Umweltschützer: Pestizide für Bienen-Sterben verantwortlich

Bestimmte Pestizid-Wirkstoffe sollen das Bienensterben vorantreiben, kritisieren Imker und Umweltschützer seit Jahren. Ein EU-weites Verbot scheiterte bisher am Widerstand der Agrochemie-Konzerne. Am Montag geht der Kampf in eine neue Runde.

Wieder ein Sieg für eine Lobby in Brüssel: Die EU-Kommission war nach Informationen der Deutschen Wirtschafts Nachrichten diesmal wirklich entschlossen, einer mächtigen Lobby die Stirn zu bieten: Sie wollte eine Regulierung zum Verbot von hochgiftigen Pflanzenschutz-Mitteln verabschieden. Die Vorbereitungen waren weit gediehen, offenbar hatten sogar die Beamten in Brüssel die Einsicht, dass die Biene als Art nicht einfach aussterben soll – nur weil große Konzerne mit ihren Giften glänzende Profite machen. Doch die Pflanzenschutz-Lobby der Agrochemie-Konzerne stoppte durch massives Lobbying die EU. Vor alllem in einzelnen Mitgliedsländern waren die Lobbyisten aktiv – und überzeugten ihre willfährigen Helfer in der Politik. Die EU-Kommission musste klein beigeben, ihr schon fertiger Gesetzes-Entwurf wurde in einer Abstimmung unter den Ländervertretern nicht angenommen. Am Montag will sie es nun erneut versuchen.

Die umstrittenen Pflanzenschutzmittel enthalten sogenannte Neonicotinoide, hochwirksames Insektengift. Sie greifen das zentrale Nervensystem von Insekten an und verursachen Lähmungen und Tod. Umweltschützer und Imkervertreter machen die Mittel seit langem für ein erhöhtes Bienen-Sterben verantwortlich. Wissenschaftliche Beweise dafür sind aber aufgrund komplexer biologischer Wirkzusammenhänge nur schwer feststellbar.

Anlässlich eines Anfang des Jahres veröffentlichten Berichtes der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt es Bestrebungen, ein EU-weit geltendes Verbot für die betreffenden Pflanzenschutzmittel zu beschließen. Die EFSA kam bei ihrer Neubewertung von drei Neonicotinoid-Wirkstoffen zu dem Ergebnis, dass diese ein für Bienen nicht akzeptables Risiko darstellen.

Nachdem die EU-Kommission die Entscheidung über das Verbot vertagt hatte, wird nun von den Mitgliedsstaaten am Montag noch einmal über ihren Vorschlag abgestimmt. Grund für die Verschiebung war das Verfehlen einer qualifizierten Mehrheit für das Verbot. Insgesamt neun Mitgliedstaaten, darunter Österreich, stimmten  dagegen. Deutschland, Großbritannien und drei weitere Mitgliedstaaten enthielten sich.

Die Deutschen Imkerverbände kritisierten mehrfach die Haltung der deutschen Bundesregierung zu dem Thema. Bundeslandwirtschafts-Ministerin Ilse Aigner stelle sich nach außen hin gerne als Kämpferin für die Gesundheit der Bienen und der damit verbundenen positiven Folgewirkungen für Umwelt, Artenvielfalt und Landwirtschaft dar. Tatsächlich torpedierten die Beamten im Ministerium aber den Vorschlag der Kommission, so der Imkerbund.

Die Position der Ministerialbeamten, wonach durch die neue EU-Verordnung der Bienenschutz in Deutschland schlechter gestellt würde, sei sachlich falsch. Außerdem hätte die Bundesregierung einen großen Spielraum, um auch im Einklang mit dem EU-Regelwerk strengere Regeln für Deutschland aufzustellen, so der Imkerbund in seiner Stellungnahme weiter. Das Ministerium verhalte sich „doppelzüngig“ und lasse sich vor den Karren der Chemieindustrie spannen.

