Markt im Umbruch: Ende des Papiergolds

Hinter dem dramatischen Absturz des Gold-Preises könnte eine geheime Strategie der Zentralbanken stehen. Möglicherweise will die Politik den Gold-Markt regulieren. So könnte den Anlegern, deren Bank-Guthaben zur Plünderung freigegeben wurden, der letzte Fluchtweg in eine sichere Anlage versperrt werden. Ein Gold-Verbot würde die Sparer zwingen, ihre Gold-Vermögen zur Bank zu tragen – wo sie dann der Zwangsabgabe unterliegen.

Der Absturz des Goldpreises ist allen Marktteilnehmern ein Rätsel: Die Nachfrage nach physischem Gold ist unverändert hoch. Bill Holter vom Edelmetall-Spezialisten Miles Franklin schreibt auf seinem Blog, dass die Nachfrage nach Gold und Silber auch zwei Tage nach dem gigantischen Crash unverändert hoch ist: Das Verhältnis von Käufern zu Verkäufern sei 30:1. In einer funktionierenden Marktwirtschaft würde dies zu höheren Preisen führen.

Auch das Manager Magazin berichtet davon, dass die Nachfrage nach physischem Gold ungebrochen groß sei. Das Blatt zitiert Händler, die sagen, dass man auf einzelne Münzen monatelang warten müsse, berühmte Münzen wie der Krügerrand seien überhaupt nicht mehr verfügbar.

Warum aber stürzt der Goldpreis dann ins Bodenlose, mit atemberaubender Geschwindigkeit – wo er doch eigentlich steigen müsste?

Dies hat zunächst damit zu tun, dass der Goldmarkt genauso brutal manipuliert wird wie alle anderen Märkte. Dies räumt sogar das Manager Magazin ein, wahrlich kein Blatt für Verschwörungstheorien. Die Zentralbanken, denen die Steuerung in der globalen Finanzkrise längst entglitten ist, haben Angst vor einer Panik der Anleger. Die Derivaten-Blasen bei den Banken haben ebenso unvorstellbare Ausmaße erreicht wie die Verschuldung der Banken.

In den vergangenen zwei Jahren war, parallel zur Finanzkrise, der Goldpreis dramatisch gestiegen. Dies war zum einen der offenkundigen Angst vieler Anleger vor einem Crash geschuldet. Es heißt, dass Aktien die Anlage für Optimisten, Gold aber die Anlage für Pessimisten seien. Pessimismus ist in der Krise der beste Ratgeber und führt meist zu richtigeren Entscheidungen als der Optimismus, der Manipulationen übersieht.

Aber nicht nur das rational-angstgetriebene Kaufverhalten der Kunden hat den Goldpreis in die Höhe getrieben: Wie bei allen Assets gibt es Gold vor allem in Form von Zertifikaten, dem sogenannten Papiergold. Erst vor wenigen Tagen hatte die niederländische ABN AMRO für Nervosität gesorgt, weil die Bank sich zumindest sehr missverständlich ausgedrückt hatte: Die Kunden mussten den Eindruck gewinnen, dass die Bank ihnen bei Bedarf ihre Zertifikate nicht in Gold, sondern in Geld aushändigen würde.

Die ABN AMRO ruderte schnell zurück. Den Deutschen Mittelstands Nachrichten sagte die Bank, dass die Gerüchte, sie wolle die Zertifikate nicht in Gold, sondern in Geld aushändigen, eine „Verschwörungstheorie von einigen Verrückten“ sei. Man habe nur den Anbieter gewechselt, selbstverständlich werde jeder Kunde sein Gold physisch erhalten, wenn er das wolle.

Das klang ein wenig nach: Die Sparguthaben sind sicher. Seit einiger Zeit wissen wir: Ein Teil der Bankeinlagen ist sicher – und zwar sicher weg, weil er im Fall einer Bankenrettung per Zwangsabbuchung am Montag vom Konto verschwindet. Die EU entwirft gerade hastig das Gesetz für den Blitz-Zugriff.

Das Papiergold ist hervorragend geeignet, zu Schrottpapieren verarbeitet zu werden – zu sogenannten Derivaten: Diese sind nicht mehr wert als ein ganz und gar auf Manipulation beruhendes Versprechen.

Die großen Goldbanken – Goldman Sachs, vor allem JP Morgan, Citi und die anderen – haben Milliardenrisiken mit Gold-Derivaten angehäuft. Ähnlich wie beim realen Geld könnten die Banken alle Gold-Zertifikate niemals auf einen Schlag gegen physisches Gold eintauschen, wenn alle Inhaber dies plötzlich forderten.

