Frankreich rettet seine Auto-Industrie

Die französische Auto-Industrie kämpft ums Überleben. Der Regierung von Francois Hollande fällt nichts anderes ein, als weitere Staatsgelder in die Betriebe zu pumpen. Er wird von der EU-Kommission diskret unterstützt. Brüssel ist nicht stark genug, um den Franzosen die Stirn zu bieten.

Die französische Regierung will weitere Milliarden in das Peugeot-Werk in Aulay pumpen. In eine Produktionsstätte, der von mehreren Investoren längt keine Zukunft mehr gegeben wird.

Damit verschärft sich die Krise in der einstigen französischen Vorzeige-Industrie.

Die französische Industrie ist stark vom Export in die Krisenländer Südeuropas abhängig. Seit Einführung des Euro hat Frankreichs Export ein Drittel seiner Weltmarktanteile verloren. Eine Ursache hierfür: Die Arbeitskosten sind zu hoch. Und seit der Einführung des Euro sind die Lohnstückkosten insgesamt um 30 Prozent gestiegen.

Betroffen hiervon ist auch die Autoindustrie. Das Land produziert derzeit 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als im Jahr 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Nun blockieren seit drei Monaten Streiks das Werk von PSA Peugeot-Citroën. Mitte April beispielsweise wurden etwa fünf Autos hergestellt, bei einer möglichen Auslastung von 700 pro Tag. Herangekarrte Streikbrecher werden mit Tränengas und gelegentlich auch mit gefüllten Urinflaschen begrüßt. Kein Wunder. Schließlich steht der Abbau in einer Größenordnung von 8.000 bis 11.000 Arbeitsplätzen auf dem Spiel. Konkret ist von der Schließung eines Werks in Aulnay nahe Paris bis Ende 2014 die Rede.

Dabei schrieb der PSA-Konzern im Jahr 2012 einen Verlust von fünf Milliarden Euro. Dass der Absatzmarkt in den südlichen Ländern der Eurozone einbricht, musste auch den Managern bekannt gewesen sein. Dennoch hat es die Chefetage versäumt, rechtzeitig Absatzmärkte wie in China oder Indien zu erschließen.

Noch bis Anfang März stand eine Fusion mit Opel auf der Agenda. Doch die wurde inzwischen abgesagt. Die Aktien haben im letzten Jahr 60 Prozent verloren.

Um der Krise bei PSA Peugeot-Citroën Herr zu werden, will nun die französische Regierung den Konzern mit sieben Milliarden Euro unterstützen. Weitere zusätzliche – rückzahlbare – Beihilfen in Höhe von 85,9 Millionen Euro sind vorgesehen.

Im Februar hatte die EU-Kommission bereits die ersten 1,2 Milliarden Euro staatlicher Beihilfen genehmigt.

Seit Donnerstag begibt sich die EU-Kommission in die „vertiefe“ Prüfung für die Bewilligung des Rests von 5,8 Milliarden Euro Beihilfe der französischen Regierung. Es geht darum, ob die Milliarden für Peugeot-Citroën genehmigungsfähig sind oder die Konkurrenten in Frankreich und im restlichen Europa dadurch benachteiligt würden.

Nach den bisherigen Erfahrungen kann man davon ausgehen, dass Brüssel Paris nichts in den Weg legen wird: Die Macht der Kommission stützt sich ganz wesentliche auf Frankreich und Italien.

Harte Maßnahmen gibt es von seiten der EU vor allem gegen die kleinen Länder. Mit solchen Ritualen kann der Anschein erweckt werden, dass die Union auch in schlechten Zeiten handlungsfähig ist.

Kommentare

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  1. Hubert Staudenmaier sagt:

    Das ist alles besorgniserregend!

    Scheinbar wurde die deutsche Wiedervereinigung damit erkauft, eine gemeinsame Währung zu bekommen. Ich erinnere mich an 8 Aufwertungen 1979, 1981, 1982, 1983, 1985, 1986, 1987, 1992 der D-Mark und 4 Abwertungen 1981, 1982, 1983, 1986 des französischen Franc.

