Schweizer Uhrenindustrie erobert die Schwellenländer

Die Exporte von Schweizer Uhren nach China sind im letzten Jahrzehnt enorm gewachsen. Nun sollen auch die Märkte in Indonesien, Brasilien, der Türkei und anderen Schwellenländern erobert werden.

Die Schweizer Uhrenindustrie hat sich erfolgreich auf dem chinesischen Markt etabliert. Während im Jahr 2000 nur 0,2 Prozent der Schweizer Uhrenexporte nach China gingen, waren es 2012 bereits 7,7 Prozent, berichtet die NZZ. Das Reich der Mitte hat sich somit zum drittwichtigsten Importeur von Schweizer Uhren entwickelt, nach Hongkong mit 20,4 Prozent und den USA mit 10,2 Prozent.

René Weber von der Bank Vontobel hat untersucht, welche Märkte besonderes Absatzpotenzial aufweisen könnten. Dazu hat er die „Durchdringung“ verschiedener Länder mit Schweizer Uhren gemessen. So importierten etwa die USA im vergangenen Jahr circa zehn Uhren pro 1.000 Einwohner. Auch in China waren es immerhin drei Uhren pro 1.000 Einwohner.

Ein enormes Potential besteht offenbar in den Schwellenländern: Indien importiert nur 0,2 Uhren pro 1.000 Einwohner, Indonesien 0,3 und Brasilien 0,5 Schweizer Uhren pro 1.000 Einwohner. Die Swatch Group will Anfang 2014 in Indonesien eine Tochtergesellschaft gründen, zitiert die NZZ Konzernchef Nick Hayek.

Die Swatch Group und andere Firmen sind derzeit in Brasilien aktiv, obwohl das Land hohe Zölle und Luxussteuern erhebt. Das Engagement hängt auch damit zusammen, dass dort die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 stattfinden werden. Anfang des Jahres gründete die Swatch Group auch einen Ableger in der Türkei.

In den vergangenen Monaten hat sich die Lage der Schweizer Uhrenindustrie allerdings etwas getrübt. So ist die weltweite Nachfrage nach Schweizer Uhren leicht zurückgegangen. Vor allem die Exporte nach China machten zuletzt Probleme. Im vergangenen Jahr wuchsen die Exporte nur noch um 0,6 Prozent.

Im Februar 2013 lag die chinesische Nachfrage nach Schweizer Uhren sogar um ein Drittel niedriger als im Vorjahresmonat. Ein wesentlicher Faktor für diesen Rückgang ist die verstärkte Bekämpfung der Korruption. Bestechungsgeschenke an chinesische Funktionäre haben dadurch offenbar deutlich abgenommen.

Es besteht jedoch nicht wirklich ein Grund zur Sorge. Denn zum einen hatte das Wachstum in China enorme Dimensionen angenommen, sodass die Abkühlung als eine Rückkehr zur Normalität zu betrachten ist. Und zum anderen kaufen immer mehr Chinesen ihre Uhren auf Reisen, um auf diese Weise Importzölle und Luxussteuern im eigenen Land zu umgehen.

So erklärt sich etwa der Exportanstieg nach Frankreich im vergangenen Jahr um 1,3 Prozent. Zwar ist die konjunkturelle Lage dort schlecht, doch ist Frankreich ein begehrtes Reiseziel für Chinesen. Daher hat auch der Schweizer Uhren- und Schmuckhändler Bucherer kürzlich ein großes Geschäft in Paris eröffnet.

Auch der Absatz innerhalb der Schweiz wächst dank der chinesischen Touristen kräftig. Die Swatch Group etwa steigerte hier im vergangenen Geschäftsjahr ihren Nettoumsatz um 20 Prozent. Das ist deutlich mehr als im Rest Europas (+14 Prozent) oder in China (+12 Prozent).

Kommentare

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  1. BesorgterDeutscherBürger sagt:

    Na – dann haben die ja da unten die richtigen Vorlagen für Kopien.

  2. caprixa sechs sagt:

    Ich fahre auch drei Porsche. Einen 911er, einen Cayman und einen Cayenne.
    Weiterhin liebe ich Rolex und Cartier

    Ist deswegen irgendjemand neidisch?
    An mir kann es nicht liegen,
    wenn Europa den Bach ´runtergeht.