Haus in der Toskana: Deutsche investieren in Italien

Damit hat Mario Draghi wohl nicht gerechnet: Die Deutschen nutzen das billige Geld der EZB, um sich im Italienischen Immobilienmarkt einzukaufen. Viele Italiener werfen ihre Häuser auf den Markt, um ihre Schulden bezahlen zu können.

Die Zahl der Deutschen, die sich ein Eigenheim in Italien kaufen, steigt kontinuierlich an. Der Zeitpunkt ist günstig: Die Preise in Italien sind im Sinkflug, für die einheimischen aber aufgrund der hohen Steuerlast immer noch zu hoch, um mit den deutschen Investoren mitzuhalten. Italiener verdienen im Schnitt etwa 20.000 Euro pro Jahr. Der durchschnittliche Preis für Eigentum in Italien beträgt aber 500.000 Euro. Die Deutschen verdienen dahingegen 36 Prozent mehr.

„Ich würde sagen, etwa 60 Prozent der Immobilienverkäufe werden mit Deutschen abgeschlossen“, sagte Yasemin rosenmaier, Immobilienmaklerin im Norden Italiens einem Bericht von Bloomberg zufolge. Sie führt die Angst vor der Inflation als einen der Gründe an, warum Investoren sich in Immobilienkäufe stürzen. Die EZB hat am vergangenen Donnerstag erneut den Leitzins auf Rekordniveau gesenkt und damit den Weg für eine neue Milliardenflut an die Kreditinstitute geebnet. EZB-Chef Draghi hält sich für weitere Maßnahmen bereit.

Bei den privaten Käufern von Häusern kommt dieses Geld jedoch zuletzt an. Investment-Unternehmen und Banken spielen mit den neuen Milliarden auf dem Aktienmarkt und treiben die Preise in die Höhe.

Wer sich gegen die Unsicherheit  auf den Finanzmärkten und gegen eine Zwangsabgabe nach dem Vorbild Zyperns schützen will, investiert in Immobilien. Weil aber die Preise in Deutschland seit Jahren überdurchschnittlich stark steigen, zieht es Investoren in weniger gesättigte Märkte.

In Italien ist der Preisverfall infolge der Rezession und der Sparpolitik enorm. Seit 2008 sind Hauspreise um 12 Prozent gefallen. Ein Ende der Talfahrt ist nicht in Sicht:  „Grundstücke, die sonst 2,5 Millionen Euro kosten, werden für 1,5 Millionen Euro angeboten“, sagte Rosenmaier. „Bei Verhandlungen kann der Preis dann meistens noch einmal um dreißig Prozent gedrückt werden.“

Bei der Kauflust der Deutschen handelt es sich jedoch nicht nur um Grundstücke in dieser Größenordnung Einer Studie von Engel & Voelkers zufolge ist vor allem die Nachfrage nach ausländischen Ferienwohnungen bei den Deutschen signifikant gestiegen.

Der neue italienische Regierungchef Enrico Letta hat angekündigt, eine von Mario Monti eingeführte Steuer auf Eigentum wieder abzuschaffen. Ob ihm das gelingt, ist fraglich: Ex-Regierungschef und Medienmogul Silvio Berlusconi will gegen das Vorhaben Lettas vorgehen und droht sogar mit dem Bruch der frisch geformten, lang erwarteten Koalition.

Kommentare

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  1. HausTechnik-Toskana sagt:

    Wir die Firma „ Haustechnik-Toskana“ arbeiten vor Ort in Italein, erstellt Gutachten von der vorhandenen Heizungsanlage und prüft die Installation auf Dichtheit und Funktion. Anschließend erarbeiten wir mit den Kunden Lösungen aus und bieten die Realisierung in deutscher Qualität an. Wüsten Sie das Installationen in Bereich Solaranlagen nur mit 10 % P. Iva versteuert werden. Dieser Streuersatz gibt auch für Deutsche in Italein.

  2. Für die Mitte sagt:

    Solange rückversicherte Aktienunternehmen die Alleinherrschaft darüber haben, das Geld in Umlauf zu bringen, kann sich hier nichts ändern. Gebe es in jedem EU-Land eine staatliche Behörde, die EZB-Geld wie eine Geschäftsbank zum günstigen EZB-Zinssatz plus einer kleinen Zinsmarge zur Deckung der Verwaltugskosten an Klein- und mittelständische Unternehmen und Privatkreditnehmer verleihen könnte, würden die Großbanken unter Wettbewerbsdruck kommen und der Mittelstand würde wieder mit den Großkonzernen konkurrieren können. Außerdem würde der Leitzins steigen und die Inflationsziele könnten trotzdem erreicht werden. Dann würden nicht so viele Blasen durch Finanz- und Immobilienspekulationen entstehen.

  3. Rainer sagt:

    So eine Entwicklung musste doch kommen… wie kann man da sagen, dass das keiner vorhersehen konnte…
    Es heißt nicht umsonst Betongold… da suche ich doch etwas, wo es billig ist und das ist nicht in Deutschland…

  4. heike sagt:

    Das Haus bringt herzlich wenig, wenn die Abneigung gegenüber Ausländern (in dem Fall die Deutschen) zunimmt- und das ist mit steigender sozialen Spaltung immer vorprogrammiert.
    Wenn das Fass übergelaufen ist, werden die deutschen Eigentümer als „Scheißkanaken“ verjagt.

  5. Jürgen Franke sagt:

    Mir fällt zu diesem Artikel nur folgendes ein:

    Wie würden Sie sich als Italiener fühlen, wenn Ihnen das Haus unter dem Hintern weggepfändet und an einen Ausländer verscherbelt wird?
    Würden Sie diesem dahergelaufenen Ausländer nicht auch die Pest an den Hals wünschen?

    Glauben Sie mir: Ohne diese verfluchte Kunstwährung EURO wäre es in Europa friedlich und das Leben lebenswert!
    Erst der EURO und die EU in Ihrer jetzigen Ausprägung haben es geschafft, daß sich die Völker wieder hassen!

    • fischbach sagt:

      Da bin ich ganz deiner Meinung.
      Früher lebten Euro-Ausländer friedlich zusammen, jetzt ist es wieder soweit, dass sie sich gegenseitig hassen.
      Die „Ich-Hab-Alle-Lieb-Phase“ ist umgewandelt in „Ich-Muss-Alle-Lieb-Haben“ –
      eine Maulsperre für denkende Leute.
      Sonst ist man rassistisch, ausländerfeindlich.

      Eine künstlich erzeugte Kriegsstimmung,
      der Ankauf von Kampfdrohnen,
      Abschaltung bzw Begrenzung der Internetflat,
      Entwertung des Geldes,
      Arbeitsklaven u.v.m.

      Wenn nun einer kommt und nach „totalem Sieg/Frieden/“ ruft,
      wer sagt da nicht zu ?
      Das hatten wir doch schon mal.

    • honolulu500 sagt:

      Der SCHULDIGE ist in EINER Person DINGFEST gemacht. Er räumte selbst ein, den EURO wie ein Diktator übergestülpt zu haben, ohne bekannte Kriterien berücksichtigt zu haben. Er lebt nicht so unmöglich weit weg. In Oggersheim! Aber: kein Ansturm, nur digitale Proteste der Softpornogeneration-XXL.

  6. My10Cent sagt:

    Eine „immobile“ Immobilie in der EU zu kaufen ist einfach nur dumm.

  7. Leser sagt:

    Bitte korrigieren:
    Nicht Letta will die Steuer abschaffen sondern Berlusconi. Letta will aber nicht und Berlusconi droht mit Bruch der Koalition…