Diese mächtigen Lobby-Gruppen der Chemie- und Agrarmittel-Industrie halten an ihrer Rechtfertigung fest: so lange nicht hundertprozentig bewiesen sei, dass die Pestizide eine Gefährdung für die Bienen darstellen, sei ein Verbot unzulässig. So heißt es etwa in einer unlängst veröffentlichten Presseaussendung von Bayer CropScience: „Das Fehlen einer Mehrheit ist eine klare Bestätigung dafür, dass keine überzeugenden Argumente gegen den weiteren Einsatz von Produkten auf Basis von Neonicotinoiden vorliegen.“

Diese Argumentation ist typisch für Industrie-Vertreter (auch etwa in anderen Bereichen, wie dem umstrittenen Fracking zur Erdgasförderung). Ein hundertprozentiger wissenschaftlichen Beweis wird nämlich wohl erst erbracht werden, wenn die letzte Biene tot ist, weil die toxikologische Beweisführung so komplex ist.

Die Beweislast müsste eigentlich bei den Herstellern liegen: Zugelassen werden dürften Pflanzenschutzmittel erst dann, wenn jegliche Risiken ausgeschlossen werden können.

Den Umsatz mit den Neonicotinoiden lassen sich die Pflanzenschutzmittel-Hersteller aber nicht kampflos wegnehmen. 1,5 Milliarden Euro betrage dieser weltweit pro Jahr, sagte Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei Global 2000, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Kommt das Verbot doch wider Erwarten irgendwann einmal, wäre ohnehin eine Schutzklausel für die Konzerne vorgesehen: In zwei Jahren hätte die Wirkung überprüft werden sollen.  Schon in dieser kurzen Zeit würde sich die Verbannung der umstrittenen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe von den Feldern bemerkbar machen, glaubt Burtscher. Insbesondere das Bienensterben in den Wintermonaten könnte demnach deutlich zurückgehen.

Aber die Bienenschützer haben offenbar die Macht der Milliarden unterschätzt: Kein Konzern kann zwei Jahre lang mit weniger Profit leben. Kein Konzern will in Forschung und Entwicklung investieren, um das risikoreiche Zeug endlich aus den Gärten und von den Äckern zu bekommen.

Das Kalkül der Konzerne: Wenn die Bienen in zwei Jahren ausgestorben sind, braucht keiner mehr die Art zu schützen.

Das nennt man die Macht des Faktischen.

Die ist im Milliarden-Geschäft mit dem Pflanzenschutz todsicher.

Kommentare

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  1. Bobo sagt:

    Wenn Die Bienen ausgestorben sind werden, wird die Menschheit ein paar Jahre später verhungern. Dann braucht man garnichts mehr zu verbieten. Wer dann genug verdient hat kann ja versuchen, sein Geld zu essem.

  2. rundertischdgf sagt:

    Wer auf Aigner setzt, der hat auf Sand gebaut. Stirbt die Biene, stirbt der Mensch!

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/01/15/stirbt-die-biene-stirbt-der-mensch/

