Kein Geld vom Staat: Solar-Industrie ohne Geschäftsmodell

Die Senkung der Einspeisevergütung hat die Solar-Industrie hart getroffen. Sie braucht dringend noch mehr Geld vom Staat, um zu überleben. Ihre Lobby greift die Bundesregierung scharf an. Für die Branche rächst sich nun, dass ihr neben der Sonne an verregneten Tagen vor allem das Geschäftsmodell fehlt.

Die deutschen Solarunternehmen stecken in der Krise. Wolf von Fabeck, der Geschäftsführer des Solarenergie-Fördervereins, macht die mangelnde Unterstützung durch die Bundesregierung für das Scheitern der Branche verantwortlich.

„Wir vermuten, dass die Bundesregierung in einer sehr großen Abhängigkeit von der Stromwirtschaft und von der Energiewirtschaft steht“, sagte von Fabeck dem DLF. Die Solar-Industrie hingegen werde nicht mehr ausreichend gefördert.

„Wenn wir uns das mal überlegen, wie es dazu gekommen ist: Die Solaranlagen sind von Jahr zu Jahr mehr gebaut worden. Im Jahr 2008 waren es 1,8 Gigawatt neu, im Jahr 2009 schon das Doppelte davon, im Jahr 2010 noch mal das doppelte. Und dann kam plötzlich der atmende Deckel. Die Einspeisevergütung wurde drastisch gesenkt – in einem Maß, wie man das überhaupt sich bisher nicht vorstellen konnte: nicht nur fünf Prozent im Jahr, das war ja noch vernünftig, sondern weit über zwölf Prozent und das von Jahr zu Jahr. Und dann ist es kein Wunder, dass die Solarproduktion zusammenbricht.“

Von Fabeck fordert von der Politik, dass weitere Milliarden in die Solarenergie gesteckt werden. Höhere Steuern und Stromkosten seien vertretbar, denn die Branche erbringe eine Gegenleistung: „dass man endlich von dem immer teurer werdenden Kohlestrom und von dem gefährlichen Atomstrom wegkommt“. Hier appelliert er auch an das Gewissen der Deutschen, sich für eine saubere Umwelt einzusetzen.

Zudem fordert der Lobbyist, die Deutschen sollten etwas mehr Mitleid mit der Solarbranche zeigen:

„Jetzt durch diese Entscheidung der Bundesregierung, die Einspeisevergütung zu senken, werden die Betriebe, die sich darauf eingerichtet hatten, auf Wachstum, plötzlich so eingeschränkt – sie müssen Personal entlassen, sie gehen teilweise in Konkurs. Bei Solar World sieht man ja auch, wie schlecht es denen geht. Sie bekommen kein Kapital mehr von den Banken und das, was bereits bezahlt worden ist, die gebauten Fabriken und die Installationsbetriebe verlieren völlig an Wert.“

Solar World, der größte deutsche Hersteller von Solaranlagen, steht vor der Pleite. Seine Gläubiger müssen auf einen großen Teil ihres Geldes verzichten. Im Gegenzug bekommen sie Aktien, die in den letzten Jahren allerdings drastisch an Wert verloren haben. Das Unternehmen forderte sogar Strafzölle gegen die chinesische Konkurrenz, was von Kanzlerin Angela Merkel allerdings verhindert wurde (hier).

Von Fabeck hält daran fest, dass Solarstrom irgendwann billiger würde, wenn der Staat nur weitere Milliarden Euro an Steuergeldern hineinstecken würde. Warum sich dann keine privaten Investoren für ein derart lukratives Geschäft finden lassen, sagt von Fabeck nicht.

Die Klagerufe der Solar-Industrie beweisen: Ein Geschäftsmodell, das auf staatlichen Subventionen aufbaut, kann nicht funktionieren.

Auch nach dem schönsten Hype kommt das böse Erwachen.

In Zeiten der Schuldenkrise meist früher als gedacht.

