Leiharbeit bei Daimler: Strafanzeige gegen Logistik-Firma

Gegen den Autohersteller Daimler wurde Strafanzeige gestellt. Der Vorwurf lautet illegale Arbeitnehmerüberlassung. Auslöser war eine ARD-Reportage. Erneut wird der Ruf nach strengeren Regeln für Leiharbeit und Werkverträge laut.

Ein möglicher Leiharbeiter-Missbrauch wird zum Fall für die Staatsanwaltschaft. In einer am Montagabend ausgestrahlten Reportage erhob die ARD schwere Vorwürfe gegen Daimler. Der Konzern beschäftige Arbeiter über Werkverträge zu Gehältern, von denen man nicht leben kann, heißt es darin.

Erste Staatsanwältin Claudia Krauth bestätigte den Deutschen Mittelstands Nachrichten, dass der Staatsanwaltschaft Stuttgart eine Strafanzeige wegen des Vorwurfs der illegalen Arbeitnehmerüberlassung vorliegt. Der Adressat ist aber weder Konzernchef Dieter Zetsche, noch Betriebsratsvorsitzender Erich Klemm, wie dies von mehreren Medien berichtet wurde. Die Anzeige richtet sich gegen das Unternehmen Daimler und eine von Daimler beauftragte Logistikfirma, so die Staatsanwältin.

Eingereicht wurde die Anzeige von Benjamin Frick von der Initiative „Leak Leiharbeit“. Er sei selbst seit Jahren von Leiharbeit betroffen, sagte Frick den Stuttgarter Nachrichten. Er habe sich zu der Anzeige entschlossen, weil zu viele Missstände in der Branche unter Verschluss bleiben würden. „Es ist schlimm, was hinter den Kulissen abläuft, sagte Frick.

Ob und wann es in der Causa ein Ermittlungsverfahren geben wird, sei noch nicht absehbar, hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft. Daimler dementierte die Anschuldigungen. Auf Werkvertrags-Basis werde nur in Bereichen gearbeitet, die nicht der eigenen Wertschöpfungskette entsprächen. Das seien Logistikdienstleistungen, Gebäudereinigungen oder Malerarbeiten.

Die ARD-Reportage „Hungerlohn am Fließband“ vermittelt eine andere Sichtweise. Ein Reporter heuerte Undercover bei einer Zeitarbeitsfirma an, die Personal an Daimler verleiht. Einen Stundenlohn von 8, 19 Euro hätte er im Untertürkheimer Motorenwerk bekommen, für dieselbe Arbeit wie die Stammbelegschaft. Bei einem Monatslohn von etwa 1220 Euro brutto hätte dies für den vierfachen Familienvater zusätzlich Anspruch auf Hartz-IV-Aufstockung von 1550 Euro monatlich bedeutet.

Wie der Konzern selbst kritisiert auch der Daimler-Gesamtbetriebsrat die Recherchemethoden der ARD-Reporter. In dem Beitrag seien viele vorliegende Informationen nicht erwähnt worden. Die Leiharbeit in der Produktion sei bei Daimler auf acht Prozent begrenzt, hieß es in einer heute veröffentlichten Mitteilung an die Mitarbeiter. „Die direkt von einer Zeitarbeitsfirma an Daimler ausgeliehenen Leiharbeiter in der Produktion verdienen so viel wie ein neueingestellter Stammbeschäftigter“, heißt es in der Mitteilung. Dass es bei Daimler Fälle von illegaler Arbeitnehmerüberlassung gibt, könne aber nicht ausgeschlossen werden. Bei der Anstellung von Arbeitern über externe Leiharbeiterfirmen blockiere das Unternehmen bisher die Bemühungen des Betriebsrats um Einsichtnahme der Arbeitsverträge.

Immer wieder fordern Arbeitnehmervertreter die Politik auf, die gesetzlichen Grundlagen für eine effizientere Kontrolle von Leiharbeiter- und Werkverträgen zu schaffen. Ähnlich hohe Wellen schlug unlängst der vermeintliche Leiharbeiter-Skandal beim Online-Versandhaus Amazon. Auch dabei standen die Methoden der ARD-Reporter in der Kritik.

Kommentare

Dieser Artikel hat 4 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Hülsensack sagt:

    Die Kommentatoren vor mir bringen schon wesentliche Fakten, welche unsere Politik geschaffen hat, gemeinsam mit ihren „Sponsoren“ aus der Wirtschaft.
    An Ausreden, wie die viel gepriesene Globalisierung, fehlt es den Volksverrätern in keiner Sekunde.
    Leider schläft die träge Masse noch sehr tief und ruhig, bis wir, wie schon richtig angebracht wurde, wieder soweit sind, wie vor knapp 70 Jahren. Aber dies sind ja noch Stammtischverschwöhrungen, bis es dann plötzlich doch zutrifft.

  2. Tacheles sagt:

    Die Leiharbeit gehört an die Bundesagentur angesiedelt und alle
    Leiharbeitsfirmen verboten.
    Die Bundesagentur kann dieses organisieren und dadurch würde
    auch wieder das Geld zurück zum Staat fließen und nicht in den
    Geldbeutel von Ausbeutern.
    Die Löhne könnten von der Bundesagentur so in einem zumutbaren
    Level erhöht werden, damit die Menschen auch davon Leben könnten.

    Es ist eine Schande in dieser fortschrittlichen Zeit, wenn man nicht
    einmal solch ein wichtiges Thema in den Griff bekommt und über
    andere Länder schimpft.
    Meiner Meinung hat hier die Politik sowie auch der wählende Bürger
    versagt.

  3. akü sagt:

    Globalisierung: Hungerlohn am Fließband

    Hier ein interessanter Beitrag.

    http://www.politaia.org/wirtschaft/banken/hungerlohn-am-fliesband-wie-tarife-ausgehebelt-werden/

  4. Peter sagt:

    Leiharbeit = Moderne Sklaverei
    1220 Brutto = Massenversklavung

    ..aber lauft schön weiter in euren Hamsterrad…bis wir das ganze wieder im Kriegzustand haben wie vor knapp 70 Jahren.

    …das Wunder MENSCH .. einfach unglaublich wie dumm diese Spiezies doch ist.