Insolvenz-Recht in Europa verhindert Firmen-Rettungen in Krise

Die Pleitewellen infolge der Schuldenkrise haben eines verdeutlicht: Das Insolvenz-Recht in Europa wirkt in einer tiefgreifenden Rezession verheerend. Ein Neuanfang ist für die Unternehmen und die Unternehmer meist kaum mehr möglich. Daher wird so lange verschleppt, bis es zu spät ist.

In Italien gab es im vergangenen Jahr über 100.000 Firmenpleiten. Das allein ist schlimm genug. Nur hat der Prozess der Pleite mit der Insolvenz-Anmeldung gerade erst begonnen. In Italien dauert er über zehn Jahre. Und das ohne eine befriedigendes Ergebnis: Die Gläubiger bekommen im Schnitt nur 14 Prozent des investierten Geldes zurück, über 90 Prozent der Unternehmen werden aufgelöst.

Für die meisten Unternehmer ist eine Insolvenz die schlimmste aller Möglichkeiten. Wer einmal eine Pleite hingelegt hat, ist im Grunde ruiniert. Viele versuchen daher, das bittere Ende so lange als möglich hinauszuzögern. Damit werden Sanierungen am Ende unmöglich.

Ein Neuanfang ist auch für den Unternehmer meist kaum möglich. Die Voraussetzungen für einen günstigen Kredit sind infolge der Schuldenkrise für Gründer ohnehin schlecht genug. In Spanien hat sich die Zahl der Insolvenzen in den Jahren von 2007 bis 2011 mehr als vervierfacht.

Eine Reform des europäischen Insolvenz-Rechts könnte Firmenpleiten effizienter gestalten und eine Reorganisation der Unternehmen beschleunigen. Die USA könnten durch ihre „Chapter 11“ Gesetzgebung als Vorbild gelten. Unternehmen können dort einen Schutz vor den Gläubigern beantragen.

In Italien wurden Teile dieses neuen Insolvenz-Rechts bereits umgesetzt. Seitdem haben Geschäftsführer eine Gnadenfrist von drei Monaten, in denen sie keine Schulden zurückzahlen müssen. Binnen dieser Frist können sie ein neues Geschäftsmodell entwickeln und ihre Gläubiger davon zu überzeugen. Sie können auch neue Finanziers zu suchen. Diese neuen Geldgeber werden ihrerseits geschützt, indem sie zuerst ihr Geld zurück erhalten, wenn die Firma tatsächliche aufgelöst werden sollte.

Trotzdem schaffen es viele Unternehmen in Italien innerhalb der Schonfrist nicht, ihr Unternehmen neu zu ordnen und auf einen Weg zurück in die schwarzen Zahlen zu führen. Die Insolvenz-Anträge sind zwar gestiegen und insgesamt gibt es mehr Flexibilität, jedoch werden noch immer 50 Prozent der insolventen Unternehmen aufgelöst.

Auch Firmen, die noch nicht pleite sind, können den Antrag auf Insolvenz stellen. Viele schrecken jedoch davor zurück: „Das neue Gesetz ist total ineffektiv“, sagte Filippo Lamana Chef der Insolvenz-Abteilung beim italienischen Gericht in Mailand einem Bericht der FT zufolge. Verteidiger des neuen Konzeptes sagen, es werde noch Jahre dauern, bis Unternehmen sich der neuen Möglichkeiten bewusst würden.

 

Kommentare

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  1. Dr.Hans-Otto Hüppe sagt:

    Vielleicht wäre zur Abwechslung einmal ein Blick nach Österreich angebracht.
    Hier hat die Fortführung eines insolventen Unternehmens spätestens seit 1997 (Insolvenzrechtsänderungsgesetz 1997) einen sehr ausgeprägten Stellenwert. Dienstnehmer (Arbeiter und Angestellte) haben eine bevorrechtete Stellung, als ihre Ansprüche vom Insolvenzentgeltsicherungsfonds zu 100% bezahlt werden.
    Nunmehr (seit 2010) gibt es sogar die Möglichkeit eines Insolvenzverfahrens mit schuldnerischer Eigenverwaltung ohne Insolvenzverwalter (Mindestquote allerdings 30%), welches eine sehr hohe Erfolgsrate aufweist. Dieses Eigenverwaltungsverfahren wurde genau aus dem Grund geschaffen, damit eine rechtzeitig Insolvenzanmeldung erfolgt.
    Detaillierte Daten dazu liegen bei den österreichischen Kreditschutzverbänden auf.
    Im übrigen gibt es in Österreich seit vielen Jahren eine zentrale Insolvenzdatei, aus der jedermann insolvenzrelevante Daten kostenfrei abrufen kann.
    Vielleicht kann in diesem Zusammenhang sogar Deutschland (keine zentrale Insolvenzdatei) noch etwas lernen (bei Italien könnte der Lernbedarf sogar noch etwas größer sein).

  2. Anita Grünwald sagt:

    Eine Insolvenz ist nur tödlich.Gerade Personen, welche Einsatz, Wissen, jede Menge
    Arbeitszeit und vieles noch mehr investieren, werden zu Bittsteller. Eine Insolvenz, wenn
    schon nicht zu umgehen , muss innerhalb von 1 Jahr „erledigt“ sein.

    Die Firmen die Geld u a Dinge zur Verfügung stellen, müssen dieses Risiko eingehen,
    oder die „Finger davon lassen“.

    Die Verwaltung dieser Insolvenzen macht nur die RA reich.

    Vielleicht sind unsere Facharbeiter gerade für den Rest ihres Lebens in Insolvens.

  3. Lesowski sagt:

    Im Privatrecht ist es noch viel schlimmer.

    Der amtsgerichtlich vorgeschriebene Entwertungstrichter der
    Teilungs- und Zwangsversteigerungen,

    vernichtet Bundesweit täglich 50% aller Immobilienwerte,
    die so unter den Hammer kommen.

    Eine Zwangsräumung ist dagegen ein KlaX.

    http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/thema_nt/article107809229/Dramen-bei-Zwangsraeumungen-in-Deutschland.html

  4. André Schwaermer sagt:

    Verdammt nochmal, es gibt keine „Schuldenkrise“! Wann geht es denn endlich in die verbohrten Hirne, dass hier ein komplett anderes Stücke gespielt wird? Das ist doch nicht zu fassen!

    http://uhupardo.wordpress.com/2013/04/08/die-dummsten-der-klasse-demokratie-ist-der-falsche-weg/

    • Toni-Ketzer sagt:

      Demokratie muß organisiert werden
      Es ist gerade die parlamentarische Demokratie welche für sich das Vorrecht reserviert vorwiegend „nicht abwählbare Volksvertreter“ zu stellen. Eine Diktatur hat auch seine Lakaien welche mitunter die Öffentlichkeitsarbeit machen. Zum Beispiel ist die „Volksrepublik China“ eine Republik, somit eine Demokratie welche auf nur eine Partei basiert. Die „Bundesrepublik Deutschland“ ist ebenso eine Republik, somit eine Demokratie welche auf zwei, „jedoch im Prinzip gleiche“ Parteien basiert. Der Unterschied zwischen China und Deutschland wird im Prinzip immer kleiner.
      Eine bürgerliche Demokratie findet man z.B. in der Schweiz. Dort stimmen die Bürger hauptsächlich in und „für“ Landkreise(Kantone) und Kommunen ab. Darüber hinaus können mittels Volksbegehren parlamentarische Entscheidungen gekippt und Gesetze verhindert werden. Die Schweiz zählt zu einer der erfolgreichsten Staaten der Welt.