Konkurrenz aus China: EU erwägt Einführung von Schutz-Zöllen

Die Märkte für Solar-Anlagen und Telekommunikation werden von den Chinesen dominiert. Das gefährdet Arbeitsplätze in der EU. Diese erwägt die Einführung von Schutzzöllen. Freihandel war gestern.

Im Wettbewerb mit den chinesischen Entwicklern für Solar-Anlagen und Telekommunikations-Zubehör läuft Europa nur hinterher. Die beiden Wachstumsmärkte sollten eigentlich ein Garant für mehr Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum sein. Stattdessen werden die deutlich billigeren Produkte aus China importiert. Dies könnte sich bald ändern. Wie das WSJ berichtet, verhandelt eine Delegation der EU derzeit mit chinesischen Regierungsvertretern über eine Neuordnung der Märkte.

Dabei werden seitens der EU wohl auch Schutzzölle in Erwägung gezogen. Die Unternehmen in China werden von der Regierung mit Subventionen unterstützt, um ihre Produkte unter Marktwert anbieten und weltweit exportieren zu können. Zusätzlich erhalten sie von den Banken billige Kredite. Die Kreditvergabe in der Euro-Zone ist infolge der Krise für die Unternehmen teurer geworden.

Die EU will nun Importe von den subventionierten chinesischen Unternehmen stoppen. Eine entsprechende Rechtsgrundlage gäbe der EU auch Handlungsoptionen, gegen unfaire Handelsbeziehungen vorzugehen, noch bevor europäische Unternehmen offiziell Beschwerde einlegen.

Unternehmen in Europa befürchten jedoch ihrerseits eine Benachteiligung durch die chinesische Regierung, wenn sie sich gegen den unfairen Wettbewerb beschweren. Diese könnte ihrerseits durch Zölle die Importe aus Europa sperren oder Investitionen in China verhindern. Ein Sprecher der EU sagte dem WSJ, die Kommission will aus den Gesprächen „gestärkt“ herauskommen: „Diese Vorgehensweise ist inakzeptabel.“

Die EU will durch die Erhebung zusätzlicher Wirtschaftsdaten von der europäischen Industrie eine Handlungsgrundlage bilden. Wegen der Zurückhaltung der Unternehmen ist dies jedoch ein kompliziertes Unterfangen. Das Ziel der EU ist, „die Unternehmen zu zwingen“, die notwendigen Informationen zur Einleitung eines Verfahrens gegen unfairen Handel einzuleiten.

Viel wichtiger wäre allerdings eine Reform des gescheiterten europäischen Arbeitsmarktes. Auch in anderen Branchen besetzen Chinesen wichtige Arbeitsplätze in Europa: Weil sich nicht genügend Fachkräfte für Pflegeberufe in Europa finden, werden Bewerber aus China und den Philippinen gesucht.

Kommentare

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  1. Gast sagt:

    China ist derzeit die weltweite Hauptgefahr und nicht vorübergehende Euroschwierigkeiten die eher konsolidierend wirken.

  2. Hülsensack sagt:

    Die vielgepriesene Globalisierung pinkelt den Schlafwagentrappern der EU nun in die Flinte.
    Als die Verschwörungstheoretiker und Stammtischpolitiker laut darauf hingewiesen haben, daß dies nicht gut sein kann für Deutschland und Europa, haben die ein völlig anderes Lied gesungen, um der Masse ihre Töne aufzudrücken.
    Denen gehört aufs Hirn geklopft, damit sie den eventuell vorhandenen Inhalt selbst zertreten können. Aber Spatzen haben wohl mehr von dem Zeugs, wie die gesamtem EU-Politiker zusammen.

  3. argus germanicus sagt:

    Wäre gut, wenn auch „Schengen“ wieder gekippt würde…
    …dann dürfte auch der „zollfreie Handel“ mit Drecks-Drogen wie Cristal aus Tschechien sowie der „zollfreie“ Autoklau via CZ und PL wieder gegen Null tendieren, so wie vor Schengen halt…

  4. Ulrich Riediger sagt:

    Freihandel nach Adam Smith funktioniert nur, wenn alle Märkte frei und unter gleichen Bedingungen agieren. Das ist in unserer „globalisierten“ Wirtschaft NICHT der Fall. Besonders nicht in der Zusammenarbeit mit China. Deshalb hilft die Globalisierung nur den international agierenden Konzernen, nicht aber den Menschen und den national gebundenen Unternehmen.

    China ist im höchsten Maße protektionistisch und erschafft sich sein wirtschaftliches Wachstum vor allem durch Preisdumping (viele Menschen, schlechte Arbeitsbedingungen, keinerlei Umwelt- und Sozialstandards), durch aufgezwungene Bedingungen für Importeure, die Produktionsanlagen in China und Anteilsmehrheit des chinesischen Staates einfordern und durch zunehmende Patentrechtsverstöße, die es ermöglichen, importiertes Know-how in China zu kopieren und als eigene Produkte unter Chinesischen Markennamen zu billigeren Preisen weltweit zu vermarkten.