Kommentare

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  1. SolarSkeptiker sagt:

    SolarSkeptiker war ich auch. Installiert einfach eine Anlage OHNE Subvention, GUTE (BESTE) Batterien (das A&O) und hochwertiges Zeugs drumherum. Die BleiBatterien halten 10Jahre, der Rest länger. Windrad ist sinnig bei VEIEIEIELLL Wind (Auf dem Brocken zum Beispiel). Anständigen Inverter auf 230Volt.
    Das ist der Tod der zentralen Sromversorgung, deshalb wird dagegen so massiv gemotzt. Die Solartechnik hat momentan das Potential, die planwirtschaftliche (also faxhistixhe) Stromoligarchie auszuhungern.

    Die (weiss bexhlipsten) Herren wissen das auch sehr genau…

  2. Hans von Atzigen sagt:

    Die ganze Technologie hat nur unter folgenden Voraussetzungen eine Chance.
    Massive Steigerung der produktifität bei der Fertigung von Solarpanel bei gleichzeitiger Steigerung des Erntefaktors. Das entscheidende jedoch ist das Problem der Energiespeichermöglichkeiten. Kann letzteres nicht gelöst werden aus welchen Gründen auch immer ,Ökonomischen und Physikalischen, ist die Sache gegessen.
    Tja Liebe Verfechter der Regenerativen ein massiver Innovationsschub, oder aus der Traum. Mit schönem ,,Gebastel,, geht es nicht. Weder Subventionen noch endlos Geld verbraten kann Physikalische noch Ökonomische Zwänge aushebeln. Freundliche Grüsse.

  3. Manfred aus der Schweiz sagt:

    Erstaunlich, dass von so vielen Interessierten übersehen wird, dass die Sonne nicht das ganze Jahr scheint. Dann bringen auch Photovoltaikanlage mit besserem Wirkungsgrad nur vergleichsweise wenig für die Rentabilität.

    Ein „konventionelles“ Kraftwerk (fossile Brennstoffe oder Kernkraft) bringt Bandenergie, d.h. es erreicht eine jährliche Auslastung von 85-90 % der Vollastleistung. Im Gegensatz dazu bringt es eine Photovoltaikanlage auf eine jährliche Auslastung von etwa 10-20 % ihrer Vollastleistung (volle Sonne). Insbesondere in der kalten Jahreszeit, wo der höchste Strombedarf besteht, produzieren solche Anlagen kaum noch Strom.

    Und wie soll der Strom in der übrigen Zeit von über 80 % bereitgestellt werden? Für diesen Zweck müssen konventionelle thermische Kraftwerke bereit stehen, in Deutschland sind das meines Wissens hauptsächlich Kohlekraftwerke. De Facto müssen also zwei separate Stromversorgungen für die Spitzenleistung bereit gestellt werden, denn die zeitliche Verschiebung von Strom ist nur begrenzt und unter hohem Kostenaufwand möglich. Am beliebtesten weil am günstigsten sind immer noch
    Pumpspeicherwerke,Gesamtwirkungsgrad rauf-runter aber auch nur um die 70 %. Für weitere Einzelheiten sei folgender kompetenter Beitrag empfohlen:

    http://www.kettenreaktion.ch/userfiles/130315_Schweizerzeit_Die%20Schweiz%20und%20ihre%20Stromversorgung.pdf

  4. defenseduriner sagt:

    Nachtrag: Ich möchte meine Haltung klarstellen, mich interessieren letztendlich nämlich zwei Dinge, die es voneinander zu unterscheiden gilt:

    – Mich interessiert zum einen, ob das Solarmodell als solches in D irgendwann einmal „volkswirtschaftlich sinnvoll“ war oder gar noch ist. Mein persönlicher Eindruck ist hier gegenteilig, aber ich zöge es vor, Fakten zu haben, um meine Meinung auch vertreten zu können: Der „Solarquatsch in D“ ist wahrscheinlich stets und mit dem heutigen Klima hier umso mehr, eine Aktion der Marke „Volksschädigung“ gewesen, und wird es wohl immer sein, aber ich würde meine Vermutung gerne mit Zahlen belegen können, d.h. mit einer objektiven Rechnung, die nicht von Lobbyistenverbänden gefälscht wurden.

