Weniger Firmen-Gründungen: Deutsche scheuen das Risiko

In Deutschland gibt es immer weniger Gründer. Work-Life-Balance und ein Verlangen nach relativer Sicherheit sind in wirtschaftlich unruhigen Zeiten wichtiger als die Aussicht auf ein höheres Einkommen.

Nur 775.000 Personen haben sich in Deutschland im Jahr 2012 zu einer Firmengründung durchgerungen. Das ist die niedrigste Zahl seit dem Jahr 2000. „Der Rückgang der Gründungstätigkeit ist besorgniserregend, denn Gründer helfen unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe. Diese legte ihre jährliche Analyse zum Gründergeschehen in Deutschland vor.

Der Anteil von Gründern in den Freien Berufen wie Beratern, Dozenten und Erziehern stieg seit dem Jahr 2005 von 15 auf 39 Prozent an. Auch diese Entwicklung gibt zu denken: Die Deklarierung als Berater ist für viele nur die zweite Wahl, weil in den Unternehmen weniger unbefristete Arbeitsverträge abgeschlossen werden. Die eigentliche Tätigkeit bleibt dieselbe, der Arbeitgeber spart sich Sozialabgaben. Das führt mitunter sogar in die Scheinselbständigkeit.

Der Anteil der Vollerwerbsgründer, die 2012 im Vergleich zum Jahr 2008 die Bürokratie als Gründungshemmnis wahrnehmen, ist dagegen deutlich angestiegen (2008: 33 %, 2012: 40 %). Auch die Belastungen für das eigene Familienleben sehen Gründer heute kritischer als vor fünf Jahren. Das hindert viele daran, die vermeintliche Sicherheit als Arbeitnehmer gegen die Herausforderung eines Firmenaufbaus einzutauschen. Eine gute Work-Life-Balance ist demnach heute wichtiger als die Aussicht, sein eigener Chef sein zu können.

Dabei zahlt sich der Schritt in die Selbständigkeit nach wie vor aus: Insgesamt hat sich für 42 Prozent der Gründer die Einkommenssituation ihres Haushalts netto verbessert. Nur 16 Prozent berichten von einer Verschlechterung.

Ein eigenes Kapitel sind die Gründer, die aus der Arbeitslosigkeit heraus ein Unternehmen aufziehen: Ihre Anzahl ist im Vergleich zum Jahr 2011 um satte 32 Prozent zurückgegangen. Grund ist die geringere Bezuschussung durch die Bundesagentur für Arbeit. Das lässt vermuten, dass viele dieser Gründungen nur eine Form der verdeckten Arbeitslosigkeit darstellen.

Es gibt jedoch auch Lichtblicke: 47 Prozent der Gründer gaben im Jahr 2012 an, mit ihrem Gründungsprojekt eine explizite Geschäftsidee umzusetzen und damit eine Chance wahrzunehmen – ein Plus von mehr als 10 Prozent. „Chancengründungen versprechen auf Dauer nachhaltiger zu sein als andere Gründungen“, sagt auch Zeuner.

Kommentare

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  1. Hühnchen sagt:

    So weit ich weiss gibt es doch Gesellschften die vielversprechnde
    neue Firmenprojekte fördern und für einen gewissen Zeitraum betreuen
    und sich auch um die Finanzierung kümmern.
    Dafür sollen sie ja auch zu einem späteren zeitpunkt später einen profit oder Firmenanteile haben.
    Ein solches Modell finde ich jedenfalls allemal besser als ein staatliches Gieskannenmodell bei dem massenhaft Imbissbuden , Hundegassigeher,
    professionelle Kühlschrankabtauer und ähnlicher Blödsinn subventioniert werden.
    In den USA ist das Coaching so wie die Betreuung von hochqualifizierten Firmengründern
    mit interessanten Produkt/Geschäftsideen durch Privatfirmen eigentlich üblich.
    ich bin mir auch nicht so sicher ob die Situation in Deutschland tatsächlich
    schlechter geworden ist.
    Durch den Wegfall eben des erwähnten staatlichen Breitenförderkonzeptes
    ist doch möglicherweise und ein quantitativer Rüchgang zu verzeichnen.
    Es wird immer gute Leute geben die die Ideen und die Tatkraft haben etwas
    Eigenes aufzubauen.
    Das ist doch wesentlich spannender als den Lohnsklaven für andere zu geben
    und wenn es gut geht lässt sich auch mal richtig Geld verdienen
    was im Angestelltenverhältnis nur einigen wenigen Vorständen gelingt.

  2. Affengesicht sagt:

    Natürlich scheuen die Menschen das Risiko. Es sind nur noch eine Handvoll Großkonzerne erwünscht, alles andere soll vernichtet werden!

