Solar-Industrie: Deutschland stemmt sich gegen China-Blockade

EU-Kommissar De Gucht will Solar-Produkte aus China mit einer Strafsteuer von 47 Prozent belegen. Deutschland und die Mehrheit der EU-Staaten lehnen dies strikt ab. Denn sie wollen einen Handelskrieg mit China vermeiden.

Unter Führung Deutschlands lehnte am Montag die Mehrheit der EU-Staaten Strafzölle auf chinesische Solar-Panel ab. Die Bundesregierung stellt sich gegen den Versuch des EU-Kommissars für Wirtschaft, aggressiv auf die angeblich unfaire Konkurrenz aus China zu reagieren.

EU-Kommissar Karel De Gucht hat gegen China die größte Handels-Ermittlung eingeleitet, die es in der EU jemals gegeben hat, beichtet die FT. Der Belgier empfiehlt nun Strafzölle von 47 Prozent auf chinesische Solar-Produkte.Er wirft den Chinesen vor, die Produkte unter Preis anzubieten.

Zwar kann De Gucht die Zölle einführen. Doch die Mitgliedsstaaten können die Zölle blockieren. Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler hatte klargestellt, dass Deutschland strikt gegen Strafzölle sei (hier). Mindestens 14 der 27 EU-Staaten lehnten die Zölle am Montag ab.

Trotz des deutschen Widerstands gegen Strafzölle sind die deutschen Solarunternehmen dafür. Das Pleite-Unternehmen Solar World setzte sich sogar bei der EU-Kommission für Strafzölle gegen die chinesische Konkurrenz ein. Die Solar-Lobby will eine Branche retten, die von Anfang an nur mit Subventionen funktionierte. Und sie will weitere Milliarden vom Staat (hier).

Am Montag traf De Gucht auf den stellvertretenden chinesischen Handelsminister Zhong Shan. Ein EU-Sprecher sagte: „Kommissar De Gucht (…) machte dem Vize-Minister klar, dass ihm der Druck bewusst ist, den China auf eine Reihe von Mitgliedsstaaten ausgeübt hat, was erklärt, warum sie sich positionieren, wie sie es tun, in ihrer beratenden Position gegenüber der Europäischen Kommission.“

Peking hat bereits mit Vergeltung gedroht, sollte die EU mit Strafzöllen einen Handelskrieg beginnen. „Die chinesische Regierung würde nicht nur zuschauen, sondern würde die nötigen Maßnahmen ergreifen, um seine nationalen Interessen zu verteidigen“, sagte Vize-Minister Zhong. Sein Land hoffe jedoch, einen Kompromiss mit der EU zu finden.

Kommentare

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  1. biersauer sagt:

    Diese Solarerzeuger in China sind wiederum vom deutschen Silizium abhängig, womit sich dies wiederum auf dem eXPORT DIESER Reinst-Silizium-Barren rückwirken wird.
    Diese hanebüchene EU, schießt sich ins eigene Knie, weil sie glauben, sie müssten China schaden!

  2. biersauer sagt:

    ES ist die Fossillobby und die Uran-Lobby, welche sich diesen Krieg mit China wünscht.
    Der Europäer braucht den Solarstrom um damit seine EVs aufzuladen und damit diese Milliarden für Erdölimport im Lande bleiben.

  3. Hühnchen sagt:

    Die Chinesische Solarindustrie wird vom chin. Staat massivst subventioniert
    mit dem Ziel die westliche Konkurrenz zu zerstören und als
    Solarkartell den Weltmarkt zu übernehmen.
    Wer mit derart dreckigen Methoden arbeitet muss sich nicht wundern wenn die
    andere Seite sich irgentwann zur Wehr setzt.
    Überdies sind die chinesischen Solaranlagen von derart lausiger Qualität dass
    sie nicht einmal die Ramschpreise wert sind zu denen sie verkauft werden.
    Die Verbraucher sollten lieber mehr ausgeben für die hiesigen Top Produkte.
    Am Ende haben sie damit günstiger und weitaus besser eingekauft.

