IWF: Immobilienmarkt und private Verschuldung gefährden Niederlande

Die niederländischen Haushalte sind die am höchsten verschuldeten in der ganzen Eurozone. Den größten Teil bilden aufgenommene Hypotheken: in Höhe von etwa 650 Milliarden Euro. Doch der Immobilienmarkt des Landes ist in Schwierigkeiten. Die Preise sind seit 2008 um fast 20 Prozent gefallen. Die Zahl der faulen Kredite steigt.

Die Verschuldung der niederländischen Bevölkerung ist so hoch wie nirgendwo sonst in den Euroländern. Sie ist auch deutlich höher als die Staatsverschuldung des Landes. Die Niederländer haben viel Geld in Immobilien gesteckt. Doch die Preise für Häuser fallen seit Jahren. Die Verschuldung der Privathaushalte liegt allein bezüglich aufgenommener Hypotheken bei 651 Milliarden Euro.

In den Niederlanden tickt eine Immobilien-Bomb – und zwar gewaltig. „Die Verschuldung der privaten Haushalte gemessen am Anteil am verfügbaren Einkommen verdoppelte sich im vergangenen Jahrzehnt“, so der IWF in seinem aktuellen Länderbericht. Dieser deckt sich mit einer Untersuchung von Morgan Stanley. Die Niederländer weisen die höchste Privatverschuldung der gesamten Eurozone auf. Damit sind sie auch „die am meisten anfälligen für finanzielle Schwankungen“, so Morgan Stanley.

Besonders beunruhigend sind die aufgenommenen Hypotheken. In den Niederlanden herrscht die Tradition, in Immobilien zu investieren. Statt zu mieten, wird gekauft. Und ist eine gekaufte Wohnung zu klein, weil eine Familie gegründet werden soll, wird sie wieder verkauft und ein Haus gekauft.

Kurz vor dem Eintreten der Finanzkrise 2008 gab es am niederländischen Hypothekenmarkt noch einmal einen richtigen Boom. Die Zinsen waren niedrig. Doch im Zuge der Krise sanken die Preise für die Häuser. Innerhalb nur eines Jahrzehnts sanken sie um durchschnittlich 18 Prozent. So dass die gekauften Immobilien effektiv an Wert verloren.

Angesichts des Umfangs der Verschuldung eine gefährliche Situation, für die niederländische Bevölkerung genauso wie für die nationalen Banken. Dem IWF zufolge stehen den Ersparnissen der Niederländer bei nationalen Banken in Höhe von 374 Milliarden Euro Hypotheken in Höhe von 651 Milliarden Euro gegenüber. Diese wurden hauptsächlich bei den nationalen Banken aufgenommen.

Im Zuge der Rezession und der zunehmenden Arbeitslosigkeit ist die Zahl der faulen Kredite in den Bilanzen der Banken in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das stellt sowohl die Schuldner als auch die Banken vor große Schwierigkeiten. Denn eine wirtschaftliche Erholung ist  nicht in Sicht. Der IWF rechnet mit einem Rückgang des BIPs um 0,5 Prozent in diesem Jahr. „Das Zusammenspiel von Haushalts- und Bankbilanzen, das an Veränderungen der Immobilienpreise geknüpft ist, birgt ungewöhnlich große Unsicherheit“ für die Niederlande, so der IWF.

Kommentare

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  1. johan sterk sagt:

    In den Niederlanden ist das problem das man die Zinsen der Hypotheke vom Brutoeinkommen abziehen kan. Manche zahlten also nur die Zinsen. Das Spargeld steckt man in die Rentenversicherungen die man auch vom Brutoeinkommen zahlen kan. Also weniger Steur und dicke Renten, aber kein Hauseigentum. Man versucht das jetzt zu aendern. Das geht nur muehsam waerent die Krise.

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Eine vergleichbare Situation auch in der Schweiz. Mit einem deutlich tieferen Anteil im Bereich Eigenheime. Hier sind insbesondere die Altersvorsorge – Gelder in Mietwohnungen angelegt. Aktuell werden die Immobilienpreise zusätzlich durch die massive Zuwanderung aufgeblasen. Weiterer Preistreiber Kapitalzuflüsse die in Immobilien fliessen. Weiterer Knackpunkt einer der höchsten Pro – Kopf Infrastrukturkostenanteile Weltweit direkte Folge einer sehr hohen Bevölkerungsdichte. Die Schweiz verfügt über eine von vielen beneideten tiefen Staatsschuldenanteil jedoch einen extrem hohen Privatschuldenanteil. Die Zusammenrechnung von Privat und Staatsschulden ergeben einen der höchsten Schuldenanteile Weltweit. Kaum erkannter Finanzsprengstoff. Noch funktioniert das System dank guter Realwirtschaftsleistung und Exporterfolge. Ein sich abzeichnender Zusammenbruch der Weltwirtschaft, einbrechende Absatzmärkte werden auch der Schweiz massivste Einbrüche bescheren. Etwas später jedoch unabwendbar. Freundliche Grüsse aus der Schweiz.

  3. Wolfgang sagt:

    In den Niederlanden wurde in der Vergangenheit wenig Wert auf eine Mindesttilgung gelegt. Dadurch rutschten die Werte der Immobilien unter die Höhe der Verschuldung (Marktpreisschwankungen, Abschreibungen). Vielleicht lernen die niederländischen Banken für die Zukunft.

    • Hans von Atzigen sagt:

      Es sind längst nicht nur die Banken. Da sind noch mehr Mitspieler. Mit den stetig proportional überdimensional gestiegener Geldmenge wurde Konjunkturpolitik gefahren. Die Politik wollte und musste Beschäftigung generieren. Die Wirtschaft wollte Absatzmärkte. Der Verbraucher wollte mehr als er Erwirtschaften konnte und wollte. Letztlich ist das Spiel das Ergebnis kollektiver Dumm und Masslosigkeit. Solange das Spiel funktionierte haben ,,fast alle,, mitgedreht und Hurra geschrien. Jetzt neigt sich das Spiel dem Ende zu. Und kein Wunder hinterher hat keiner Schuld. Schuld haben wir alle. Teilweise sehr grosse Unterschiede in dieser Schuld sind lediglich in Bezug deren höhe und Gewichtung auszumachen.