führen (Fabian Society, George Orwell, Aldous Huxley). Die geheimen Weltherrscher stiften also so gut es geht Chaos, durch die Aufhebung von regionalen Grenzen, Verrohung der Kinder wie auch der Gesellschaft durch Gewalt und Sex aus dem Fernseher, Videospiele und Internet, Zerstörung von Werten wie Familie, (Homokult), Tradition, Kultur, Völkervermischung, religiöse Ansichten, Ehre, Stolz durch Perversion, Pornographie, Drogen. Das Resultat sind Unruhen (Frankreich, Berlin Neukölln) zwischen Einheimischen und Ausländern, Menschen fühlen sich unsicher, sind voll Angst und verlangen nach einer „starken Hand“. Diese bringt die Regierung über die Ausweise, Personenkontrolle, Überwachung, Nacktscanner, Autobahnüberwachung und am Ende den Chip unter der Haut. In Frankreich wird niemand Minister, der nicht der erwähnten Loge angehört; ob dies auch auf Schäuble zutreffen sollte? Man müsste ihn direkt fragen! Also bereiten wir uns auf die Bankenunion, die Schuldenunion und die Eurobonds vor. Unser Geld und unser Vermögen gehört jetzt Allen! „Schöne neue Welt“!