Steuern rauf: EU will mehr Geld von US-Konzernen

Der EU-Gipfel hat ein überraschendes Ergebnis gebracht: Die EU-Staaten wollen von Apple & Co. Steuern eintreiben. Weil die Spar-Programme alle gescheitert sind, suchen die Schulden-Staaten nun ihr Heil im flächendeckenden Abkassieren.

Die EU will Großunternehmen wie Google, Apple und Starbucks zur Kasse bitten. Künftig sollen diese ihre Einnahmen und ihre Steuerabgaben für jedes Land einzeln offen legen. Angesichts der Tricks, mit denen diese Unternehmen Steuern in Europa umgehen, eine lukrative Einnahmequelle für die EU.

Im Zuge der Debatte zur Steuerhinterziehung und den weltweiten Steueroasen wendet die EU ihren Blick nun großen US-Konzernen zu. Diese wirtschaften zwar in den europäischen Ländern, versuchen aber alles, um keine oder möglichst geringe Steuern in Europa zu zahlen. Ein entsprechendes Gesetz soll dies nun ändern.

Die EU-Länder haben sich darauf geeinigt, ein Gesetz zu erlassen, das weltweit agierende Unternehmen wie Apple, Google und Starbucks zu mehr Transparenz verpflichtet. Diese sollen zukünftig ihre länderspezifischen Unternehmensgewinne und Steuerzahlungen offenlegen, sagte EU-Kommissar Barnier der FT. Bisher haben die großen, internationalen Konzerne in Europa genau diese Daten nicht preisgegeben. Zunächst sollen entsprechende Richtlinien in Kraft treten. Diese werden dann möglichst schnell von einem richtigen Gesetz abgelöst, so die Vorsitzende des Parlaments Wirtschaftsausschuss, Sharon Bowles.

Die internationalen Konzerne sind sich bisher in Steuerfragen jedoch keiner Schuld bewusst. „Wir zahlen alle erforderlichen Steuern, jeden einzelnen Dollar“, sagte Apples Tim Cook vor kurzem vor US-Senatoren. Mit der Ausgabe von Anleihen hatte sich das Unternehmen absichtlich verschuldet, um weniger Steuern zahlen zu müssen. „Wir handeln nicht nur nach den Gesetzen, sondern auch nach dem Geist, der in den Gesetzen steckt“, so Cook.

Neben der Börsen-Steuer, die ebenfalls internationale Unternehmen treffen soll, nutzt die EU nun mit dem neuen Gesetzesvorschlag eine weitere Möglichkeit, die leere Kasse aufzufüllen. Zusätzliche Steuereinnahmen durch die internationalen Konzerne sind ein willkommenes Geschenk für die Eurozone.

Kommentare

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  1. Uuuuups sagt:

    Hier in D :

    „Bayer hatte dem Bericht zufolge 2011 in Belgien für einen Vorsteuergewinn von 254,8 Millionen Euro lediglich 10,8 Millionen Euro an Abgaben gezahlt. Um das zu schaffen, habe Bayer 2011 das Eigenkapital der belgischen Tochter auf mehr als acht Milliarden Euro verdoppelt. BASF wiederum hat eine Tochter in Antwerpen, deren Steuersatz sogar bei lediglich 2,6 Prozent gelegen haben soll. Die belgische Volkswagen Group Services habe im vergangenen Jahr einen steuerfreien Gewinn von 153 Millionen Euro kassiert.“

    „Zahlst du noch Steuern, oder optimierst du schon? So ließe sich ein Ikea-Slogan auf das Geschäftsmodell des Möbel-Giganten hin abwandeln. Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat sich im Steuerparadies Schweiz niedergelassen, die Unternehmenszentrale liegt in den Niederlanden – denn dort sind Beteiligungserträge, Lizenzgebühren und Zinseinnahmen für Holdings meist steuerfrei.“

    http://www.fr-online.de/wirtschaft/apple-und-co—wie-deutsche-firmen-steuern-vermeiden,1472780,22831466.html

  2. Uuuuups sagt:

    Global wollen … müsste auch beinhalten global die gleichen Bedingungen zu installieren.
    Würden generell 25% Steuern erhoben hätte man viele ( teure wie unfaire ) Probleme nicht. Und auch die kleinen Unternehmen hätten wieder Luft zum atmen …
    Abbau des riesigen Steuer-Beamten-Monsters inkl. – und kein hinter hecheln wenn „erkannt“ wird, dass bewusst eingebaute Schlupflöcher – natürlich – genutzt wurden/werden.

  3. Stephan sagt:

    Der Verfasser des Artikels scheint die Steuertricks der Großunternehmen sehr gut zu kennen. Daher verwundert es mich umso mehr, dass er daraus die vollkommen falsche Schlussfolgerung zieht.
    Die Eurozone sorgt mit ihrem Vorgehen nicht für einen unfairen Wettbewerbsnachteil für Großunternehmen. Gerade für den Mittelstand kann es nur positiv sein, dass die Mega-Konzerne wie Apple und Amazon höhere Steuersätze als die bisherigen mageren 5% zahlen. Jeder deutsche Mittelständler zahlt prozentual einen viel höheren Steuersatz als Amazon. Das hat mit fairem Wettbewerb nichts mehr zu tun. Es wird Zeit, dass die riesigen Steuerschlupflöcher für Multinationale Konzerne endlich gestopft werden. Was die meisten Menschen nicht verstehen, ist das bei diesem Ansatz das Steuersparen des Bäckers oder Metzgers von nebenan gar nicht gemeint ist. Hier geht es um Milliardenbeträge von Großkonzernen, nicht um die Frage ob ein Weihnachtsbaum von einer Religionslehrerin als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt werden kann. Diesen Unterschied sollte man sich einmal vor Augen führen.

  4. Gast44 sagt:

    Ein iPhone 5 kostet in der Herstellung 129-160 Euro wird aber mit einem Aufschlag von 500 Euro verkauft.
    Ein Teil dieser 500 Euro wird wird für Forschung, Markting, Transport und Logistik verbraucht aber es bleibt ein satter Reingewinn.
    Der Käufer erhält weniger Gegenwert als er bezahlt hat.
    Wenn von diesem Gewinn nicht zumindest ein Teil über Steuern in das Käuferland zurückfliest, dann bedeutet das für das Käuferland einem permanenten Geldabfluss.

    Das ist das Problem mit den global operierenden Unternehmen:
    Geld fliest ab und wird nicht in den Käuferländern reinvestiert.
    Das fördert die Konzentration von Geld in den Händen von wenigen superreichen Investoren während die Konsumenten immer mehr ausgesaugt werden.

    Dass die verschuldeten EU-Staaten immer mehr in Schwierigkeiten kommen und von dem Gewinn etwas zurückhaben wollen ist doch klar.

    • Endverbraucher sagt:

      ….und wer diese Steuer zahlen wird ist auch klar.

    • FDominicus sagt:

      Der Kunde bekommt ein Iphone x und wer eben bereit ist dafür zu bezahlen, soll bitte nicht rumjammern und Appel dafür zu bashen Geld verdienen zu wollen ist unterirdisch. Ist wohl besser Milliarden zu verpulvern oder was-weiß-ich.