Gold-Derivate haben aus Sicht der globalen Kasino-Akteure einen entscheidenden Nachteil gegenüber anderen Derivaten: Sie beruhen nicht nur auf manipulierbaren Schätzungen – wie Immobilien, Staatsanleihen, Schuldscheine – sondern auf einem realen Wert: dem Gewicht des Goldes. Den Wert einer Immobilie bestimmen „weiche“ Faktoren wie die Lage oder der Markt. Den Wert des physischen Goldes (oder auch von Silber, Kupfer oder Platin) bestimmt dagegen die Waage: Eine Unze ist eine Unze. Die kann man nur manipulieren, indem man die Waagen austauscht.

Edelmetall-Spezialist Bill Holter verweist aber noch auf andere Nachrichten: Er schreibt, dass zwei große Minen aktuell Probleme haben zu liefern: Wegen Rechtsstreitigkeiten um Umweltgenehmigungen wurde eine der größten Gold- und Silberminen in Pascua Lama vorübergehend geschlossen. Die Kupfermine in Kennecott, Utah, musste ebenfalls schließen – wegen eines drohenden Erdrutsches. Auch diese Mine wirft als Nebenprodukt Gold und Silber ab und ist einer der weltweit größten Produzenten.

Seltsame „Vorwarnungen“ deuten darauf hin, dass irgendjemand möchte, dass die Leute aus dem Gold gehen: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat irrtümlich ihr Protokoll der vergangenen Sitzung zu früh veröffentlicht. Darin wurde angedeutet, dass die Fed das Gelddrucken verlangsamen könnte. Wenn weniger wertloses Papier im Umlauf ist, kann der Markt wieder einen echten Preis finden, der dem Wert des Goldes entspricht. Wenn weniger physisches Gold zur Verfügung steht, wird die Papiergeld-Blase zur existentiellen Gefahr für die Banken.

Denn Gold hat nicht nur einen Preis, sondern durch das Gewicht auch eine unbestechliche Maßeinheit. Nicht einmal Ben Bernanke oder Mario Draghi können die Goldminen in Südafrika zwingen, über Nacht mehr Gold zu fördern. Der Rohstoff-Newsletter Resource Investor hat beobachtet, dass die Handelssysteme für physisches Gold in London vergangene Woche kurzzeitig ausgefallen sind: Niemand konnte mehr Gold handeln, während Preise abstürzten.

Das interessanteste Ereignis in diesem Zusammenhang war die Forderung von EZB-Chef Mario Draghi, dass Zypern verpflichtet sei, seine Goldreserven an die Europäische Zentralbank (EZB) zu liefern, um die Schulden bei der EZB zu bezahlen. Damit wäre mit einem Schlag einiges Gold auf dem Markt gewesen – allerdings nicht genug, um einen derart brutalen Kurssturz zu erklären.

Die Erklärung könnte in einem anderen Ereignis zu finden sein: Bill Holter glaubt, dass bei einem geheimen Treffen von US-Präsident Barack Obama mit 15 führenden Bankern am vergangenen Donnerstag Klartext geredet wurde. Weil die Produktion von Gold zurückgeht – nicht zuletzt durch den Ausfall von zwei großen Minen – tauchte plötzlich eine fundamentale Bedrohung für die Banken durch die Gold-Derivaten-Blase auf.

Bill Holter interpretiert den massiven Abverkauf von Papiergold dahingehend, dass den Banken gesagt wurde, sie müssten ihre Gold-Derivate jetzt abstoßen, um nicht im Fall eines realen Gold-Crashs schwere Verluste einfahren zu müssen. Für diese These spricht auch, dass zahlreiche Banken seit einigen Monaten den Goldpreis kleinreden. Chris Martenson zitiert auf seinem Blog die Edelmetall-Experten der UBS und der Credit Suisse, die Gold als „schlechte Sicherheiten“ gegen Risiken bezeichneten. Auch Gurus wie Warren Buffet und George Soros haben sich dem angeschlossen.

Alle diese Leute sprechen solche Warnungen nicht aus, weil sie die Anleger warnen wollen. Sondern sie sagen das vermutlich, weil sie wollen, dass verkauft wird. Nicht unwahrscheinlich ist, dass alle diese „Ratgeber“ milliardenschwere Wetten auf einen sinkenden Goldpreis laufen haben. Mit diesen Wetten könnten sie ihre Verluste kompensieren, die durch den Absturz des Goldpreises auflaufen.

Holter geht in seiner Beurteilung sehr weit und sagt voraus, dass die Edelmetallbörse COMEX die Pleite werde anmelden müssen, weil das ganze Papiergold nicht mehr annähernd vom realen Gold gedeckt sei. Eine solche Pleite halten nicht viele für wahrscheinlich.

