EZB: Draghi kündigt Hilfe für Mittelständler an

Bei der Ratssitzung in Bratislava hat die EZB beschlossen, den Leitzins auf 0,5 Prozent zu senken. Noch nie war der Zinssatz so niedrig. Damit folgt die EZB der lockeren Geldpolitik der anderen Zentralbanken. Billiges Geld, damit die Banken die Staaten finanzieren können. Auch die Mittelständler sollen nun Unterstützung erhalten.

Wie erwartet hat sich der EZB-Rat am Donnerstag entschieden, den Leitzins noch einmal zu senken. Mit 0,5 Prozent liegt dieser nun auf einem neuen historischen Tiefstand. Damit kann noch billigeres Geld in die Märkte gespült werden. Gleichzeitig behielt sich die EZB jedoch einen weiteren Schritt offen. Notfalls sei auch die Einführung von Negativ-Zinsen nicht ausgeschlossen, wenn die Banken weiterhin ihr Geld bei der EZB parkten, sagte Mario Draghi.

Zusätzlich dazu will die EZB den mittelständischen Unternehmen unter die Arme greifen, so Draghi. Zusammen mit anderen EU-Institutionen soll entsprechend, neuen Instrumenten gearbeitet werden. Ziel ist es, die Kreditvergabe für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den Krisenländern zu verbessern.

Doch neben der reinen Geldpolitik ließ es sich der EZB-Chef nicht nehmen, in die politischen Entscheidungen in der EU einzugreifen. Immerhin hatte sich Angela Merkel im Vorfeld der Ratssitzung in die Geldpolitik eingemischt. Draghi sagte, die EU-Länder müssten weiter am Sparkurs festhalten. In den vergangenen Wochen  war über eine leichte Abkehr von der Sparpolitik auf EU-Ebene diskutiert worden. Der EZB-Chef hält davon nichts.

Die Regierungen dürften nicht vergessen, wie „die Krise begonnen hat“, so Draghi. Die hohe Staatsverschuldung sei neben den angeschlagenen Bankensektor ein Auslöser gewesen. Hier habe man viel zu spät angefangen, das Defizit abzubauen. „Ich bin mir sicher, dass keine Regierung wieder an diesen Punkt zurück will.“ Man dürfe die erreichten Fortschritte nicht kaputt machen, sagte der EZB-Chef.

Doch auch die Art, wie die Regierungen bisher gespart haben, kritisierte Draghi. „Leider haben die meisten Regierungen den einfachsten Weg über die Erhöhung der Steuern gewählt.“ Man rede darüber „Steuern dort zu erhöhen, wo die Steuern bereits zu hoch sind“. Es sei entscheidend, dass die Regierungen die Umsetzung der strukturellen Reformen intensivieren und weitere Fortschritte in der Konsolidierung machten, so Draghi.

 

Kommentare

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  1. Oeconomicus sagt:

    „Auch die Mittelständler sollen nun Unterstützung erhalten“

    Sollte er dies ernsthaft umsetzen wollen, wäre es zunächst angebracht die Begrifflichkeit „Mittelständler“ zu definieren.

    Vermutlich meint er damit nicht etwa Handwerksbetriebe, sondern wohl eher „hidden champions“ oder zumindest Unternehmen mit einer Mindestbilanzsumme im 3-stelligen Mio-Bereich … wir werden sehen.

    Ansonsten ist dem Commendatore die Förderung von Kreditderivaten nach britischer Blaupause zu empfehlen:

    http://oconomicus.wordpress.com/2013/05/02/negativ-zins-option-unseres-goldmannchens/

  2. Brigitte sagt:

    Herr Draghi,

    ist es nicht eher so, dass „die Gäule nicht mehr saufen wollen, selbst wenn man sie zur Tränke führt“? Die Personen, welche noch über genügend Sicherheiten als Einsatz für einen Kredit besitzen, benötigen keine Kredite, da sie über genug Geldmittel verfügen, während andere wiederum keine Kredite erhalten, da ihre Bonität schlecht ist. Doch unser System ist auf Verschuldung aufgebaut. Wie anderst sollen sonst Gewinne entstehen? Des einen Schuld, des anderen Guthaben.

