Dank Schiefergas: Energiepreise in den USA deutlich günstiger als in Europa

Energie ist in Europa um ein Vielfaches teurer als in den USA. Verantwortlich sind der dortige Schiefergas-Boom und die Energiepolitik der EU. Die Risiken der Schiefergas-Förderung solle man in Europa vernachlässigen, fordert die Industrie.

Vor Kurzem veröffentlichte die Europäische Kommission ihr Grünbuch zur Klima- und Energiepolitik bis 2030. Die Debatte rund um die langfristige Energiestrategie der EU ist damit wieder aufgeflammt. Kontrovers ist vor allem der angestrebte Ausbau der erneuerbaren Energien. Markus Beyrer, Generaldirektor der Europäischen Arbeitgeberverbandes BusinessEurope, kritisiert in einer Stellungnahme die zu hohen Energiepreise innerhalb des Euroraumes.

Er verlangt ein realistischeres Vorgehen bei der Förderung neuer Technologien, dass die Wettbewerbsfähigkeit miteinbezieht. Den Zeitplan, den die Kommission für ihre nachhaltige Energiepolitik aufgestellt hat, bezeichnet er als unrealistisch. Technologische Entwicklungen wie der Schiefergas-Boom in den USA und politische Tatsachen wie die stockenden Bemühungen um eine globale Klimastrategie seien zu berücksichtigen. „Europa hat keine Energiepolitik. Es hat nur eine Klimapolitik“, sagte Beyrer dem Telegraph. Die Preise für an der Börse gehandeltes Gas seien in Europa derzeit vier- bis fünfmal höher als in den USA. Dies hat große Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit vieler Branchen, vor allem für die Chemie-Industrie.

Schiefergas sei ein „Game-changer“, so der Industrie-Vertreter. Die Diskussion darüber sollte in Europa nur auf Basis des vorliegenden Wissens geführt werden, die potentiellen Risiken seien zweitrangig. Welche negativen Folgen die Schiefergas-Förderung im großen Maßstab haben könnte, ist noch nicht vollständig erforscht (hier). Energiekonzerne fordern trotzdem die Zulassung der Methode auch in Europa.

Auch das CO2-Handelssystem der EU kritisiert Beyrer. Es gebe ein Wirrwarr an Regelungen, die nur die Energiekosten nach oben treiben und kaum Erfolge bei der Kohlendioxid-Vermeidung bringen. Genauso alarmierend seien die transatlantischen Unterschiede in der Arbeitskräfte-Produktivität. Diese hätte in der verarbeitenden Industrie der USA seit Anfang der 2000er-Jahre um 1,8 Prozent zugenommen, in der Eurozone nur um 0,66 Prozent.

Diese Darstellung entspricht in erster Linie den Interessen der von Beyrer vertretenen Großunternehmen. Die geringen Produktivitäts-Steigerungen im europäischen Durchschnitt sind in erster Linie durch die Folgen der Finanz- und Eurozone zu erklären. So verdankt etwa Deutschland seine riesigen Export-Überschüsse vor allem seiner hohen Produktivität.

BuinessEurope ist der größte europäische Unternehmerverband mit 41 nationalen Mitgliedsverbänden aus 35 Ländern. Konzerninteressen stehen im Vordergrund. Beyrer war in Österreich jahrelang Generalsekretär der Industriellenvereinigung und später Chef der Staatsholding ÖIAG. Im Zuge der Ermittlungen rund um einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss im vergangenen Jahr wurde bei ihm Beweismaterial sichergestellt. Dabei ging es um ein weitläufiges Korruptionsnetzwerk, in das mehrere Parteien verstrickt waren. Auch Beyrer musste vor dem Ausschuss aussagen, er wurde jedoch nie als Beschuldigter geführt.

Kommentare

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  1. Gast sagt:

    Fracking versaut das Wasser für Jahrhunderte für Alle nur für einige Jahre Gewinn für Wenige.

  2. Bruno Winkler sagt:

    Googelt mal den Begriff „Gas-Fieber“. Bis vor ca. einem Monat war der Film noch über You tube zu sehen. Nun ist der Beitrag, bis auf einen Trailer, vom Web verschwunden mit dem Hinweis „Dieses Video wurde vom Nutzer entfernt“. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
    Nur ein Hinweis. Im Staate Pennsylvania wurde per Regierungsdekret (Act 13 Pennsylvania, kann auch gegoogelt werden) den Ärzten unter Strafe verboten, ihren Patienten etwas über die Nebenwirkungen durch fracking zu sagen. Hinter diesen Mafia-Methoden steckt Chevron.
    Es gibt genügend Hinweise, dass fracking gesundheits- und umweltschädlich ist!