Doch hinter den gespenstischen Vorgängen dürfte noch etwas ganz anderes stecken: Die Finanzwirtschaft hat sich durch ihre maßlosen Wetten so verrannt, dass sie keine realen Assets mehr hat, mit denen die Wetten gedeckt sind.

Die Staaten wiederum haben in Europa – und zu einem geringeren Teil auch in anderen Regionen – beschlossen, dass die Banken sich selbst zu retten haben. Das heißt: Aktionäre, Gläubiger und Sparer müssen bluten.

Die Konfiszierung des zypriotischen Goldes hat den Absturz des Goldpreises nicht deswegen beschleunigt, weil plötzlich viel mehr Gold auf dem Markt ist – dazu sind die paar Tonnen zu unerheblich. Der Zugriff von Draghi auf Zypern hat den Investoren schlagartig vor Augen geführt, dass Politik und Zentralbanken entschlossen sind, das physische Gold dem Markt zu entziehen, um ihr eigenes Schuldensystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Sie brauchen es als Asset, weil sie den total verfaulten Schrottpapieren nicht mehr trauen, die sie bisher als Sicherheiten akzeptiert haben.

Die Zentralbanken setzen darauf, dass mit dem Abverkauf des Papiergoldes zunächst die Banken gerettet werden sollen. Schon bei der Zypern-Zwangsabgabe haben wir gesehen, dass die europäischen Banken schon lange vorher gewarnt worden sind. Als die Falle zuschnappte, hatten die Banken schon längst den Großteil ihrer Milliarden aus Zypern abgezogen.

Dasselbe könnte sich nun beim Gold wiederholen: Die Banken sollen verkaufen, solange es noch geht. Es ist gewissermaßen ein vorweggenommener Haircut. Für die Banken ist das nicht besonders tragisch, weil sie sich durch Wetten auf einen sinkenden Goldpreis abgesichert haben. Sie machen unter Umständen sogar noch ein lukratives Geschäft.

Für die Privatanleger gilt das Wort von Michail Gorbatschow: Wer zu spät kommt, den bestraft die Zentralbank. Die Besitzer von Papiergold müssen sich auf Totalverluste einstellen. Die Besitzer von realem Gold könnten, wie der Goldexperte Walter Eichelburg meint, in diesem Szenario auf enorme Wertsteigerungen hoffen – wenn wir es denn mit einem echten Markt zu tun hätten.

Es ist jedoch durchaus denkbar, dass die Zentralbanken am Ende auch den Zugriff auf das physische Gold nicht scheuen. Goldverbote wurden in der Geschichte stets nur dann verhängt, wenn es eine Währungs- oder eine Schuldenkrise gab. In Europa haben wir aktuell beides.

Die EZB würde damit zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Das Gold steht den Banken zur Selbst-Rettung in einem dann exklusiven Markt zur Verfügung. Und den Anlegern wäre einer der letzten Fluchtwege abgeschnitten, um der Zwangsabgabe zu entgehen.

Ob die Aktion den Crash tatsächlich bremsen oder gar verhindern kann, ist indes nicht ausgemacht. Denn wie immer haben besonders raffinierte Manipulationen auch unerwünschte Nebenwirkungen. So hat Zerohedge ausgerechnet: Wenn Gold unter 1.175 Dollar fällt, kann Zypern seine 400 Millionen Euro nicht mehr an die EZB bezahlen. Vor zwei Wochen noch hätte Zypern die Forderung Draghis mit 10 Tonnen Gold erfüllen können, heute müsste Nikosia schon 12 Tonnen seines Goldes verkaufen. IWF-Daten zeigen an, dass Zypern nur 13,9 Tonnen Gold hat, die es verkaufen kann, ohne am Ende auch offiziell und unwiderruflich pleitezugehen.

Wenn Zypern aber pleitegeht, dann zerbricht die Euro-Zone. Zumindest wenn weiter gilt, was Draghi & Co. gesagt haben – dass nämlich Zypern systemrelevant ist. Weil aber jeder einzelne Krügerrand offenkundig direkt mit der Schuldenlast einer bisher völlig unbekannten zypriotischen Laiki Bank in direkter Verbindung steht, könnte die Aktion nicht die Rettung, sondern der Anfang vom Ende des schuldenfinanzierten Weltfinanzsystems sein.

Danach kommt ein neuer Anfang. Für diesen Fall empfiehlt es sich jetzt dringend, keinen einzigen Krügerrand zu verkaufen. Denn die Waagen werden nach dem Crash ebenso wenig neu geeicht wie die Uhren, die nach der Stunde Null wieder gleichförmig die Sekunden und Stunden abarbeiten, als wäre nichts gewesen.