  4. FDominicus sagt:

    Manchmal schimmert ein wenig Verstand durch. Leider viel zu selten…

  5. Sandro Valecchi sagt:

    Solon Berlin; Solarhybrid: SunConcept, Solar Millennium, Q-Cells; First Solar in Brandenburg; Centrotherm Photovoltaics AG mit Insolvenz in Eigenverwaltung; Bosch mit einer Exit-Strategie beendet sein Engagement, um nur einige Beispiele einer langen Liste zu nennen. Die deutsche Solarindustrie steckt seit einiger Zeit in einer tiefen Krise, berichten wichtige Medien wie beispielsweise ARD. Fakt ist: seit vielen Monaten häufen sich die Pleiten. Sogar beim einstigen Vorzeigeunternehmen der Branche, Solarworld, müssen Gläubiger und Aktionäre für die Sanierung bluten – oder haben sich bereits mit den Fakten abgefunden. Beim angeschlagenen Solarunternehmen Solarworld hat sich die Lage weiter verschärft. Der Umsatz brach im ersten Quartal ein, von 170,5 Millionen Euro vor Jahresfrist auf 112 Millionen Euro, beim Konzernergebnis stand ein Minus von 40 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 0,3 Millionen, vermeldet „Die Süddeutsche.“

    Nahezu die gesamte Photovoltaik-Branche wurde vom Wegfall der Subventionen und zusätzlich von einem starken Preisverfall betroffen, der zweifelsohne auf die Billig-Konkurrenz aus China zurückgeht, aber wohl auch seine Ursache in strategischen Fehlern des Managements der vergangenen Jahre hat.

    • Managementfehler

    Die Diskussion über Managementprozesse und Managementfehler gilt oftmals als Tabuthema und als Sakrileg. Ein Managementprozess ist ein Ablauf, bei dem Manager in Unternehmen oder Organisationseinheiten diverse Geschäftsprozesse definieren und beeinflussen. Der Managementprozess umfasst die Steuerung von Kernprozessen in Organisationen, mit dem Fokus auf der Strukturierung der organisatorischen Rollen und deren Aufgaben. Er stellt eine Sicht auf die Geschäftsprozesse eines Unternehmens dar, deren weitere die der Kernprozesse und der unterstützenden Prozesse sind.

    Darum geht es prinzipiell in der Hauptsache: Das Management hat einen sachbezogenen Führungs-und Leitungsprozess zu initiieren, was sich sowohl auf die Unternehmenssteuerung beziehen kann, aber auch Teilbereiche umfasst, wie das Projektmanagement oder Risikomanagement.

    Der Management muss sich (strategisch) darüber im Klaren sein, wohin die Reise gehen soll: Zielsetzung, Planung und Kontrolle. Für die Photovoltaik-Branche in Deutschland war entscheidend gewesen, sich möglichst schnell mit dem Unternehmen – perspektivisch – aus dem subventionsorientierten Geschäftsmodell zu befreien. Den Deutschen Solarunternehmen, denen das nicht gelungen ist, blieben mit der Rücknahme der Subventionen, die seit Monaten angekündigt gewesen waren, nur noch der Zusammenbruch und die Insolvenz. Nicht bei allen, jedoch bei vielen Photovoltaik-Unternehmen.

    Was macht das Management und die richtige Managementstrategie aus, um die Solar-Unternehmen erfolgreich zu führen?

    Ein Blick zum EU-Nachbarn Österreich hilft weiter. Mit dem Know-how und der Technologie zweier österreichischer Unternehmen ist in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad die größte Solaranlage der Welt in Betrieb gegangen. Das Kärntner Unternehmen GREENoneTEC produzierte für 3,6 Mio. Euro 36.000 Quadratmeter Sonnenkollektoren, die speziell an das Klima in Saudi-Arabien angepasst wurden. Spezielles Solarglas und ein besseres Befestigungssystem sollen die Anlage vor Sandstürmen schützen, erklärte Unternehmensvorstand Robert Kanduth. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Forschungsinstituts AEE Intec, Werner Weiss, informierte Kanduth über den sechsmonatigen Probebetrieb, der seit Ende 2011 läuft. Die Kollektoren sollen Warmwasser für bis zu 40.000 Studentinnen und Professoren des Universitäts-Campus „Princess Noura Bint Abdulrahman“ liefern. Die Anlage ist fast doppelt so groß wie die bisher größte solarthermische Anlage in Dänemark. Für die zuständige Ministerin, Doris Bures, ein Beweis für den Erfolg gezielter Förderung heimischer Innovationsunternehmen.