  3. Hülsensack sagt:

    Da wird wieder getrommelt und gepfiffen, damit die Masse es schluckt. Wenn die Scheisse dann doch zu stark stinkt, ist keiner der Schuldige und Raffkes verpissen sich aus den geschundenen und versauten Regionen.
    Mit Geld wird alles in Bewegung gebracht, weil die Angst ein guter Berater ist und keiner möchte in kalten Hütten sitzen.
    Frage: Wie lange leben schon Menschen in Europa, mit welcher Anzahl und wieviele davon sind erfroren?
    Aber nun kommen die Wissenden, die mir sagen wollen, daß der Fortschritt dies fordert.
    Wie weit wollen wir denn noch fortschreiten? Bringt uns nun dieses Gas soweit voran? Für wieviele Jahre ist dieses Gas denn vorhanden?
    Als ich 1959 meine Lehre begann, sagte man uns, daß die Erdölvorkommen nur noch für VIERZIG Jahre reichen werden. Jeder kann sich auf Grund dieser Aussage selbst vorstellen, wie gegenüber diesem Jahr, die Zahl der Benzinkutschen zugenommen hat. Nun hat der Konzern Exxon im Jahr 2007 eine Erhebung zu dem gleichen Thema veröffentlicht, wo man festgestellt hat, daß mit der erheblichen Zunahme der Benzinschlucker, die festgestellten Erdölvorkommen NOCHmals für 47 JAHRE vorhanden ist.
    Wer haut nun wem die Taschen voll?
    Mir persönlich macht dies KEINER mehr, solange ich noch Husten werde, weil ich keinem Politiker je noch etwas abnehme.

  4. argus germanicus sagt:

    Klar „Industrie“ – für ein paar Jahre scheinbar billiges Gas, „vernachlässigen“ wir mal eben die Qualität unseres Grundwassers für die nächsten Jahrhunderte, während Ihr euch mit den Profiten aus diesem Frevel, zusammen mit eurer Sippe derweil ein schönes unverdorbenes Fleckchen Erde sichert…

    • Hans Meier sagt:

      Man kann hier zwar für eine viel teurere Gasversorgung Reklame laufen und Gefahren beschwören, sollte aber auch dass hier zur Kenntnis nehmen.

      http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_3/panoramadrei279.html

      und sich fragen, welchen hochsubventionierten grünen Unfug, Öko-Apostel in einem Industrieland fördern, der sowohl die Nahrungsmittelproduktion verteuert, als dem Industriestandort schadet und Böden, Gewässer und Menschen gefährdet.

  5. Eulenspiegel sagt:

    Das Gas ist in den USA nur scheinbar billig, weil alle gleichzeitig gebohrt haben:
    http://www.spektrum.de/alias/rohstoffe/schiefergas-im-realitaetstest/1185968

    Den Bohrkosten von 42 Milliarden stehen Verkaufserlöse von 33 Milliarden entgegen, da ist noch kein Geld für Pipelines, Infrastruktur, Verwaltung, Gewinne etc. drin.

    Die Preise werden auch in den USA langfristig steigen müssen, ewig lassen sich die Verluste halt nicht durchhalten. Man hört von Preisen von 7-8 Dollars langfristig, damit sich die Förderung rentiert.

    Davon abgesehen haben wir keine riesigen Schiefergasvorkommen in Europa (auch in Polen haben sich die Förderfirmen zurückgezogen – da ist wohl auch weniger zu holen als gehofft). Die paar kleinen Vorkommen in Deutschland machen keinen großen Unterschied.

    • Placker sagt:

      Da haben Sie recht. In Polen hat RWE-Dea 3-stellige-Millionenbeträge in das Projekt versenkt. Gewinn Null. Weder Gas noch Öl in größeren Mengen gefunden. Dafür wird in den RWE betrieben in Niedersachsen (Völkersen) weiter kräftig gefrackt (wie seit 15 Jahren schon). Erdbeben und schlechtes Wasser sind die Folgen (Diese Internetseiten dienen der Information zur Benzol-Verunreinigung in der Nähe von Völkersen. RWE Dea nimmt die Fragen und Sorgen der anwohnenden Bürgerinnen und Bürger sehr ernst. Unsere Erkenntnisse zu Schadensursache, Schadensausmaß sowie den daraus resultierenden Sanierungsmaßnahmen werden wir der Öffentlichkeit auf diesen Seiten zur Verfügung stellen. Wir möchten mit dieser Website zeitnah und transparent informieren.)
      Wirklich völlig gefahrlos !!!