    Bei einer gemeinsamen Euro-Währung ist so etwas nicht mehr möglich. Ist der Anpassungsdruck deshalb weg? Vermutlich nicht! Stattdessen werden – so meine Sicht – in Frankreich die Preise erhöht, und irgendwann ist die Konkurrenzfähigkeit dahin. Das ist jetzt möglicherweise der Fall. Hämische Kommentare sind nicht angebracht. Wir sitzen in einem Boot.

    Staatliche Finanzspritzen für die französische Autoindustrie werden das Problem nicht beseitigen, sondern verschärfen. (Das Geld fehlt dann wonaders.) Anstatt sich anzupassen – schmerzhaft – erhöhen sich die Staatsschulden, diese werden später durch höhere Steuern bezahlt.

    Das sind alles Folgen der Globalisierung! Die Vorschläge des werten nächsten Kommentators sind auch wenig hilfreich! Löhne rauf, Billiglöhne weg. – Sind die Produkte dann noch konkurrenzfähig? Mir ist natürlich klar, dass unsere Billiglöhner uns in 20 Jahren auf die Füße fallen werden, da die Renten zu niedrig sind. Problem in die Zukunft verschoben?

    Die Gewerkschaftssicht ist da wenig hilfreich, Löhne rauf. Das muss alles erst einmal verdient sein. Da helfen keine Tricks.

    Ich freue mich über zahlungskräftige Franzosen, die unsere Produkte abnehmen können.

  2. Joachim Endemann sagt:

    „…Seit Einführung des Euro hat Frankreichs Export ein Drittel seiner Weltmarktanteile verloren. Eine Ursache hierfür: Die Arbeitskosten sind zu hoch. Und seit der Einführung des Euro sind die Lohnstückkosten insgesamt um 30 Prozent gestiegen. …“

    In dieser Aussage liegt die ganze Ignoranz und Nachdenkunfähigkeit der deutschen Seite begründet. Das heißt man hat auf deutscher Seite immer noch verstanden was eine Währungsunion ist. In obiger Zitierung findet sich nämlich in der Tat der Kern des Problems der EWU.
    Die Löhne in Frankreich sollen zu hoch sein? Nein, sie sind angemessen – eigentlich. Sie sind deshalb angemessen, weil sich in ihnen die Entwicklung der Produktivität der französischen Volkswirtschaft spiegelt. Aber nicht nur das, es spiegelt sich darin ebenso, daß die französische Seite versteht, was eine Währungsunion zum Funktionieren braucht.
    Während man also auf deutscher Seite stolz darauf ist, den größten Niedriglohnsektor Europas geschaffen zu haben, so daß Unternehmen also subventioniert werden, wenn sie beispielsweise „Aufstocker“ einstellen, hält man es auf der anderen Seite des Rheins für richtig, alle an der Produktivitätsentwicklung zu beteiligen. Und so nahm es auch kein Wunder, daß das Wirtschaftswachstum in Frankreich durchweg höher war als in Deutschland – bis einer der Hauptkonstruktionsfehler der EWU zur Eurokrise führte, ausgelöst übrigens von wahlkrampfgetriebenen Äußerungen der Frau Merkel vor der NRW-Wahl 2010.
    Man versteht hier nicht, daß eine Währungsunion nicht viel braucht, aber eines unbedingt: stetig gleiche Inflationsentwicklung in allen Mitgliedsländern entsprechend der Zielvorgabe durch die EZB.
    Während man es also in Deutschland ganz toll fand, nicht nur möglichst geringe Inflation zu haben, sondern auch die eigene Bevölkerung nicht an der Produktivitätsentwicklung angemessen zu beteiligen, sah man das in den meisten Mitgliedsländern anders, die lagen über dieser Zielmarke, aber übrigens weniger drüber als Deutschland drunter.