    Es wird höchste Zeit den EU- Binnenmarkt zu schützen und auch über Technologie-Know-How Export nach China ernsthaft nachzudenken.

    Wer noch immer den Freihandel nach Adam Smith (1723 – 1790) verteidigt, koste es was es wolle, dem empfehle ich einmal einen kurzen Blick in das Werk „Das Nationale System der Politischen Ökonomie“ von Friedrich List (1789 – 1846).

    • Kanduth Robert sagt:

      100% richtig besser hätte es niemand formulieren können ! Wenn’s so weitergeht ist die europäische Industrie in 15 Jahren Geschichte !

  5. General-Investigation sagt:

    War es nicht immer so, das der Wettbewerb alles regelt?
    Und nun hat man Schiss bekommen, weil die Chinesen plötzlich mehr umsetzen und dabei auch noch teils bessere und günstigere Waren anbieten? Solarpaneel aus China sind nun mal effizienter, da gibt es nichts zu diskutieren – auch sind sie deutlich billiger. Wem also will man es verdenken das nun die chinesischen gekauft werden.
    Und was Telekommunikation anbelangt, schießt man sich wohl eher ins eigene Knie, denn wo werden die meisten Handyelektronikteile hergestellt? Oder macht man dann wieder über den Umweg, das es ja nur Bauteile sind und keine ganzen Geräte; dann wird auch das in die Hose gehen 🙂

    Erst wollen alle Wettbewerbfähigkeit haben und wenn dann ernsthafter Wettbewerb da ist, haben Sie die Hosen gestrichen voll. Das sind echte Helden.

    • argus germanicus sagt:

      Unsere „EUliten“ waren wohl der irrigen Meinung, die Chiesen würden uns bis in alle Ewigkeit als billige Diener zur Verfügung stehen…

      Ich sage nur Goethe: „Die Geister die ich rief, werd´ ich nun nicht los.“

      • Hans von Atzigen sagt:

        Da gibt es noch sehr viele Irrige Meinungen. Das mit den Billiglöhnen ist auch so eine Sache. Die wirkt denn auch nur für Technisch eher anspruchslosere Produkte. Die Produktion von Hochtechnologieprodukten wie Elektronikbauteilen ist nur mit entsprechender Technologie möglich. Und die liefert wie lange noch der Westen. Schon interessant das in den Medien Reportagen laufen die Massen von Chinesen zeigen, die irgendwelche Simpelprodukte zusammenbauen. Da würden wohl so einige staunen wenn man denen entsprechende Hochtechnologie Fabriken zeigen würde. Nicht die Billiglohn Werker erwirtschaften in den Fabriken Chinas den Exportüberschuss sondern die Hochtechnologieproduktion. In diesem Bereich ist der Stückkosten-Lohnanteil, Pinatz. Den Bereich haben die Chinesen dem schlafenden Westen längst ,,abgekauft,,. Handyproduktion und noch sehr viel mehr anderes, auf der Werkbank??? Die Westliche Realwirtschaft leidet an einer ausgeprägten Lohnkostenmanie. In der Hochtechnisierten Produktionsfabrik ist der Lohnkostenfaktor ein Pinatzfaktor. Megalach!!! Freundliche Grüsse.

  6. Zeitgeist sagt:

    JO !

    Ich seh schon Tausende von frohlockenden NichtEU-Zwischenhändlern die dann die China-Module containerweise einkaufen, umlabeln (Made in Polska z.B.) und diese dann immer noch kostengünstiger als die deutschen Module an die Endkunden verkaufen.

    Die Polen sind da besonders fit, sie sind bereits die größten Zwischenhändler für den chinesischen Lithium-Batterie-Markt !

    Die Solarpleite zeigt in voller Breitseite die Unfähigkeit deutscher Politiker…wir subventionieren schon seit Jahren die chinesische Solarindustrie….und was die wenigsten wissen: bei der Windkraft sieht es noch viel schlimmer aus, das wird das nächste U-Boot – das bald auftaucht !

  7. frame sagt:

    Ja, ja, Protektionismus ist das erprobte Mittel der Wahl, besonders wenn man am kürzeren Hebel sitzt – wie die EU.

    • FDominicus sagt:

      Die Einschänkung ist gar nicht notwendig. Egal ob man an der kürzeren Seite sitzt oder der „angeblich“ längeren. Man schädigt sich immer auch selbst. Das heute wieder nach diesem Mittel gerufen wird, ist in D „normaler“ Gang der Dinge. Denn nichts ist in Deutschland tiefer verwurzelt als der Glaube an den Nutzen eines „starken“ Staates. Frei nach wem auch -immer. Hat man mit Gewalt nicht genug Erfolg hilft immer mehr Gewalt….