    Ein Umdenken ist nötig und zwar schon bei der Verteilung des BIP`s. Wie wäre es, die Last der Steuern auf alle Beteiligte der Verteilungsseite des BIP gleichmäßig zu verteilen, z.B. indem man die Arbeitnehmerentgelte, Abschreibungen und jeglichen Gewinn mit einem prozentual einheitlichen Steuersatz belastet. Verteuern sich die Investitionen und verbilligen sich die Löhne, werden die Unternehmen, in vielen Fällen, auf die günstigere Variante zurückgreifen und wieder mehr Mitarbeiter einstellen. Dies würde den Staat auf seiner Ausgabenseite entlasten und es zugleich den Arbeitnehmern ermöglichen, ihre Forderungen nach höheren Löhnen, kürzeren Arbeitszeiten, etc. durchzusetzen.

    Es reicht nicht, wenn wenige, am Gewinn Beteiligte, immer höhere Salden auf ihren Konten aufweisen, während das Einkommen der Mehrheit der Menschen schrumpft.

    mfg

    Brigitte

  3. Schleswig sagt:

    So hat es schon als italienischer Notenbankchef gehandelt. Nur das Euroland für Ihn jetzt ein großes Italien ist.

  4. Laubenpieper sagt:

    Klar, der Mittelstand soll sich noch mehr bei den Banken verschulden, umso einfacher kann man ihnen Hab und Gut wegnehmen!
    Profiteure sind nur wieder die Banken, die das Geld ohnehin aus dem Nichts kreieren!

    • Terry sagt:

      „umso einfacher kann man ihnen Hab und Gut wegnehmen!!

      …dauert nicht mehr lange -bis zu den Wahlen wird alles hinausgezögert und schöngeredet -danach gehen die Lichter aus ….

      Bail-in, Sprechblase oder bittere Realität?

      .
      Sowohl an den virtuellen Stammtischen als auch in der realen Welt wird seit dem spektakulären Zypern-Bail-in leidenschaftlich, doch leider manchmal etwas faktenfrei diskutiert.
      .
      Angelehnt an eine philosophische Erkenntnis “Information schadet nur dem, der sie nicht hat” soll versucht werden, das hochemotionale Thema zu versachlichen, gleichzeitig aber auch den Blick für potentielle Bedrohungen von Sparern und Anlegern zu schärfen.
      .
      Um einem bekannten amerikanischen Sprichwort “Hope for the best, but be well prepared for the worst!” zu folgen, habe ich zahlreiche Fakten, Einschätzungen, Analysen und Bewertungen zusammengetragen, welche der Aufmerksamkeit der geschätzten Leserschaft nicht verborgen bleiben soll.
      .
      An der Stelle noch ein kleiner Tipp an die Mitglieder des “Club’s betreuter Denker”:
      .
      Damit Sie nicht eines Tages von der unerfreulichen Botschaft “25% auf Alles!” überrascht werden, bleiben Sie kritisch, glauben Sie nichts, recherchieren Sie die relevanten Informationen im eigenen und dem Interesse Ihrer Kinder und Enkel selbst nach!
      .
      Vorab noch einige organisatorische Hinweise:

      weiter:

      http://oconomicus.wordpress.com/2013/05/03/bail-in-
      sprechblase-oder-bittere-realitat-dossier-zur-zypris
      ierung-von-sparern-und-anlegern/

  5. H.C.B. sagt:

    Hallo gibt es hier in dem Forum denn keine Rechtsanwälte die mal gegen dieses System aufbegehren ich glaube es würden sich viele daran beteidigen.

