Italien-Reise: Merkel besucht Arbeitslosen auf Ischia

Bundeskanzlerin Merkel stattete während ihres Italien-Urlaubs einem arbeitslosen Kellner einen Hausbesuch ab. Dieser arbeitete früher in einem Hotel, wo Merkel Stammgast ist. Der Besuch ist gut gemeint, hat aber einen unangenehmen Beigeschmack.

Merkel und ihr Ehemann, Prof. Sauer, überraschten während ihres Urlaubs den Kellner Cristoforo Iacono mit einem Hausbesuch. Er war früher Kellner in jenem Hotel, in dem Merkel und ihr Ehemann Stammgäste sind. Dies sagte Iaconos Tochter der Tageszeitung La Stampa. Merkel hatte sich während des Essens erkundigt, wo denn der Kellner sei, der sie jedes Jahr bediente. Darauf sagte man ihr, er sei gefeuert worden.

Iacono und die italienische Presse freuten sich über die spontane Geste von Merkel: „Merkel kennt meinen Vater seit Jahren, lange bevor sie die mächtigste Führerin in Europa wurde.“ Iacono hat während der Krise seinen Job verloren – wie tausende Italiener auch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verbringt ihren Osterurlaub im italienischen Badeort Ischia. Dort wurde sie vom Präsidenten von Kampanien, Stefano Caldoro, mit höflicher Kritik per Video-Botschaft empfangen. Präsident Caldoro forderte Merkel auf: „Schauen Sie sich bei uns um!“

Er warf ihr unter anderem ein zu hartes Vorgehen in der Eurokrise vor und hielt ihr die hohe Arbeitslosigkeit in Italien vor Augen. Vor allem im Süden der EU ist die Arbeitslosigkeit so hoch wie nie zuvor.

Die Geste spricht für Merkel – hat aber auch einen unangenehmen Beigeschmack: Sie zeigt, dass politische Führer einer Nation mit einen Mal eine gewisse Zuständigkeit für Menschen in anderen Nationen usurpieren. Der italienische Kellner kann Merkel weder wählen noch abwählen. Er hat nicht den geringsten Einfluss auf die Gesetze, die irgendwo beschlossen werden und am Ende sein Leben betreffen.

Im Grunde wird, abgesehen von der menschlichen Note, durch diese Geste klar, dass im modernen Wirtschaftssystem nicht mehr die selbstbewussten Bürger die Herren der Politik sind. Das System ist tatsächlich zu einem Feudal-System geworden, in dem sich der Bürger demütig über einen Beweis des Mitleids durch den fernen Herrscher freuen darf.

Das gönnerhafte Almosen kann indes nicht die Lösung des europäischen Demokratie-Defizits sein. Die deutsche Bundeskanzlerin muss eine Politik betreiben, die Schaden von den Bürgern in Deutschland abwendet. Die italienische Politik muss sich um die italienischen Bürger kümmern.

Das ist keine Frage des Nationalismus, sondern der praktischen Gerechtigkeit: Wenn gewählte Politiker entscheiden, wie es Leuten gehen soll, die außerhalb ihres Wahlgebiets leben, dann verliert die Demokratie das zentrale Element der Verantwortlichkeit der Politiker für ihr Handeln.

Den Bürgern wird durch diese Feudal-Politik – das Herzstück der Ideologie der politischen Union in Europa – die einzige Waffe aus der Hand geschlagen, die ihnen die Demokratie gegeben hat: Das Recht auf Abwahl der Regierenen an der Wahlurne.

Kommentare

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  1. ios sagt:

    italiener,griechen,spanier leben immer noch besser und haben monatlich mindestens doppelt so hohe Mindest-Löhne wie Polen,Slowaken,lLtten -und in Osteuropa sind Preise in Supermärkten teuerer als in Deutschland,und einmal volltanken heisst für einen Polen 1/4 seines Lohns.Auf Pump besseren Wohlstand zu finanzieren da man ja Italiener ist und es gewohnt war besser zu leben als heute steht italienern nicht zu.Schon zu den besseren Zeiten,2007,hat Italien Jugendarbeitslosigkeit von über 30% gehabt und mehr als 2/3 der bis zu 30-jährigen wohnte noch bei Mama. Müssen Südeuropäer eben hintern hochkriegen und so wie Osteuropäer und der Arbeit nach in Europa.Schliesslich haben sie heute ein Europa wo man überall Wohnung finden und Job anfangen kann ohne viel Papiere und mit gleichen Rechten.Man emigriert heute nicht in EU ,man zieht um wie von Texas nach Kalifornien.In Asien oder Südamerika wäre das nicht so einfach

  2. so-ist-es sagt:

    ein sehr guter artikel!

    leider wird nichts an den herrschenden verhälznissen damit geändert.
    der eu-wahn hält unsere politiker davon ab, für das wohl der bevölkerung zu sorgen.
    machtwahnsinn gegen die belange der menschen hat vorrang auch dann,
    wenn dieser wahn den menschen in allen belangen enormen schaden verursacht.

  3. guantanamera sagt:

    Sehr guter Artikel. Hier ist das Demokratiedefizit nicht nur einfach ein Wort, eine Definition oder eine Zustandsbeschreibung. Hier ist sie erlebte Wirklichkeit.

    Mehr veröffentlichte Meinung dieser Art in mehr Medien und vielleicht ändert sich doch etwas und sei es „nur“ die Wahrnehmung.

  4. Günter Wolf sagt:

    Hallo Frau Merkel,
    in Sachsen genauer im Erzgebirgskreis könnten sie Arbeitslose en gros besuchen und ihnen Hartz4 zum Mittagessen schmackhaft machen. In Italien bringt ihnen der Gang zum arbeitslosen Kellner allerdings mehr Publicity in den Medien als ein Termin im Plattebau von Marzahn.

  5. Merkels Märchenstube sagt:

    Merkel zeigt sich als verständnisvolle Kanzlerin und hat ein Herz für die Arbeitslosen…… vor der BTWahl LOL!!!

    • Dagmar sagt:

      Noch mehr LOL… welchen arbeitslosen Deutschen hat ihre Hochwohlgeboren denn jemals besucht?

      Sorry, aber hier wird der arbeitslose italienische Kellner wie ein Äffchen im Zirkus vorgeführt… und mit einer Banane gefüttert!

      Die vermeintlich „große Geste“ unserer Kanzlerdarstellerin ist ausschließlich Selbstdarstellung.

  6. popper sagt:

    Der Hinweis, deutsche Politiker seien für das Wohlergehen ihres Volkes und italienische für das der Italiener zuständig, ist doch nicht glaubwürdig, wenn man sieht, was das in Europa anrichtet.

  7. Michael Schröder sagt:

    Wenn das Recht auf Abwahl die letzte und einzige Waffe in der Demokratie ist, dann dürfte es schlecht um sie bestellt sein. Ist der Unterschied zwischen moderner Demokratie und der antiken tatsächlich, wie der Althistoriker Christian Meier schon in den 80ern feststellte, derjenige, „dass die Menschen heute alle 4 Jahre ihre Stimme abgeben, um danach keine mehr zu haben!“

    Und das soll Demokratie sein? Ich bitte Sie!

  8. Alfons sagt:

    Diese „politische Union“ ist nichts anderes als eine Diktatur reinsten Wassers; sie erfüllt sämtliche Kriterien.
    Und dass man diese Banden in Form von Polit-Kommissaren und ihren Apparatschiks nicht abwählen kann, liegt schlicht daran, dass auch niemand sie gewählt hat.