LKW-Fahrer machen mobil: Sinkende Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen

Europas Kraftfahrer leisten Widerstand gegen die Konkurrenz aus Osteuropa. Die Liberalisierung des Transportsektors führt zu einem ruinösen Wettbewerb. Mehr als 25.000 LKW-Fahrer wollen nun öffentlich dagegen vorgehen. Eine Groß-Demonstration in Berlin macht den Anfang.

Immer mehr deutsche Transportunternehmen gehen pleite oder verlagern ihren Standort nach Osteuropa. Der Grund: Die europaweite Öffnung des Transportwesens für osteuropäische Speditionen macht den westeuropäischen Unternehmen Konkurrenz, mit der sie nicht mithalten können. Die Löhne sind zu niedrig, die Fahrzeuge der osteuropäischen Konkurrenz unterliegen teilweise keinen regelmäßigen Inspektionen, das Arbeitsrecht wird oft nicht eingehalten.

Ingo Schulze von den Kraftfahrer-Clubs Deutschland (KCD) stehen in Deutschland „mehrere 100.000 Arbeitsplätze in Gefahr“, wenn sich die Situation in den nächsten Jahren nicht grundlegend ändern werde. Neuesten Berichten des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) zu Mautstatistik zufolge sei der Anteil deutscher Transportunternehmen von 62,9 Prozent „auf unter 60 Prozent gesunken“, sagte Schulze den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Schulze macht deshalb in Zusammenarbeit mit der niederländischen Initiative „Actie in de Transport Deutschland“ auf eine Demonstration in Berlin aufmerksam. Am ersten Juni findet eine Kundgebung statt. Die Teilnehmer treffen sich an der Siegessäule und ziehen über die Straße des 17. Juni zum Platz der Republik. Über 25.000 Kraftfahrer und Transportunternehmer haben sich in Europa bereits zusammengeschlossen, um gegen sinkende Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen zu protestieren.

„Wir wollen unser Fünf-Punkte-Programm durchsetzen“, sagte Schulze. Dabei geht es den Kraftfahrern und Unternehmen in erster Linie um die „Umsetzung der bestehenden EU-Richtlinien, insbesondere der Richtlinie zur Arbeitnehmerentsendung“. Durch die EU-Osterweiterung werden die Lohnvereinbarungen und die Arbeitsbedingungen unterwandert, so dass es sich für deutsche Fernfahrer nicht mehr lohnt, zu arbeiten.

Der Beruf verliert Arbeitskräfte. Dadurch nehmen selbst die deutschen Transportunternehmen immer öfter osteuropäische Arbeitskräfte auf. „Diese sind dann aber zum Teil drei Wochen im Lkw unterwegs, bevor sie wieder nach Hause fahren“, sagte Schulze. Das kollidiere mit bestehenden EU-Verordnungen und Sozialvorschriften.

Ein Bericht der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF) beschreibt die Situation gar als „Moderne Sklaverei im heutigen Europa“. Der Wettbewerb ist extrem verzerrt: „Offiziellen Quellen zufolge betrug 2006 das Jahresgehalt eines Fahrers zwischen 29.000€ in Belgien und 1.800€ in Bulgarien“, heißt es in dem ETF-Bericht.

Auch die Kriminalität auf deutschen Autobahnen hat zugenommen. „Man muss heutzutage aufpassen, wo man sich hinstellt“, sagte Schulze. Planen von Anhängern werden aufgeschlitzt, Diesel wird aus dem Tank abgepumpt, Frachten werden gestohlen. Vor allem auf deutschen Autobahnen wittern Frachtdiebe fette Beute.

Kommentare

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  1. metzdorf ernest sagt:

    diese sklaverei was den lkw fahrer gehandhabt wird,ist menschenunwuerdig.

  2. R. Jaros sagt:

    Ich habe es nach 36 Jahren internationalem Fernverkehr geschafft, dass ich seit einem Jahr im Ruhestand bin.
    Die ganze Zeit hatte ich aber das Gejammer der Transportunternehmer im Ohr, aber
    wirklich unternommen hat keiner der in meinem Berufsleben 3 Speditionen. Wenn
    ein „deutscher Spediteur“ nicht mehr für die gebotenen Frachpreis fahren
    konnte, kam ein in der Nachbarschaft ansässiger „deutscher Spediteur“ und unterbot
    diesen Preis teilweise bis 20%. Wenn schon in den eigenen Reihen keine Einigkeit herrscht wie will man sich dann, im jetzt offenem EU-Markt behaupten ?
    Wenn ich dann aber feststelle, dass genau die „Mitbewerber“ dann gemeinsam zum
    Grand Prix nach Monte Carlo fliegen kann ich nur sagen: Das ist Jammern auf höchstem Niveau.
    Deshalb komme ich zum Schluss, jeder der betroffenen sagt: „Es muss etwas geschehen“ aber bloß nicht ich – “ mach Du.
    Wenn sich dieses Gewerbe nicht bald einig wird, geht es bald komplett den Bach runter.
    Zum Schluss noch an die Kollegen Fahrer: „Haltet die Räder auf der Strasse“

  3. Popey sagt:

    hallo Lauts,
    ich hab mir das hier mal durchgelesen und finde einige texte gut.

    ich fahre auch seit gut 20 Jahren lkw, viele Jahre europaweit und die letzten Jahre nur
    noch bundesweit. jetzt fahre ich nur noch route.

    mein Gehalt beträgt “ brutto 1300″,spesen und Nachtzuschläge und Anwesenheitsprämie, so komme ich auf 1730 € ausgezahlt. dafür fahre ich jede Nacht 550 – 610 km. ich fahre im osten,
    mein Kollege (west) macht genau das gleiche und hat
    brutto 1100€ mehr Gehalt, ist das gerecht ??
    es heißt doch immer gleiche Arbeit – gleicher lohn ??
    ich hatte denne mal nach einer Gehaltserhöhung gefragt und prompt kam wegen sogenannter vergehen (Geschwindigkeit, Fahrzeit) eine Abmahnung.
    so gehen aber auch Chefs mit ihren angestellten um.

    mit den Spesen ist das auch so eine Sache: die rund 670 Bundestagsabgeordneten hab sich ja eine Erhöhung ihrer Diäten um monatlich 830€ gegönnt, unsere Spesen sind nur halbiert worden von 48 DM auf 24€uro, aber nix weiter.
    die abgeordneten brauchen ja auch nichts an unseren Spesen machen, wir streiken ja doch nicht, dafür sorgen schon die Seditionen selber.
    will eine Spedition streiken, stehen 10-20 andere Speditionen auf der matte und wollen die Aufträge übernehmen, sie sieht aus hier im gelobten Land.
    und Gewerkschaft für Transport ??? was ist das ????
    mfg Popey