    Genau hier liegt das Problem der Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs, nicht in niedriger Produktivität. Denn das einzige Land, das bezüglich des notwendigen Verhaltens einer Volkswirtschaft innerhalb einer Währungsunion alles richtig gemacht hat, ist Frankreich. Dort gab es nämlich genau das, was eine Währungsunion braucht: stetige Anpassung der Löhne an die Produktivitätsentwicklung und möglichst genaue Orientierung an die Zielinflationsvorgabe der EZB von knapp 2%. (Nur auf diese Weise hält die eigene Nachfrage mit der Produktivitätssteigerung Schritt.)
    D i e s ist die Goldene Regel, an die sich alle Mitglieder einer Währungsunion anpassen müssen, denn nur unter diesen Bedingungen entwickelt sich das Wachstum stetig gut und die Exporte und Importe sind ausbalanciert. Dann nämlich leben die Menschen in diesen Volkswirtschaften ihren wirtschaftlichen Verhältnissen gemäß – weder unter ihren noch über ihren Verhältnissen. Dies ist die einzige Bedingung fürs Funktionieren einer Währungsunion. (Und erst dann kann die ZB übrigens ihre Zinsentscheidungen zum Vorteil für den gesamten Währungsraum treffen.)

    Und wer glaubt, durch Senkung von angemessenen Löhnen, im Wettbewerb auf dem Weltmarkt bestehen zu können, verkennt die Funktionsweise des Wettbewerbsausgleichsventils via Aufwertung und Abwertung von Währungen.

    ^Jo_Cit^

    • Einweckglas sagt:

      Es entbehrt nicht einer gewissen Komik werter Joachim Endemann, doch wenn F(K)rankreich alles richtig gemacht hat, wieso läuft es denn seit längerem nicht mehr so rund?
      Ach ja… in Vergangenheit haben die Deutschen immer eingeknickt und die Franzosen von Deutschlands Haltung immer profitiert. Nun kommt der Hosenanzug aus dem Osten, hat mit westdeutschen Demokratie- und Wirtschaftsverständnis nichts am Hut und seit der Wiedervereinigung erstarkte die zuvor eher unterwürfige Politik Westdeutschlands.
      Wie dem auch sei, Deutschland ist und bleibt damit auch aufgrund seiner (wirtschaftlichen) Grösse ein Dorn im Herzen Europas, dessen Nachbarn sich nun widerborstig an ihm reiben.
      Alles richtig gemacht liebes Frankreich? Ich bezweifle das auf der Grundlage, dass es nicht nur eine Wahrheit gibt, sondern halt gegensätzliche Meinungen, was richtig und falsch ist.

      • Joachim Endemann sagt:

        Durch Zufall komme ich heute auf diese Seite zurück und entdecke Ihre Antwort. Aus der deutlich wird, daß auch Sie leider nicht verstehen, auf was es in einer WU ankommt.
        Es besteht insbesondere zwischen D und F kein Unterschied zwischen der Produktivität, sondern zwischen der Wettbewerbsfähigkeit. Das heißt diese höhere Wettbewerbsfähigkeit basiert eben nicht auf höherer Produktivität, sondern auf völlig unzureichend gestiegenen Löhnen. „Unzureichend“ bedeutet Nichteinhaltung der „goldenen Lohnregel“. Diese „Lohnregel“ ist in F hingegen quasi punktgenau eingehalten worden.
        Das Einhalten dieser Regel ist sehr wichtig. Warum? Weil nur so das Mehr an Produziertem auch abgesetzt werden kann, da diesem Mehr an Angebot auf der andere Seite ein gleichhohes Mehr an Nachfrage gegenübersteht. Auf diese Weise partizipiert die ganze Gesellschaft an der verbesserten Produktivität. Erzielt man hingegen ein Mehr an Angebot, bei gleichzeitig ungleicher Zunahme der Nachfrage, ergibt sich ein Absatzproblem. Dieses Problem läßt sich dann nur dadurch ausgleichen, daß man mehr exportiert. Wenn aber die Nachfragemöglichkeit (der Masse der Bevölkerung) im eigenen Land gleichzeitig abnimmt (real steigen die Löhne in D seit ca. 15 Jahren nicht mehr, sondern sinken in der Gesamtsumme), so nehmen auch die Importe ab. Hierdurch entstehen Exportüberschüsse. Diese Überschüsse sind aber kein Vorteil, weil diesen ihnen in den Ländern, mit denen man Handel betreibt, Defizite gegenüberstehen. Defizite bedeuten aber, daß man Schulden gegenüber dem „Überschußland“ hat.
        Hat man eine eigene Währung, läßt sich das durch Abwertung ausgleichen. In einer Währungsunion geht das nicht mehr. Gerade deshalb ist es entscheidend, daß man sich in allen Ländern einer WU an diese „goldene Lohnregel“ hält, denn nur hierdurch lebt man seinen Verhältnissen gemäß. Und insofern gibt es in der EWU in der Tat nur ein Land, das sich an diese Regel gehalten hat: nominale Lohnsteigerung = Zielinflationsrate von knapp 2% + landesspezifische Produktivitätsentwicklung. Alle anderen Länder lagen über dieser Regel oder darunter.
        Deshalb ist es so dumm, wenn man eine Schuldzuweisung an die anderen macht, denn offenbar haben alle, bis auf eine Ausnahme, ein falsches Verständnis von der Funktionsweise einer WU. Wer das nicht versteht, sollte eigentlich keine WU begründen.
        Auch ist übrigens die Argumentation falsch, daß es auf einen Inflationsdurchschnitt von knapp 2% ankäme, denn erst wenn diese Vorgabe in allen Ländern eingehalten wird, ist es einer ZB möglich, ihre Zinsentscheidungen bezogen auf den gesamten Wirtschaftsraum abzustimmen.
        Wie schädlich diese deutsche Politik auch für die deutsche Wirtschaft ist, sieht man übrigens u.a. daran, daß die Investitionsquote in D erschreckend niedrig ist (das liegt an der einseitigen Ausrichtung auf den Export, der nun bei über 50% angelangt ist, beruhend primäre auf Lohndumping). Glauben Sie mir, daran ist nichts gut, egal, was offiziell verlautbart wird.