  3. Andy sagt:

    Liest sich gut, ist aber Schwachsinn.
    Die Neonicotinoide haben – sofern korrekt ausgebracht – keinerlei Schadwirkung auf Nutzinsekten. Die Bienenvölker sterben v.a. an der Varroa-Milbe, deren Bekämpfung mit wirksamen und zugelassenen Tierarzneimitteln von den Imkern seit Jahrzehnten hintertrieben wird, weil v.a. deren Vorredner an Chemophobie leiden.
    In Gegenden, wo seit Jahren in einem Programm die Varroa konsequent bekämpft wird, liegt das Bienensterben nämlich bei 3 – 5% der Völker, was völlig natürlich ist. Wo die Varroa nicht bekämpft wird, sterben über den Winter 50% der Bienenvölker. Die Imker pfuschen aber weiterhin mit teilweise illegalen Substanzen herum anstatt die Seuche korrekt anzugehen. Verschlimmert wurde das allerdings auch dadurch, daß die Varroatose nicht als staatlich zu bekämpfende Seuche angesehen wird und die Förderungen für den Bezug der Arzneimittel gestrichen wurden.
    Es ist natürlich leicht, die böse Chemie dafür verantwortlich zu machen, die Befürworter des Verbotes der bisher wirksamsten und sichersten Pflanzenschutzmittel machen allerdings nur im Krieg zwischen Chemieindurtrie und Gentechnik mit.
    Sie stehen in Wahrheit auf der Payroll der Gentechnik-Lobby, die das Problem durch gentechnisch schädlingsresistente Pflanzen (und Patente auf diese, bei gleichzeitigem EU-Verbot anderen Saatgutes) lösen will. Das ist wieder einmal „alternativlos“ weil ja die einzig wirksamen und umweltverträglichen Pflanzenschutzmittel soooo gefährlich für die Bienen sind.
    Die Frage, warum in Australien, wo die inkriminierten Pflanzenschutzmittel ebenfalls breit eingesetzt werden, nur 3-5% der Bienenvölker sterben, vermeiden die Lobbyisten der Gentechnik- und EU-Mafia natürlich völlig.
    Die Antwort gefällt ihnen nämlich gar nicht: Australien hat die Varroa-Milbe nicht.
    In EU-Ländern mir bestehendem Neonicotinoid-Verbot sterben hingegen genau so um die 50% der Bienenvölker.
    All diese Tatsachen werden ausgeblendet, weil sie nicht in das ökofaschistische Weltbild gewisser Leute passen, für die Wissenschaft nichts, Verbote aber alles sind.
    In einer Studie wurden z.B. in Österreich bei 0,38% der Bienenvölker Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Dies wird als „Beweis“ der Schädlichkeit herangezogen. Um die 49,62% die an der Varroa zugrundegehen, kümmert man sich sonderbarerweise nicht.
    Das ist nicht nur unseriös, das ist Afterjournalismus.
    Aber wer aus 0,039% CO2 in der Atmosphäre ein „Treibhausgas“ konstruiert, um den Zockern den Handel mit CO2-Zertifikaten zu ermöglichen und damit endlich aus Luft Geld machen zu können, der ist auch in der Lage aus 0,38% möglicherweise an einem Pflanzenschutzmittel gestorbenen Bienenvölkern der Gentechnik und Saatgut-Mafia sowie dem Völkerker EU alle Rechte zuzuschanzen….

    • Christoph R. Hörstel sagt:

      „Andy“ ist ein Lobby-Schreiber.
      Ich zitiere hier aus dem Interview der Süddeutschen Zeitung mit dem Präsident des Europäischen Imkerverbandes, Walter Haefeker:
      http://www.sueddeutsche.de/bayern/gespraech-mit-imker-wer-ist-schuld-am-bienensterben-1.1656325-2

      SZ: Sie sind ein vehementer Kritiker der Agrogentechnik und der Pestizid-Industrie. Die Varroa-Milbe, die in den vergangenen Jahren hauptsächlich für das Bienensterben verantwortlich gemacht wurde, hat in Ihren Vorträgen nicht das gleiche Gewicht. Warum?

      WH: Die Imkerei ist mit dem Auftreten der Varroa-Milbe schwieriger und aufwendiger geworden. Wenn ich ein stark befallenes Volk vor mir habe, stellt sich mir jedoch die Frage: Ist die Milbe Ursache oder Symptom? Brüssel denkt gerade darüber nach, bestimmte Pflanzenschutzmittel zu verbieten, und das nicht nur, weil unsere Bienen verschwinden, sondern weil es Wildbienen oder Hummeln genauso ergeht. Bei diesen kann weder die Varroa-Milbe noch der inkompetente Imker ein Faktor sein.

      SZ: Welche Auswirkungen haben diese Pflanzenschutzmittel?

      WH: Die meisten derzeit verwendeten Insektizide sind Nervengifte. Wir alle kennen bestimmte Nervengifte, nämlich Alkohol in Form von Bier oder Schnaps, und wissen, dass die subletalen Wirkungen – dass ich etwa nicht mehr vernünftig Auto fahren kann – lange vor einer tödlichen Wirkung des Giftes einsetzen. Bei der Zulassung dieser Pflanzenschutzmittel ist bislang nahezu ausschließlich die tödliche Dosis berücksichtigt worden.

