Nach Zypern: Es gibt faktisch zwei Euros in Europa

Die Studie der EZB, der zufolge die Zyprioten reicher sein sollen als die Deutschen, sagt tatsächlich etwas ganz anderes aus: Europa ist bereits gespalten - in einen Nord- und einen Süd-Euro. Mit der Abspaltung Zyperns vom Euro-Währungsraum hat die Teilung der Euro-Zone unwiderruflich begonnen.

Mit einer Studie hat EZB vor einigen Tagen für Aufsehen gesorgt: Demnach sollen die Zyprioten vermögender sein als die Deutschen. Das durchschnittliche Vermögen eines deutschen Haushalts beträgt knapp 200.000 Euro. In Spanien hingegen beträgt es 300.000 Euro. Und in Zypern liegt das durchschnittliche Vermögen pro Haushalt sogar bei 670.000 Euro. So hat die EZB das ermittelt – und die Diskussion in Deutschland hat isch sofort mit dem Neid-Turbo beschleunigt.

Deutschland ist eines der europäischen Länder mit den größten Vermögens-Unterschieden. Wenige sehr Reiche besitzen einen großen Anteil des Reichtums. Daher ergibt sich ein noch erschreckenderes Bild für Deutschland, wenn man statt des Durchschnitts-Bürgers den Median-Bürger betrachtet.

Wenn man in Europa die Median-Bürger vergleicht, dann ist Deutschland das ärmste Land der Eurozone. Der Median-Bürger wird über ein Denk-Modell bestimmt: Der Median-Bürgist ist sozusagen der fiktive Mittelpunkt der Gesellschaft. Es ist derjenige, der von sich behaupten kann: Es gibt genauso viele Bürger, die reicher sind als ich, wie ärmere Bürger.Der deutsche Median-Bürger hat ein Netto-Vermögen von 51.000 Euro, der zypriotische 267.000 Euro. Der Hauptgrund für diesen Unterschied ist, dass nur weniger als die Hälfte der Deutschen über Immobilien verfügt. Das heißt, der Median-Deutsche hat kein Haus, der Median-Zypriot hingegen schon.

In Deutschland ist der Euro stärker

Doch diese Zahlen sind eine Irreführung.

Was jedem denkenden Menschen einleuchtet – dass nämlich das Bauern- und Hirtenvolk in Zypern allenfalls durch den virtuellen und nun ja auch explodierten Banken-Sektor gekommen sein kann; und daher weder die Zyprioten noch die Spanier reicher sein können als die Bürger der größten Industrie-Nation der Welt.

Tatsächlich sagt die Studie etwas ganz anderes aus: Es gibt in Europa in Wahrheit bereits zwei Euro-Zonen. Die Kunst-Währung Euro wirkt sich auf den Süden anders aus als den Norden. Dadurch entsteht eine Verzerrung: Für die Südeuropäer ist der Euro überbewertet, für die Nordeuropäer unterbewertet. Dasist positiv für die deutschen Exporte und für die zypriotischen Vermögen. Langfristig ist es schlecht für die deutschen Vermögen und die zypiotischen Exporte.

Seit Einführung des Euro sind in Deutschland die Gehälter und Preise langsamer gewachsen als im Süden Europas. Dieser Inflations-Abstand hat etwa dazu geführt, dass eine Wohnung in Milan heute mehr kostet als in München, der deutschen Stadt mit den höchsten Wohnungspreisen. Man kann also mit dem Euro in München mehr Wohnraum kaufen als in Milan.

Das heißt, die Deutschen haben nicht nur weniger Euro als die Südeuropäer, sondern auch die Preise sind in Deutschland viel geringer. Sogar die Einzelhandelspreise unterscheiden sich zwischen Norden und Süden. Es ist fast, als gäbe es bereits einen Süd-Euro und einen Nord-Euro, sagt Wolfgang Münchau in der FT. Und der Nord-Euro sei massiv unterbewertet.

Tatsächlich sind die Deutschen nur scheinbar ärmer als die Südeuropäer. Doch sie sind es im Durchschnitt nicht, denn in Deutschland ist der Euro praktisch härter als im Süden.

Dass ein Euro tatsächlich nicht gleich ein Euro ist, wird in Zypern ganz offensichtlich. Denn durch die Einführung von Kapitalkontrollen hat Zypern praktisch eine eigene Währung. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Wirkungsbereich des Süd-Eurpo erweitert wird. Für die Zyprioten ist der Euro keine europäische Gemeinschaftswährung mehr, denn er kann nur in begrenztem Maß vom Konto abgehoben oder ins Ausland transferiert werden.

Die Spaltung der Euro-Zone hat also real begonnen. Und sie wird sich fortsetzen, weil die Unterschiede bei den Volkswirtschaften auch zu den Verschiebungen der Vermögen geführt haben: Das sind jedoch keine realen Verschiebungen, sondern der durch eine Kunst-Währung ausgelöste, virtuelle Reichtum im Süden.

Nachhaltig ist das nicht, wie George Soros richtig beobachtet hat. Der erste Riss, der sich durch die Abspaltung Zyperns durch Europa zieht, wird den Kontinent spalten.

Denn es kann nicht in einer Währung zusammengezwungen werden, was volkswirtschaftlich nicht zusammengehört. Die Teilung der Euro-Zone hat begonnen – allerdings nur mit einem kleinen Knall.

Angela Merkel dürfte mit der Entwicklung sehr zufrieden sein.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Brigitte sagt:

    Hmmm,

    wenn die Preise, Kosten, etc. in südeuropäischen Ländern höher sind, als bei uns in Deutschland und dies zu den beschriebenen Missständen führt, könnte man die Preise, Kosten, etc. in Deutschland prozentual einheitlich erhöhen um ungefähr auf den gleichen Stand zu kommen wie in den südeuropäischen Ländern bzw. in diesen Ländern die Preise, … prozentual einheitlich verringern.

    Doch ist dem wirklich so? Wieviel verdienen die Menschen, z.B. in Griechenland (Durchschnittseinkommen)?

    http://durchschnittseinkommen.net/durchschnittseinkommen-griechenland/

    Warum weigert man sich so sehr, die Verteilung der Gelder (BIP) durch Steuerveränderungen (prozentual einheitliche Belastung aller Komponenten des BIP/Verteilungsseite) gleichmäßiger zu verteilen, damit auch Bezieher von geringem Einkommen sich wieder etwas mehr leisten können?
    Vielleicht um den sich nun, aufgrund der Krise, verringernden Zufluss an Geldern an Vermögende nicht noch weiter zu beschränken?

    Wir haben eine Krise. Doch diese resultiert daraus, dass aufgrund falscher Besteuerung Gelder einseitig verteilt wurden und es nun kaum mehr Verschuldungswillige mit ausreichenden Sicherheiten gibt und so der Zufluss an Gewinn abrupt zum stoppen gekommen ist.

    Des einen Schuld – des anderen Guthaben/Gewinn.

    Es ist nicht der Euro, der uns in den Abgrund zieht. Auch ohne den gemeinsamen Euro wären wir in der gleichen Lage. Es könnten dann zwar Länder ihre Währung abwerten, doch die Aussicht ihre Schulden auch bezahlen zu können, würde sie und die Geberländer ebenfalls in den Abgrund ziehen. Doch Menschen, wie Soro`s, würden sich aufgrund der sich bietenden Möglichkeiten (Spekulationen) freuen.

    Brigitte