    In diesem (für mich hochwahrscheinlichen) Modell könnte es aber sein, dass der einzelne Hausbesitzer dabei durchaus noch, auf Kosten der Allgemeinheit, und vielleicht in bescheidenem Umfang (entgegen den grossen Gewinnen der „Solarbranche“), auf der „Gewinnerseite“ ist: das muss aber nicht sein:

    – Hiervon zu trennen ist nämlich, ob der Hausbesitzer, der sich a) vor 5 Jahren oder b) heute eine Anlage installieren lässt, seinerseits (genau wie die Allgemeinheit sowieso, nach meiner Vermutung) hierbei über den Tisch gezogen wird, oder ob ihm (bei angenommener tatsächlicher Abschreibung über 20 Jahre – ist das realistisch? müsste dann alles erneuert werden, oder sind dann nur einzelne der Komponenten verbraucht?) und heutigem Klima (d.h. bei seinen tatsächlichen Einspeismöglichkeiten) doch letztlich ein kleiner „Gewinn“ – auf Kosten der Allgemeinheit!!! – bleibt.

    Dieser zweite Aspekt wird vermutlich durch den individuellen Steuersatz des einspeisenden Hausbesitzers verkompliziert? D.h. ich vermute, wir müssen auch über „Steuervorteile“ durch die Installation der Anlage, d.h. deren Absetzbarkeit bei der ESt, sprechen? (Auch dieser Aspekt mag für „Altanlagen“ völlig anders gewesen sein, als er heute bei „Neuanlagen“ ist?)

    D.h., u.U. haben auch erhöhte Abschreibungsmöglichkeiten dazu geführt (oder führen gar noch dazu), dass Gelder, die sonst an den Fiskus zu bezahlen gewesen wären, in die „Solarbranche“ fliessen – ein weiterer Schaden für uns Steuerzahler (die wir also umso mehr „abdrücken“ müssen, denn die Einnahmeausfälle des Fiskus müssen ja wenigstens mittelfristig anderweitig ausgeglichen werden), aber u.U. ein sehr „positiver“ Effekt in der von mir angesprochenen „Einzelrechnung“, die der einzelne Hausbesitzer anstellt, der sich die Anlage installieren liess oder lässt.

    D.h., in diesem Szenario wäre der installierende Hausbesitzer zwar eigentlich mit der Allgemeinheit auf der Verliererseite, hätte seinen eigentlich zu erwartenden Verlust aber über seinen individuellen Steuervorteil (zusätzlich) auf die Allgemeinheit abgewälzt.

    Tut mir leid, dass eine umfassende Analyse so kompliziert ausfallen müsste, aber genau das ist wohl der Grund dafür, dass man eine solche nirgendwo findet.

    Und zuguterletzt liegt mir am Herzen, noch das Schlagwort von „grünem Terrorismus“ anzubringen, aber, wie gesagt, würde ich meine Auffassung gerne belegen können.

    Und noch ein allerletzter Aspekt zu Punkt 1 (Schädlichkeit für die Allgemeinheit): Wie steht es um die Umweltverträglichkeit der Herstellung? Auch aus diesem Grund sollten die Module vielleicht besser (für uns) in China denn in D hergestellt werden?

  5. defenseduriner sagt:

    „Das Erneuerbare Energien Gesetz mit garantierter Einspeisevergütung WAR das Geschäftsmodell…“

    Genau, aber ggf. nur für die Anbieter, Installateure, etc.: Herr Asbeck z.B. scheint sich persönlich in den fetten Jahren ja vollumfänglich gesundgestossen zu haben.

    Was aber ist mit den Leuten, die die Dinger auf dem Dach haben? Ok, garantierte Einspeisvergütung auf Kosten des Steuer- und Stromzahlers, aber von nichts kommt nichts, d.h. welche Energie können die Anlagen denn überhaupt liefern (die sich die Solarstromkleinlieferanten dann teuer bezahlen lassen könnten) – rechnet sich das (noch)?