    Mit Österreich verbindet man zunächst die Alpen-Landschaft und das eher Raue Klima der Alpen. Kann sich eine so sensible Branche wie die Photovoltaik-Industrie überhaupt an einem Standort wie Österreich erfolgreich entwickeln und behaupten? Ministerin Doris Bures wies daraufhin, dass jeder dritte Sonnenkollektor innerhalb der EU aus Österreich kommt, und mit 420 Mio. Euro Umsatz und 4.700 Vollzeitarbeitsplätzen Österreich „die Nase vorne“ hat. Der Exportanteil liegt bei 80 % und das Volumen hat sich in den letzten fünf Jahren vervierfacht. Die Solartechnologie soll auch zur Energiewende in Österreich beitragen, bis 2025 will Bures den gesamten Warmwasserbedarf mit Solarenergie abdecken, so ihr Ziel. Die derzeit durch Sonnenkollektoren erzeugte Warmwasserproduktion entspreche dem Bedarf von Niederösterreich.

    Die innovative Solar-Wirtschaft in Österreich findet neue Geschäftsfelder: Für GREENoneTEC ist der Weg frei zu noch größeren Projekten. Es geht nach Chile. Mit Betreibern von Kupferbergwerken in der Atacamawüste sei man in Gesprächen über Solaranlagen, die noch „deutlich größer“ als das Projekt in Riad werden könnten. Die Bergwerksbetreiber müssen nämlich die Kupfererze mit 70 Grad heißem Wasser auswaschen, dafür karren Lastkraftwagen Tonnen an Öl zu den Minen. Das ist kostspielig, zumal der Öl-Preise weiter steigen wird. „Das Wasser mit Sonnenenergie zu erhitzen, würde die Produktionskosten halbieren“, so Kanduth. So erobert sich das „ausgeschlafene“ Management neue Geschäftszweige und neue Kunden.

    • „falsche Erwartungshaltung an die Politik“

    Die deutschen Firmen machen die chinesische Konkurrenz mit ihrer aggressiven Preispolitik für ihre Misere verantwortlich. „Die Wurzel des Übels sind die staatlich geförderten Darlehen für die chinesischen Unternehmen“, sagt Milan Nitzschke, Präsident der Initiative EU Prosun. Die größte Hoffnung liegt deshalb auf einem Dumping-Zoll der EU. Die Kommission prüft eine Klage der europäischen Solarbranche gegen chinesische Firmen.

    Aber die Realität sieht anders aus: Beim Antrittsbesuch des neuen Regierungschefs der Volksrepublik China, Ministerpräsident Li Keqiang, am Sonntag in Berlin gab die Politik der deutschen Solarbranche den Gnadenschuss. Deutschland verhindert Maßnahmen der EU gegen China; Ministerpräsident Li Keqiang lächelte – bereits vor seiner Anreise nach Deutschland wurde die Haltung Deutschlands öffentlich bekannt gemacht, ansonsten wäre es wahrscheinlich zu „politischen Verstimmungen“ gekommen. Eine Frage der Realpolitik und der Setzung klarer Prioritäten.

    Überdies darf andererseits auch nicht verkannt werden, dass ein besonders großes Managementversagen der Deutschen Solar-Unternehmen wahrscheinlich in der Vernachlässigung zu sehen ist, neue Joint Ventures zu gründen. China kann das offenbar, China macht das und China verschaffte sich damit Absatzmärkte im Bereich der Schwellenländer. Andere Länder, wie etwa Kanada, vermeiden diese Fehler. Der globale Wettbewerber Canadian Solar hat aktuell mitgeteilt, sich in sechzehn kanadische Projekte eingekauft zu haben, die in den kommenden Jahren einen Absatzwert von 800 Mio. US-Dollar erreichen dürften. Weiterhin hat das Unternehmen die Gründung eines Joint Ventures beschlossen, welches dem Ausbau der Geschäftstätigkeiten in den wichtigen Schwellenländern dienen soll. Aber welcher Manager dachte in Deutschland schon daran?

    „Deutschlands Solarbranche löst sich auf“, titelt „Die Welt.“ They Shoot Horses, Don’t They? (= Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss).
    Sandro Valecchi