  6. Norbert sagt:

    Volksverdummung – leider glauben aber immer noch die meisten Menschen den Lügen der Politiker, Privatbankstern etc…..
    Diesen oder nächsten Monat werden die nächsten BANKKUNDEN wieder um ihr Geld gebracht, nach dem Zypern Probelauf.
    Die VolksverTRETER lassen grüßen….
    Es gibt sehr bald nur noch sehr reiche – und sehr arme Menschen(sklaven)
    Wer es nicht glaubt – einfach abwarten und weiterschlafen …..

    • Sissy sagt:

      Wenn man weiss woher Draghi kommt, also wessen Hintermännern er dient, dann wird vieles klar. Draghi ist ein Mann von Goldman Sachs, die in der Finanzwelt in USA und in der EU wie eine Krake die Fangarme überall dort haben, wo die grossen Räder gedreht werden.
      Ersichtlich ist auch, dass das billige Geld nicht investiert wird (eine weitere Lüge), sondern den Finanzhaien dazu dient, ihre Zockergeschäfte zu finanzieren.
      Die Schuldenländer haben weder Produktangebote zu bieten, noch haben sie neue Ideen, in die sich eine Investition lohnen würde. Die Länder dienen den Grossbanken quasi als finanzielles Perpetuum Mobile: Sie machen Schulden und die Zinsen zahlen die Steuerzahler der EU direkt an die Banken. Das funktioniert prächtig und bringt diesen Banken bis dato rund 800 Milliarden Euro. Tendenz steigend!

    • phil sagt:

      Slovanien, nächste Kandidat, oder anders gesagt Zypern 2

  7. Terry sagt:

    „Ziel ist es, die Kreditvergabe für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in den Krisenländern zu verbessern“

    ….schön , da freut sich der schwächelnde Mittelständler doch -den Laden durch eine erneute Aufstockung, des schon vorhandenen Schuldenberges, am Laufen halten.

    „Zusammen mit anderen EU-Institutionen…… “

    Ja wo sind sie denn ,die besagten „EU-Institutionen“.?
    Wer ist genau damit gemeint ?
    Frau Merkel labert schon seit 1-2 Jahren vom „Wachstumspaket“ und NICHTS, aber auch GAR NICHTS geschieht! ……nur heiße Luft aus dem Mund der nimmersatten Euroholics -Bankenknechte!

    Mein Gefühl sagt mir, dass dieses „Kartenhaus“ zusammenkappen wird,
    mit dem Versuch, dies einigermaßen kontrolliert ablaufen zu lassen , so wie auch hinter der Einführung des Euro eine feste Absicht stand -diese elend-verlogene Bilderberg-Atlantikbrücke – acgusa – Clique hat das zu verantworten !

    • Laubenpieper sagt:

      Was sollte wohl auch ein Wachstumspaket ändern? Das Kapital, was durch dieses angebliche „Wachstum“ erschaffen würde, wird dann sowieso im Säckel der Steuerverschwender und Technokraten landen!

  8. FDominicus sagt:

    Ich wußte doch, daß der EZB der Mittelstand ein Dorn im Auge ist….

    • Sozialismus sagt:

      Ein unabhängiger Mittelstand ist in einer Diktatur immer „ein Dorn im Auge“ und wird zerschlagen.

  9. Avanti Draghi,avanti sagt:

    …ob es helfen würde, mit billigem Geld die Wirtschaft anzukurblen 🙂
    Die EUrotanic ist gesunken und die Passagiere bekommen jetzt Sauerstoff Tropf-auch no-happy-end-film.

  10. Delta120 sagt:

    Die Kriese begann 2007 und wird seit dem mit dem Mitteln der Austerität bekämpft.
    Erfolge sind nicht zu sehen, nur Verluste.

    Ich bin gespannt, wann die Meinung umschlägt und die Menschen feststellen, dass wir mit dieser Politik auf dem Holzweg sind.