      SZ: Wie sehen die subletalen Effekte bei Bienen aus?

      WH: Sie können sich nicht mehr richtig orientieren oder geben ihren Kolleginnen beim Schwänzeltanz keine korrekten Informationen über die Futterquellen mehr weiter. Ihr Putz- und Hygieneverhalten leidet. Oder sie halten, was besonders fatal ist, die exakte Bruttemperatur nicht mehr ein. Die Lebensweise der Biene erfordert eine hohe Intelligenzleistung. Imker auf der ganzen Welt machen seit Jahren auf die schädliche Wirkung der sogenannten Neonikotinoide aufmerksam.

  4. diewahrheit sagt:

    nicht nur idie pestizide sondern auch unserer Mobilfunkmasten sind für das Bienensterben verantwortlich weil der Orienterungsmechanismus durch die Mikrowellenstrahlung gestört wird
    Hier eine sehr Augenöffnende Doku dazu
    Resonance – Beings of Frequency (documentary film)
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=5vb9R0x_0NQ

  5. Michael Schröder sagt:

    Wie sagte neulich eine Geologe: „Die Menschheit taugt hervorragend zum Leitfossil: kurze Lebensdauer, umfängliche Ausbreitung!“

    Schade, dass es hier keine weiteren Kommentare gibt!

  6. Tommy Rasmussen sagt:

    „die Pflanzenschutz-Lobby der Agrochemie-Konzerne stoppte durch massives Lobbying die EU“

    und hier:

    26.04.2013 – Malaria ist endlich besiegt. Die Lösung ist so einfach, aber die Pharma-Industrie will nicht, dass die Wahrheit, Malaria mit einem einem einfachen Wasserdesinfektionsmittel zu heilen, ans Licht kommt. Diese klinische Studie zusammen mit dem roten Kreuz in Uganda belegt die Wirksamkeit von MMS (Clo2) gegen Malaria. In dieser klinischen Studie mit 781 Probanden und 154 Malaria Erkrankten wurden 143 Menschen an nur einem Tag mit einer einzigen Dosis geheilt ! Die restlichen 11 am Tag darauf . Eine Weltsensation!

    Alle 40 Sekunden stirbt ein Kind an Malaria — weltweit sind es 2.000 Kinder pro Tag. In Afrika zählt die Tropenkrankheit immer noch zu den Haupt-Todesursachen.

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=nugHYeKf0ks
    http://terraherz.at/2013/04/26/eine-weltsensation-malaria-ist-endlich-besiegt-bitte-weiterleiten/

    • Laubenpieper sagt:

      Natürlich darf das nicht an die große Glocke. Sonst können solche sauberen „Philantropen“ (so nennt man es heutzutage wohl), wie Bill und Melinda Gates, die Rockefeller Foundation etc. sich nicht mehr mit ihren Eugenik-Maßnahmen hervor tun. Die Kinder in den Drittwelt-Ländern, werden förmlich abgespritzt. Die Multi-Milliardäre haben Angst, dass zuviele Menschen ihre Luft wegatmen. Weil sie zu viele bunt bedruckte Scheine haben aber auch viel Langeweile, kommen sie auf kranke Gedanken!

  7. wolfgang sagt:

    entschuldigung an alle, von denen man annehmen sollte, dass si denken können, nicht-akademiker eingeschlossen : schon in der grundschule wird gelehrt, dass für eine fort-pflanzung bienen benötigt werden (nicht nur in der sozialkunde) um pflanzen zur
    fruchtproduktion zu bringen. also : keine bienen = keine bestäubung = keine frucht.
    im klartext : diese herren verzichten auf ihre eigene ernährung !!!
    oder habe ich in der schule oder uni irgendetwas versäumt ???
    wolfgang

  8. poncho sagt:

    Das ist doch auch gewollt, ohne Bienen muss deren sagenhafte Bestäubungsleistung von den Bauern etc. übernommen werden, zum einen werden Lebensmittel teurer zum anderen knapper. Irgendwie muss man die Weltbevölkerung ja reduzieren.