        Mit freundlichen Grüßen, Joachim Endemann

  3. hugin sagt:

    ENTLASSUNGEN UND ABLENKUNGS-MANÖVER
    1.000e werden Entlassen aber belanglose „Probleme“ werden mit imposanten Formulierungen groß in Szene gesetzt. Horst Tapper(Derrik) war bei der Waffen-SS, daher werden seine Filme nicht mehr im Fernsehen gezeigt ! Ein mutiger Schritt der Gutmenschen, um von brennenden Problemen, welche von unseren Polit-Amateuren nicht gelöst werden können abzulenken.
    Auch in Österreich werden beim Autowerk-Magna eine größere Anzahl Mitarbeiter entlassen, zahlreiche Autohändler schlittern in den Konkurs. Das dürfte erst der Anfang sein das, dicke Ende kommt noch.

  4. Peter Goetz sagt:

    Subventionierung nicht marktfaehiger Produkte funktioniert nur in abgeschotteten Systemen, und das nur voruebergehend. Alle Zeichen stehen dafuer, dass Deutschlandreise nd die Zeche zahlen soll, und zwar Solange, bis es selbst seine Wettbewerbsfaehigkeit nachhaltig eingebuesst hat.

  5. Raus aus Deutschland sagt:

    Sind die Franzosen ALLES selbst schuld!!!

    Der echte Grund warum Peugeot-Citroën Probleme hat
    Mittwoch, 25. Juli 2012 , von Freeman um 20:00

    Die Medien berichten laufend über die erheblichen Schwierigkeiten des französischen Autokonzern PSA Peugeot-Citroën in den letzten Tagen. Sie behaupten, einbrechende Verkäufe hätten dazu geführt, das 8’000 Mitarbeiter ihre Stelle verlieren und eine Fabrik bei Paris geschlossen werden soll.

    http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2012/07/der-wirkliche-grund-warum-peugeot.html

  6. Unrechts-Populist Nr.1 sagt:

    Da wird mal wieder alles klar.
    Hintenrum wirtschaftsbolschewistisch ein einziges europäisches Geschmier und Korruption und vornerum wird Durchsetzung gegen kleine wehrlose Außenseiter und Abweichler geübt.
    Im Grund genommen läuft es so wie bei den Rechtsstaatsschauspielen der Rechtsorgane. Man kapriziert sich auf Banaldelikte harmloser Bürger und der wahren Konfrontation mi der Kriminalität geht man so gut es geht aus dem Wege.
    Doch die Unterstützung chancenloser Firmen in diesem Ausmaß ist schon sensationell:
    Die EU-Ledermäntel schöpfen das Wasser aus einer untergegangenen Pferdekutsche.