  3. Iomio sagt:

    >“Es ist seitens der Bundesregierung nicht geplant, die Variante ‚Gründercoaching Deutschland – Gründungen aus Arbeitslosigkeit‘ in der kommenden ESF-Förderperiode fortzuführen.“ schreibt Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe in seiner Stellungnahme<

    Es gab eine ganze Reihe von erfolgreichen Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus – bis Frau von der Leyen zuerst die Möglichkeiten dafür drastisch einschränkte und nun durch die Abschaffung des Gründercoachings die Erfolgsaussichten gegen Null gehen lässt. Es ist tatsächlich die Frage, ob in Deutschland – und nicht nur hier – die Entwicklung und Stabilisierung des Mittelstandes gezielt unterbunden werden soll.
    Die nutznießenden Konzerne werden aber leider ähnliche Schicksale wie die Dinosaurier erleben. Sie sind auf Dauer viel zu unflexibel und hinterlassen auf lange Sicht weltweit Flurschäden. Eine Unterstützung dieser bestehenden Ungleichgewichtung wird sich bitter rächen und kommt dem Bild vom "sich selbst den Ast absägen, auf dem man scheinbar noch bequem sitzt" gefährlich nahe.
    Es ist also schon die Frage, ob sich "die Deutschen" nicht trauen, oder ob es so schwer gemacht wird, dass nur noch eine kleine Gruppe den nötigen Zugang zu den durchaus wohlgefülten Fördertöpfen erhält. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf das "Geschenk" unseres amtierenden Wirtschaftsministers hinweisen: http://bit.ly/14UZCE7
    Es wird höchste Zeit, dass wir uns auf intelligente Weise nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen und das Konzept des Crowd-Fundings für Projekte und Existenzgründer nach allen Regeln der Kunst anwenden – ermutigende Beispiele gibt es schon.

  4. Schlaui sagt:

    Wenn ich als Neugründer/Selbstständiger sofort über 500 € an diese Krankenkassen überweisen soll, weil die vom Höchstsatz ausgehen, und ich diesen auch zu bezahlen habe, wenn ich nachweislich (noch) NICHTS verdiene, wie soll ich da jemals auf einen grünen Zweig kommen ?
    Was sind das für unerträglich dumme Gesetze, die jedes Unternehmertum verhindern ???

    • Schlaui sagt:

      Ich darf noch ergänzend an die weiteren parasitären Abzockevereine erinnern : All diese nutzlosen „Kammern“ – Gema – Berufsgenossenschaft – völlig überflüssig. Alle zocken mit Zwangsabgaben ab und leisten nichts. Unerträglich. Komplett alle ersatzlos streichen, in die Tonne treten und deren Mitarbeiter enteignen für den von ihnen angerichteten Schaden. Ferner strafrechtlich zur Verantwortung ziehen und einer empfindlichen Bestrafung zuführen.

    • honolulu500 sagt:

      Sie sind sicherlich bei einer privaten Krankenversicherung! Selbst schuld!

      • Schlaui sagt:

        Das ging jetzt aber voll nach hinten los. Ausschliesslich die Gesetzlichen erheben diesen Horror-Mindestbeitrag. Die Privaten tuen das nicht. Da Sie nichts von der Materie verstehen, sollten Sie einfach still sein.

    • abue sagt:

      es gibt leider eine Vielzahl von Gesetzen die es besonders Neugründern aber auch sonstigen gewerblich tätigen Selbständigen und Kleinfirmen das Leben zur Hölle machen. Man denke hier nur an das Elektrogerätegesetz (WEEE und auch RoHs), Wettbewerbsrecht, Steuerecht (wüster Dschungel!) und viele andere, die je nach Branche zur Anwendung kommen. Vor lauter Bürokratie, die auch immense Kosten verursachen, kommt man nicht mehr zum arbeiten. Die ersten paar Jahre muss man als Neugründer den Gürtel schon ganz schön eng schnallen und es ist keinesfalls gewiss später einen überdurchschnittlichen Verdienst zu erzielen. Ein Arbeitnehmer in Führungsposition hat da meist das bessere Einkommen und auch normale Fachkräfte stehen oft nicht schlechter da.
      Die s.g. Scheinselbständigen könne in der Regel von den Gehältern ihrer angestellten Kollegen sowieso nur träumen.

  5. Swen sagt:

    Heute werden erfolgreiche Unternehmer in D. mittlerweile vom Mainstream und den meisten Massenmedien als kapitalistische Schweine betrachtet, die ihr Geld nur durch Profitgier und durch die Ausbeutung der „Arbeiterklasse“ erlangen. Das diese Rolle junge Leute nicht besonders reizt, ist nachvollziehbar. Klar ist, dass diese Sichtweise langfristig katastrophale Auswirkungen auf unsere Volkswirtschaft haben wird.

  6. Jens sagt:

    Kein Wunder- sind doch die Klein und Mittelständler die Melkkühe der Nation!

  7. FDominicus sagt:

    Bezeichnend…