Analyst: Nach Wahl stimmt Bundesregierung Eurobonds zu

Nach dem Vorschlag von George Soros, Eurobonds auch ohne Deutschland einzuführen, erwarten Beobachter, dass Angela Merkel nur auf Zeit spielt: Die Kanzlerin fürchtet einen Euro-Austritt und könnte nach der Wahl zähneknirschend der Vergemeinschaftung der Schulden in Europa zustimmen.

George Soros hat das Thema Eurobonds wieder in die Diskussion geworfen. Seine Haltung: Deutschland müsse Eurobonds akzeptieren oder aus dem Euro austreten. Vor allem beklagt Soros, dass Angela Merkel nicht bereit sei, über das Thema nachzudenken.

Es sei allerdings nur „eine Frage der Zeit, bis Merkel ihre Taktik ändert und Eurobonds einführt“, sagte Jeremy Warner, Analyst beim Londoner Daily Telegraph. Warner gilt als einer der angesehendsten Finanz-Kommentatoren der City.

Durch ihre Einführung würden die Schulden in Europa gleichmäßig auf alle Mitgliedstaaten verteilt. Der Euro könne als Währung nicht überleben, solange es keine voll ausgeprägte Bankenunion mit gemeinsamen Rücklagen, Absicherungen und einem Mindestmaß an gemeinsamen Schulden gebe, sagte Warner.

Zu Beginn einer neuen Legislaturperiode wagen Regierungen mehr und machen nicht selten das genaue Gegenteil von dem, was sie vor ihrer Wahl versprochen haben. Mit Wahlgeschenken, wie außerplanmäßigen Finanzspritzen für die Krankenhäuser oder Versprechen einer Reform der Ausbildungsförderung wird die Wählerschaft gefügig gemacht. Die CSU hat sogar in Erwägung gezogen, die Eigenheimzulage wieder einführen zu wollen (hier).

Sollte es nach den Bundestagswahlen im September zu einer großen Koalition aus CDU und SPD kommen, könnte ein Großprojekt, wie die Vergemeinschaftung der europäischen Schulden durch Eurobonds, angegangen werden. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die notwendigen Änderungen der Verfassung ist dann ebenfalls kein Problem mehr. Und die Grünen haben ohnehin schon längst gesagt, dass es mit der Vergemeinschaftung der Schulden gar nicht schnell genug gehen kann.

Ohne eine grundlegende Reform werde der Euro nicht überleben, sagte Warner. Das politische Erbe Merkels stehe auf dem Spiel: Die Bewältigung der Schuldenkrise. Wenn diese Herkulesaufgabe eine ähnliche Bedeutung für Merkel hat wie die deutsche Wiedervereinigung für ihren Ziehvater, Helmut Kohl, dann wird es in Deutschland nach den Wahlen einen Richtungswechsel geben.

Kommentare

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  1. Silberstreif sagt:

    Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Sozialismus im Geldsystem (Vergemeinschaftung aller Schulden) ausbricht. Die verdummte Masse nimmt es hin gemaess dem Sprichwort: „Not macht erfinderisch – Wohlstand macht traege.“ Insofern hat es auch etwas Gutes, wenn 60 Jahre Wohlstand e n d e n. Der Mensch kommt dann zur Besinnung.

  2. Erdbeerkuchen sagt:

    das problem ist, die meissten leute wissen doch gar nicht was eurobonds sind und was das fuer deutschland bedeutet. geschweige denn die politikermarionetten; die wissen doch auch nix.

    fragen sie doch heute einfach 5 leute, was eurobonds sind und wie das funktioniert.

  3. Bob sagt:

    @ Zeitgeist

    Ich denke da liegst du aber 100pro daneben!
    Das gemeine deutsche Schlaf-Schaf wird auch diese Schweinerei ohne das geringste Murren schlucken. Die Medien werden dabei mithelfen diesen “alternativlosen“ Schritt als vorteilhaft für Deutschland zu propagieren.
    Der Michel lehnt sich beruhigt zurück und läßt sich weiter schröpfen und knechten.
    Solange Essen und Bier im Kühlschrank sind und es 4mal wöchentlich Blödball auf dem 50Zoll Flatscreen gibt, wird er seinen Hintern nicht mal von der Couch hochheben (geschweige denn Revolution).

    • Hülsensack sagt:

      Sehr treffende Feststellung der Lage im deutschen Land.
      Könnte auch von mir sein. Denn nicht anders läuft es ab.