  6. Zeitgeist sagt:

    RIchtig, im EU-Kasperle-Theater wird lediglich Klimapolitik – nicht Energiepolitik betrieben !

    Und was fast alle EU-Voll… nicht verstehen (wollen)….Umweltschutz kommt von ganz allein, wenn ein gewisser Wohlstand erreicht ist …tja, so wie die Dinge stehen, haben wir in Europa also gaaanz andere Probleme an vorderster Front zu lösen !

    Die Schiefergasgeschichte ist eine riesige Blase die von der WallStreet erzeugt wurde…desweiteren sollen durch die künstlich gehaltenen Energiepreise fette Investoren mit großem Energiehunger in’s bankrotte Land gelockt werden (s. Foxconn), wenn die dann ihre Werke aufgebaut haben ist plötzlich das Schiefergas schneller alle als die Investoren Shyce rufen können….ohhhh, shit happens !

  7. TOM sagt:

    Mit was was wollt Ihr uns noch Vergiften ?

  8. ios sagt:

    Polen hat Schiefergasvorkommen die ganz Europa 50 Jahre lang versorgen könnten –es war mal von 80 jahren die Rede was übertrieben war wie Probebohrungen ergaben.
    Ganze EU könnte sich leicht vom russischen Gas frei machen und Putin unter Druck setzen.
    Leider sind von Russland finanzierte Umweltorganisationen in Brüssel unterwegs (da wären mal Razzien bei Umweltorganisationen angebracht um mal mehr über ihre Finanzierungsquellen zu erfahren) die gegen Schiefergas Sturm laufen und Förderund von Schiefergas am besten in ganz Europa verbieten wollen.
    Ei tolles Beispiel ist Overgaz.Heute eine bulgarische Tochter von Gazprom.
    Vor einiger Zeit war Bulgariens regierung ganz heiss auf Schiefergas,nach Übernahme von Gazprom ist man heute vollkommen dagegen

    • Eulenspiegel sagt:

      Wenn es wirklich so ergiebig wäre, würden sich die Polen von dem Druck frei machen.
      Es läßt doch niemand eine 100 Milliarden-Bonanza freiwillig liegen. Auch kein Öl oder Gaskonzern.

      Ein paar Juristen, ein paar Bestechungen und da läßt sich was machen. Lokale Bauern lassen sich leicht mit ein paar Millionen besänftigen…Und Polen ist nicht Deutschland, die haben keine so starke grüne Partei.

      Wahrscheinlich sind eher die Vorkommen zwar groß, aber zu teuer zu fördern weil zu wenig konzentriert.

      • ios sagt:

        Polen hat nicht die Mittel um es selbst zu fördern. Und US-Konzerne haben ein Wissenvorsprung von 10 jahren.Ob diese so schnell in Polen selbst fördern wollen ist nocht nicht klar,würden sich vielleicht den Preis und Gewinn selbst versauen -man weiss es nicht.

        Das mit der Grundwasserverseuchung ist übertrieben.Es gab am Anfang einige Probleme in den USA wie bei jeder Technologie,es kommt ja auch zu Erdbeben durch Bohrungen nach Geo-Thermie und trotzdem stellt das niemand in Frage.
        Jedenfalls ist die berühmte Szene aus Gasland Quatsch und wurde Aufgeklärt wo Feuer aus dem Wasserhahn kam. Dies wurde durch Methan-Bakterien ausgelöst und nicht durch Gas im Trinkwasser.
        Mehr im Internet

        Desweiteren unterscheiden sich die Tiefe aus dem das Gas geholt wird und
        die Tiefe wo Grundwasser vorkommt um tasusende von Metern – das Chemie das Grundwasser wird bei uns völlig falsch dargestellt und übertrieben.
        Strenge Auflagen sollten sein,aber es bei uns als unmögliche Technologie zu verteufeln ist Schwachsinn.
        Übrigens,auch bei der konventionellen Förderung entstehen hier und da Umweltschäden,aber da dies weit weg in Russland passiert ist es egal

    • argus germanicus sagt:

      50 Jahre Gas sind NICHTS gegen einen möglichen Umweltschaden deswegen! Besser wäre es, sich mit den Russen gut zu stellen! Vorallem für Deutschland wäre es VIEL besser…
      …aber das sähe man in Polen natürlich nicht so gerne, gel 🙂