Kommentare

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  1. klemens kothe sagt:

    Ihr Lieben,

    nichts erschüttert mich, um an die letzte Zuflucht ins physische Gold zu emfehlen, beste Grüsse

  2. alexandra sagt:

    Vielleicht habe ich folgenden Absatz nicht wirklich verstanden:

    „Nicht unwahrscheinlich ist, dass alle diese „Ratgeber“ milliardenschwere Wetten auf einen sinkenden Goldpreis laufen haben. Mit diesen Wetten könnten sie ihre Verluste kompensieren, die durch den Absturz des Goldpreises auflaufen.“ (Abs. 18)

    Meiner Meinung nach müßte es heißen:“ Mit diesen Wetten könnten sie ihre Verluste kompensieren, die durch den A n s t i e g des Goldpreises auflaufen“.

  3. der geier sagt:

    wollte gestern (freitag) in österreich bei der ögussa (österreichische scheideanstalt) gold kaufen (100g barren). nicht möglich. lieferung gegen 20% anzahlung ende nächster woche. schaut so ein kurssturz aus?

  4. Andres Müller sagt:

    Ich nehme an dass der Absturz der Rohstoffpreise von langer Hand vorbereitet wurde, und vermutlich über die BIZ in Basel. Dort kommen regelmässig Notenbanker und Banker zusammen um zu die gemeinsame Taktik zu besprechen, man will das Wachstum ankurbeln. Und was wäre besser dazu geeignet als Weltweit für günstigere Rohstoffpreise zu sorgen, wenn die Geldexpansion bisher nicht in der Realwirtschaft angekommen ist?
    den Zugriff auf Einlagen …“sowas macht man am Wochenende“ und bei den Rohstoffen gilt: Sowas macht man kurz vor dem Wochenende.

  5. Traube sagt:

    Guter Artikel dem man in weiten Teilen zustimmen kann.
    Diesem hier stimme ich eher nicht zu – Zitat:: „Darin wurde angedeutet, dass die Fed das Gelddrucken verlangsamen könnte. Wenn weniger wertloses Papier in Umlauf gebracht wird, steigt die Nachfrage nach Gold.“
    Meiner Meinung nach ist es doch eher umgekehrt und vielleicht wurde gerade deswegen das Schriftstück eher herausgegeben, um eben den Goldpreis zu drücken.
    Auch das Gorbatschow Zitat sollte zumindest in () richtig ergänzt werden – er sagte richtig:
    „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ !

    MfG

  6. Soeren sagt:

    Vorab sollte man einiges Wissen. Erstens muss man unbedingt die Englische Sprache beherrschen wenn man wirklich in Sachen Gold&Silber up to date sein will. Zweitens tauchen in Deutschen Medien, auch in den alternativen Medien, entweder glattweg falsche Darstellungen oder nur Halbwahrheiten auf wenn es um Gold und Silber geht (andere Themen natürlich nicht zwangsläufig ausgeschlossen). So, und jetzt begeben wir uns einmal auf eine Reise bezgl. der weltweiten physischen Goldvorräte, speziell derjenigen, die angeblich in Fort Knox lagern sollen. Dazu einen Artikel des Golden Globe von 1981: http://silverdoctors.com/wp-content/uploads/2013/04/FtKnoxGold.jpg

    Der Absturtz ist keine Geheimnis. Man muss nur die richtigen Quellen lesen.
    Jetzt zu dem orchestrierten Gold- und Silbercrash mit eindeutigen Beweisen, das mit Vorsatz und ohne Rücksicht auf Verluste, (Papier)-gold in einem Volumen von mehreren hundert Tonnen innerhalb von Minuten letzte Woche spät abends, während einer typisch vollkommen inaktiven Handelszeit, auf den Markt geworfen wurde. Wunderschöne Momentaufnahmen graphisch dargestellt lassen keinen Zweifel aufkommen, dass der Crash initiiert wurde mit dem Ziel Gold- und Silberinvestoren herbe Verluste beizubringen und zukünftige Gold- und Silberinvestoren zu verunsichern. http://www.peakprosperity.com/blog/81535/gold-slam-massive-wealth-transfer-our-pockets-banks

    Der deutschen Presse scheint es auch vollkommen entgangen zu sein, das Rio Tinto’s Kennecott Mine in Utah letzte Woche einen riesigen Erdrutsch erlitten hat und für Jahre hinaus nicht mehr fördern kann. 16% der U.S. Amerikanischen Silberproduktion haben sich damit, neben 500.000 Unzen Gold, auf unbestimmte Zeit in Luft ausgelöst. Hier gibt es ein paar schöne Bilder: http://silverdoctors.com/10-of-us-annual-silver-supply-just-vaporized/#