    Ich gehe davon aus, dass die Anlagen, die heute installiert werden, eine höhere „Ausbeute“ haben als die Anlagen, die seit Jahren installiert sind, aber für die letztinstallierten gibt es auch viel weniger Geld pro abgelieferter kwh, richtig?

    Und der „Boom“ lag doch z.T. noch in den Jahren, da in D zumindest im Sommer halbwegs die Sonne schien, was nun seit 3 oder 4 Jahren nicht mehr der Fall ist, und wohl auch dauerhaft niemals mehr der Fall sein wird (der Klimawandel ist da bei uns, aber wohl auf Abbrechen des Golfstroms zurückzuführen, was mit Pkw’s und CO2 und pipapo wohl nun gar nichts zu tun hat, sondern einfach das grosse Pech der heute hier Lebenden ist).

    Könnte mal ein Fachmann folgendes aufbröseln:

    – Wieviel lieferte eine nach Süden ausgerichtete Anlage pro qm vor 5 Jahren (damalige Anlage, damaliges Wetter) im Jahresschnitt, sagen wir mal im Badischen, in Berlin und in NRW (schon hier dürften wohl grosse Unterschiede bestehen) – und was bekommt der Hausbesitzer für den von ihm gelieferten Strom pro kwh?

    – Jahresausbeute derselben Altanlage heute, bei heutigem Wetter, stets pro qm? (Die Einspeisvergütung für Altanlagen pro kwh dürfte sich wohl nicht geändert haben?)

    – Ausbeute einer modernen Anlage, letztes oder dieses Jahr installiert, im Vergleich? Aber welche Einspeisvergütung?

    – Und schliesslich, Fördergelder pro qm der Anlage damals? Und heute? (Bei der Installation, oder sonstige von der Stromlieferung unabhängige Gelder)

    – Ach ja, und was haben die Anlagen pro qm gekostet bzw. was kosten sie heute, incl. Installation (klar, je nach Dachneigung usw. dürfte es hier geringe Installationskostenunterschiede geben, die aber letztlich zu vernachlässigen wären)?

    Meine Fragen zielen darauf ab, ob solche Anlagen (von damals oder von heute) überhaupt irgendeinen positiven Effekt für irgendjemanden haben, ausser für die Hersteller und Installateure.

    Dass die gesamte Rechnung in manchen Gegenden Spaniens, Afrika oder in der Wüste Australiens ganz andere Werte liefern würde (und dort Solarenergie mit Sicherheit hochgradig sinnvoll wäre), wird von mir in keiner Sekunde bezweifelt, aber hier in einem zukünftig sonnenlosen Westeuropa könnte das Geschäftsmodell einfach und schlicht Betrug auf Kosten der Allgemeinheit sein.

    Noch einmal: Auch bei hoher „Ausbeute“ könnte auch die allerbeste Anlage doch nur einen Teil dessen liefern, was die Sonne in sie „hineinsteckt“ – oder reicht heute schon das Tageslicht als solches aus (das ja immerhin – noch – auch hier in D zumindest einige Stunden täglich vorhanden ist).

    Herzlichen Dank für jedwede Aufklärung hierzu: Fakten, Fakten, Fakten sind gefordert, und erst dann ist es sinnvoll, sich eine Meinung zu bilden.

  6. leif.t.laumann sagt:

    *Gelächter* Das Erneuerbare Energien Gesetz mit garantierter Einspeisevergütung WAR das Geschäftsmodell…

  7. fred888 sagt:

    Wenn die Technologie so entwickelt wird das sie ein vernünftiges Preis Leistungsverhältnis hat und die Gewinne durch ehrlichen Wettbewerb bestimmt werden, braucht niemand Subventionen. Laß die Firmen pleite gehen, nur die innovativen überleben dann!!

  8. FDominicus sagt:

    „In Zeiten der Schuldenkrise meist früher als gedacht.“

    Leider aber immer später als nötig. Die Paneele sind verbaut, die Vergütungen festgeschrieben. Das heißt nun zahlen für die nächsten rund 20 Jahre.